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Blue Box: PPG Wave 2.2 und PPG Wave 2.3


Der Blue-Box Namensgeber

ppg_1

Fast schon legendär

Der erste Teil der Serie BLUE BOX erschien im Jahr 2000 und behandelte den PPG Wave 2.2. Wir suchten damals nach einem Namen für unsere geplante VIntage-Synthesizer-Serie. Bei der Betrachtung des PPG WAVE 2.2 entschieden wir uns schließlich für BLUE BOX als kleine Hommage an einen Synthesizer, der damals Konventionen sprengte.

Wir haben nun diesen 17 Jahre alten Artikel für euch komplett überarbeitet und mit neuen Bildern von RL-Music aufgehübscht. Dazu interessante Informationen von Till Kopper, Videos von Torsten Abel sowie Audio-Demos von Theo Bloderer.

PPG WAVE

Als einer der wenigen deutschen Firmen schaffte es PPG Anfang der 80er Jahre, mit ihren PPG Synthesizern zu Weltruhm zu gelangen.

Zu einer Zeit, als MOOG, OBERHEIM und SCI mit analogen Schlachtschiffen den Markt beherrschten, wagte Entwickler und Geschäftsführer Wolfgang Palm, mit dem PPG einen neuen Weg zu gehen. Die Oszillatoren seines Synthesizers sollten nicht nur Sinus, Sägezahn und Rechteck erzeugen können, sondern unzählige verschiedene Schwingungsformen. Doch damit nicht genug – die Oszillatoren sollten in der Lage sein, diese nacheinander in fließenden oder rhythmischen Übergängen abzuspielen. Dies war mit einer rein analogen Klangerzeugung natürlich nicht möglich. Ein Computer mit entsprechendem Waveform-Speicher sollte daher die Basis für diesen Synthesizer bilden.

Die Vision wurde 1981 mit Erscheinen des PPG Wave 2 Realität. Bereits 1982 erschien der PPG Wave 2.2, gefolgt 1984 vom PPG Wave 2.3, der schließlich bis 1987 gebaut wurde.

WAVETABLES war das magische Zauberwort, mit dem sich die PPG Wave-Serie in die Herzen der Musiker und Produzenten spielte (Trevor Horn produzierte mit dem PPG Wave z.B. Propaganda, Frankie Goes To Hollywood u.a.).

Mit acht Stimmen Polyphonie entsprach die PPG Waves dem Standard der damaligen Zeit. Über das Voice-Expansion Rack (5 HE) PPG EVU, konnte man die Stimmenanzahl des PPG Wave 2.3 verdoppeln. Im Grunde entsprach die EVU (Voice Expansion Unit) einem vollwertigen PPG Wave 2.3 ohne Tastatur, mit der Besonderheit, dass man die Lautstärke jeder der acht Stimmen separat am Gehäuse regeln konnte.

ppg-evu

Die Voice-Expansion EVU des PPG Wave 2.3

WAVETABLES und KLANGERZEUGUNG

Wavetables beinhalten 64 verschiedene Schwingungsformen, die einzeln oder nacheinander wiedergegeben werden können. 31 verschiedene Wavetables stehen dem PPG Wave 2.2 zur Verfügung.

Hatte der Ur-PPG-Wave nur einen Oszillator pro Stimme, verfügten der PPG Wave 2.2 und 2.3 bereits über zwei Oszillatoren pro Stimme. Beide Oszillatoren mussten allerdings gemeinsam auf ein und dasselbe Wavetable zugreifen. Diese Einschränkung ist verschmerzbar, bedenkt man, dass sich für jeden der beiden Oszillatoren frei definieren lässt, welche der 64 Schwingungsformen des Wavetables abgespielt wird bzw. welche Gruppe, wenn mehrere Schwingungsformen durchfahren werden sollen.

