Blue Box: Oberheim OB-8 Analogsynthesizer

26. Februar 2011

OB Sound for the 80s

22. Dezember 2010: Im vorweihnachtlichen Ausnahmezustand einer verrückt gewordenen Großstadt hetze ich durch den Münchner Hauptbahnhof. Der Zug Richtung Allgäu ist natürlich hemmungslos überfüllt, von freien Sitzplätzen darf man nur träumen. Enge Gänge, schlagende Türen, schaukelnde Waggons. An sich nichts wirklich Ungewöhnliches, wäre da nicht der (soeben erworbene) Oberheim OB-8 unter meinem Arm.

Tom Oberheims letzter Sprössling der OB-Serie hilft mir wacker beim Aufstoßen von Türen und Freimachen von Gängen. Gegen diesen „Rammbock“ haben die meisten Fahrgäste freiwillig das Nachsehen.

Nun, einzig der netten Geschichte wegen – die übrigens wahr ist – erzähle ich das nicht. Der OB-8 ist hart im Nehmen. Er hat den unfreiwilligen „herben“ Transport perfekt überstanden. Der erste Test (und positive Eindruck) betreffend Zuverlässigkeit und Robustheit hätte treffender nicht sein können. (An dieser Stelle gleich noch ein dickes Dankeschön an Richard Lawson von RLMusic, der uns die Bilder zur Verfügung gestellt hat, auf denen der OB-8 komplett zu sehen ist.)

Der OB-8 von außen betrachtet

Von seinen Vorgängern OB-X und OB-Xa unterscheidet sich der von 1983 bis 1985 hergestellte OB-8 äußerlich kaum. Groß, überdimensional tief, klobig. Doch das Wesentliche ist bekanntlich für die Augen unsichtbar: Mit schlanken 15 kg ist das Instrument sehr (!) leicht und dadurch – anders als seine Vorgänger – absolut angenehm zu transportieren.

Für Oberheim-Verhältnisse sehr gut: Die Tastatur des OB-8

Dies ist der eine Unterschied. Der andere ist die wunderbare Tastatur. Eine unerwartete Entdeckung, muss ich gestehen. Nur zu gut ist die harte bzw. klebrige Tastatur des OB-X in Erinnerung. Der OB-8 ist anders: Er bietet ein (beinahe) perfektes Keyboard, sehr weich, ohne Klappern, über alle 5 Oktaven ausgewogen.

Natürlich darf man kein Keyboard der Klasse Prophet T8 oder Rhodes Chroma als Maßstab heranziehen. Die Möglichkeiten der OB-8 Tastatur sind – wie bei vielen Polyphonen jener Zeit – sehr bescheiden (Note on/off), doch immerhin „ist“ das Keyboard gut spielbar. Eben so, dass es den hochwertigen Klang des Instruments in keinster Weise durch Nebengeräusche beeinträchtigt.

Eine weitere Verbesserung sind die Panorama-Regler. Die 8 Stimmen des Synthesizers lassen sich durch von außen zugängliche Potis individuell im Panorama einstellen. Dies war bei OB-X bzw. OB-Xa erst nach Öffnen des Bedienpanels möglich.

Fortschritt gegenüber OB-X bzw. OB-Xa: außenliegende Panorama-Regler

Letztlich hat auch MIDI Einzug in das Anschluss-Arsenal des OB-8 gehalten. Der Synthesizer ist somit also heute noch gewissermaßen „am Stand der Technik“ (wenn man das so vereinfacht sagen darf).

Außer den sehr frühen Modellen haben alle OB-8 MIDI

Damit fällt das erste Fazit rund um die äußeren Merkmale des OB-8 sehr positiv aus. Ein definitiv „professionelles“ Instrument, das deutliche Verbesserungen gegenüber seinen Vorgängern aufweisen kann. Reduziertes Gewicht, verbesserte Tastatur, direkte Panorama-Regelung der Stimmen und MIDI. Das Paket kann sich sehen lassen.

