Blue Box: Oberheim OB-1, Analogsynthesizer

8. September 2012

Original SEM-Sound mit Speicher

Oberheim OB-1 MKII

Oberheim OB-1 MKII

The most beautiful synthesizer.

Das ist meine ganz persönliche Meinung. Der Oberheim OB-1 überzeugt durch elegantes Äußeres und durch genialen Klang. Wie eben alle frühen Oberheim-Synthesizer.Diese erste Serie begann ab 1974 mit SEM, Two-Voice, Four-Voice (von Monstermaschinen wie Six-/Eight-Voice oder angeblich existierenden 12-Voices wagen wir gar nicht zu sprechen), OB-1 und ab 1979 OB-X (der technisch und klanglich eher zu den Oberheims der ersten Stunde zählt, wenngleich die zweite Version des OB-X optisch bereits den nachfolgenden OB-Instrumenten angepasst war).

Oberheim OB-1 MKI

Oberheim OB-1 A

Abgelöst wurde diese Serie ab 1980 von OB-Xa, OB-SX und OB-8, bis dann 1984/85 die letzte Analog-Garde mit Xpander und Matrix-12 ihren Siegeszug antrat… Allen analogen Oberheim-Synthesizern ist eines gemeinsam: genialer – wenn auch sehr unterschiedlicher – Klang. Die erste Serie (beherrscht von den Schaltkreisen des SEM) besticht durch wilde, enorm druckvolle Sounds. Vor allem das Filter ist hier einmalig. Auch die OB-Synthesizer tragen noch Merkmale dieser Kraft in sich, klingen aber schon etwas „gezähmter“ (OB-X ausgenommen, s.o.).

Dafür bieten sie Features wie Split-/Dual-Mode oder bessere Modulationsmöglichkeiten, was die klangliche Vielfalt insgesamt erweitert. Die zuletzt genannten Modulationsmöglichkeiten sind in der Matrix-Serie (daher wohl der Name) dann auf ein technisches Höchstmaß perfektioniert. Nur gilt auch hier: der Klang wurde wiederum ein wenig „braver“ und kann sich in punkto Durchsetzungsvermögen und Kraft nicht an den Vorfahren rund um das SEM messen.

Geschichtliches zum Oberheim OB-1

Der Start des OB-1 im Jahre 1977 war – jedenfalls aus heutiger Sicht – durchaus spektakulär. Immerhin brachte Oberheim den ersten monophonen Synthesizer mit Programmspeicher auf den Markt!

Ab 1979 gab es eine optisch völlig überarbeitete zweite Version des OB-1, und zudem war nun ein spezielles Kassetten-Interface erhältlich, das die externe Archivierung der Klänge ermöglichte.

In Verkaufszahlen ausgedrückt dürfte der Erfolg des OB-1 aber eher bescheiden gewesen sein. Einerseits gab es 1977 Minimoog bzw. Odyssey (und andere Monophone) schon seit vielen Jahren, andererseits begann nun Japan den Markt mit günstigen und zugleich sehr leistungsfähigen Instrumenten (ab 1978 MS-20) zu erobern. Zu guter Letzt war Oberheim ohnehin erst am Weg, sich vom „Synthesizer-Zulieferer“ zum eigenständigen Synthesizer-Hersteller einen wirklichen Namen zu machen. Ungeachtet dessen wissen heute natürlich viele um die wahren Stärken der frühen Oberheim-Instrumente, weshalb selbige – so auch der OB-1 – eher selten am Gebrauchtmarkt zu finden sind.