Der digitale Prozessor des PPG Wave 2.2 vermochte zwar diese komplizierte Aufgabe der Waveform-Synthese bereitzustellen, jedoch fehlte dem Grundklang jegliche Wärme. Ein analoges Filter mit 24 dB pro Oktave Flankensteilheit, modulierbarer Eckfrequenz und Resonanz bis zur Selbstoszillation verschaffte Abhilfe. Drei Hüllkurven, ein vielseitiger LFO sowie umfangreiche Modulationszuweisungen rundeten das Bild ab. Die Klänge des PPG Wave 2.2 waren für damalige Verhältnisse erfrischend neu und unverbraucht, was sicher ein Grund für die immense Popularität des Synthesizers erklärte, trotz seines damaligen Marktpreises von rund DM 15.000.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    DietmarB

    Saga’s Hauptkeyboarder Jim Gilmour hatte ab 1984 gleich 2 blaue 2.2er in seiner Tastenburg, kann man auf allen 84/85er Videos schön sehen (youtube) und auf deren LP’s/CDs auch deutlich hören, vor allem bei „Intermission“ (Bläsersound und metallisches Solo), aber auch schon vorher bei „Wind him up“. Auf der Musikmesse 91 oder 92 hat er, damals von Saga getrennt, eine Microwave-Promo gemacht und u.A. „Scratching the Surface“ gespielt (zusammen mit dem Gitarristen von Klaus Lage).

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      iggy_pop AHU

      Gilmour hatte einen Wave 2 und einen Wave 2.2 — in einem zeitgenössischen Interview stellt er klar, wie deutlich die klanglixhen Unterschiede zwischen diesen beiden Gerätetypen sind. Den Wave 2 benutzte er ausgiebig auf „World’s Apart“, der 2.2 kam danach als Ergänzung des Bühnensets dazu (neben Mini Moog und zwei Memorymoogs, siehe „Rock am Ring 1985“).
      „…und behandelte den Waldorf PPG Wave 2.2. “ — Waldorf PPG Wave 2.2? Da stimmt aber was nicht so ganz, bloß was?

      • Profilbild
        ---

        Waldorf PPG Wave 2.2

        Vielen Dank für den freundlichen Hinweis. Der Text wurde entsprechend korrigiert.

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    Marko Ettlich AHU

    Der Klangcharakter ist doch ziemlich anders als bei den Microwaves und deren Nachfolger. Der PPG Wave klingt einfach fantastisch seidig und musikalisch. Ein wunderbares Gerät!

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      Tyrell AHU

      Habe schon auf Facebook gesehen das du jetzt in den Kreis der PPGler gehörst, Gratulation. :-)

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        Marko Ettlich AHU

        danke. ein microwave klingt aber auch toll! deshalb ist er auch hier im rack vertreten. nur eben anders halt.

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        FischerZ

        Ich hab auch einen. Sogar mit Waveterm. Zwar nur für den Rechner aber immerhin :-))))))))))

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    Piet66

    Ich bin in der glücklichen Lage, einen Wave 2.3 nebst Waveterm B mein Eigen nennen zu dürfen. Der Sound ist wirklich unvergleichlich vielschichtig, einzigartig, und inspirierend…ein echter Traum-Synth! Ich begegne gerade dem Wave immer mit einer gewissen Ehrfurcht. Hut ab vor Wolfgang Palm, der als grosser Visionär seiner Zeit um Lichtjahre voraus war. Vielen Dank für dieses wunderbare Instrument!!!

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    Necrotique

    ich weiß noch, damals… kurz nach der bundeswehr ca 1990 / 1991, bin ich nach hamburg wandsbek und wollte in die heiligen hallen von Palm Products GmbH. ich hatte noch alte gelbe seiten wo ppg noch mit adresse drin stand. ich war ziemlich traurig das es die da schon nicht mehr gab. war halt noch ohne internet & co :)
    es bleibt auf jeden fall noch ein großer traum von mir irgendwann ein wave nebst waveterm , prk/fd zu besitzen.
    vllt löte ich mir auch mal n ppg modular zusammen wenn ich an die schaltpläne komme ;)

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    RaHen

    Lieber Peter, vielen Dank für den sehr guten Bericht. Kurt Ader und ich haben den Wave 2.2 und 2.3 bei fast jeder Produktion (Moskwa TV, Axodry, Robotiko Rejekto, uvm.) in den 80ern eingesetzt. Noch gut kann ich mich an die sehr geilen Chöre, harten drahtigen Bässe und klaren Pads erinnern. Jetzt nutze ich eine UVI Library, um diese Klänge in meinen aktuellen Produktionen zu nutzen. Wolfgang Palm war seiner Zeit weit voraus. Herzliche Grüße, Ralf Henrich aka RaHen

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    Uli Ringhausen

    Ende 1987 stellte die innovative Firma ihre Geschäftstätigkeit ein.
    Es gab kein Konkurs ,die Firma wurde liquidiert .