Klanglich

… gibt es auch Veränderungen. Ob diese nun zugunsten des OB-8 oder zugunsten seiner Vorgänger OB-X bzw. OB-Xa sind, das sei im Moment dahingestellt. Grundlegend baut der OB-8 auf den Klangkonzepten der Vorläufer auf, weshalb an dieser Stelle auch die Lektüre genannter Berichte sicherlich lohnenswert ist.

Jede der – nahe liegender Weise 8 – Stimmen des OB-8 verfügt über 2 VCOs, 1 VCF, 1 VCA und zwei ENVs. Zwei LFOs (inklusive Sample & Hold) runden das Gesamtkonzept ebenso ab wie polyphones Portamento, ein integrierter Arpeggiator, eine Chord Memory- und Unisono-Funktion sowie die Möglichkeit, zwei Sounds zu überlagern (Double) bzw. die Tastatur in zwei Klangbereiche aufzuteilen (Split).

Keyboard Modes

Im „Page 2“ Modus gibt es noch eine Vielzahl von Funktionen, die eine verfeinerte Programmierung (vor allem spezieller LFO- und Portamento-Features) erlauben. Zusammen mit dem – eingangs schon erwähnten – MIDI Interface stellt der OB-8 also auch klangtechnisch ein durchaus professionelles und anspruchsvolles Instrument dar.

Entscheidend ist an dieser Stelle die Frage nach dem KLANG selbst. Ist der OB-8 so „gut“ wie seine legendären Vorgänger? Hier möchte ich speziell auf den sehr schönen OB-Xa Bericht von Marko Ettlich verweisen, der auf wichtige Unterschiede von OB-X zu OB-Xa eingeht. Da ich selbst den (exzellenten) OB-X für viele Jahre hatte, war die klangliche Erwartung an den OB-8 auch definitiv sehr hoch gesteckt.

Nun, der OB-8 kommt „eindeutig“ nicht an seinen Großvater OB-X heran. Weniger Kraft, weniger Dynamik, weniger Druck und fehlende Aggressivität. Ein Vergleich mit dem Ur-Großvater Four-Voice ist ohnehin völliger Unsinn, zu weit liegen ihr Konzept und ihre technischen Voraussetzungen und entsprechend ihr Klangcharakter auseinander.

Der Klang des OB-8 baut – wie beim OB-Xa – auf CEM Chips auf

Doch um Vergleiche geht es grundsätzlich wohl gar nicht, zumindest nicht in erster Linie. Was kann der OB-8, was sind seine Vorzüge?

Die Stärken des Oberheim OB-8

Klanglich eignet sich der Oberheim OB-8 bestens für jene Streicher- und Bläser-Sounds, die schon in den späten 70er und frühen 80er Jahren zum Ruhm der polyphonen OB-Serie beigetragen haben. Die 8 Stimmen sorgen dafür, dass man beim OB-8 ein wirklich „gutes“ Auskommen betreffend Polyphonie hat. Auch hier ist es eben ein „professionelles“ Instrument. 8 Stimmen sind – geschickt eingesetzt – für viele Einsatzgebiete polyphoner Musik ausreichend. Genau an dieser Stelle möchte ich die (äußerst gut zu spielende) Tastatur nochmals in Erinnerung rufen. Breite Klangteppiche, die sich „gut“ (und praktisch ohne Nebengeräusche) direkt am Instrument einspielen lassen, sind ein Inbegriff von Klanggenuss in höchster Form.