  • Der OB-1 ist der erste speicherbare monophone Synth. Oder etwa nicht? In Julian Colbecks Keyfax 1 und 2 steht zu lesen: „Oberheim released the OB-1 in 1976! […] Undoubtly the OB-1 was the first monophonic Synth to have user-programmable memories.“ Mark Vail (Vintage Synthesizers) meint: „In 1977, the OB-1 was introduced. A monophonic instrument with virtually the same sound chain as the SEM, it was the first completely programmable synth of its type to hit the market.“Die Wahrheit dürfte vielleicht etwas anders aussehen: der OB-1 kam frühestens 1977 bzw. ganz sicher 1978 auf den Markt, und war dennoch nicht der erste Monophone mit Klangspeicher. PPGs 1003 Sonic Carrier war bereits 1976 in Produktion – und dürfte der erste wirklich programmierbare Monosynth mit Speicher sein.
Oberheim OB-1 MKII

Oberheim OB-1 MKII

  • Genaugenommen war dieses Instrument sogar duophon spielbar und großteils mit digitalen Bauelementen versehen. (Ein ausführlicher Test des PPG 1003 findet sich in Matthias Beckers „Synthesizer von Gestern“.)Um so hervorragenden Synthesizer-Autoren wie Julian Colbeck oder Mark Vail nicht Lug und Trug zu unterstellen sei fairerweise gesagt, dass der – wie immer seiner Zeit vorauseilende – PPG-Synth in extrem kleinen Stückzahlen gefertigt wurde. PPG-Experten schätzen, dass von den 10 hergestellten 1003-Synths heute noch maximal fünf funktionierende Instrumente im Umlauf sein dürften. Somit kann der Oberheim OB-1 – aus komme rzieller Sicht betrachtet – dennoch als erster speicherbarer monophoner Synth gesehen werden.
  • Der OB-1 ist in der Firmengeschichte von Oberheim der erste und einzige komplette monophone Synthesizer. Die wunderbaren SEMs waren ja – wie der Name bereits sagt – in erster Linie als Soundexpander zu anderen Instrumenten wie Minimoog oder ARP-2600 gedacht.Hier gibt es eine interessante Parallele, denn auch bei Sequential gab es nur einen einzigen monophonen Synth – den Pro-One. Zugegeben kam dieser ohnehin erst 1981 auf den Markt, war aber – im Gegensatz zum OB-1 – ein äußerst erfolgreiches Instrument.
  • Der OB-1 wurde in zwei Versionen entwickelt, die sich zwar nicht klanglich, sehr wohl aber in einigen wichtigen technischen Details unterscheiden. Auch die optische Differenz ist erheblich…
  • Der OB-1 zählt zu den eher seltenen Instrumenten am Gebrauchtmarkt. In den USA wurden naturgemäß die meisten Modelle verkauft. Interessanterweise auch in Italien, wo dieses Instrument in den letzten Jahren aber vom Gebrauchtmarkt eher verschwunden ist. Dagegen ist der schöne Monophone heute noch immer in Deutschland und vor allem in England zu finden (mit etwas Geduld)…

Aufbau des Oberheim OB-1

Der Titel „einzigartiger Synthesizer“ wird beim Anblick des OB-1 nicht sofort klar, ganz im Gegenteil. Der Aufbau ist strikt klassisch. Nur – und das ist der Trick – ist jeder einzelne Baustein für sich absolut hervorragend – konzeptionell wie klanglich.

Oberheim OB-1

  • 2 VCOs mit jeweils (!) einem Suboszillator. Die VCOs haben jene bekannte Kraft aller frühen Oberheims. Wie beim SEM sind auch hier die Wellenformen Sägezahn und Pulswelle vertreten. Als Besonderheit lässt sich jedoch die Welleform stufenlos einstellen und sogar spannungssteuern. So hat man vom reinen Sägezahn alles Stufen hin zur reinen Sinuswelle bzw. von der engen Pulsbreite hin zur weiten… (siehe Poti NARROW – EQUAL)
  • 1 VCF… das genau jene effektive Arbeitsweise hat, wie sie schon beim SEM zu finden ist. Leider ist es kein Multimodefilter – das bleibt dem SEM vorenthalten…
  • 2 vollwertige ENVs… ohne wesentliche Besonderheiten, aber ausreichend schnell im Klang und sehr übersichtlich in der Bedienung…
  • 1 LFO mit Sinus, Pulswelle und S/H
  • Noisegenerator
  • umfangreiche und sehr effektive Spielhilfen
  • 8 Programmspeicher

VCOs kommen als schönes „Paar“ daher. Viel gibt es nicht zu erklären: die Wellenform (Sägezahn oder Pulswelle) wird über Wahlschalter festgelegt, Tonhöhe und Modulation werden über Potis reguliert. Das Waveform-Poti ist schon nicht mehr so „üblich“.