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      Tyrell AHU

      vielen Dank für den wertvollen Hinweis, ich werde das sofort korrigieren wenn ich wieder am Computer sitze.

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    Filterpad AHU

    Der klang ist wirklich fantastisch und man wird sofort an 80er Jahre Film – & Serienmusik erinnert. Auch diese schwere, wuchtige Optik lässt was hochwertiges erahnen.

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    e-online

    bezüglich des genialen Klangspektrums und der sehr hohen Musikalität kann ich dem Text und den Kommentaren voll beipflichten. Die Kritik an der Bedienung des PPG sehe ich anders. Zum einen gelingt es dem Wave 2.2 das riesige Soundspektrum mit relativ wenigen Parametern zu erzielen, zum anderen sind diese bis auf Ausnahmen logisch aufgebaut. Klar, wann hätte die Bedeutungvon SW 0 bis 3 rotieren können, so dass SW0 anstatt SW3 den ausgeschaltete Suboszi bestimmt oder die Quellen für den Bender einzeln wählbar anstatt über BD 0 bis 7 etwas kryptisch einstellbar zu machen. Aber das sind Kleinigkeiten. Neben dem MicroWave I (den man leider auch nicht mehr für 550,- Euro bekommt) ist der PPG Wave heute noch mein Lieblingsessen.

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      t.kopper

      Aber der Sequenzer ist in der Bedienung für einen ohne Anleitung (oder mit der Anleitung im Kopf) unbedienbar gewesen. Was muss man für die einzelnen Stimmen doch gleich für die Aufnahme für einen Wert setzen?
      Und die Abkürzungen wie „SW“ für den zweiten Oszillator und EO und ES für Envelope auf Osz 1 bzw. Osz. 2 sind damals für die von den analog Synthesizern kommenden Musikern große Hemmnisse gewesen. Damals war man noch eine Funktion = ein Poti oder Schalter gewohnt. Aus heutiger Sicht ist das natürlich ganz anders zu sehen.

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        e-online

        eigentlich logisch:
        S=suboszi
        O= Oszillator
        E=envelope
        W=Wave

        Alles andere sind dann nur noch Kombinationen daraus. Es sollte eben alles auf einmal aufs Display passen.
        Wenn man sich überlegt, wie viele Infos das Display des Ensoniq Miraqe bei mehr als der zehnfachen Anzahlen Parametern anzeigte ( zweimal 7 Segment) war der PPG mehr als übersichtlich.
        Den Sequenzer nutze ich nie.

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    LX@VM

    Ich liebe die PPG Serie sowohl technisch als auch musikalisch. Diese Instrumente haben definitiv „Mojo“. Kompliziert finde ich die Bedienung nicht, aber als Neuling muss man schon lernen und verstehen, wie der Wave „tickt“, sonst ist die Frustrationsgrenze sehr gering. Einfach einschalten und loslegen geht am Anfang nicht ohne Manual.

    Auch sind sie nicht schlechter gebaut als andere Instrumente, so wie das gerne behauptet wird. Dass sie über die Jahre etwas Liebe brauchen, ist klar – aber welcher Klassiker braucht die nicht? :-)

  11. Profilbild
    Piet66

    Danke Peter, macht immer wieder Freude, über diesen tollen Synthesizer zu lesen.

    Seite 3, das Filter ist ein SSM2044.

    Ich betreibe meinen 2.3er am liebsten im 2.2er Modus.

