Blue Box: Roland SH-7, Vintage-Analogsynthesizer

3. April 2021

Das Topmodell der legendären Roland SH-Serie

Der Roland SH-Sound ist immer noch beliebt. Ob es alte Synthpop-Weisen von Eurythmics bis Human League sind oder Techno der 90er oder Clubtracks von heute, die SH-Maschinen sind klanglich offenbar auch messbar ein Erfolgsmodell über mehrere Dekaden. Der Roland SH-7 war die entwicklungstechnische Spitze der SH-Serie und der vorletzte Vertreter seiner Art.

Im Prinzip tatsächlich eine Weiterentwicklung des Roland SH-5, auch wenn der heute in der Gunst der Vintage-Sammler ein wenig vorne liegt.

Schon in den 80ern kam nur noch der Roland SH-101 auf den Markt, während die bisherige Serie bereits in den End-70ern schon aus der Produktion genommen wurde, da die Welt nun Polyphonie und Speicherbarkeit wichtiger fand. Die Zeit der polyphonen Schlachtkreuzer brach an.

Die Geschichte des Roland SH-7

Der vierstimmige Jupiter-4 war fast gleichzeitig mit dem „fast monophonen“ SH-7 erschienen und stellte die älteren Synthesizer dadurch ins Schattenlicht. Die Synthesizer-Historie der Firma Roland begann mit dem SH-1000 im Jahr 1973. Roland ging aus dem Orgel- und Rhythmusgerätehersteller ACE hervor und wurde 1972 gegründet. Die Technik ist bis zum Roland SH-7 weitgehend diskret aufgebaut und kann deshalb auch heute relativ einfach gewartet oder repariert werden.

Inzwischen schreiben wir ein anderes Jahrtausend und Roland hat sogar die Bezeichnung SH wieder entdeckt – zweimal sogar. Die digitale Serie (SH-32, SH-201) hat jedoch sowohl klanglich als auch technisch nicht viel mit den Ur-Vintagern zu tun. Der Knackpunkt für Roland scheint hier eher die Anmutung und Bedienung zu sein. Die SH-Serie war einfach, stets übersichtlich beschriftet und lud zum direkten darauf Spielen ein. Kompliziert an ihnen war eigentlich nichts und besonders der Roland SH-101, der Roland SH-09 und ideell der Roland SH-2 (wenn man ihn mal zu Gesicht bekam) erfreuten sich in der Techno-Welt der 80er und 90er einer sehr großen Beliebtheit.

Die Rolands sind heute relativ einfach zu MIDIfizieren und besitzen nicht selten bereits die dafür notwendigen analogen Steuereingänge. Die Kosten dafür liegen bei etwa 300-400 Euro. Der SH-101 hatte auch wegen seines Arpeggiators und Sequencers einen weiteren Schritt gemacht – der Roland SH-7 stammt aus der Zeit davor und deshalb eine kleine technische Rückblende:

Vorbild die Synthesizer von ARP

Die Vorbilder der SH-Serie sind schnell ausgemacht: Ikutaro Kakehashi, Gründer der Firma Roland, schielte in den 70ern nach Amerika. Viele Funktionen erinnern an ARP Synthesizer. Das mag aus heutiger Sicht schwerfallen, da Rolands frühe Synthesizer heute eine große Fangemeinde haben und der Klang ebenfalls eigenständig ist, bis dahin waren sie aber ein unbeschriebenes Blatt: Man wollte Minimoog und Odyssey – nicht SH! Deshalb musste es auch ein wenig günstiger sein als die Amerikaner. Die Konzeption erinnert in einigen Punkten zumindest dem Odyssey – besonders auffällig wird das im Gesamtrückblick aller SH-Synthesizer.

Der Roland SH-5 und einige andere besitzen AR- und ADSR-Hüllkurven und Sample & Hold Schaltungen. Ringmodulation gibt es in den beiden Spitzenmodellen Roland  SH-5 und Roland SH-7. Das Routing erfolgt mittels kleiner Schalter, die sehr übersichtlich auf dem Gehäuse skizziert sind und wesentlich nachvollziehbareren Signalwegen folgten, als die etwas willkürlich-chaotisch anmutende Beschriftung eines Odyssey. Das war um Längen übersichtlicher und optisch sicherlich besser gelöst. Löst man sich von diesem besseren Bedienkonzept, so bleibt bei Roland SH-7 und Roland SH-5 insbesondere ein deutlicherer Eindruck des Vorbildes, als dies heute scheint. Die 70er waren übrigens jene Jahre, in denen Japan eher als Billig-Plagiatsland auffiel und langsam in Richtung Eigenständigkeit tendierte.

