AMAZONA.de

Blue Box: Oberheim OB-Xa


Jump Legend.

Die Synthesizer Legende

Wir gehen zurück in die mittleren 70er Jahre. Synthesizer waren noch monophon und der Synthesizer Markt mit Minimoog, EMS und den zwei ARP Synthesizern (2600, Odyssey) mehr als überschaubar. Tom Oberheim erkannte das Potential dieser Geräte und entwickelte das Synthesizer Expander Modul (SEM), welches als eigentlich nur als zusätzliches Sound-Modul zum Minimoog gedacht war. Das SEM fand aufgrund seines warmen und vollen Klanges viele Käufer, und so sah sich Oberheim ermutigt, weiter zu experimentieren und auf Grundlage des SEM erste mehrstimmige Synthesizer zu entwickeln. Das Ergebnis waren der Two-Voice, Four-Voice und Eight-Voice. Die Geräte waren klanglich oberste Güte, hatten aber einen entscheidenden Nachteil: Sie waren recht umständlich zu handhaben. Nur eine Handvoll Parameter konnte zentral gesteuert werden, der Rest musste pro Modul separat eingestellt werden. Auf der Bühne war das mitunter ein Problem.

Oberheim OB-Xa

Oberheim OB-Xa

Als dann im Jahre 1978 der voll speicherbare Sequential Circuits Prophet-5 erschien, wurde die Fachwelt regelrecht überrumpelt. Der Prophet-5 schlug ein wie eine Bombe und verkaufe sich wie geschnittenes Brot. Oberheim musste schnell reagieren und stellte 1979 seinen ersten, ebenfalls komplett speicherbaren Synthesizer, den OB-X auf der NAMM in Chicago vor.

Der OB-X  basierte praktisch vollständig auf den diskreten Schaltungen des SEM, lediglich die Hüllkurven wurden bereits durch Curtis Chips (CEM 3310) generiert. Die Steuerung übernahm ein Mikroprozessor. Bis zu acht Voicekarten konnte der OB-X enthalten und war somit dem Prophet-5 (nur 5-stimmig) in Bezug auf die Stimmenanzahl weit überlegen. Leider hatte sich der Prophet-5 bereits am Markt sehr gut platziert, so dass der OB-X von Anfang an einen schweren Stand hatte.

Der Oberheim OB-X gehört meiner Meinung nach zu den Top 3 der bestklingenden Synthesizer überhaupt. Jede einzelne Stimme des OB-X klingt eine Nuance anders, was ein ungemein lebendiges und volles Klangbild zur Folge hat. Anspieltipps sind: Rush – Tom Sawyer und Subdivision, Ultravox – The Thin Wall, Tangerine Dream – Exit Album, Nena – 99 Luftballons Original). Der OB-X ist heute ein sehr gesuchtes Gerät und praktisch kaum noch zu bekommen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass er nur ein Jahr lang produziert wurde. Weniger als 800 Geräte sollen insgesamt nur gebaut worden sein.

Vater und Sohn: OB-X und OB-Xa

Vater und Sohn: OB-X und OB-Xa

Aufgrund seiner Komplexität galt der OB-X als anfällig und damit nicht unbedingt livetauglich. Oberheim war schnell klar, dass der OB-X den Prophet-5 nicht vom Thron stoßen konnte.

Das sollte der Nachfolger OB-Xa schaffen.. Der OB-Xa wurde erstmals im Frühjahr 1981 der Fachwelt vorgestellt und kostete ca. 12.000 DM. Vom Design her etwas schlanker, moderner und mit dem für Oberheim typischen blauen Nadelstreifenmuster. Der Kürzel „Xa“ ließ nicht auf allzu große Veränderungen schließen, doch der OB-Xa war von Grund auf neu konzipiert worden. Im Inneren übernahmen fortan ausschließlich Curtis Chips die Aufgabe von VCOs, VCFs und VCAs. Es handelt sich praktisch mit CEM 3320, CEM 3340, CEM 3310, CEM 3360 um die gleichen Chips, die auch im Prophet-5 ab der Seriennummer 1301 ihren Dienst verrichten. Dass der Klang doch ziemlich stark vom Prophet-5 abweicht, liegt an der unterschiedlichen Beschaltung der Komponenten. Der vollständige Ersatz diskreter Schaltungen ging zwar mit einer größeren Zuverlässigkeit und Servicefreundlichkeit einher, jedoch änderte sich auch der Klangcharakter erheblich. Der extrem volle und warme Klang des OB-X wurde nicht mehr ganz erreicht.

OB-Xa Rückseite

OB-Xa Rückseite

1 2 3 4 5 >

Klangbeispiele

  1. Profilbild
    FischerZ

    Hallo,
    um den Unzulänglichkeiten der Hardware zu entgehen kann man auch zu dem neuen OP-X Pro II von Sonic Projects greifen. Der wird gerade für knapp 90 Euronen angeboten und ist für mich das z.Z. am besten klingende Plugin.
    OK. Ist natürlich keine Hardware, dafür aber unkaputtbar, stimmstabil und soundtechnisch nicht vom Original zu unterscheiden.

    • Profilbild
      Marko Ettlich RED

      manch einer will und braucht aber den Kick… ;)

      Es gibt schon noch klangliche Unterschiede im Detail, aber ich stimme dir 100%ig zu, das OP-X ProII ist eines der besten Plug Ins die es momentan auf dem Markt gibt.

      • Profilbild
        FischerZ

        Ist zwar OT jetzt aber im Nachhinein wäre es schön gewesen wenn sich die Programmierer der „Analogemulationen“ (nein, Namen nenne ich jetzt nicht) so viel Mühe beim Programmieren gegeben hätten wie das Peter gemacht hat. Ich bin zwar kein Programmierer aber ich könnte mir vorstellen das mit dem Know How von Peter bessere Ergebnisse zustande gekommen wären.

  2. Profilbild
  3. Profilbild
    homers

    Kannst du noch kurz was zu den Beispielsound sagen, welche Effekte wurden eingesetzt?

    • Profilbild
      Marko Ettlich RED

      an externen FX wurde nur etwas Delay hinzugefügt.

      Sound1: Unisono Mode und Glide Effekt
      Sound2: Sample/Hold Modulation auf VCF
      Sound3: Typischer Oberheim Flächensound
      Sound4: High Strings
      Sound5: Filter Sweeps ala V.H. 1984 Album
      Sound6: Oszillator Syncronisation
      Sound7: Pulsweitenmodulation extrem
      Sound8: Sample/Hold auf VCF
      Sound9: Unisono, Sync, Glide, VCF Modulation

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.

Über den Autor

Bewertung

Blue Box: Oberheim OB-Xa

Bewertung: 5 Sterne Bewertung des Autors
Leserbewertung: 4
Jetzt anmelden und dieses Produkt bewerten.

Hersteller-Report Oberheim

AMAZONA.de Charts

Aktion