Eine weitere Stärke des OB-8 liegt im (möglichen) Klangspektrum synchronisierter Oszillatoren. Im Zusammenhang damit sei der Unisono-Modus zu nennen. Es ist gewissermaßen selbstverständlich, dass 16 VCOs „ordentlichen“ Druck machen. Starke Sync-Leadsounds mit allen Oszillatoren, deren Sync-Klangeffekt in Echtzeit durch den Pitch-Lever (wirksam auf VCO2) verändert werden, zählen – wie die Streicher- und Bläser-Sounds – zu den legendärsten Klängen der OB-Schmiede. Übrigens muss man – wieder im Zusammenhang mit Unisono – polyphones Portamento als echtes Highlight nennen. Was bei einigen Soundbeispielen wie „extremer Einsatz von Delay-Effekt“ klingt, ist nichts anderes als polyphones Portamento. Im Hörbeispiel „Unisono“ ist dies in der Einleitung besonders gut wahrzunehmen.

Weiterhin wäre eine – nicht näher zu bezeichnende – Gattung von weichen, warmen und breiten Analog-Sounds als Stärke des OB-8 zu nennen. Die Weichheit hat wohl auch ihre Gründe, schließlich verfügt der Oberheim über etwas träge Hüllkurven. Extrem Perkussives schließt sich hier aus. Doch das Breite/Weiche hat ebenso seine Berechtigung. Im Zusammenhang damit sei nun der Arpeggiator genannt, so auch zu hören in einigen angefügten Klangbeispielen. Die Inspiration zum „spontanen Musizieren am Instrument“ ist ein Privileg, das nicht alle polyphonen Analogen aufzuweisen haben (aus unterschiedlichen Gründen). Hier schließt sich beim OB-8 jedenfalls ein Kreis, der mit einem – eventuell – „weicheren“ Grundcharakter im Gesamtklang beginnt und beim flexiblen Arpeggiator endet. Interessanterweise ergänzen sich diese Dinge und ermöglichen schöne, spontane (musikalische) Ideenfindungen … ein Indiz, das immer „für“ ein Musikinstrument spricht.

Damit sind – mehr oder weniger – die klanglichen Stärken des OB-8 (aus subjektiver Sicht) genannt. Allgemein wird der OB-8 häufig als fester Bestandteil in Techno-Setups erwähnt. In Ermangelung einer Filterselbstresonanz (was bei allen polyphonen OB-Synthesizern anzutreffen ist) kann ich mir dies jedoch nur bedingt vorstellen.

Für stark Experimentelles fehlen dem Oberheim wichtige Module (wie Ringmodulator), Knackigem/Perkussivem stehen die schon erwähnten (leicht) trägen Hüllkurven im Weg.

Performance

In der Fachliteratur wird der OB-8 häufig als „Player’s Instrument“ genannt. Ich finde diese Bezeichnung sehr treffend. Vielleicht ist die Performance sogar das stärkste (!) Argument für den OB-8. Wenngleich sein Klang in einigen Bereichen nicht an ältere Oberheim-Modelle herankommt, kann ihm keiner der Brüder das Wasser betreffend Spielmöglichkeiten reichen. Der Arpeggiator ist ein Segen für schnelle Ideenfindungen, die angenehme, gute Tastatur ist sicherlich ein Genuss für jeden (ernsthaften) Keyboarder, für Studio-Tüftler gibt es selbstverständlich auch MIDI, Sounds können mit „Page 2“ Funktionen sehr detailliert programmiert werden, Klänge lassen sich in zwei Zonen aufteilen und überlagern, Chord Memory, Unisono, (polyphones) Portamento und die 120 (!) Programmspeicher runden die vielfältigen Gestaltungs- und Performance-Möglichkeiten ab.

Ausgezeichnet: Die Spielhilfen des OB-8

Über alle dem ist der OB-8 ein Synthesizer mit exzellenter Hardware, die Drehpotis beispielsweise sind besonders griffig und äußerst solide, ebenso wie die (typischen) Oberheim Levers. Der Synthesizer ist zuverlässig, robust und dennoch erstaunlich leicht.

Das „Player’s Instrument“ vereint somit „sehr guten“ Klang mit umfassenden Gestaltungs- und Spielmöglichkeiten, eingebettet in exzellenter (und zudem tragbarer) Hardware.