Die erste Begegnung mit der Legende

Wie damals üblich, kaufte man den SH-7 im mitgelieferten Case, schließlich war der SH-7 für die Bühne gebaut worden. Vier kleine Rollen am Fußende sollten den Roadies das Leben erleichtern.

Der ultimative Flash traf Synthesizer-Kenner aber bereits vor dem ersten Ton, denn der schwarze Koffer offenbarte ein samtblaues Inneres.

Selbst die Gurthalterungen im Case waren aus blauem Nylon gefertigt. Beim Öffnen der Schatztruhe fühlt man förmlich den Spirit der 70er.

Der klangliche Aufbau des Roland SH-7

Die Liste der „Features“ des Roland SH-7 war nicht kurz und liest sich wie ein „best of-SH“:

Oszillatoren und S&H

Zwei Oszillatoren mit harter Synchronisation bilden die Basis. Ein Oszillator bietet zudem ein Mischsystem an, das es erlaubt, Rechteckschwingungen aller Oktavlagen von 32“ bis 2“ stufenlos zu mischen. Das System ist vom Roland-SH3a bekannt und flexibler als ein simpler Suboszillator. Die Schaltung selbst wurde mit Frequenzteilern realisiert und ermöglicht eine einfache additive Mischung zum Andicken des Klanges oder für orgelartige Sounds im Schnellverfahren. Beide Oszillatoren können durch eine kleine einfache Hüllkurve moduliert werden oder durch eine Sample & Hold-Schaltung mit Zufallstönen aufwarten.

Die Hüllkurve versteckt sich hinter dem Begriff Autobend und kann für beide Hüllkurven positiv oder negativ vorjustiert werden (steigend/fallend). Der Sync-Sound klingt etwas ungewöhnlich – er hebt sich damit deutlich von anderen Modellen ab. Er klingt ein wenig LoFi-mäßig und hat eher einen perlenden Charakter. Das klassische Schneiden muss man sich eher erkämpfen und hat mit dem Wahnsinns-Sync der Odyssey-Synthesizer eher wenig zu tun. Interessant ist das trotzdem, falls man nicht den erwarteten Effekt sucht; Obertöne erzeugt er natürlich auch. Die Oszillatoren bieten beide voneinander unabhängige Pulsbreitenmodulation (PWM) und Justage an. Gegenüber dem Roland SH-5 musste der Roland SH-7 einen LFO einbüßen, weshalb eben dieser meist die Quelle für die PWM ist. Auch eine Hüllkurve kann die Pulsbreite modulieren, eine lange SH-Tradition. Die Oszillatoren haben jeweils die üblichen Schwingungsformen an Bord (Säge, Rechteck, Puls/PWM und Dreieck). Sie sind zusätzlich zu dem additiven Mix des ersten Oszillators verfügbar. Anders ausgedrückt ist der Roland SH-7 ein Zweioszillatoren-Synthesizer mit Spezial-Suboszillator-System.

LFO

Die Schwingungsformwahl ist klassisch gewählt und in Sinus-Betriebsart gibt es eine Fade-in Möglichkeit. Der Grund, warum man die anderen Schwingungsformen nicht einfaden kann, bleibt ein Geheimnis. Die Sample & Hold-Abteilung (S/H) ist vollwertig. Sie ist keine LFO-Schwingungsform-Option, sondern die Taktung und Quelle ist genauso wählbar wie die Glättung zwischen den Einzelwerten. Damit können schnell und einfach kleine Arpeggiator-artige Melodien realisiert oder schöne Synthpop-Treppenstufen-Modulationen auf das Filter gejagt werden. Während der LFO eher mäßig schnell ist (ca. 20-25 Hz), erreicht die Clock-Taktung des S/H auch Audiogeschwindigkeiten (gut 100 Hz).

