Blue Box: Rhodes Chroma, Analogsynthesizer

11. Juni 2016

Big, Bigger, Chroma.

Vorwort der Redaktion:
Es ist mitunter schwer, wirklich gute Bilder seltener Vintage-Klassiker zu bekommen. Entweder sind die Bilder zu dunkel oder zu niedrig aufgelöst oder der begehrte Klassiker ist in einem miserablen Zustand. Nun, für diesen Artikel hat uns Andrej Shenshyn nicht nur fast alle Bilder in hervorragender Qualität geliefert, sondern den Rhodes Chroma zuvor auch noch eigenhändig und sehr aufwendig restauriert. Ganz am Ende des Artikels gibt es auch eine VORHER – NACHHER Fotostrecke, die wir Ihnen unbedingt ans Herze legen.

Und jetzt geht’s los mit dem BLUE BOX Report von Theo Bloderer.

Ihr
Peter Grandl

RHODES oder doch ein echter ARP?

Es ist doch pure Ironie: Hätte ARP den Chroma etwas früher auf den Markt gebracht, wäre dem Unternehmen vielleicht der rasche Untergang erspart geblieben. Schließlich zählt das letzte Produkt aus ARPs Schublade zu den besten und auch erfolgreichsten polyphonen Synthesizern, die jemals entwickelt wurden.

Rhodes statt ARP (c by Andrej Shenshyn)

Rhodes statt ARP

Doch ARP hatte zu Beginn der 80er Jahre bereits eine sehr eigenwillige und unwiderrufliche Geschichte hinter sich. Nach den grandiosen Erfolgen des ARP 2500 und – mehr noch – des ARP 2600 sowie seines kleineren Bruders ARP Odyssey zu Beginn der 70er Jahre schwelgte die Führungsebene in neuen Gefilden. Andere Highlights wie der Omni (das meist verkaufe ARP Keyboard) konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „money maker“ in der Produktionslinie dünn gesät waren. Doch statt marktorientierter und gut abgestimmter Konzepte ergab sich das Management ab Mitte der 70er Jahre einerseits der langatmigen Produktpflege erfolgreicher Instrumente, der Herstellung multitimbraler Tasteninstrumente mit überhängendem Keyboard und Designkapriolen zwecks Nominierung für die goldene Zitrone (ARP Quadra), der Entwicklung waffentauglicher Systeme (ARP Centaur), dem vergeblichen Versuch, Gitarristen in die Welt der Synthesizer zu locken (ARP Avatar) sowie dem fröhlichen Leben mit Wein, Weib und Gesang – etwas salopp formuliert.

1981 war ARP – nach massiven Verlusten rund um den Avatar und noch massiveren Schwierigkeiten rund um Materialprobleme des 16-Voice Electric Piano – nicht mehr liquide und wurde schließlich vom Unternehmen CBS Musical Instruments (Vertrieb von Rhodes) aufgekauft, das die Herstellung bzw. den Vertrieb des ARP Chroma (sowie des ARP Electric Piano) übernahm.

Zwei Mini-Displays, das wars.

Zwei Mini-Displays, das war’s.

Der Rhodes Chroma war indes ein gutes Geschäft, wurden bei einer kurzen Produktionszeit von nur 2 Jahren (1982 und 1983) bzw. einer unwesentlich längeren Verkaufszeit (ca. 1983-1985) immerhin 3000 Chroma Keyboards und einige Hundert Chroma Expander auf den Markt gebracht. Was nicht heißen soll, dass der Chroma zu seiner Zeit „unglaublich beliebt“ war. Es gab technische Probleme (vor allem mit der Stromversorgung), und die Komplexität des Instruments schreckte viele Benutzer ab.

Parallele zum Memorymoog: Zwei Displays

Parallele zum Memorymoog: zwei Displays

Doch von der ersten Stunde an gestand man dem Chroma erstklassige Klangqualität zu. Heute, wo findige Chroma Nutzer ein stabile Stromversorgung und eine umfassende MIDI-Schnittstelle für den Chroma entwickelt haben, ist das Instrument wie kaum ein anderer Vintage-Synthesizer eine Klasse für sich.

