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Blue Box: Roland SH-101, STORY I


Roland SH-101

Für den Klassiker ROLAND SH-101 haben wir in unserer BLUE BOX Serie gleich ZWEI Beiträge. Neben diesem Beitrag gibt es auch von unserem Autor Moogulator HIER, einen ebenfalls sehr ausführlichen Beitrag.

Die graue Roland SH-101 mit Modulationsgriff

Die graue Roland SH-101 mit Modulationsgriff

Natürlich haben viele Synthesizer-Schmieden großartige Beiträge zur Musikgeschichte geleistet. Wer würde dies Moog, Oberheim oder Sequential Circuits auch absprechen wollen. Aber wohl nur ein Unternehmen darf zu Recht von sich behaupten, eine neue Jugendkultur initiiert zu haben – wenngleich dies auch nicht ganz freiwillig geschah…

Die Rede ist von der Firma Roland. Das japanische Unternehmen entwickelte in den späten 70ern und frühen 80ern eine Handvoll Synthesizer und Drum-Machines, deren innovativer Sound seiner Zeit weit voraus war und erst rund zehn Jahre später gebührend geschätzt wurde. Danach aber waren die Rolands als zentrale Bausteine zahlreicher neuer elektronischer Musikstile nicht mehr wegzudenken. Ohne sie hätte es die Dance- und Techno-Bewegung und somit die beherrschende Clubkultur der 90er-Jahre wohl niemals gegeben.

Natürlich hatte Roland beim Bau der legendären TR-, SH- und TB-Modelle 1980 noch nicht die geringste Ahnung davon, welche Ehre den Geräten eine Dekade später zuteil werden würde. Schließlich benutzte man Synthesizer damals vor allem dazu, Naturinstrumente auf elektronischem Wege zu simulieren, und genau in dieser Disziplin waren die legendären Modelle TR-808, TR-909, TB-303 und SH-101 – obgleich von Roland durchaus dafür vorgesehen, komplett überfordert. Dementsprechend hielt sich die Nachfrage anfangs in überschaubaren Grenzen. Zwar sah man in den 80er-Jahren ab und zu einen bizarr geschminkten Vokuhila-Typen mit umgehängter knallroter SH-101 durch die noch jungen Musikvideos wackeln, aber das Gerät verkam in den meisten Fällen zur Dekoration.

Es dauerte also fast zehn Jahre, bis innovative DJs und Liveacts die Rolands in die Hände bekamen und deren tighten und druckvollen Sound für die Kreation einer neuartigen elektronischen Musik nutzten, die von nun an gemeinhin als House und später auch als Techno bezeichnet wurde.

Während die TR-808 und die TR-909 für die Erzeugung druckvoller Drumsounds benutzt wurden, empfahl sich vor allem die Roland TB-303 für charakterstarke Blubber-Bässe und bissige Lead-Sounds. Das prägnante Tiefpass-Filter der TB-303 konnte an der Cutoff-Frequenz eine starke Resonanz erzeugen, die mit ihrem Pfeifen einen ganzen Musikstil prägte. Der so genannte Acid-House wurde mit Vorliebe in stillgelegten U-Bahn-Schächten auf geheimen Partys aufgelegt und erfreute sich bald einer großen Anhängerschaft, die von nun an im Dauerrausch der pumpenden Tunes und bewusstseinserweiternder Drogen nichts mehr bewegte außer sich selbst.

Jeder Produzent von acidlastigem Sound wollte damals eine 303 haben, doch die Anzahl der produzierten Synths war aufgrund des geringen Initialerfolges des Modells sehr überschaubar. Dank der starken Nachfrage und des geringen Angebots stieg der Gebrauchtpreis für die kleinen silbernen Rappelkisten bald auf mehr als 2000 Mark (1000 Euro) an. Die logische Konsequenz war die Suche nach einer preiswerteren Alternative. Schnell stießen die Produzenten der Dance-Community zu Beginn der 90er-Jahre auf den Roland-SH-101-Synthesizer, der von den Japanern bereits 1982 auf den Markt gebracht worden war.

Die SH-101 klingt sehr drahtig und verfügt wie die TB-303 über ein resonanzfähiges Filter, mit dem die typischen Acid-Sounds erzeugt werden können. Im Gegensatz zum Schwestermodell wirkt ihr Sound nicht ganz so rotzig, aber das nahmen die Käufer bei einem Gebrauchtmarkt-Preis von ca. 800-1000 Mark (400-500 Euro) gern in Kauf. Tatsächlich ist die Architektur der SH-101 sogar komplexer als die einer TB-303, wodurch unterm Strich auch vielfältigere und interessantere Klänge möglich sind. Darüber hinaus verfügt die Roland SH-101 über eine kleine Einspieltastatur mit zweieinhalb Oktaven. Aufgrund dieser Vorzüge und des verhältnismäßig günstigen Anschaffungspreises avancierte das Gerät in der Szene schnell zum Geheimtipp, und nicht wenige Acts – unter anderem die famosen Derwische der britischen Acid-Kombo The Prodigy – zogen die SH-101 der TB-303 sogar vor.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    fcd72

    Es gibt auch noch andere Synthesizer deren Hüllkurven so schnell sind dass sie Knackser produzieren…
    Wieso das passiert ist hier unter „Q: Why do some synths produce clicks?“ beschrieben: http://faq.....product=mw

  2. Profilbild
  3. Profilbild
  4. Profilbild
  5. Profilbild
    Marko Ettlich RED

    Ich habe meinen noch :)

    Die Kiste macht einfach höllisch Spaß und entwickelt im Bassbereich einen Wahnsinns-Druck.
    Nur für Acid viel zu schade ;)

  6. Profilbild
    Chris

    Ich fand den SH-101 auch gut… bis ich bessere Synths bekam. Ich habe ihn vor zehn Jahren verkauft und bis heute nicht vermisst. Er wird in diesem Test meiner Meinung nach überbewertet – Techno hin- oder her.

    Man darf nicht vergessen: ein beschränkter Single-VCO-Synth, der in punkto Basis-Sound-Charakter bei weitem nicht mit einer TB-303 vergleichbar ist.

    Was ich an ihn mochte, war der eingebaute Sequenzer und der Arpeggiator. Und bestimmte Bässe, die an ARP Odyssey erinnern – heute nehme ich dafür den ARP.

  7. Profilbild
    studio-kiel

    Das war mein erster Synthesizer als ich 13 und der weltweit größte Jarre-Fan war. Leider hatte ich da noch überhaupt keine Ahnung von der Materie… Er stand in Preetz (Dorfstadt) im Schaufenster eines Musikladen – sogar mit Roland-Bag und Handgriff für 350 DM :) Die großen Augen des kleinen Sunny haben meine Mutter dann dazu bewegt ihn mir unter den Christbaum zu legen *yeah* Als ich da dann aber nur Hubschrauber- und Maschinengewehrsounds rausbekam, anstatt tolle Jarre-Sound, hab ich ihn kurze Zeit später wieder für 300 DM verkauft. Ein paar Jahre später hab ich ihn dann in den Keyboards-Kleinanzeigen für 1100 DM gesehen – und mich leicht geärgert, weil ich da dann wusste, was ein LFO und eine Hüllkurve ist ;)

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