S/H? Was war das noch mal? Technisch schaut sich die Sample-Schaltung bei jeder Taktung an, was an dessen Eingang anliegt. Es merkt sich dann den genauen Pegel aus den aufschaltbaren Schwingungsformen Rauschen, Dreieck oder Sägezahn. Dies mündet bei Rauschen in getaktetem Zufall, bei Sägezahn in eine steigende Treppenspannung mit wählbarer Glättung und Treppenstufenlänge. Das S/H ist damit grundsätzlich nicht ganz offen, jedoch weit flexibler einsetzbar, als das meist bei aktuellen Synthesizern der der Fall ist. Die Funktionsweise ist schnell erklärt: Fragt man mittels Takt diese Schwingungsform ab, so erhält man bei Wahl „Random“ das berühmte Computer-Bleepsen als getaktetes Zufallssignal: eine zufällige Melodie mit gleichförmigen Längen. Bei Dreieck-Anwahl ergeben sich regelmäßig steigende und fallende Treppenstufen, beim Sägezahn-Modus ergibt dies eine Treppenstufen-Spannung, die nach Erreichen des Maximalpunkts auf Null zurückspringt.

Alle Signale werden in einem zentralen Mischbereich zusammengeführt. Wie schon erwähnt, sind hier die additiven Oszillatorenteiler getrennt von VCO1 und 2 mischbar. Ebenso vorhanden sind Ringmodulation der beiden VCOs und Rauschen, das sich auch auf rosa umschalten lässt (lautere Bassanteile). Die Ringmodulation kann übrigens auch ihr zweites Signal alternativ von einem externen Signal beziehen, anstatt vom zweiten Oszillator. Interessant ist in dem Zusammenhang, dass der Roland SH-7 einen Hüllkurvenfolger hat, der die Lautstärkenschwankungen des externen Signals auf das Filter übertragen kann. Im Rhythmus eines Beats kann das Filter zuschnappen und sogar vorher ringmoduliert werden. Viele Synthesizer leiten leider ihre externen Eingänge nur durch das Filter. Daher ist der Roland SH-7 als eher überdurchschnittlich ausgestattet zu bewerten.

Filter und Hüllkurven

Der Roland SH-7 hat als einziger SH-Synthesizer zwei komplette ADSR-Hüllkurven. Diese sind sehr schnell und schnappen gut zu. Die Einstellungen der kurzen Zeiten sind jedoch mit weit mehr Feingefühl zu justieren, als das beim Jupiter-4 der Fall ist. Beide Hüllkurven können über den LFO gestartet und damit für lange Selbstläufer-Klang-Orgien verwendet werden.

Das Filter ist ein 24 dB/Oktave mit Tiefpass-Charakteristik und Resonanzfähigkeit. Ein statisches Filter „entbasst“ bei Bedarf den Klang. Es handelt sich dabei um ein resonanzloses Hochpassfilter, das typisch für die Roland Synthesizer und eben das Vorbild ARP Odyssey ist. Das Tiefpassfilter dünnt ein wenig bei hohen Resonanzwerten aus – das ist zwar mathematisch und physikalisch korrekt, jedoch auch ein recht charakteristisches Merkmal. Der Klang ist neutraler als die amerikanischen Gegenspieler jener Zeit (Moog, ARP) und klingt im positiven Sinne „poppig-mittig“, was mit Sicherheit auch mit verantwortlich für den großen Erfolg der Serie war. Ein anderer Pluspunkt war schlicht der damalige günstigere Preis. Der Roland SH-7 ist wegen seiner nur kurzen Marktpräsenz eher selten geblieben und ist heute ein recht gesuchtes Instrument – mit ein wenig Geheimfaktor, welches nicht selten Höchstpreise auf dem Gebrauchtmarkt erreicht. Es gibt nun einmal viel mehr Leute, die zwar einen Jupiter-8 kennen und „auf eBay schon für 7.000 Euro gesehen haben, aber dieser Schlag Leute kennt oftmals Synthesizer wie den Roland SH-7 nicht einmal.

Die größte Stärke des Roland SH-7 ist neben den beiden schnellen und „vollständigen“ Hüllkurven (2x ADSR statt 1x AR und 1x ADSR) das flexible Routing für die Filtermodulation. LFO, S/H, externe Pedale und der Hüllkurvenfolger können das Filter modulieren. Somit kann ein pumpender Beat am Eingang das Filter rhythmisch öffnen oder schließen. Die Hüllkurve(n) können auch invers auf das Filter einwirken und sogar Rauschen ist als Modulationsquelle erlaubt.

