Blue Box: Roland MKS-10, Piano-Soundmodul

20. Juni 2020

Ein schwergewichtiges Piano-Modul

Wer den Begriff “MKS-10” googelt, bekommt als Ergebnis auf den ersten zehn Positionen Hinweise auf einen Mini-Kühlschrank, während „Planet P“ uns zu Planet P Project von Tony Carey, einem Modehaus und einem Planeten aus dem Starship-Troopers Universum führt. Alles nicht sonderlich hilfreich also, aber ein deutlicher Hinweis, dass es Rolands Piano-Modul „Roland MKS-10 Planet P“ aus dem Jahr 1984 – anders als beispielsweise der DX7 aus dem Jahr 1983, der bei der Suche prominent die ersten 150 Trefferpositionen beansprucht – nie zu übermäßiger Beliebtheit gebracht hat. Was aber irgendwie auch kein Wunder ist: Magere acht Pianosounds, verpackt in eine zehn Kilo schwere Kiste – das war nicht unbedingt das, wonach die Tastenfraktion im Jahr 1984 lechzte. Mit dem eben erwähnten DX7 hatte Yamaha ein Jahr zuvor eine Soundrevolution losgetreten, da schien der MKS-10 ein wenig aus der Zeit gefallen. Aber fristete der Roland MKS-10 Planet P zu Recht ein Nischendasein? Oder wurden seine Qualitäten einfach verkannt?

Mein Roland MKS-10 Planet P

Vor rund 50 Jahren wurden in den deutschen Städten und Dörfern Fachwerkhäuser abgerissen und der Stuck an Gründerzeitgebäuden abgeschlagen: Weg mit dem alten Kram, lautete damals die Devise, klare Linie und ein aalglatter Look waren  plötzlich angesagt. Was man später dann zutiefst bereute. Warum ich das erzähle? Weil es eine ähnliche Entwicklung auch mal bei den Synthies gab: Ende der 80er, Anfang der 90er waren Analoge out. Der DX7 krempelte den Markt um, Roland D-50 oder Korg M1bestimmten den Sound der Charts. Um sich die Neuen leisten zu können, trennten sich damals viele Hobbymusiker von ihren analogen Geräten und gaben sie zum Teil auch beim Dealer ihres Vertrauens in Zahlung, wo sie dann mangels Nachfrage irgendwann auf dem Wühltisch landeten.

Dort fand ich – bei einem Händler in Berlin Schöneberg (richtig: Music Market) – Ende der 1980er dann auch meinen Roland MKS-10 Planet-P. Ich hatte zwar keine Vorstellung, was genau das eigentlich war, dafür aber gerade aufgrund einiger gut bezahlter Musikjobs (ich machte damals Musik für Games) etwas Geld in der Tasche und noch viel Platz im Rack. So schleppte ich den Trumm (zusammen mit einem „Oberheim Drummer“ und einem Korg DRM-1 Drum-Modul, für alle drei zahlte ich am Ende dann 50 D-Mark) nach Kreuzberg. Und setzte den Planet P auch tatsächlich in den Folgejahren ab und zu mal bei einigen Produktionen ein. Irgendwann aber begann dann seit vieljähriger Dornröschenschlaf in den Tiefen eines Racks in einer fernen Zimmerecke – bis ich ihn für diesen Test wieder ins Leben zurückholte. Und siehe da: Er läuft immer noch mit gut vernehmbarem Trafosummen wie am ersten Tag.

Die MKS-Familie von Roland

Der MKS-10 Planet-P war nicht der erste Vertreter der Roland MKS Baureihe. Bereits 1983 war der MKS-30 Planet-S erschienen, eine MIDI-Rack-Modulversion des JX-3P mit einigen Verbesserungen – ein analoger Synthie mit zwei DCOs pro Stimme, sechsstimmig polyphon und insgesamt 128 Patches und äußerlich dem MKS-10 recht ähnlich. Mit Hilfe des Roland PG-200 lässt der sich leicht programmieren. Gehandelt wird er aktuell mit Preisen um die 900 Euro (inklusive Programmer). Den AMAZONA.de Test zum MKS-30/PG-200 finden Sie hier.