Rhodes Chroma C

(ARP) Rhodes Chroma

Rhodes Chroma – die Wende

Der Chroma markierte nicht nur für ARP den Wechsel zu CBS. Auch das Instrumenten-Konzept als Ganzes war eine Wende im Reich der polyphonen Synthesizer. Erstmals kam die Philosophie des „Anwählen einzelner Parameter und Editieren durch einen singulären Slider“ zum Einsatz. Diese spezielle Benutzerführung (digital access control) wurde vom Moog Source im monophonen Bereich bereits vorweggenommen und nun beim Chroma im polyphonen Bereich umgesetzt. Sie erleichterte den Zugang zum Instrument jedoch keineswegs und machte den Rhodes Chroma zu einem gewissermaßen „speziellen“ Synthesizer, vorzugsweise von echten Kennern und Fachleuten zu bedienen. An dieser Situation dürfte sich bis heute nicht allzu viel geändert haben. Während polyphone Klassiker wie Sequential Prophet-5/10/T8, Roland Jupiter-4/6/8, Moog Memorymoog, Oberheim OB-X/Xa/8 oder Yamaha CS-50/60/80 den direkten Zugang (fast) aller Parameter anbieten und sich heute wieder ungebrochener Popularität erfreuen, sorgt der Chroma (bzw. dessen Bedienkonzept) mitunter noch immer für Skepsis und dürfte den Kreis der Interessenten in zwei Lager spalten.

„This was never, and indeed still is not, a synth for novices. In the right hands, it is capable of stunning subtlety and richness of texture. In the wrong hands, it’ll simply get the user lost and bored.” (Colbeck, Julian: Keyfax Omnibus Edition, 1996).

Anschlüsse Rhodes Chroma

Rhodes Chroma G Rhodes Chroma H

 

Aufbau des Rhodes Chroma

Was den Chroma von allen zuvor genannten polyphonen Synthesizern unterscheidet, ist sein Aufbau. Als „Basis“ dient ein Kanal (man könnte auch Voice sagen). Der Kanal enthält einen Oszillator, einen Schwingungsformer, ein Filter und einen Verstärker – alles in analoger Hardware aufgebaut. Hinzu kommen noch vier via Software erzeugte Bausteine: ein Glide Generator, ein Sweep Generator und zwei Hüllkurven – fertig ist die Voice.

Wenn nur ein Kanal verwendet wird, ist der Chroma 16-stimmig spielbar. Es können allerdings zwei solcher Kanäle kombiniert (8-stimmige Polyphonie) und beliebig verknüpft werden. So lassen sich beide Oszillatoren (pro Stimme) ringmodulieren, die Filter beider Kanäle können parallel oder seriell geschaltet werden etc. Split- und Layer-Sounds (in true stereo) sind über eine LINK-Funktion zugänglich (die Polyphonie kann sich dabei auf 4 Stimmen reduzieren), spezielle Keyboard Algorithmen bieten schließlich noch eine Chord Memory- und Arpeggio-Funktion.

Rhodes Chroma Expander

Tatsächlich gab es für den Chroma auch einen Expander, mit dem sich die Polyphonie verdoppeln ließ. Der Chroma Expander passte perfekt auf die Keyboard-Version. Über das 25-Pin D-Sub Interface wurden beide System miteinander verbunden. Der Chroma Expander fungierte dann tatsächlich als Slave, das Keyboard als Master.

Soweit mir bekannt ist, lässt sich der Chroma Expander aber auch als eigene Einheit betreiben. Wer hierzu Informationen hat, möge uns doch bitte aufklären. Offenbar ist der Chroma Expander hier in Deutschland besonders rar, so dass im AMAZONA.de Netzwerk bislang kein Exemplar verfügbar ist.

(c by Andrej Shenshyn)

Abgerundet wird die enorme Flexibilität der schalt- und verknüpfbaren Stimmenarchitektur durch ein Meer an Modulationsmöglichkeiten sowie einer grandiosen 64-Noten Holztastatur, die speziell für den Chroma entwickelt wurde. Eine Version mit 88 Tasten wurde seinerzeit von Entwickler Philipp Dodds vorgeschlagen, kam jedoch nie zur Realisierung.