Das Highlight des Roland SH-7

Der Clou ist die höchst offizielle Quelle VCO2 für das Ziel Filtereckfrequenz! Das ist die Frequenzmodulation des Filters mit dem Oszillator (kurz: Filter-FM)! Die Filter-FM ist eine wunderbare Quelle metallischer und experimenteller Klänge und in Zusammenhang mit den schnellen Hüllkurven auch für spannende Analog-Percussionklänge prima einzusetzen. Obwohl es 5 Regler und damit 5 Modulationsquellen gleichzeitig gibt, muss man sich mittels Schalter unterhalb der Regler bei manchen Quellen für eine entscheiden. Etwas schade ist, dass S/H und LFO nicht gleichzeitig möglich sind. Dennoch sind die Möglichkeiten allein durch diese wirklich hohe Flexibilität noch heute enorm für einen Synthesizer dieser Konzeptionsform. Übrigens ist auch optional, welche Hüllkurve die Lautstärke steuern soll. Es gibt auch einen Hold-Regler, der Drone-Sounds für Ambient sehr leicht macht. Auch hier heißt das Vorbild natürlich Odyssey.

Alles muss versteckt sein

Ziemlich unscheinbar an der linken Seite hat der SH-7 eine Option „Two Note“. Diese Funktion lässt pseudopolyphone Klänge zu, indem zwei gleichzeitig gespielte Tasten jeweils den beiden VCOs zugewiesen werden. Es ist selbstverständlich nur ein Filter vorhanden, jedoch können Ringmodulations-, Sync- und FM-Klänge mit dieser Methode äußerst musikalisch gespielt werden. Auf dem Odyssey ist dazu ein kleiner Technohit entstanden: Underworlds „Rez“ – die Älteren erinnern sich noch? Hier spielt ein Finger die Obertonstrukturmelodie, während der andere Ton einfach festgehalten wird und gelegentlich einen anderen Grundton hält. Diese zunächst als Einschränkung zu sehende „Möchtegern-Polyphonie“ entpuppt sich zum echten Geheimfeuer, wenn man es spielen kann und will. Es lohnt sich gerade heute, dies einzusetzen, da in einer MIDI-Welt solche Ideen bisher nicht umgesetzt wurden und dennoch Ausdrucksstärke und Klangvielfalt bedeuten.

Die Anschlüsse des Roland SH-7

Der Roland SH-7 ist nicht nur mit Trigger- und Steuerspannungs-Eingängen ausgestattet, er verfügt auch über Ausgänge für analoge Synthesizer mit Gate und CV. Er bietet sich damit als eine Art Masterkeyboard für analoge und modulare Systeme an, die die Volt/Oktave-Steuerlogik verwenden. Diese ist heute sehr gängig, auch bei Doepfer oder Moog Voyager und anderen aktuellen Synthesizern. Die Triggerung bringt 10 Volt an den Ausgang und dürfte damit auch Tote und Semitote lebendig machen können.

Etwas schwieriger könnte der SH-7 es mit neueren Sequencer-Typen haben, wenn er angesteuert werden soll. Diese bieten oftmals lediglich 5 Volt TTL-Pegel als Gate/Trigger an und müssen auf 10 Volt hochkonvertiert werden. Die Schaltung ist zwar sehr einfach und kann von jedem halbwegs begabten Techniker in wenigen Minuten zusammengebaut werden, jedoch ist sie zwingend nötig, damit der Herr irgendetwas tut. Das gilt allerdings auch für die alten ARP Synthesizer. Selbst hierbei hatte man wohl ein Vorbild. Übrigens ist es sehr leicht, aus dem SH-7 fette EBM-Sounds und Bässe zu erzeugen. Selbstverständlich kann er auch anders.

Spiel mit mir

Sehr erfreulich ist die Spielhilfen-Abteilung links in der Ecke neben der Tastatur: Der Bender kann für Filter, Tonhöhe und Lautstärke einzeln justiert werden und sogar der LFO ist über den Bender für jede dieser Modulationsziele einstellbar. Das ist damals live sehr schnell und übersichtlich umregistrierbar gewesen und leider bei heutigen Synthesizern in dieser Form verschwunden oder in die Modulationsmatrix oder eine kleine Modulationstiefensektion in irgendein Menü verbannt worden.