Hier kann die Breite der Pulswelle eingestellt werden, oder – wenn der Wellenform-Schalter auf „Sägezahn“ steht – der Oszillator von Sägezahn nach Sinus stufenlos (!) geregelt werden. Das ist wunderbar, denn gerade die feinen Einstellungen vom „harten“ Sägezahn hin zur „weichen“ Sinuswelle bieten Klang-Ressourcen, die viele andere Synthis nicht haben. Zudem – und das ist der echte Clou – kann bei der Modulation des VCO zwischen „Frequencie“ und „Wave“ gewählt werden. Die Wellenform-Modulation (Pulsbreitenmodulation oder von Sägezahn hin zu Sinus) wird auf Wunsch also vom LFO gesteuert und kann zudem über die Buchse „Modulation“ sogar extern erfolgen.

So können Sie zB mit einem Analogsequenzer die Wellenform steuern. Ein sehr seltenes Feature (in erweiterter Form noch beim Kobol Expander zu finden) und bestens geeignet für subtile Klangveränderungen. Die Lautstärke der VCOs wird über den Schalter „FUND“ (Fundamental) geregelt. Hier kann auch bei jedem (!) VCO noch zusätzlich ein Sub-Oszillator „OCT“ (Octav) dazugemischt werden. Power ohne Ende. Mir persönlich ist es meist sogar zu viel, weshalb die Sub-Oszillatoren häufig nicht zum Einsatz kommen. Weiters ist Crossmodulation ebenso möglich wie Oszillator-Synchronisation.
Der VCF ist optisch der VCO-Sektion angepasst. Klanglich ist es mit Abstand das beste Filter, das ich kenne (das des SEM gehört hier ebenso dazu). Weder der ARP-2600 noch andere „Wundermaschinen“ kommen annähernd an den Klang dieses Filters heran. Es bietet eine unglaubliche Bandbreite. Wo andere Filter schon aufhören zu „arbeiten“, geht’s beim OB-1 erst los. Und man dreht, und dreht, und der Klang ändert sich, und ändert sich… Die meisten der gebotenen Funktionen erklären sich beim Filter wirklich von selbst. Bei „Mode“ kann zwischen 2Pole (12dB) und 4Pole (24dB) Flankensteilheit gewählt werden und der Einfluss der Tastatur auf das Filter kann bei KEYB TRACK an- oder ausgeschaltet – also nicht stufenlos geregelt – werden (der vorgegeben Wert ist aber – wie auch beim Prophet-5 – sehr „musikalisch“ eingestellt). Zudem ist hier der Rauschgenerator untergebracht – für alle, die Windgeräusche und HiHats noch analog nachbilden..

Die ENVs könnten übersichtlicher nicht sein: einmal ADSR für VCF, einmal für VCA. Sehr schnell sind sie (was bei späteren Oberheims – Extrembeispiel Xpander – nicht mehr so der Fall ist).

Spielhilfen-Sektion des MKII

LFO und Spielhilfen

Der LFO bietet außer SINE und SQUARE immerhin eine S/H-Wellenform. Delay ist auch sehr nützlich und nicht bei allen analogen Synths Standard. KEYBOARD betrifft (selbstredend) die Tastatur: Portamento wird hier ebenso justiert wie die Transposition (+/-1 Oktave) und ein separates Poti steuert die Filterfrequenz (bei den nicht mehr veränderbaren Presets sehr wichtig!). Der unscheinbare Schalter „ENV RESET“ schließlich sorgt dafür, dass – wenn er aktiviert ist – die Hüllkurve nach Loslassen der Taste sofort beendet wird (kein Release, leichtes Knacken am Ende des Sounds), was für extrem kurze und perkussive Klänge sorgt.