Modulationsmöglichkeiten des Chroma – der „kleine“ Xpander

Vom Chroma ist häufig zu lesen, dass er Modulationsmöglichkeiten bietet, die fast an den legendären Oberheim Xpander / Matrix 12 heranreichen. Im Gegensatz zu den genannten Oberheims ist beim Rhodes Chroma die Welt der Modulationsquellen jedoch mit entsprechend hochwertiger Hardware verbunden. Vor allem die ausgezeichnete Tastatur (Velocity und – wenn auch nicht bei allen Chroma Modellen – Aftertouch), die beiden Levers und das Chroma Pedal sind hervorragende Spielhilfen bzw. Modulationsquellen, die enorme Ausdrucksmöglichkeiten bieten können und den Chroma tatsächlich erst zu dem besonderen Musikinstrument machen, das es ist.

Original Werbeanzeige vom Rhodes Chroma

Die Modulationsziele sind ebenso imposant – es seien nur einige davon genannt: Attack, Decay und Release lassen sich spannungssteuern und – abhängig von der Tastatur und anderen, bereits genannten Controllern – beeinflussen. Natürlich sind gängige Parameter wie PWM, Filter Cutoff, VCA Amplitude, LFO Speed ebenso modulierbar.

1982 der Traum eines jeden Keyboarder: Chroma und Apple 2 zur Editierung

Quasi nur als „Auszug der vorhandenen Möglichkeiten“ möchte ich kurz auf die LFOs eingehen und hier Matthias Becker zitieren, der die Sweep Generatoren treffend beschreibt:

„Parameter 8 bis 12 kontrollieren die 16 Sweep Generatoren (LFOs) des Chroma, die zur Modulation von Tonhöhe, Wellenform (Pulsbreitenmodulation), Lautstärke etc. eingesetzt werden können. Die Frequenz dieser Sweep Generatoren ist in einem Bereich zwischen 0,12 Hz und 12 Hz regelbar und lässt sich zusätzlich durch 15 verschiedene Kontrollsignale modulieren.

Parameter 8 steuert die Synchronisation einer Gruppe von Sweep-Generatoren / LFOs. Vier verschiedene Modi stehen zur Wahl: 1 LFO pro Stimme asynchron, 1 LFO pro Stimme tastensynchron, 1 LFO für alle Stimmen freilaufend, 1 LFO für alle Stimmen tastensynchron.“ (Becker, Matthias: Synthesizer von Gestern, 1990).

Der Chroma verwendet CEM 3360 Dual VCA Bausteine

Der Chroma verwendet CEM 3360 Dual VCA Bausteine

Rhodes Chroma M

Sound und Praxis

Die Klangmöglichkeiten des Rhodes Chroma sind unglaublich. Das Instrument repräsentiert in etwa ein polyphones Modularsystem, das zusätzlich mit einer exzellenten Tastatur versehen ist. Da die Klangerzeugung völlig analog ist, bietet der Chroma warme, voluminöse, bissige und dynamische Analog-Sounds der Extraklasse. Der – auch bei Matthias Becker anzutreffende – Vergleich zum ARP 2600 ist nicht ganz von der Hand zu weisen und stellt schon ein gewisses Zeugnis für den Chroma aus, das praktisch von keinem anderen polyphonen Vintage Klassiker zu übertreffen ist.

Das Besondere des Chroma ist allerdings nicht nur der solide, astreine und zugleich enorm flexible Klang. Es sind seine unzähligen Keyboard-Modes, seine exzellente Tastatur, seine 4 Audioausgänge, seine Controller-Funktionen. Sie eröffnen in Summe dem Klang jenes Paket an Möglichkeiten, das den Chroma von aller Konkurrenz weit absetzt (nach vorne, versteht sich).

Leider ist der Rhodes Chroma aber auch schon ein Opfer der digitalen Steuerung (wie z.B. der Prophet 600) und neigt bei manueller Modulation des Filters zu hörbaren Treppchen.

Rhodes Chroma E

Leider Folientaster und kaum Fader und Knöpfe

Wer klopfet an …?

Eine noch zu erwähnende Kuriosität des Rhodes Chroma ist die Tatsache, dass mit jedem Anwählen eines Soft-Buttons und mit jedem Wertesprung im Display ein Klopfzeichen verbunden ist. Das deutliche „Klonk“ gibt akustisch ein Schaltergeräusch wieder, was in Anbetracht der an sich geräuschlosen Membran-Switches sicher eine schöne, luxuriöse Zugabe darstellt. Wer das „Klonk“ lieber nicht mag, kann es auch einfach ausschalten.