Roland MKS-80 Super Jupiter

Der MKS-80 mit Programmer

Zusammen mit dem MKS-10 erschien 1984 dann auch der Roland MKS-80 Super Jupiter, eine überarbeitete Version des legendären Roland Jupiter-8, Rolands erstes wirklich professionelles Analog-Monster. Das achtstimmige Rack-Modul (2 HE) kam mit 16 analogen Oszillatoren (also zwei pro Stimme), den typischen Roland-Filtern und vor allem auch mit Unmengen von Editiermöglichkeiten. Um die trotz der eher rudimentären Bedienelemente am Gerät selber auch voll ausschöpfen zu können, gab es optional den MPG-80-Controller. Zu hören ist der fette Sound des MKS-80 unter anderem in Produktionen von Vangelis, Vince Clarke, den Pet Shop Boys, OMD, Herbie Hancock, Hans Zimmer oder Hardfloor. Wer den heute erwerben will, muss schon ordentlich was auf den Tisch legen: Rund 4.500 Euro werden inzwischen laut Syntacheles Liste für das Paket aus MKS-80 und MPG-80 verlangt – der Neupreis lag damals bei 2.500 US-Dollar. Unseren Test dazu finden Sie hier.

Ein echtes Schnäppchen dagegen ist heute der Roland MKS-20, der 1986 auf den Markt kam. Ursprünglich hatte der mal über 3.000 DM gekostet, heute gibt es den  gebraucht für rund 150 Euro. Die Expanderversion des RD-1000 Keyboards beinhaltete acht Pianosounds plus Vibraphon, die allerdings weit weg sind von einem perfekten Abbild. Trotzdem war der eigenständige, markante und sehr durchsetzungsfreudige Sound des MKS-20 in den späten 80ern recht beliebt (etwa bei Elton John) und wird in den USA bis heute in der Gospelszene genutzt.

Ebenfalls aus dem Jahr 1986 stammt der Roland MKS-7 Super Quartet, der erste multitimbrale MIDI-Synthesizer mit Drum-Sounds überhaupt. Er verfügt auf 2 HE über vier Sektionen: Eine monophone Bass-Sektion mit 20 Sounds, eine duophone Melodie-Sektion plus die 4-stimmige Chord-Sektion. Die Rhythmus-Sektion bietet 11 Drumsounds, die in etwa denen der TR-707 entsprechen. Der MKS-7 lässt sich auch in einen „Whole-Modus“ versetzen, in dem dann nur die Chord-Sektion aktiv ist, die dann aber 6-stimmig ist und einem Juno-106 ähnelt. Gehandelt wird der MKS-7 mit rund 700 Euro.

Roland MKS-70 Super Jupiter

Der MKS-70 Super JX

1986 war die Glanzzeit der MKS-Serie. So erschien auch der Roland MKS-70 Super JX, die Rack-Version des Roland JX-10 Synthesizers – der wiederum eine Art doppelter JX-8P mit einigen neuen Extras war/ist. Der 12-stimmige MKS-70 (mit je 2 DCOs pro Stimme) hat seine Stärken bei den weichen Flächensounds, für Solo-Einsätze fehlt es ihm an Durchsetzungsvermögen. Die Programmierung des 2 HE Moduls lässt sich mit dem PG-800 bequem bewerkstelligen. Da die gebrauchten Modelle des JX-10 mit der Zeit recht anfällig sind, ist der platzsparende MKS-70 auch heute noch in den Studios weit verbreitet, auch wenn er mit einem Preis von rund 1.500 Euro samt PG800 nicht unbedingt ein Schnäppchen ist. Hier der AMAZONA.de Testbericht dazu.

Und auch der Roland MKS-100 kam 1986 erstmals auf den Markt, ein 8-stimmiger Digital-Sampler mit eingebautem 2,8 Zoll Diskettenlaufwerk (damals auch als Quick-Disk Format bekannt). Der interne Speicher umfasste vier Bänke à 64 kB, insgesamt also 256 kB; alle vier möglichen Samples zusammen brachten es damit auf eine maximale Länge von 4,4 Sekunden. Einen externen Programmer oder gar einen Monitoranschluss wie bei Roland S-330 gab es nicht, da mussten Tasten und einzeiliges Display reichen. Insofern ist der MKS-100 heute auch nur noch für Sammler interessant; die bekommen den Sampler dann auch schon für rund 50 Euro.