Oberheim OB-1 MKI

Spielhilfen-Sektion des MKI

Bei BEND findet man nun jenen Pitch-Bend, über den in der Synthesizer-Literatur viel gewitzelt wird: der Vergleich zum Flipperautomaten-Hebel scheint dabei optisch noch am nachvollziehbarsten. Tatsächlich handelt es sich um einen einzelnen der späteren Oberheim-„Levers“, der aber eben nicht vertikal (OB-Serie, Matrix-12), sonder horizontal befestigt ist. In der Praxis ist dieser Pitch-Bend unglaublich angenehm und exakt zu bedienen (mir erscheint die horizontale Position passender für die Anatomie der Hand… und zudem gibt es ausreichend Platz, um das Handgelenk abzustützen).

Gefühlvolles Vibrato-Schimmern ist ganz leicht zu machen, wie auch extremes Modulieren. Dazu trägt sicher auch der NARROW/BROAD-Schalter bei, der einen feinen oder eben größeren Wirkungsbereich festlegt. Hinter MOD (Modulation) verbirgt sich immerhin dann noch ein Rauschgenerator. Somit kann der Klang – unabhängig vom LFO – zusätzlich noch von Rauschen moduliert werden. Auch kein alltägliches Feature. Der letzte Schalter ganz links schließlich ermöglicht es, Modulationen nur mit EINEM Oszillator vorzunehmen. Vor allem im Sync-Betrieb ist somit für stärkste Lead-Sounds gesorgt…

Anschlüsse im Vergleich: OB-1 MKI vs OB-1 MKII

Kurz: Trigger In/Out, CV In/Out, Filter CV-In, Modulation-In (bei frühen Modellen Loudness-In), Signal High-/Low-Out, spezielle Oberheim-Buchse für das optionale Kassetten-Interface.

Verarbeitung

Der OB-1 ist hervorragend verarbeitet. Es gibt nur eine (schmerzliche) Schwachstelle: die Tastatur – die ist sehr klobig (ähnlich der vieler Pro-One’s). Schade, dass das wunderbare Keyboard eines Minimoog bei so wenigen Monophonen Nachahmung fand. Die Potis des OB-1 (jedenfalls die der späteren Version, siehe unten) sind dagegen die besten, die es gibt. In der richtigen Größe, und „ideal schwergängig“ für exaktes und sicheres Justieren. Zwar sehen jene Potis der späteren OB-Synthesizer und Matrix/Xpander-Serie auf den ersten Blick gleich aus, aber von ihrer Bauweise und vom Bedien-Gefühl sind die des (späten) OB-1 die eindeutigen Meister…

Oberheim OB-1 MKII

Oberheim OB-1 MKII

Allgemein: Oberheim OB-1 MKI vs Oberheim OB1 MK-II

Ob es jemals die offizielle Bezeichnung „OB1A“ für spätere Modelle gab, ist umstritten. Fest steht, dass es zwei verschiedene Versionen des OB-1 gibt. Um es einfach zu machen, nennen wir die schwarze version MK-1 und die gaue Version MKII.

Die erste – ab 1977 hergestellte Version MKI – bietet eine völlig schwarze Oberfläche mit hellgrauen Potis. Diese Potis sind (jedenfalls bei meinem Modell) sehr schwergängig und verfügen über keine (!) Skalierungsangaben (ähnlich etwa dem Emu-Modularsystem, wo User selbst die Markierungen zu den Potis aufmalen mussten). Zudem ist der Oberheim OB-1 MKI kleiner als die zweite Serie und bietet bei den Anschlüssen einen wichtigen Unterschied: den so wunderbaren Modulations-Eingang gibt es hier nicht – statt dessen aber einen Loudness(VCA)-Eingang…

Der Oberheim OB-1 MKII erschien ab 1979 und war optisch dem im selben Jahr veröffentlichten OB-X angepasst. Die nun hellgraue Oberfläche mit schwarzen Potis besticht durch gelungenes Design, den Poti-Markierungen und einer eleganteren Beschriftung. Gegenüber den frühen Modellen ist dieser OB-1 deutlich größer: jeweils um 1,5 cm breiter und höher und immerhin um 5 cm tiefer macht dieses Instrument optisch einen wesentlich ausgewogeneren Eindruck. Daraus resultierend sind die hellgrauenOberheim  OB-1 MKII auch um einiges schwerer als frühere Modelle.