RHodes Chroma N

Chroma und MIDI

Für den Chroma gibt es (bzw. gab es) unterschiedlichste MIDI-Interfaces. Das ChromaFace (JLCooper Electronics), MIDI-Interfaces von Jellinghaus, Kenton, EES, Syntech und neuerdings das Chroma CPU Plus (CC+) – ein nagelneues CPU Board mit MIDI-Interface von David Clarke/Sandro Sfregola.

Rhodes Chroma O

Das letztgenannte Upgrade stellt einen erheblichen Fortschritt für den Chroma dar, da es zusätzlich den Programmspeicher des Instruments von 50 auf 200 Speicherplätze erhöht, das Betriebssystem erweitert und alle Parameter des Chroma über MIDI-SysEx steuerbar macht. Das CC+ umfasst:

  • Built-in support for 4 banks of 50 patches;
  • Native (on-board) MIDI support, including the ability to have all Chroma controllers sent/received via MIDI CC;
  • MIDI SyxEx implementation which directly allows the load/dump of patches in Syntech format;
  • Support for custom MIDI controller maps;
  • Built in hardware interface to support a future alphanumeric display;
  • Local Control mode;
  • ‚One touch‘ scratch patch creation;
  • Voice Watch mode;
  • Battery-less operation;
  • One EPROM load for both the Chroma and Expander (i.e., CPU boards directly interchangeable between the Chroma and Expander without the need to install different software);
  • Lower power/lower temperature operation; and
  • MIDI Activity indicator.

Quelle RhodesChroma.com

Des Chromas größtes Sorgenkind - das Netzteil.

Des Chromas größtes Sorgenkind – das Netzteil.

Chroma ist nicht gleich Chroma

Neben der Installation des CC+ MIDI-Interface ist vor allem der Tausch des Power Supplys (PSU) empfohlen. Nähere Informationen dazu gibt es auf der Chroma-Website.

Ein mit Chroma CPU Plus und neuem Netzteil versehener Rhodes Chroma stellt heute sicherlich eines der bemerkenswertesten Instrumente der gesamten Synthesizer-Geschichte dar. Und genau darin liegt auch der Haken rund um die Angebote am Gebrauchtmarkt. Ein „gewöhnlicher“ Chroma kann sich (und wird sich) in den meisten Fällen als Sparbüchse entpuppen, die man erst noch kräftig „füttern“ muss, bevor das Instrument jenes ist, das man sich wünscht.

Rhodes Chroma P

So kann sich ein „Schnäppchen-Chroma“ für 3000 Euro durchaus als Schuss nach hinten erweisen und erst nach Investition des nochmals identischen Betrages zum stabilen, zuverlässigen Instrument werden. Daher sei allen Chroma-Suchenden ein realistisches, gesamtes Investitionsbudget von mindestens 4.500 angeraten. Wer einen komplett refurbished Rhodes Chroma sucht, bei dem bereits PSU und CPU (mit umfassendem MIDI-Interface und Programmspeicher-Upgrade) integriert ist, das Netzteil ausgewechselt und das Holzchassis erneuert wurde, der muss sicher minimum 1.000 Euro mehr in die Hand nehmen.

Ein gut gewartetes und vor allem „zuverlässiges“ Instrument hat eben nach wie vor seinen stolzen (wenn auch gerechtfertigten) Preis.

Der Rhodes Chroma on YouTube

Neben Theos wunderschönen Demos, haben wir auch wieder zwei YT-Video mit aussagekräftigen Beispielen gefunden. Here we go:

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich kann mich an den Chroma nur als entfernte Galaxis in meinem Synthesizer-Universum erinnern. Das Teil thornte an prominenter Stelle in einem Musikhaus am Kölner Ebertplatz und wurde dort wie die Bundeslade bewacht. Wenn dann ein Initiierter entratt dessen Ruhm den Raum erhellte, und eine Einweisung in die Geheimnisse des wuchtigen Instruments bekam, dann mussten die Gitarrenröhrlinge im hinteren Teil des Ladens schweigen. Herr Bloderer, ich beneide Sie um das Instrument (und einige andere in Ihrer Sammlung). Danke für die feinen Tests …

  2. Profilbild
    3300ppm

    Ja, der Chroma ist schon eine Klasse für sich – was die Sounds anbelangt. So kann man zwei Klänge übereinander legen und den einen per Tastendynamik „überblenden“ ohne dabei die Split oder Layer-Funktion und Stimmen zu verschwenden. Die Bedienung ist ein Kapitel für sich, aber wenn man die Parameterflut des Instrumentes betrachtet, mit Reglern und Schaltern würde es schwerlich übersichtlicher.
    Zum Kauf eines Chroma:
    Neben einem neuen Netzteil und der CC+ Platine erwarten einen jede Menge kleiner Feilereien an allen Ecken und Kanten.
    Deshalb sollte man mit einem guten Elektroniker befreundet sein, sonst wird es unbezahlbar!

