Blue Box: Moog Micromoog

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Äußere Werte

Die Tastatur ist eine auf 2½ Oktaven verkürzte Minimoog-Tastatur, die sich sehr gut spielen lässt. Das weiße, für Moog typische Modulation-Wheel wurde mit einem Ribbon-Controller ergänzt, damals eine absolute Neuheit. Die Tonhöhe ist ihm fest zugeordnet und macht sehr feinfühliges Spielen möglich, will jedoch auch beherrscht werden! Die Seitenteile sind aus stabilem Sperrholz gefertigt, mit Kunststoff-Holzmuster beklebt und in Metall eingerahmt. Das ergibt eine etwas eigenartige Optik, die auch dem Moog Taurus 1 eigen ist.

Die Bedienelemente sind vertieft im Kunststoffgehäuse untergebracht, so dass diese  geschützt sind, egal in welcher Position das Instrument liegt. Bei den Drehreglern wurde leider gespart: Anders als beim Minimoog sind die Potis nicht mit dem Gehäuse verschraubt, sondern sind direkt auf der Platine befestigt – und zudem aus Plastik. Das ist beim Moog Prodigy genauso und sind Zugeständnisse an den günstigen Preis. Etwas wacklige Regler sind die Folge. Eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Moog Prodigy sind die weißen Schiebeschalter, die sich in der Praxis mittlerweile als sehr praktisch und zuverlässig erwiesen haben.

der Ribbon-Controller

der Ribbon-Controller

The Lonely Oscillator

Es gibt zwar „nur“ einen Oszillator, aber der hat es in sich. Fußlagen gibt es von 32’ bis 2’. In der „WIDE“-Stellung lässt sich die Frequenz mit dem FREQUENCY-Regler in einem großen Bereich stufenlos regeln. Die Steuerung von der Tastatur sowie das VCO-Signal kann bei Bedarf abgeschaltet werden.

die Oszillator-Sektion, darunter die kleine Modulations-Matrix

die Oszillator-Sektion, darunter die kleine Modulations-Matrix

Ein wirklich tolles Feature ist, dass sich die Schwingungsform stufenlos von Sägezahn über Rechteck bis Puls mit dem WAVESHAPE-Regler bestimmen lässt – und durch den LFO ebenfalls modulierbar ist (das ist mehr als nur Pulsbreitenmodulation)! Die Schwingungsformen klingen übrigens etwas anders als beim Minimoog, hier klingt alles viel „reiner“. Der Micromoog ist auch der erste Synthesizer mit einem Suboszillator – ein wichtiges Feature bei einem 1-VCO-System, da er die Soundmöglichkeiten deutlich erweitert und den fehlenden zweiten VCO manchmal vergessen lässt. Die Idee des Suboszillators wurde später von vielen Herstellern übernommen. Mit dem Regler DOUBLING kann ein Rechtecksignal 1 oder 2 Oktaven unter der VCO-Frequenz stufenlos hinzugemischt werden. Dadurch bekommen bestimmte Sounds einen unglaublichen fundamentalen Druck.

Zusätzlich steht noch ein Rauschgenerator mit Weißem Rauschen zur Verfügung, der sich dem Oszillatorsignal hinzumischen lässt. Die obligatorische Portamento-Funktion rundet die Oszillator-Sektion ab.

Klangbeispiele
Forum
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    a.jungkunst  AHU

    Sehr schöne Darstellung eines ziemlich unterbewerteten Instruments, vielen Dank dafür. Klanglich ist am Micromoog wirklich nichts auszusetzen, natürlich immer unter Berücksichtigung seiner technischen Restriktionen. Ich denke, dass dieser Synthesizer nicht umsonst im Setup vieler namhafter Tastenkünstler (Moraz, Hancock, Corea u.a) über Jahre seinen festen Platz hatte.

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    AMAZONA Archiv

    Es ist immer wieder sehr interesannt zu beobachten wie nur ein Name den Menschen beeinflussen kann. Wenn auf dem Gerät nicht Moog sondern Pfiffkas stehen würde, hätte niemand das Teil auch nur mit seiner Kehrseite angeschaut.
    Ansonsten ein schöner Bericht der sich vorallem schön flüssig liest.

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      AMAZONA Archiv

      … grundsätzlich sehe ich das genau so. Jetzt habe ich aber mal die Soundbeispiele anderer Synthesizer hier angehört und muss sagen, dieses kleine Prachtstück hat irgendwie mehr Wumm, Charakter und Durchsetzungskraft. Nicht das die anderen schlechter wären, aber der Micromoog hat mich von den Soundbeispielen her voll überzeugt. Saftig.

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    BA6  

    Tolle Klangbeispiele! Besonders die FX-Sounds haben es mir angetan. Könnte ich mir stundenlang anhören. Der Text ist auch gut geschrieben.

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    wave

    Auf welche Art (Signalverlauf / Modulation) entstehen Sounds wie in Bsp 2 ? Kann das jemand beschreiben, so dass man es evtl. in einem Nord Modular nachbauen kann ? thx …

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      c.hatvani  AHU

      Diese metallischen Sounds entstehen durch „Filter mod. by OSC“ Schaltung – da gibt es beim Micromoog die Wahl zwischen WEAK und STRONG. Auf die Sounds ist dann noch eine S & H Steuerung drauf. Soviel zur Theorie. Wie es in der Praxis beim Nachbauen mit dem Nord Modular aussieht, wirst Du dann erfahren…

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      microbug  

      Das war kein Micromoog, sondern ein Multimoog (sieht man sehr schön in den 1985er Videos vom Rock am Ring, wo der frühere zweite Polymoog durch einen Jupiter-8 ersetzt wurde und der Moog obendrauf viel zu breit ist für einen Micromoog), der ist übrigens im aktuellen Setup, welches seit letzten bzw vorletztem Jahr existiert, wieder dabei.
      Einen Micromoog gab es aber auch, der stand meist beim Drummer, kann man in den alten Videos sehen.

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