In punkto Sound gibt es keinen Unterschied: OB-1 MKI und OB-1 MKII klingen gleich! Dennoch kann ich allen Interessierten raten, sich um ein Modell der zweiten Version umzusehen. Erstens ist der „graue“ Obeheim OB-1 optisch wesentlich ansprechender (durch Design und Größe), was eine etwas übersichtlichere Bedienung des Gerätes zur Folge hat. Zweitens müssen Sie zwar auf den VCA-Eingang verzichten, bekommen statt dessen aber die geniale Möglichkeit, die Aktionen des Pitchbend über Modulation-In extern zu kontrollieren…

Klang

Hier bedarf es nicht vieler Worte. Schon jetzt dürfte vielen klar sein, dass der OB-1 äußerst durchdacht ist. Beinahe jede Funktion bietet noch „etwas mehr“. Klangliche Resultate sehen so aus: wunderbar butterweiche (und zugleich sehr durchsetzungsfähige) Bläser- und Streicherklänge, subtile bis harte Bässe (zwei VCOs + jeweils Sub-Osc!), überraschend brillante Fx-Sounds (wenngleich ein ARP-2600 oder ein richtiges Modularsystem hier immer – logischerweise – die Nase vorne hat), starke Lead-Klänge… dem OB-1 kann man nichts vormachen, er kennt und zeigt seine Stärken…

Bass-Sounds des OB-1sind ganz hervorragend, kommen aber nicht an den unschlagbaren Erfolg der Kategorie Moog heran (was Wärme und Klangtiefe betrifft). Eher ensprechen sie vom trockenen Klangcharakter her einem ARP-2600 (was musikalisch ja nicht weniger reizvoll ist), manchmal erinnert der Sound durchaus an den „meaty bass“ eines Jupiter-4 (mit mehr Tiefe…).

Lead-Sounds sind einfach g-e-n-i-a-l. Das Geheimnis dabei ist sicherlich die perfekte Stimmung der VCOs (besser gesagt: das Fine-Tuning der Oszillatoren zueinander)… wer hier mit etwas Geduld die Schwebung auf „fast“ Null bringt, kommt zu einem Punkt, wo der Klangcharakter plötzlich sehr obertonreich und extrem ansprechend wird. Dann entstehen jene kraftvollen und zugleich doch so sensiblen Leadsounds, wie sie kein anderer Synth hervorzubringen weiß…

Ein wesentlicher Teil der Leadsounds ist zwangsläufig auch die entsprechende Performance… hier bleibt der OB-1 Spitzenreiter gegenüber allen SEM-Variationen… Vor allem der Pitchbend ist (sofern gut justiert und technisch in Ordnung) hervorragend du bedienen… Die Tastatur ist leider bei allen Oberheims absolutes „Mittelmaß“…

Die Sync-Sounds sind extrem ansprechend. Einzig der Moog Prodigy klingt noch ein Stück besser…

FX-Sounds gestalten sich ebenso äußerst überzeugend. Einem Odyssey/Avatar oder Multimoog wird der OB-1 nie das Wasser reichen können, das ist allerdings klar. Dazu gibt es zu eingeschränkte Modulations-Routings. Ein MS-20 bleibt natürlich ebenso ungeschlagen wie der FX-König Sequential Pro-One… Trotzdem muss sich der OB-1 keineswegs verstecken…

Gebrauchtmarkt

Heute, wo für einen Minimoog bis zu 2000 Euro und mehr geboten werden, ist es mir ein echtes Rätsel, warum so geniale Synthesizer wie der Oberheim OB-1 nicht mindestens zwei Drittel davon wert sind. Gut für alle, die einen suchen. Aber diese Suche kann etwas dauern. Es gibt drei Regionen, in denen der OB-1 häufiger anzutreffen ist: Amerika (logisch), Italien und England. Realistische Preise liegen um 700 bis 900 Euro (mit Case, Kassetten-Interface und im Top-Zustand bis 1100 Euro). Im April 2002 wechselte in Italien ein OB-1 für 550 Euro den Besitzer, im August 2002 wurde in Deutschland ein OB-1 (frühe Version) um 800 Euro angeboten. Häufiger ist dieser Synthesizer in England zu finden, wo er meist 500 bis 750 Pfund kostet. Das ist ein OB-1 aber ganz sicher wert, denn kaum ein anderer Analoger vermag Ihnen so wunderbaren Sound zu bieten.