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    gaffer  AHU

    Das war doch der RockIt Synth, ein schönes Gerät und wie ich finde klasse umgesetzt, im Gegensatz zum kleinen Nachfolger

  4. Profilbild
    Electric

    Zusammen mit meinem Synthex und dem CS80, ist der Chroma mein absoluter Lieblingssynth, auch wenn ich bei ihm die direkte Bedienung manchmal schmerzlich vermisse. klanglich läßt er so manchen neuanalogen Synth sehr blaß aussehen.

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    costello  RED

    Vielen Dank für den wie immer wunderbar geschriebenen Bericht von Theo, aber auch für den sehr aufschlussreichen „Vorher-Nachher“-Teil. Sah ja ganz schön abgeschrappt aus, der schöne Chroma. Es zeigt sich einmal mehr, dass es wenig Sinn macht, so ein Teil günstig zu „schießen“, wenn man nicht gewillt oder in der Lage ist, es vernünftig in Stand zu setzen. Der Chroma selbst ist ein absolutes Aussnahmeinstrument. Ein Keyboarder einer befreundeten Band damals bei „Rock gegen rechts“ in Berlin hatte ihn im Kombination mit einem Prophet (den konnte man schön oben drauf legen und auch klanglich war das eine sinnvolle Kombination). Die Tastatur war toll, aber bei der Bedienung und Soundprogrammierung hat er damals auch ziemlich geflucht ;-)

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    iggy_pop  AHU

    Der Chroma wurde noch 1986/87 bei Musik Produktiv verzweifelt für z. T. unter 5.000 DM herausgehauen — gebracht hat es nichts: Zu spät, zu teuer, zu kompliziert, zu anfällig, zu groß, zu schwer.
    Einer der schönsten und nützlichsten analogen Polysynthesizer, die je gebaut wurden — wenn man einmal mit der blöden Bedienung warm geworden ist.

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    TobyB  RED

    Hallo Peter und Theo,

    sehr schön geschrieben, wenn ich mir die PSU so ansehe und die Originalen Schaltpläne ist es fast ein Wunder das da a) nichts rauscht und pfeift und b) irgendwann riecht es komisch. Passt so gar nicht zu den sonstigen „Innovationen“ im Chroma. Der steuernde MC68B09P technologisch dem Z80 überlegen und steuerte alles von Raketen, Taschenrechnern. Und diversen Industriesteueranlangen, war Bestandteil im Airbus. Und im Gegensatz zu den Z80 wesentlich problemloser zu programmieren. Vermutlich erklärt das auch die Treppchenbildung 8bit sind nun mal nur 256 Stufen, und um mal Dave Rossum zu zitieren, ab einer Mantisse von 32 bit beim Kleinsignalverhalten wirds interessant.

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    Filterspiel  AHU

    Das Schaltnetzteil hat auch ohne nachgeschalteten Tiefpass (vermute ich mal) keinen Einfluss auf den Klang? Man hört ja des öfteren, dass diese Netzteile in höherwertigem Audio Bereich eher gemieden werden, vielleicht aber auch nur aus Nostalgiegründen.