Roland MKS-50 Alpha

Der Roland MKS-50 Alpha war der letzte der MKS-Baureihe.

Ein Jahr später dann kam mit dem Roland MKS-50 Alpha der letzte Vertreter der MKS-Reihe heraus und ist eine schlanke Rack-Version (1 HE) des 6-stimmigen Roland Alpha Juno 1-Synthesizers.

Obwohl der MKS-50 ebenso wie die Juno-Serie lediglich über einen DCO pro Stimme verfügt, klingt er dennoch nicht ganz so voll. Und auch die Vintage-Strings klingen mit Hilfe des beliebten Roland Chorus recht ansprechend. Mit etwa 350 Euro ist der MKS-50 heute durchaus erschwinglich. Hier geht es zu unserem Test von Alpha Juno / MKS-50.

Übersichtliches auf der Frontseite

Der Roland MKS-10 Planet-P (wobei das „P“ für „Piano“ steht) ist ein wahres Monster: Das 2 HE Rack-Modul hat eine Einbautiefe von satten 40 cm und bringt dank Komplett-Stahlbauweise stolze 10 kg auf die Waage – und das bei einem Gerät, das gerade mal acht Sounds an Bord hat. (Macht 1,25 kg pro Sound – rechnen Sie das mal spaßeshalber auf moderne Synthesizer um). Für seine Größe gibt sich die Front erstaunlich aufgeräumt und dünn besetzt. Theoretisch wäre da sogar noch Platz für ein größeres Display (wie beim MKS-20) oder einen Cartridge-Slot (wie beim Vorgänger MKS-30) gewesen; praktisch aber hat der MKS-10 für derartige Spielereien kaum eine Verwendung.

Bitte wählen Sie Ihr Instrument!

Stattdessen befinden sich im zentralen Mittelfeld dann lediglich acht beleuchtete Taster für die acht Sounds: 2x Piano, 2x Clavi, 2x Harpsichord, 2x E-Piano. Links daneben die beiden FX-Abteilungen, besetzt mit Chorus/Flanger (oben) und 2x Tremolo (Sägezahn und Rechteck, unten); beide können mit separaten Drehreglern (Rate/Depth) geregelt werden.

Die Effekt-Sektion des MKS-10

Daneben dann zwei Fader: einer für das Volume und einer für „Brilliance“, der den Höhen etwas mehr Schärfe verleiht, mehr „Brillanz“ also. Ganz links außen schließlich eine Kopfhörerbuchse (die mit über den Volume-Regler gesteuert wird) und ein Tune-Regler, über den der MKS-10 um bis zu einem Halbton hoch- oder runtergestimmt werden kann. Seine Grundstimmung liegt bei 442 Hz (übrigens der Kammerton von Sinfonieorchestern in der Schweiz, während in Deutschland und Österreich 443 Hz üblich sind, international dagegen 440 Hz. Das nur nebenbei).

Die MIDI-Sektion. Neben dem Display die Reste des Sonderangebot-Aufklebers, die sich leider nie ganz entfernen ließen.

Auf der rechten Seite lässt sich der MIDI-Channel, auf dem der MKS-10 MIDI-Befehle empfängt, mit zwei Tastern von 1-16 durchsteppen; die Kanalnummer wird in einem zweistelligen Display mit Taschenrechnercharme angezeigt, außerdem zeugt ein Message-Indikator von der erfolgreichen Datenübermittlung. Der gewählte Kanal wird übrigens im Gerät gespeichert und zwar 30 bis 50 Stunden lang, wie das Handbuch stolz verkündet. „If more time has been elapsed before you switch on the MKS-10 second time, the display will show irrelevant number, but this is nothing to worry about.” Ach ja, die 80er – da wurden Fehler noch einfach im Handbuch beschrieben, statt sie mal zu beseitigen. Und niemanden hat es gestört. Dass der Power-Schalter dann groß und massiv ist und es bei seiner Betätigung dann irgendwo tief im Gehäuse zuweilen furchterregend laut scheppert, wundert da auch nicht mehr.