Ergänzungen – Records mit OB-1

Vielen Dank an Blue-Box-Leser Dietmar Belloff, der die folgenden Zeilen zum OB-1 beiträgt:

1. Der brachialere Klang der alten SEM-Module gegenüber dem OB-X und den späteren Geräten lag ja hauptsächlich daran, daß im SEM und den 4/8 Voice Maschinen noch diskrete Bauteile statt der später eingesetzten CEM-Chips verwendet wurden. Welchen Unterschied das ausmacht, kann man ja am neuen Jomox SunSyn deutlich hören.

2. Neben den Klangbeispielen noch eine Ergänzung dazu, auf welchen Platten der OB-1 recht eindeutig zu hören ist. Aus meiner Sammlung (und wo ich es definitiv weiß, daß dort einer zum Einsatz kam) fallen mir da alten Alben von Styx ein (bis einschließlich Cornerstone. Keyboarder und Leadsänger Dennis de Young setzte seinen OB-1 oft und gerne ein, Tommy Shaw bediente ab und an mal auch deutlich hörbar einen Arp Odyssey. Markanteste Songs mit OB-1-Einsatz sind: – „Fooling yourself“ (den ganzen Song über zu hören) – „Lights“(Intro) – „Far beyond these Castle Walls“ (Solo in der Mitte) – „Miss America“ (Solo und kurze Einlagen) Außerdem war das Gerät bei der deutschen Band Eloy (mit Keyboarder Detlev Schmidtchen) im Einsatz, auf den Alben „Silent Cries …“, „Planets“ und „Time to turn“. Sehr schön war das auch auf einer alten Elrad-Titelseite (lilafarben) zu sehen – Detlef Schmidtchen in seiner Tastenburg, viel Nebel und der OB-1 deutlich zu erkennen.

Cassetteninterface für den Oberheim OB-1

Cassetteninterface für den Oberheim OB-1

Redaktionelle Info:

YouTube-Demo

Hier noch ein interessantes YouTube-Demo zum Oberheim OB-1

Fazit

Der OB1 wurde lange Zeit deutlich unterschätzt und gehört meiner Meinung nach zu den besten monophonen Analogsynthesizern seiner Zeit.

Plus

  • sehr, sehr gutes Filter
  • trotz klassischem Aufbau zum Teil ausgefallene Klangmöglichkeiten
  • Programm-Speicher

Minus

  • Tastatur sehr hart

Preis

  • ca. 1.800,-- € (Syntacheles Juli 2014)
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    DietmarB  

    Ich muß meine oben im Text zu findenden Ergänzungen etwas korrigieren.

    Als erstes habe ich ein Bild aus der gleichen Serie bzw von gleichen Fotografen gefunden, der das besagte elrad-Titelbild beisteuerte:

    http://www.....ch3-07.png

    Dort sieht man sehr schön die Tastenburg und auch den OB-1 zwischen den beiden Stapeln. Keyboarder in dieser Epoche war allerdings nicht Detlef Schmidtchen, sondern Hannes Folberth, wie auf der Bandwebseite zu lesen und hier im Bild auch deutlich zu sehen:
    http://www.....ch3-11.png

    Auch hier wieder rechts oben der OB-1 deutlich sichtbar.

    Zu Styx habe ich auf Youtube alte Videos entdeckt, wo Dennis DeYoung eher einen 4Voice spielt als einen OB-1, bei den neueren Konzerten hat er einen OB-8 dabei. Leider sind die Videos immer von vorne aufgenommen und man sieht die alte Tastenburg nie im Detail.