Äußerst übersichtliches Design – eine absolute Oberheim-Stärke

Noch ein letzter – zunächst nicht sehr bedeutsam erscheinender – praktischer Punkt des OB-8 im Vergleich zu anderen Klassikern: Das Instrument hat wie auch seine Vorgänger OB-X bzw. OB-Xa „keinen“ Lüfter. Das ist schön. Nichts verunstaltet das akustische Umfeld so sehr wie (die vielfältigen) unerwünschten Nebengeräusche, die so gut wie jedes elektronische Gerät erzeugt.

Summende Displays, surrende Lüfter, brummende Netzteile … wer kennt das nicht. Im Studio bedeutet jedes Nebengeräusch einen Verlust an Klangqualität, zumal sich die Geräusche mit Zunahme der verwendeten Instrumente beängstigend vervielfältigen. Doch zurück zum eigentlichen Thema, dem Lüfter. Elka Synthex, Moog Memorymoog oder DK Synergy wären an dieser Stelle als bekannte Beispiele „krachmachender Kandidaten mit Lüfter“ zu nennen.

Wer schon einmal Gelegenheit hatte zwei Synthex gleichzeitig in Betrieb zu nehmen, wird es sicher nie wieder tun. Der Geräuschpegel ist unerträglich. Doch sind es keinesfalls nur Vintage Synthesizer, die dieses Problem betrifft. Waldorf Wave oder Hartman Neuron sind zwei weitere Beispiele der etwas jüngeren Geschichte. Vor allem letztgenannter Synthesizer ist für seinen (doch sehr lauten) Betriebszustand bekannt.

Eingänge für VIBRATO, VCF und VCA sind nach wie vor sehr willkommen

Oberheims OB-8 hingegen stellt ein absolut „ruhiges“ Instrument dar. Ebenso wie Rolands Jupiter-8 oder Sequentials Prophet-5 – um abschließend auch diese Klassiker positiv hervorzuheben. Den

Obie Eight

Den OBie Eight darf man im Zusammenhang mit dem OB-8 nicht unerwähnt lassen. Schließlich hat die noch heute sehr aktive Firma Studio Electronics (SE) hier ihre Wurzeln: Im Umbau klassischer Synthesizer zu „modernen“ Studio-Instrumenten – Studio Electronics. Wir gehen daher in die erste Hälfte der 90er Jahre zurück, in denen SE die Elektronik des OB-8 in ein „handliches“ 5HE Rack hineinpackte und den so erschaffenen Obie Eight professionellen Studiomusikern (zum „sehr“ professionellen Preis) anbot. Doch die mageren Verkaufszahlen waren ein Beweis dafür, dass das Konzept – in diesem Fall – nur wenig Anklang fand.

Der Obie-Eight von Studio Electronics

Während man (naturgemäß) die Tastatur des OB-8 samt Spielhilfen und die wunderbare „Übersichtlichkeit“ des Panels einbüßen musste, zudem auch die Möglichkeit der Panorama-Regelung verlor (SE legte dies für alle 8 Stimmen einmalig ab Werk fest), wurden dem Obie Eight keine nennenswerten (und im Studio dringend notwendigen) erweiterten MIDI-Funktionen hinzugefügt. Damit war das Konzept – mit Ausnahme des deutlich geringeren Platzbedarfs eines Obie Eight – keineswegs wirklich überzeugend.

So blieb der Erfolg des Obie Eight auch deutlich hinter den anderen (weit über die Grenzen der USA hinaus bekannten) Umbauten von SE – wie Midimoog, P-Five oder Obie-Rack (19“ Versionen des Minimoog, Prophet-5 bzw. Two-Voice mit MIDI) – zurück.

Der Oberheim OB-8 on YouTube

Fazit

Im Gesamtpaket sprechen einige Punkte für den OB-8: voller 8-stimmiger Ausbau, 120 Programme, MIDI, erweiterte Programmierfunktionen, das erstaunlich geringe Gewicht und vieles mehr.