Überschaubar: Die Anschlüsse auf der Rückseite

Spärlich bestückt: Die Rückseite

Die Anschlüsse auf der Rückseite sind schnell beschrieben: MIDI IN und MIDI THRU (MIDI war 1983 von Roland und Sequential Circuits erstmals vorgestellt worden und daher zu der Zeit noch etwas Besonderes), zwei Klinkenbuchsen für den Stereoausgang (bzw. mono, wenn nur eine bestückt wird) plus ein kleiner Schiebeschalter (H/M/L), um eine Vorauswahl für das Outputlevel zu setzen. Die Buchse für den Kaltgerätestecker akzeptiert keine 3-poligen Standardstecker, da nur zweipolig und damit ungeerdet (C18 ist die Bezeichnung für diesen Typen). Den ich bisher sonst nicht im Studio-Umfeld gefunden habe, auch meine anderen alten Analogen nutzen stets die 3-polige Variante. Aber ich bin kein Elektriker und kann nicht sagen, ob das heutzutage ein Nachteil und/oder eine Gefahrenquelle darstellt. Hinweise dazu sind gern willkommen.

Das komplexe Innenleben des MKS-10

Die Technik: Jupiters Organbank

Der Roland MKS-10 Planet-P ist 16-fach polyphon, was für das Jahr 1984 schon eine recht ordentliche Leistung war. Die acht Sounds (wie vorhin schon beschrieben: 2x Piano, 2x Clavinet, 2x Harpsichord, 2x E-Piano) können nicht kombiniert oder gemischt werden, der MKS-10 ist also monotimbral. Versteckt im Handbuch findet sich der Hinweis, dass via MIDI-Change acht weitere Patches ausgewählt werden können; die unterscheiden sich aber nur in der Länge ihrer Release-Times. So haben die Piano-, Harps- und E-Pianosounds dort – im Gegensatz zu den Sounds, die per Panel angewählt werden – kurze und die Clavi-Sounds lange Ausklingzeiten.

Die Klangerzeugung geschieht per DCO, Enveloping und vor allem die nachfolgenden Filter sind aber analog. Hier kommen die (fast schon legendären) IR3109 VCF-Chips von Roland zum Einsatz, die auch im Jupiter-8/Jupiter-6/Jupiter-4, Jun- 6/Juno-60, SH-101, JX3P, MKS-80 und anderen verbaut sind. Dieser Chip wird auf eBay aktuell für rund 50-60 US-Dollar pro Stück (!) angeboten. Wer also mal ein derartiges Ersatzteil für seinen Jupiter braucht und technisch geschickt ist, findet hier im MKS-10 mit seinen 16 IR3109 ein entsprechend großes Ersatzteillager.

Der VCF-Chip Roland IR3109 ist 16x verbaut

Die Effekte sind in zwei Blocks gesetzt (Chorus/Flanger und Tremolo Sägezahn/Rechteck). Untereinander können die Effekte nicht kombiniert werden – also kein „Chorus plus Flanger“ – wohl aber blockweise, heißt: Chorus oder Flanger kann noch ein Tremolo hinzugefügt werden. Sämtliche Kombinationen aus Effekt und Patch lassen sich auch per MIDI via Program-Change erreichen, von 0 wie „Piano 1 mit langem Release und no effect“ bis 127 wie „E-Piano 2 mit kurzem Release plus Flanger und Sägezahn-Tremolo“.

Im Netz geistern zur Technik des MKS-10 auch einige falsche Angaben herum. So ist zum Beispiel zu lesen, dass die Anschaffung schon allein wegen seines Arpeggiators lohnen würde (er hat keinen) oder dass der MKS-10 über 128 Speicherplätze verfüge (hat er auch nicht).