Dieses ist in der Eile oft nicht so schnell umzustellen wie hier im SH-7. Wie schon mehrfach erwähnt: Die SH-Synthesizer waren schlicht sehr musikalisch und intuitiv zu bedienen. Solche Details ziehen sich durch Rolands Analogsynthesizer-Serien, bis sie alles nur noch durch einen Bender mit einer Modulationshebelfunktion durch Druck nach hinten ersetzten (ab der Jupiter-Serie). Ab hier war die Ideologie auf Klangverkauf umgeschlagen und man verkaufte die Bedienelemente nun einzeln, um günstigere Preise zu erreichen.

Roland SH-7 vs. SH-5, wer bietet mehr?

Unabhängig davon, dass einen heute die Suche nach einem Roland SH-7 oder SH-5 auf eine Geduldsprobe stellt, die am Ende such noch finanziell kostspielig wird, stellt sich dennoch die theoretische Frage, wer von beiden wohl der bessere SH ist.

Für den Roland SH-5 sprechen dabei das hervorragende Bandpassfilter, die verschiedenen Filtermodi des Hauptfilters und sein zweiter LFO.

Ein weiteres großes Plus des SH-5 ist mit Sicherheit das unbedingt manuell zu spielende statische, aber wundervoll klingende Bandpassfilter mit Resonanz (!)

Für den Roland SH-7 sprechen die besseren Hüllkurven, die knackigeren Filter (24 dB/Oktave), der Duo-Note-Mode und nicht zuletzt die Filter-FM nebst Modulationsvielfalt oder der Hüllkurvenfolger.

Bei den Hüllkurven kommt durch den Wechsel von AR auf ADSR auch eine bessere Fähigkeit für Perkussion mit schnellen Decay-Einstellungen dazu, der die FM und das steilere Filter zuarbeiten. Die Optik würde bei vielen wohl eher für den SH-5 entscheiden lassen, zumal er in einem praktischen Vinyl-Case eingebaut ist und damit zumindest transportabler ist (aber auch sackschwer). Wer eher perkussive Sounds und mehr Experimente wagen will, der sucht sich sicher eher einen SH-7.

Beide Geräte kann man als ultra robust und „rock-solid“ bezeichnen. Ich würde sogar wetten, dass sie den einen oder anderen Live-Auftritt noch heute gut bewältigen werden. Wer ganz sicher gehen will, tauscht irgendwann mal alle Kondensatoren und Trimmer im Inneren aus, dann kann er weitere 20 Jahre sicher überstehen.

Mein Zwischenfazit

Einen Roland SH-7 besorgt man sich, wenn man gern schnell viele originelle Perkussions-Sounds, Leads und Drums bauen will und FM und andere Synthesemöglichkeiten weit ausschöpfen möchte. Besonders im Vorteil ist, wer seine Klaviatur gut und timingfest bespielen kann, da somit die Duophonie perfekt herausgekitzelt werden kann.

Wer dem Schönklang frönen will, liegt mit dem SH-5 etwas besser, der mit seinen zwei LFOs und den Filtern sowie den flexiblen Mischmöglichkeiten für Blubberndes und Ambientes die Nase subjektiv leicht vorn hat.

Alternativen SH-2, SH-9 und System 1oo

Wer keine Ringmodulation oder irgendeinen Schnickschnack braucht, könnte sich den Roland SH-2 ansehen. Er hat immerhin als einziger „kleiner“ SH zwei Oszillatoren und klingt ziemlich fett, da er sogar zusätzlich einen Suboszillator hat und wirklich sehr kompakte Maße obendrein. Dummerweise ist auch er selten und wird durchaus mit 1.000,- Euro bewertet. Einen Roland SH-09 oder Roland SH-101 liegen inzwischen nur noch unwesentlich niedriger, jedoch würde ich sie und den Roland SH-2 auch nur sehr bedingt als Alternative zu den großen SH-Synthesizern sehen – und auch ihre Finanztendenz geht nach oben.

Den klassischen SH-Sound kann man auch dem Roland System 100 zuschreiben, aber auch hier wird die Suche Zeit in Anspruch nehmen. Klanglich und technisch ist das System-100 aber auf gleichem Niveau wie Roland SH-5 und Roland SH-7. Dafür ist es semimodular und ein interessantes Bindeglied zwischen den oben genannten Alternativen. Wobei das System 100 eigentlich weit weniger „modular“ ist, als man das auf den ersten Blick annehmen könnte.