Klangpuristen werden sicherlich ihre Gründe finden, warum ein OB-X (unbestritten) und wohl auch ein OB-Xa „besser“ klingen mögen, doch das „Player’s Instrument“ der Serie ist der OB-8. Ein rundum gelungener, sympathischer Synthesizer, dem man als Keyboarder nur schwer widerstehen kann.

Der Gebrauchtmarktpreis des OB-8 ist „relativ“ konstant bei ca. 2000 Euro angesiedelt. Ein fairer Preis für einen gutklingenden „echten“ Analogen mit 8 Stimmen und MIDI.

Plus

  • klassischer (sehr guter) Oberheim-Sound
  • 8-stimmige Polyphonie ab Werk
  • Page 2 Programmierfunktionen
  • Double- und Split-Sounds
  • sehr gute Tastatur
  • geringes Gewicht
  • MIDI-Interface
  • Arpeggiator

Minus

  • Klangqualität etwas unterhalb der Vorgänger OB-X und (eventuell) OB-Xa
  • Page 2 Funktionen erst bei späten OB-8 Modellen am Panel abgedruckt
  • keine Filter-Selbstresonanz
  • träge Hüllkurven
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Meine Erfahrung deckt sich 100%ig mit der von Theo. Der OB-8 klingt zahmer und zurückhaltender und entwickelt weniger Eigenleben als die ersten zwei Modelle OB-X und OB-Xa. Manche bevorzugen aber gerade deshalb den OB-8, weil er sich im Mix scheinbar besser unterbringen läßt. Ein großer Vorteil ist die Reduzierung der Hardware. Das macht den OB-8 weniger anfällig für Störungen und viel leichter. Einen OB-X hätte ich nicht unter dem Arm transportieren wollen. ;)
    Ist halt eine Geschmacksfrage welches Modell man klanglich vorzieht. Die tönen allesamt etwas unterschiedlich aber jeder für sich extrem gut.

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      der obx ist so schwer nicht, da er unten kein
      pressspanboden hat – was ihn allerdings etwas
      wabberig macht. ich habe lang nach einem bestimmten klang gesucht, und wurde erst beim
      obx wirklich zu 100% fündig.
      sehr schön das es wieder sem oberheims gibt:
      auch der klingt toll – er kann vielleicht nicht ganz
      so dreckig, dafür ist das spektrum noch größer.

  2. Profilbild
    lowcust

    endlich mal wieder ein bloderer bericht, und wie zu erwarten ein guter noch dazu.

    schönes instrument der ob8. hab ich doch meinen um 2002 gegen einen andromeda getauscht, der mir damals doch die selben klänge bei doppelten stimmen und erweiterten möglichkeiten bot. aus heutiger sicht hätte ich ihn doch gerne behalten und später einen andy dazugeholt.

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      AMAZONA Archiv

      lieber lowcost – da Du den andromeda und
      den oberheim ob8 hattest würde mich interes-
      sieren ob der andromeda die klänge die beim
      ob8 möglich waren in ähnlicher qualität hin-
      bringt? zumindest über die einzelausgänge
      ohne a/d/a-wandlung? ich hatte noch nie einen
      unter den fingern, und finde die möglichkeiten
      natürlich sehr inspirierend – doch wäre mir
      der grundklang wichtig, denn ein nordmodu-
      lar ist gebraucht günstiger und hat natürlich
      ein in hardware schwer zuschlagenden fundus
      an möglichkeiten.
      scxhöne grüße

  3. Profilbild
    Onkel Sigi  RED

    Ein sehr interessanter Bericht über eine Synthlegende. Vielen Dank dafür.