Simpelste Bedienung, wohin man schaut

Die Bedienung

Angesichts des sehr überschaubaren Angebot an Sounds und der sehr aufgeräumten Front ist die Bedienung des Roland MKS-10 Planet-P an sich extrem simpel und selbsterklärend. Ein Blick ins Handbuch lohnt aber trotzdem. Da findet sich dann nicht nur der versteckte Hinweis auf die acht zusätzlichen Patches, sondern auch die Erklärung, wie man den MKS-10 dagegen sperren kann, Program-Changes zu empfangen (Patch-Taste gedrückt halten, während der MKS-10 eingeschaltet wird).

Roland MKS-10 Planet-P

Sämtliche Program-Changes auf einen Blick

Ausprobiert: Die Sounds des MKS-10

„This (the MKS-10) produces a waveform independently for each tone color and pitch; therefore, the created tone color is extremely realistic” – verkündet das Handbuch etwas sehr optimistisch. Nun, von einem „extrem realistischen Sound“ ist der Roland MKS-10 nach heutigen Maßstäben zwar meilenweit entfernt, auch klingen die Patches trocken ohne die Effekte recht blass und farblos, werden dann aber mit Hilfe von Chorus und Flanger deutlich aufgewertet und besitzen einen durchaus eigenen Charakter und Charme. Das durchsetzungsfähige Piano 1 ist gut für die Akkordhämmereien der 80er geeignet, während Piano 2 mit seinem leicht ins Harpsichord gehenden Sound da eher für die etwas weicheren Sachen prädestiniert ist. Während das Clavi 1 sich noch sehr harmonisch und warm gibt  und auch für breitere Akkordpassagen geeignet ist, hat der spitze Clavi 2-Sound in Verbindung mit dem Chorus das für den Funk notwendige punchige Durchsetzungsvermögen; wenn man da noch einen externen WahWah-Effekt dranhängt (siehe Klangbeispiele), ist die Entfernung zum Hohner D6 nicht mehr ganz so groß. Die beiden Clavi-Sounds gehören klar zu den klanglichen Highlights des MKS-10

Die beiden Harpsichord-Sounds sind mir etwas zu beliebig und dünn, selbst mit Effektverstärkung; aber das ist sicherlich auch Geschmackssache – auch sie werden sicherlich ihre Daseinsberechtigung haben. Bei den E-Pianosounds sollte man Fender Rhodes und Wurlitzer als Vergleich aus seinem Kopf streichen, das MKS-10 gibt sich da deutlich „glockiger“ und mit Flanger-Einsatz auch recht obertonreich. Das hat durchaus was markantes, eigenständiges, ist dafür aber auch nicht ganz so vielseitig einsetzbar.

Ob davon wirklich rund 500.000 Stück verkauft wurden, wie die Serial No. suggeriert, bezweifele ich

Ein eher seltenes Stück

Anders als seine MKS-Kollegen (MKS-20/30/50) wird der Roland MKS-10 Planet-P nur recht selten angeboten; so ist er in der Syntacheles-Liste dann auch gar nicht aufgeführt, auch in einigen Aufstellungen der Roland-Synthies von 1974 bis heute wird er glatt unterschlagen.  Das mag daran liegen, dass der MKS-10 wohl schon zu Lebzeiten kein großer Verkaufsschlager gewesen sein wird; wurden die anderen MKS-Modelle teilweise drei Jahre und länger produziert, war beim MKS-10 nach gut einem Jahr schon wieder Schluss. Den damaligen Originalpreis konnte ich leider nicht mehr ausfindig machen; zum Zeitpunkt dieses Artikels (Juni 2020) habe ich noch zwei Angebote im Netz gefunden, beide in den USA, beide für je rund 330 US-Dollar.

Der Roland MKS-10 on YouTube

Fazit

Das Piano-Rack-Modul Roland MKS-10 Planet-P war schon zu seiner Zeit eher ein Nischenprodukt und konnte wegen seines schmalen Soundangebots und der fehlenden Editierbarkeit nicht mit den erfolgreicheren größeren Vertretern der MKS-Familie (50/70/80) mithalten. Wer ihn irgendwo für kleines Geld mal sehen sollte und ein paar interessante 80er-Jahre-Pianosounds brauchen kann, kann aber trotzdem zuschlagen. Und wenn der MKS-10 dann doch nicht zum Einsatz kommen sollte, taugt er immer noch als Filter-Ersatzteillager für Jupiter & Co.