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    im anhang werden die sem-basierenden synth wegen der discretenbauweise gegenüber dem ob-x gelobt. aber auch der obx, bzw. seine voicecards sind bis auf
    die beiden hüllkurven discret aufgebaut. die env,s sind die selben wie im pro one und ob-1 – also schnell! der ob-x filter ist 12 db im gegensatz zum ob-1: 24 db
    aber beide sind diskret aufgebaut. immer wieder mit freude an Ihren artikeln artikeln

  3. Profilbild
    Marko Ettlich  RED

    „Der brachialere Klang der alten SEM-Module gegenüber dem OB-X und den
    späteren Geräten lag ja hauptsächlich daran, daß im SEM und den 4/8
    Voice Maschinen noch diskrete Bauteile!´“

    Der OB-X ist ebenfalls bis auf die Hüllkurven (CEM 3310) diskret aufgebaut und verfügt über einen sehr ähnlichen, ungezügelten Klang
    wie die früheren SEM Modelle.
    Erst die späteren OB Modelle OB-Xa und OB-8 wurden mit Curtis Chips bestückt und klingen deshalb anders.

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Großes Lob für diesen in Wort und Bild ausführlichen und informativen Artikel. Eine Frage hätte ich aber noch zur Filtersektion. Die frühe Version des OB-1 besitzt einen Fine-Tune Poti, die spätere nicht mehr (nur noch die Lochabdeckung!). Ergeben sich daraus irgendwelche klanglichen oder funktionalen Einschränkungen bzw. Unterschiede zur früheren Version?

  5. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich habe eine Frage zu diesem Synth. Ist es so, dass bei den gespeicherten Sounds die meiseten Parameter nicht meher bedient werden können? Dass also die gespeicherten Sounds so bleiben wie sie mal abgespeichert wurden und nur im „manaual mode“ die Filter usw. bedient werden können? Danke und Gruss

    • Avatar
      AMAZONA Archiv

      zur speicherung beim ob1: einmal gespeicherte sounds können nach aufruf dann nur noch mit den controllern links des keyboards manipuliert werden. beim obx gibt es dann auch den edit mode, in dem man die gespeicherten sounds in allen seinen parametern verändern kann.

  6. Profilbild
    el-folie  

    Alter Schwede – was ein fetter, geiler, erdiger, dreckiger Sound! Warum kann kein Hersteller mehr sowas heute auf die Reihe kriegen… Vergleiche mit anderen, modernen Synthies/Plugs will ich gar nicht erst ansprechen – sieht sowieso jeder anders, weil jeder andere Ohren hat – aber meiner Meinung klingt nahezu alles Moderne kalt, scharf und eindimensional gegen diese alte Kiste und viele viele andere alte Kisten. Meine Fresse – alleine der Leadsound am Schluß, diese „Cremigkeit“ im Sound der langsamen Verstimmung – einfach wunderschön :)

    • Profilbild
      Saxifraga  

      Ich halte mal fest: Du kannst also den „analogen“ Sound klar in einem über’s Internet gestreamten Sample erkennen? Na dann lade diesen Sound doch in deinen Sampler und fertig! Leih dir einen OB-1 und sample ihn wie ein Piano und schon hast du „cremigen“ Sound wie ihn heute keiner mehr hinkriegt.

  7. Profilbild
    ukm   11

    Klingt einfach klasse, das Teil. Daran gemessen ist die komplette moderne Technik trotz einiger Fortschritte bisher grandios gescheitert. Das Gehirn lässt sich eben nicht ver… .
    Wahrscheinlich hat man bei jedem Kauf moderner Geräte die Hoffnung, da könnte mal wieder so etwas dabei sein. Stattdessen bekommt man 1000+n mehr oder weniger brauchbare Sounds, die auch ihre Berechtigung haben können, aber so recht vom Hocker reißt das wohl keinen mehr.
    Leider ist mit dem Verschwinden dieser Geräte auch die Musik abhanden gekommen, die eben diese Sounds so richtig zur Geltung bringen konnte.

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