    Ein geringeres Gewicht ist/war für den auftretenden Musiker ein „gewichtiger“ Faktor, der oft mehr wog/wiegt, als ein etwas besserer Klang. Zudem der OB-8 ja nun wirklich nicht wirklich schlechter als die Vorgänger klingt. Etwas schlanker vielleicht, aber dafür ist er ja auch um die Hüfte rum einiges schlanker. Es hält sich wohl die gesunde Waage, denke ich……

    Musikalische Grüße

  4. Profilbild
    filterfunk  

    Vielen Dank für den Bericht, und die Klangbeispiele!
    Ein richtig schönes Schlachtschiff!
    Raum-Klang zum Anfassen, sozusagen.
    Nicht so eine zeitgeistige Billig Krampe, die einem vor der Nase hängt, wenn man tief Luft holt…..:-)
    Wobei das Sound/ Gewicht-Verhältnis ausgesprochen gelungen ist. Damit könnte ich als Live-Keyboarder sehr gut leben!
    2000€ für einen Gebraucht-Synth aus den 80ern sind aber eindeutig zuviel, auch wenn ich den Oberheim Sound noch so verehre.
    Ein Remake wäre überaus angesagt.
    Jawohl.
    Bob, please help!!!!!

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      Bloderer  AHU

      Nun ja, da bin ich etwas anderer Meinung. 2000 Euro sind – im Verhältnis gesehen – nicht teuer, oder doch? Baujahr 1984 hin oder her, der OB-8 ist professionell und sehr zuverlässig. Ein paar CEM Chips sollte man heute natürlich trotzdem immer in Reserve haben …

      „Im Verhältnis“ bedeutet, dass z. B. der Preis des monophonen Korg MS-20 langsam gegen 1400 Euro klettert und viele Leute auch bereit sind, das zu bezahlen (musikalisch gesehen ist es der Korg natürlich wert). Nun sprechen wir beim OB-8 von einem Polyphonen mit 8 Stimmen und MIDI … da scheint mir der Preis von 2000 Euro äußerst fair, wenn nicht sogar günstig.

      Die aktuellen astronomischen Summen für einen Jupiter-8 oder Memorymoog brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Einfach absurd.

      „Im Verhältnis“ geht jedoch noch einen Schritt weiter: Es gibt kaum neue (polyphone) Analoge, die dem Gebrauchtmarkt etwas entgegenzusetzen haben. Andromeda (nicht mehr ganz neu), der liegt ungefähr in der Preisklasse des OB-8. Für 3500 Euro wird (voraussichtlich) der Son of Four Voice zu haben sein, schön, keine Frage. Ja, Studio Electronics Code bzw. Omega – sehr professionell, aber teuer. Und nicht jedermanns Sache, die Rack-Philosophie.

      Viel mehr gibt es aber am neuen, polyphonen Analogsektor auch gar nicht. So muss man dem OB-8 angesichts seiner geforderten 2000 Euro die Stange halten. Die Summe ist das Instrument auf alle Fälle „wert“ … zumal Konkurrenz in dieser Preisklasse so gut wie keine in Sicht ist.

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        AMAZONA Archiv

        Kann man eigentlich bei den neu hergestellten Instrumenten noch von „Analog“ sprechen? Ich weis es nicht aber ich kann mir nicht vorstellen das da noch Platinen mit Transistoren, Widerständen und Kondensatoren verbaut werden. Läuft das nicht alles schon auf DSP’s raus?. Wie gesagt, ich hab noch in keines der Geräte reingeschaut.

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          microbug  

          Sicher kann man, manche der aktuellen Analogen sind da sogar noch analoger als deren Opas und haben nichtmal Speicher. Gibt genug von den Dingern, die sogar komplett diskret aufgebaut sind, also ohne einen einzigen CEM oder SSM-Chip. Das neue SEM ist zB nicht komplett diskret, aber zum Großteil. OPAmps, also die kleinen Verstärkerschaltungen (simpel gesprochen), wird man allerdings nicht diskret aufbauen wollen – wozu auch? Die gibts schließlich in sehr guter Qualität.
          Du wirst Dich wundern, wieviel „analoge“ Bauteile selbst in einem DSP-Synth drinstecken. Schließlich muß der ja auch seinen Klang nach analog wandeln, und ab da hats auch entsprechene Bauteile wie OPAmps, Kondensatoren, Widerstände oder auch Transistoren.