Plus

  • massiv und unzerstörbar
  • technisch robust - läuft auch nach 36 Jahren noch einwandfrei
  • leichte Bedienung
  • guter Clavinet-Sound
  • 16 Roland IR3109 VCF-Chips verbaut
  • klassische Roland Effekte (Chorus, Flanger, Tremolo) onboard

Minus

  • lediglich acht Sounds
  • keine Editiermöglichkeit
  • braucht viel Platz im Rack

Preis

  • Gebrauchtpreis (Stand 06/2020): ca. 300,- Euro
Klangbeispiele
Forum
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    Numitron  AHU

    Zitat:“Mit nur einem DCO pro Stimme klingt der MKS-50 nicht ganz so voll wie die alten Junos“ die junos besitzen ebenfalls nur einen Oszillator

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      m.steinwachs  RED

      Ja, war etwas nachlässig formuliert von mir. Sollte eigentlich implizieren, dass die alten Junos Trotz nur einem Oszillator besser klangen. Ich hab den Satz daher jetzt geändert.

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    costello  RED

    Danke für die Vorstellung des Planet-P. Die Spinett- und Clavinet-Sounds sind wirklich brauchbar. Das E-Piano muss man wohl als eigenständiges perkussives Klangregister würdigen, denn mit einem Klavier oder E-Piano hat der Klang nicht allzu viel zu tun. Aber insgesamt finde ich die Roland-Geräte dieser Zeit mit ihren Fimo-farbenen Knöpfen einfach knuffig :)

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      m.steinwachs  RED

      Deshalb ist er MKS bei mir noch immer im Rack – erinnert an die Zeiten, als die Synthies noch spielerisch aussahen :-)

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    nativeVS  AHU

    Erinnert mich klanglich irgendwie sehr stark an das Yamaha CP30, das man auf einigen Herbie Hancock alben sehr schoen hoert und natuerlich schwer auf Fleetwood Mac’s Tusk.

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    Willemstrohm  AHU

    Klassiker – ja. Aber nichtsdestotrotz enorm statischer Klang. Kann man sich nicht immer schön reden. In den 80ern noch State of the Art, heute eher ’ne nostalgische Schmunzelnummer.

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    swissdoc  RED

    Sehr schöner Bericht über das einzige MKS Modul, das ich nicht besitze, den Sampler MKS-100 mal aussen vor gelassen. Interessant ist der Blick ins Service Manual, dort sieht man wie die Waveforms aus zwei Rechteckwellen gemischt werden. DCOs der einfachen Art. Der Chorus/Flanger natürlich auf BBD-Basis mit MN3007.
     
    Wer mag, kann an der Feedbackschleife im Filter herumspielen. Dort ist für den Abgleich der Filterfrequenz ein Jumper vorgesehen. Man könnte dort einen Trimmer einbauen, also genauer 16x und den Filtern etwas das Pfeiffen beibringen. Ob es lohnt, sei dahingestellt.
     
    Laut A-Z von Peter Forrest lag der Neupreis 1984 bei GBP 990 bzw. NLG 3750, was etwa DEM 3000 entsprochen haben sollte.
     
    Nach Erscheinen des MKS-20 1986 wird keiner mehr den MKS-10 gekauft haben, auch wenn er bis 1987 in Produktion war. Quelle wieder A-Z.

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        nativeVS  AHU

        Der MKS-20 ist wohl der beruehmteste Gospel Piano sound; hoert man auf vielen spaet 80er produktionen wie z.b. Toto 7 und permanent bei Driving Miss Daisy und einigen weiteren frueheren Zimmer sachen.

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        costello  RED

        Auf den MKS-20-Sound war Roland so stolz, wie Korg auf den M-1-Pianoklang. Als ich mir 1995 das Roland Stage-Piano RD-500 kaufte, war da eine eigene Bank nur für MKS-20-Sounds reserviert.

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          swissdoc  RED

          Mit Recht durften sie stolz sein. Klingt auch genial. Auch wenn ich dem Marketing-Blurb über die Structured Adaptive-Synthese nie recht glauben mochte, sondern es einfach für gut gemachtes Multisampling mit Datenkompression halte.

