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Blue Box: Publison DHM89B2 mit KB2000


StéréoAudioComputer

Der „Stéréo Audio Computer“ Publison DHM 89 B2 ist ein Pitch Shifter und Delay in einem 19 Zoll-Gehäuse mit drei Höheneinheiten, welches auch Arpeggios und verschiedene Modulationseffekte erzeugen kann.

Publison DHM 89 B 2

Publison DHM 89 B 2

Durch Erweiterung um das optional erhältliche Drei Oktaven-Keyboard KB 2000 wird daraus ein Stereo Sampler mit 16 Bit Auflösung und einer Samplerate von bis zu 53 kHz. Das gespeicherte Audiomaterial kann in Echtzeit und unabhängig voneinander in Tonhöhe und Geschwindigkeit manipuliert werden, ähnlich wie beim bekannten Roland VP9000 („Funk Soul Brother“), dem späteren VariOS oder dem aktuellen VSynth GT. Im Gegensatz zu diesen Geräten bietet die Bedienoberfläche des Testgerätes jedoch den Zugriff auf sämtliche Parameter. So lässt sich mit Drehpotentiometern die Start- und Stop-Position der Samples verändern, die Wiedergabe beschleunigen oder einfrieren oder im Sample „herumrühren“.

Publison KB 2000

Publison KB 2000

Für Interessenten: Der „Mainframe“ kostet 14990 Mark, das Keyboard schlägt mit weiteren 2990 Mark zu Buche. Das Gerät wird nur über autorisierte Fachhändler, nicht aber im Internet angeboten, denn … es gibt kein Internet. Der Listenpreis für einen VW Golf beträgt 10955 Mark. Wir befinden uns im Jahre 1980.

Willkommen in der Blue Box von Amazona.de.

Die Konkurrenz

Die Pariser Firma Publison, bis heute im Bereich der professionellen Broadcasttechnik für Audio und Video tätig, präsentierte den DHM 89 B2 im Jahre 1978. Das Gerät war eines der ersten kommerziell erhältlichen digitalen Audiogeräte der Welt und bildete mit dem AMS S-DMX die High End Studioklasse der noch wenigen damals erhältlichen Pitch Shifter und Harmonizer. Ende der Siebziger Jahre waren aber sowohl der Publison und der AMS den vergleichsweise preisgünstigen Zeitgenossen Eventide H910 und H949 technisch und klanglich überlegen, obwohl der Begriff „Harmonizer“ allein Eventide-Produkten vorbehalten war, die es schlussendlich in dem Marktsegment auch zu Weltruhm brachten.

Farbenfrohe Werbeanzeige für den DHM 89 B 2...

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Mit seinen Verzögerungs- und Modulationseffekten war der DHM 89 B2 aber auch Mitbewerber digitaler Echoklassiker wie dem AMS DMX15-80 oder dem Lexicon Prime Time M93. In Wahrheit blieb er aber ein Exot, der überwiegend von sehr zahlungskräftigen Tonstudios im europäischen Raum gekauft wurde.

...und das KB 2000.

…und das KB 2000.

Dennoch erscheint es plausibel, dass sich die Crème de la Crème unter den französischen, britischen und deutschen Elektronikmusikern mit dem Gerät beschäftigt hat, auch wenn sich die im Netz kursierenden „üblichen Verdächtigen“ (Jarre, Clark, Froese usw.) schwerlich zum Thema befragen lassen. Gesichert ist, dass Trevor Horn in den Achtziger Jahren neben einem Synclavier auch einen DHM in der Garage stehen hatte und ihn für die Alben von Frankie Goes To Hollywood auch verwendet hat.  Bei der Produktion von Cyndie Laupers Album „She’s So Unusual“ wurde ein DHM eingesetzt, Bediener war vermutlich Rob Hyman, im Hauptberuf Keyboarder der Hooters. Sehr deutlich ist der DHM auf vielen Prince-Alben zu hören, auch auf aktuelleren.

Das Testsetup: Das KB 2000 auf dem DHM 89 B2, darunter ein Abhör- und Summierverstärker.

Das Testsetup: Das KB 2000 auf dem DHM 89 B2, darunter ein Abhör- und Summierverstärker.

Zur Variation des Harmonizing-Effektes erschien im Jahre 1980 das Keyboard KB 2000. Vorbild waren sicher jene einfach gehaltenen Tastaturen, die auch die Firma Eventide für ihre Harmonizer anbot. Die gewünschte Tonhöhenveränderung wurde live auf dem Keyboard gespielt, der ersten „intelligenten Pitch Shifter“ war geboren. Ihre Beliebtheit hielt sich in Grenzen: Die Eventide-Keyboards blieben Ladenhüter, weil die ersten Harmonizer überwiegend von Gitarristen eingesetzt wurden. Die Publison-Tastatur wiederum war sehr teuer und sprach in ihrer merkwürdigen Zwitterrolle als Effektgerät und Controller weder Keyboarder noch Produzenten wirklich an.

Dennoch macht das KB 2000 aus dem DHM 89 B2 einen der ersten Sampler der Musikgeschichte: Das Synclavier von New England Digital war zwar bereits im Jahre 1979 samplefähig, ebenso erschien der australische Konkurrent Fairlight CMI. Beide Geräte waren jedoch erst im Jahre 1985 in der Lage, 16 Bit-Samples mit einer auch aus heutigen Sicht brauchbaren Samplerate von maximal 44.1kHz (Fairlight CMI) bzw. 100kHz (Synclavier) wiederzugeben.

Das erste Sampler, der Audiomaterial in ähnlicher Weise wie das Publison-System sowohl in Tonhöhe und Geschwindigkeit bearbeiten konnte, erschien sogar erst zur Jahrtausendwende; es war der Roland VP9000.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
  2. Profilbild
    • Profilbild
      psv-ddv ••••

      1982:
      – Fairlight 8bit, 30kHz, mono
      – Synclavier 16bit, 50kHz, mono
      1984:
      – Synclavier 16bit, 100kHz, stereo
      1985:
      – Fairlight 16bit 50kHz, stereo
      …oder 16bit 100kHz, mono

  3. Profilbild
    iggy_pop AHU

    Zu den weiteren Usern dieses Gerätes gehörte Manuel Göttsching (Ashra), der es (mutmaßlich) auf seinem Album „E2-E4“ sowie bei einigen Konzerten mit Klaus Schulze um 1981 herum sehr intensiv einsetzte, sowie — wie könnte es anders sein? — Kraftwerk, die das Publison-Teil neben einem Barth Audios und einem Friendchip Mr. Lab verwendeten.

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Blue Box: Publison DHM89B2 mit KB2000

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