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        filterfunk  

        Angesichts des (Gebraucht)-Marktangebots gebe ich Dir recht, keine Frage. Ob das Teil aber angemessen gepflegt, behandel u. gelagert wurde kann einem womöglich noch nicht einmal der Verkäufer sagen; wollen erst recht nicht.
        Und das ist mir persönlich zu viel Risiko, insbesondere bei dem Alter.
        Ich sträube mich auch – mehr o. weniger erfolgreich – dagegen, mich mit Vintage-Material einzudecken. Das wird mir dann irgendwann zu sentimental – das Leben geht weiter :-). Ausserdem will ich nicht mit Antiquitäten auf der Bühne rumrennen, das Gerät muss auch mal was wegstecken können.
        Es ist wahrscheinlich nur ein naiver Wunsch, aber ich hoffe, dass sich doch noch irgendwann eine Käuferschicht bildet, für die sich ein remake a la OB-8 rechnet. Sicher klingt der dann – schon alleine wegen den nicht mehr vorhandenen Komponenten – wieder anders. Aber so lange er die Oberheim-Soundqualitäten besitzt – her damit!

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        manu1412

        Ein aktueller vergleichbarer Polysynth wurde vergessen: der Prophet 08 von Dave Smith.

        Meiner Meinung nach sind sich der Prophet 08 und der OB-8 sogar sehr änhlich vom Aufbau her.
        Sogar die einzelnen Voices können beim Prophet wie beim OB-8 im Stereopanorama verteilt werden, allerdings nicht mit jeweils einem Drehpoti pro Stimme ;-)

        Ich besitze leider keines der beiden Instrumente, aber ich denke es müsste mit dem Prophet durchaus möglich sein, OB-8 artige klänge zu erzeugen… hat das schon mal wer probiert?

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          filterfunk  

          Auf youtube gibt es ein interessantes Video: Prophet ’08 Review by Inside Synthesis (Part 1).
          Dort wird der P08 mit einem OB-Xa verglichen. Sicherlich nicht sehr ausführlich, aber ich denke, es gibt eine grundsätzliche Vorstellung bezüglich der Klangunterschiede. Der P08 schlägt sich dort recht gut zum OB-Xa, klingt aber bei offenem Filter tendenziell „gepresst“. Und diese grundsätzliche Klangtendenz kann ich (leider) auch bestätigen.
          Ist halt kein Oberheim!

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          AMAZONA Archiv

          nun der Klangcharakter eines Prophet08 ist schon ein gänzlicher anderer als der eines OB-Xa. Da liegen wirklich Welten dazwischen.

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        AMAZONA Archiv

        lieberTheo – ich bin etwas verwundert wegen
        der hüllkurven: sind im ob8 nicht die selben wie im pro one? bei meinem obx (ebenfalls cem 3310)
        sind sie recht schnell. vielleicht ist Dein exemplar
        nicht optimal getrimmt – auch der filter müsste sich doch im 24db-mode zum oszillieren bringen lassen, bei entsprechendem trimming.
        der ob8 soll der zuverlässigste der obies sein –
        aber auch der sauberste vom klang, laut Tom
        Oberheim selbst. schöner artikel

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          Bloderer  AHU

          … ja, das ist richtig. Hüllkurven – CEM 3310 – sind wie beim Pro-One (und OB-1). Vielleicht ist es eine Sache der optimalen Trimmung, wie du sagst. Ich muss andererseits sogar gestehen, dass es mich nicht einmal stört. Der OB-8 ist „in sich“ ein sehr rundes und stimmiges Instrument.