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          TobyB  RED

          Unsereins hat sich damals immer in die Wolle bekommen ob nun der Korg oder Roland Piano Sound besser war. Ich hab und präferiere immer noch die Sounds der M1, vielleicht nicht mit den Originalen Effekten. Ich glaub ich pack mal die M1 aufs Rack.

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              TobyB  RED

              Ich steh immer mal wieder vor dem Kleiderschrank und frag mich welcher Synth würde mir heute passen ;-) Allerdings konnt ich mich noch nicht für die Roland Piano Sounds begeistern. Ich hab zwar noch einen D110 und würde den nicht als Richtschnur nehmen. Bis dato finde ich die Yamaha Piano Sound sehr gut und wenn eben das M1 obwohl, man landet da immer schnell bei dem typischen 90er Orgel/Piano Sound. Der übersteht auch einen Roland Jazz Chorus.

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                Willemstrohm  AHU

                „Ich steh immer mal wieder vor dem Kleiderschrank und frag mich welcher Synth würde mir heute passen ;-)“

                Der modebewusste Nerd greift zum kleinen Schwarzen.

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                  TobyB  RED

                  :-D

                  Meine kleinen Schwarzen hängen oder liegen eher im Rack ;-) Stichwort Boss Micro Racks. Der Kelch mit Racksynths ging bis auf eine S1m, M1000, M3r und D110 gottseidank an mir vorbei. Da muss man auch Prioritäten setzen, ich musste eh grade erst ein neues Jaspers kaufen, was schon wieder voll ist. ;-)

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    swissdoc  RED

    Das mit den 30-50 Stunden Speicherzeit für den Midi-Kanal ist sicherlich kein Bug, sondern einer bewussten Design-Entscheidung geschuldet. Für einen Paramter eine Speicherbatterie einzubauen wäre etwas übertrieben gewesen. Immerhin weisen sie den User im Handbuch darauf hin.

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    Son of MooG  AHU

    Diese Sounds hätte ich mit dem Juno-6 und passenden FX auch kreieren können. Dabei habe ich auch oft die Pulse Wave des DCOs durch die Hüllkurve moduliert, was gut für SciFi Piano-Sounds ist. Beim JX-3P war das ja dann leider nicht mehr möglich…

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    TobyB  RED

    Gut geschrieben! Optisch sieht die Kiste schon gut aus. Wie Costello habe ich ein Faible für die Farben und die Knöpfe aus dieser Ära. Das Preset / Gewicht Verhältnis und die Sound sind natürlich schon speziell. Mir würde auf Anhieb nur eine Verwendung für das EPiano einfallen und das Chorus Piano. Das hat Beef am Knochen. Danke!

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    micromoog  AHU

    Der MKS10 war einer meiner ersten ebay Käufe anno 2000. Leider ausversehen. Bin ca 40 Sekunden vor Ende auf die Auktion gestoßen, geblendet von „Planet“ dachte ich an Planet S und schlug für 220,xy € zu.
    Bemerkte es natürlich erst als alles vorbei war. Der Verkäufer bestand auf die Abwicklung, als eBay Greenhorn wollte ich keinen Ärger.
    Selbst für 100€ Interessierte sich kein Schwein für die Kiste.
    Nun steht die immer noch hier und mittlerweile bin ich froh über das Ersatzteillager für meine danach gekauften Kisten.

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      TobyB  RED

      Ich hätte da eine Idee nach Art der Ferengi Erwerbsregeln. 16xIR3109x60USD ergibt 960USD. Und du tust ein gutes Werk.

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        micromoog  AHU

        Mittlerweile sind hier viele, für die Chips passende Geräte. Bevor ich im Jahr x >100€ für die Beschaffung bezahlen muss, halte ich die noch bei mir.
        Oder profitiere dann vom Verkauf.

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    Piet66  RED

    Schöner Bericht, vielen Dank.

    OT: Bei „Planet P“ musste ich spontan an Planet P Project’s „Why Me“ (Tony Carey) denken.
    Diese Platte muss mal wieder auf den Teller!

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