Fazit

Obwohl der Micromoog zum Kreis der 1-VCO Synthesizer gehört, ist er im Gegensatz zu den meisten seiner Artgenossen ein ernstzunehmender Synthesizer. Seine Flexibilität sorgt auch noch nach Jahren immer wieder für positive Überraschungen. Man hat aus den relativ wenigen Funktionsgruppen die effektivsten Möglichkeiten herausgepickt – das hat Hand und Fuß. Ich behaupte mal, dass es keinen anderen 1-VCO-Synthesizer gibt, der klanglich derartig vielfältig ist.

Wenn man den Basissound des Micromoog mit dem des Minimoog vergleicht, bei dem man nur einen Oszillator einschaltet, steht er dem Minimoog in Sachen Klangqualität in nichts nach. Ich glaube, es gibt nicht viele Synthesizer, von denen man das behaupten kann. Die schnellen Hüllkurvenverläufe, das Moog Filter und Oszillatorsound überzeugen vollauf. Obwohl bei der Ausstattung und Hardware ganz klar gespart wurde, gibt es was Soundqualität betrifft keinerlei Abstriche.

 

Der Micromoog produziert druckvolle Bässe, durchsetzungsfähige Leads, metallische Sounds und schräge FX-Sounds. Auch „dreckige“ Sounds sind kein Problem. Was er weniger gut kann, sind besonders breite, schwebende Sounds, die für 2- oder 3-VCO Synths wie Minimoog eben typisch sind. Auch das Stimmen von Intervallen fällt flach. Schwebungen sind beim Micromoog nur durch Pulsweitenmodulation zu erzielen. Das klingt auch nicht schlecht (man höre die PWM Soundbeispiele), ist aber was anderes und ersetzt nicht wirklich 2 oder 3 Oszillatoren. Aber nach Moog klingt der Micromoog allemal, schließlich hat er die Moog Hüllkurven und Filter.

 

Wer mit dem „1-VCO Handicap“ leben kann, bekommt ansonsten ein Instrument mit eigenem Charakter, der weit unterschätzt wird. Wie man sieht, ist der Micromoog keine preiswerte Alternative zum Minimoog, sondern eher eine Ergänzung dazu, mit einer ganz anderen Soundpalette und Möglichkeiten. So haben sich auch Kraftwerk, Klaus Schulze und Herbie Hancock den Micromoog als Ergänzung zum bereits vorhandenen Minimoog dazugestellt.

 

Da der Micromoog nie ein Verkaufsrenner war, ist er heute recht selten zu finden. Und wenn er mal auf eBay auftaucht, ist er laut aktueller Amazona Synthacheles-Liste bereits unter 500,- Euro zu haben, was für einen Moog sehr günstig ist.

Plus

  • sehr guter Grundsound
  • für 1 VCO außergewöhnlich vielfältige Klangeigenschaften
  • gute Interface-Ausstattung
  • leicht mit MIDI nachrüstbar
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    a.jungkunst  AHU

    Sehr schöne Darstellung eines ziemlich unterbewerteten Instruments, vielen Dank dafür. Klanglich ist am Micromoog wirklich nichts auszusetzen, natürlich immer unter Berücksichtigung seiner technischen Restriktionen. Ich denke, dass dieser Synthesizer nicht umsonst im Setup vieler namhafter Tastenkünstler (Moraz, Hancock, Corea u.a) über Jahre seinen festen Platz hatte.

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Es ist immer wieder sehr interesannt zu beobachten wie nur ein Name den Menschen beeinflussen kann. Wenn auf dem Gerät nicht Moog sondern Pfiffkas stehen würde, hätte niemand das Teil auch nur mit seiner Kehrseite angeschaut.
    Ansonsten ein schöner Bericht der sich vorallem schön flüssig liest.

    • Profilbild
      AMAZONA Archiv

      … grundsätzlich sehe ich das genau so. Jetzt habe ich aber mal die Soundbeispiele anderer Synthesizer hier angehört und muss sagen, dieses kleine Prachtstück hat irgendwie mehr Wumm, Charakter und Durchsetzungskraft. Nicht das die anderen schlechter wären, aber der Micromoog hat mich von den Soundbeispielen her voll überzeugt. Saftig.

  3. Profilbild
    BA6  

    Tolle Klangbeispiele! Besonders die FX-Sounds haben es mir angetan. Könnte ich mir stundenlang anhören. Der Text ist auch gut geschrieben.

  4. Profilbild
    wave

    Auf welche Art (Signalverlauf / Modulation) entstehen Sounds wie in Bsp 2 ? Kann das jemand beschreiben, so dass man es evtl. in einem Nord Modular nachbauen kann ? thx …

    • Profilbild
      c.hatvani  AHU

      Diese metallischen Sounds entstehen durch „Filter mod. by OSC“ Schaltung – da gibt es beim Micromoog die Wahl zwischen WEAK und STRONG. Auf die Sounds ist dann noch eine S & H Steuerung drauf. Soviel zur Theorie. Wie es in der Praxis beim Nachbauen mit dem Nord Modular aussieht, wirst Du dann erfahren…

    • Profilbild
      microbug  

      Das war kein Micromoog, sondern ein Multimoog (sieht man sehr schön in den 1985er Videos vom Rock am Ring, wo der frühere zweite Polymoog durch einen Jupiter-8 ersetzt wurde und der Moog obendrauf viel zu breit ist für einen Micromoog), der ist übrigens im aktuellen Setup, welches seit letzten bzw vorletztem Jahr existiert, wieder dabei.
      Einen Micromoog gab es aber auch, der stand meist beim Drummer, kann man in den alten Videos sehen.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.