          Den Oberheim OB-SX möchte ich an dieser Stelle gedanklich noch nachreichen. Ich finde ihn sehr edel, wenngleich er natürlich große Einschränkungen in der Programmierbarkeit und in anderen Bereichen hat (z.B. nur Mono-Out). Dennoch ist er ein grandios klingender polyphoner OB-Synthesizer. Klein aber fein, er hat eine Erwähnung im Kreise von OB-X/Xa und OB-8 verdient.

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ja, hoffentlich gibt es derartige Geräte mal wieder als Neugerät zum kaufen. Mit dem gleichen tollen Sound.

    Wenn man die alten Geräte besitzt fühlt man sich teilweise schon als kleines Museum, obwohl man nur Musik machen möchte…

    Danke an dieser Stelle, dass hier die alten Geräte ausführlich besprochen werden!

    Eine Welt nur von DSP basierten Geräten oder gar von Software-Synths wäre bitter für alle, die großartigen Sound lieben…

  6. Profilbild
    Alex_KIDD

    Hallo an die Gemeinde,

    sehr schöner umfassender Bericht.
    Ich gebe euch in allen Punkten recht, wo ihr
    diskutiert habt.

    Ich selbst habe nur den Matrix-6 und bin sehr glücklich damit, auch wenn er nicht mit dem OB-8 vergleichbar ist.
    Auch wenn es manchmal schwerfällt, aber einen Oldie zu kaufen ist immer ein Risiko.
    Ich habe jetzt meinen Prophet 600 in Reparatur gehabt und werde von Oldies erst mal absehen.
    Ein Vintage-Gerät isr erhaben, gar keine Diskussion, aber irgendwann…naja

    Ich würde es mir auch wünschen, dass die Hersteller im 2.000,00 ruhig mehr sich zutrauen könnten, etwas frischer wind kann nie schaden, ganz im Gegenteil (analog muss er aber sein).

    Die Trimpotis für das Panning sind luxus, schön wäre es wenn diese in „reichweite wären“.

    Ansonsten schöner Bericht und schöne Soundsbeispiele

    freundlicher Gruß

  7. Profilbild
    Uli23

    Nachdem er 16 Jahren ungenutzt und defekt in der Ecke stand, hab ich meinen alten OB-8 wieder reparieren und, mit dem Sound Set von Kid Nepro bestückt, wieder erklingen lassen. Ich finde ihn überwältigend schön.
    Für knackig Perkussives hab ich sicher andere Kisten, einen Microwave 1 oder einen Moog Prodigy, auch der MKS-80 kann tolle Bässe, aber dieser Synthi schwebt so schön mit und klingt im Zusammenhang mit den anderen Instrumenten wirklich ausgezeichnet, mulmt nichts zu mit übertriebener Mächtigkeit, wie sie einigen seiner zum Vergleich gerne herangezogenen Kollegen manchmal zu eigen ist.
    Der OB-8 ist nicht kalibriert, das heißt jeder seiner acht Stimmen klingt etwas unterschiedlich in der Filteröffnung. In Verbindung mit der Panoramaverteilung der Stimmen klingen dadurch die Flächenklänge aber auch etwas perkussivere
    Klänge, die schnell hintereinander angeschlagen werden, unglaublich lebendig.
    Das Filter lässt sich über ein Fußpedal modulieren (ich hab noch ein Korg MS-04, das klappt ausgezeichnet), dann klingt er noch ausdrucksstärker. Ich liebe dieses Instrument.

  8. Profilbild
    costello  RED

    Ich habe – animiert durch die große Vintage Charts-Aktion – noch mal die OB-8-Seite aufgerufen. Und habe mich sehr gefreut, dass das letzte Gerät aus der großen OB-Reihe jetzt auch drei Amazona-Sterne bekommen hat. Lange Zeit waren da nämlich nur zwei Sterne vermerkt, vermutlich um den Ausnahmerang von OB-X und OB-Xa nicht anzukratzen. Aber das kam mir in etwa so vor, als ob man dem Prophet 5 Rev.2 drei Sterne und dem Rev 3 nur zwei Sterne zugestehen wollte. Also danke für die Revision :-)

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