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      TobyB  RED

      Hallo Filterspiel,

      das verbaute Netzteil stellte damals den „Standard“ dar. Und so wie ich das technisch sehe war der Chroma sehr empfindlich gegen Einstreuungen. Wenn du dir die Originalschaltung und den Aufbau auf dem Foto ansiehst, wirst du feststellen, das alle Spannungen aus einer sekundären Trafowicklung eines M gewickelten Trafos kommen. Und dann entsprechend gleichstromäßig runtergeregelt werden. Die Halbleiter der PSU liegen alle auf Masse zu Kühlung. Die magnetische Belastung und die thermische Belastung dürften bei dieser Schaltung hörbar sein. Zum anderen, dürfte die 5V Digitaltechnik Spannungsschwankungen mit rumzicken quittiert haben. Das Schaltnetzteil als Ersatz braucht m.E keinen Tiefpass, vermutlich wird da aber einer verbaut sein. Gegen Schaltnetzteile spricht nichts, wenn sie entsprechend der Last dimensioniert wird. Dann pfeift und brummt auch nichts. Im höherwertigen Audiobereich werkeln mittlerweile auch fast nur noch Schaltnetzteile. Ringkerntrafo und Co werden fast nur noch von „Traditionalisten“ verbaut. Die überschüßige Energie wegheizen ist mehr so ganz Stand der Technik. Schlußendlich kann dir bei der alten PSU im Falle von Überlast, das ganze CPU Board abrauchen, da dann auf Masse 12V oder mehr liegen.

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        Filterspiel  AHU

        Ok, das bei Überlast (die ja ganz eindeutig ein Designfehler netzteilseitig wäre) Probleme auftreten ist schon klar. Ich nehme an der Trafo ist mit Mittelanzapfung gewickelt, welche die Masse darstellt, die bei den anderen Enden jeweils positiv und negative Spannungen ausweisen. Von dort geht es nach der Gleichrichtung und Glättung dann mit Längsreglern (78xx und 79xx, bzw. diskret mit Zenerdiode aufgebauten Spannungstabilisatoren, irgendwas in der Art) weiter. In diesem Aufbau kann ich aber nicht sehen, wie einer der Stränge auf ein Mal bei Überlast dafür sorgt, dass die Masse Spannung führt. Wenn das tatsächlich der Fall ist, muss der Aufbau der Spannungsversorgung doch anders sein, als von mir vermutet.

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    Thomas Columbo  

    Ach ja, der Chroma ! Als Student, die Nase plattgedrückt am Schaufenster des seligen Music City Köln, konnte ich mir nur das Prospekt leisten. Später hat es dann für einen Polaris auf Raten gereicht, kein Vergleich, aber dennoch ein guter völlig unterschätzter Vintagesynth. Dann noch viel später habe ich endlich einen Chroma bekommen,günstig, zwar in optisch schlechten Zustand, aber Sound soweit ok. Das Teil nahm aber im Studio ziemlich Platz weg und das Arbeiten damit ist auch zeitaufwendig. Da sich immer nach kurzer Zeit irgendwelche Tasten verabschiedeten und ich keine Lust mehr hatte, ständig die Kiste aufzuschrauben und nachzujustieren, habe ich den Chroma dann abgegeben, zusammen mit meinem vintagegear (Xpander, Jupiter 8) wobei ich den Verkauf des Chroma am meisten bedauere. Das Teil ist einzigartig und mE der Analogpolysnth schlechthin…

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      costello  RED

      Solche Geschichten von verkauftem Vintage Gear stimmen mich immer leicht melancholisch….

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        micromoog  AHU

        Man braucht bei den Kisten auch öfter gute Nerven, das ist teilweise Masochismus pur, dafür wird man mit einzigartigen Sounds belohnt!

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      Klaus Joter  

      Das kann ich nur bestätigen. Der Chroma ist auch für mich der beste polyphone Analoge überhaupt. Aber auch ich habe irgendwann das Handtuch geschmissen, denn ein Synthie muss mit mir zusammen arbeiten und funktionieren. Wenn das nicht gegeben ist, muss man sich eben trennen. Alles andere ist Nostalgie oder Image-Gehabe.

  10. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich bin mir sicher, im Jahre 2067 wird man auf Amazon. De, wenn alle PC s verreckt sind, und es Windows 7 nur noch auf CD gibt, dann wird man den vst plugins genau so nachheulen wie heute den Transistoren Anhäufungen heute.

  11. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Dachte Bob Moog nicht ganz, sein Erbe trägt ganz neue Früchte zb. Mother oder sub 37 oder wie der Haffe heißt

  12. Profilbild
    Thomas Columbo  

    Ja, das ist aber auch ne Frage von Ressourcen (Platz/Kohle) und Prioritäten. Und Platz schaffen für Neues. Und momentan beschäftige ich mich mit dem Matrixbrute. Für mich als „alten“ Synthesist der moderne Oberhammer….

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