    Der Sound des Wave ist charakteristisch, der Wiedererkennungseffekt ist hoch.
    Bereits das sonore Geklacker des Waveterm Diskettenlaufwerks ist Musik in meinen Ohren ;-)

    Das User Interface ist gewöhnungsbedürftig und erschliesst sich nicht unmittelbar / intuitiv. Das Handbuch sollte jedenfalls stets griffbereit sein, sofern nicht nur Presets abgerufen werden.

    U.a. korrodierte Steck-Kontakte liefern mitunter die tollsten Überraschungen und haben sicherlich auch dazu beigetragen, dass dieser Synth als nicht der zuverlässigste gilt. Regelmäßige Wartung ist angebracht. Mit geringem Aufwand (Isopropyl + Wattestäbchen) lässt sich schon gut Vorsorge treffen. Dass im Netzteil mal die Glättungs-Elkos ausgetauscht gehören, trifft auf alle Vintage Geräte zu.

    Die Verarbeitung der Platinen ist deutlich besser gegenüber z.B. OB-X, bei dem sich schlimmstenfalls auch mal Leiterbahnen selbstständig von der Platine lösen können (sic!).

    Ein geniales Instrument, dessen Möglichkeiten sich allerdings erst durch intensive Beschäftigung so richtig erschließen.

  12. Profilbild
    costello AHU

    Ich besitze den Microwave XT, der hat die Wavetables vom 2.2; aber ihm fehlt halt leider das geniale Filter. Was klanglich teilweise schon sehr nahe an die PPG’s herankommt, ist der SC VS. Der besitzt zwar keine Wavetables, dafür aber analoge Filter. Für 1.200 Euro (wie im entsprechenden amazona-Artikel vermerkt) bekommt man zwar selbst die Keyboardversion vom VS nicht mehr, im Vergleich zu den PPG’s ist er aber immer noch zum Schnäppchenpreis zu haben.

    • Profilbild
      Piet66

      @costello: Dem kann ich uneingeschränkt zustimmen, der VS ist eine hervorragende Option (ich schreibe jetzt mal nicht „Alternative“ zu PPG Wave…) für Wavetable-Enthusiasten mit Vorliebe für echte analoge Filter.
      Im direkten Vergleich klingt bei meinen Exemplaren der VS sogar noch direkter und druckvoller als der Wave 2.3.
      Danach kommen dicht gefolgt der Microwave 1, dann der XT, der schon recht digital/clean ist. Alle genannten Instrumente haben ihren eigenen Charakter und Charme, und das ist auch gut so.

      • Profilbild
        costello AHU

        Es ist ja auch kein Zufall, dass der VS dem PPG recht ähnlich klingt. Es gibt ein wunderbares Dokument im Netz, wo der frühere SC-Mitarbeiter Chris Meyer die Geburtsstunde des VS beschreibt
        http://www...../birth.txt
        Er analysierte damals cross fades beim Fairlight und beim PPG-System: As interest started to build, I started lobbying the marketing department to consider this new idea. I played them a tape of The Fixx, (where the keyboardist plays a Prophet 5 and a PPG Wave), and told then that we could design one instrument that could make all of the sounds. (The whole issue of what the VS would end up sounding like finally reached a head when the director of marketing stated to demand – well into the project – „Can it make the sound of a DX7 slap bass? If it can’t do a good slap bass, I want out of the project right now“. We just laughed at himn and said „We don’t know what it’s going to sound like!!!“. Thankfully the VS didn’t let us down…) Gut, dass der Slapbass nicht das VS-Projekt gekillt hat ;-)

    • Profilbild
      iggy_pop AHU

      Was „Glätte“ und „Glanz“ angeht, ist der VS dem PPG Wave 2.3 durchaus nahe — wenn auch die Klangspektren nicht so komplex sind.
      Aber wenn es eine Alternative sein soll und nicht bloß eine Krücke — dann kommt man am VS nicht vorbei.

  13. Profilbild
    Albedo39.0

    Wer Wave und Waveterm und Modular PPGs mal unter den Fingern haben möchte ist die Ausstellung – Analoge Kunst – in Aschersleben zu empfehlen. Gibt es im November ( wieder ) , kostet nix und Musik Abends gratis obendrauf.

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PPG Wave 2.2

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