Das offenere und durch alte Human League Tracks bekannte System 100 ist gut für alle, die die ein Modularsystem planen oder betreiben und die Einzelkomponenten mit anderen Systemen verbinden will.

Live ist das System 100 eher nicht die beste Idee, da es zwar relativ kompakt ist, jedoch weder einen Bender, noch einen Oktavschalter für die Oszillatoren hat. Das ist zwar prima für FM-Sweeps, wenn man etwas mehr Zeit im Studio hat, jedoch nicht perfekt für den spontanen Schnelleinsatz. Man kann sich dafür jedoch einen externen Ringmodulator oder Filtermodule sparen, da man insgesamt an 2 VCOs, 2 Filter, 2 ADSR-Hüllkurven und Rauschen direkt aufbauen kann. Die beiden 12 dB/Oktave Filter klingen zusammen zwar nicht exakt nach Roland SH-7, jedoch haben sie auch den „rolandigen“ Sound, der in diesem Falle sicher im Vordergrund steht, schließlich gibt es heute flexiblere neue System wie das Cwejman System oder die mächtige Modulvielfalt von Doepfer. MIDI ist für alle Modelle vergleichsweise einfach zu installieren, sofern man die 10 Volt Gate-Spannung und die verlorene Duophonie mit ins Kalkül zieht.

Tastatur und MIDI-Nachrüstung

Die Tastaturen sind heute oftmals ein wenig mitgenommen von allen Probanden. Wer sie gerne und oft genug spielt und reinigt, dürfte sie aber durchaus gut bespielen können. Wer MIDI einbaut, muss sich insbesondere beim Roland SH-7 darüber im Klaren sein, dass er durch die monophone Ansteuerung die Duophonie aufgibt.

Alle SH-Synthesizer können des Weiteren relativ einfach modifiziert werden, um schnellere LFOs zu erhalten.

Der Roland SH-7 am Gebrauchtmarkt

Zwischen 4.000,- Euro (eBay privat) mit Glück oder um 5.000,- Euro (Vintage-Händler) kostet derzeit ein gut erhaltenes Exemplar des Roland SH-7 auf dem Gebrauchtmarkt und vermutlich wird die „SH-7-Aktie“ nicht mehr sinken, selbst wenn ein Behringer Derivat auf den Markt kommen sollte.

Zu meinen Audiodemos

Demos sind alle komplett mit der Hand eingespielt, um zu zeigen, wie die Sample & Hold-Schaltung arbeitet. Musikalisch sind sie gewiss nicht wertvoll, jedoch umso mehr geeignet, die Klänge bzw. das Instrument zu bewerten.

Der Roland SH-7 on YouTube

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Fazit

Klanglich gehört der der Roland SH-7 immer noch zum Besten, was der Analogmarkt hergibt.

Sein berühmter Klang „im Mix“ ist für Club- und Album-Sounds sowie Musik jedes mir bekannten Genres perfekt geeignet.

Den Sound wird man mit Sicherheit irgendwo schon gehört haben, was wirklich hier sehr positiv gemeint ist, denn das hatte Gründe: Der SH-7 klingt einfach  hervorragend. Der Roland SH-7 ist direkt, einfach und auch intuitiv.

Damit kein falscher Eindruck entsteht, die legendären Amerikaner von Moog bis ARP spielen in derselben Liga, wenn nicht sogar ein wenig höher –  und waren seinerzeit auch die bevorzugten Synthesizer auf den Bühnen dieser Welt. Heute würde ich Roland SH-7 eher als Ergänzung zu einem Minimoog sehen, da seine Stärken in eine andere Richtung gehen.

Plus

  • hervorragender und vielseitiger Roland SH-Sound
  • zwei vollwertige, schnelle Hüllkurven
  • knackige Hüllkurven
  • 24 dB Filter
  • Duo-Note-Mode
  • FM und Modulationsvielfalt

Minus

  • nur ein LFO
  • kein regelbares Bandpassfilter (wie SH-5)

Preis

  • Lt. Syntacheles, Stand Januar 2021,
  • ca. 4.000,- Euro privat
  • ca. 5.000,- Euro vom Vintage-Händler
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Jupiter Six  

    Grandioser Synthesizer. Hatte lange danach gesucht und vor ein paar Jahren dann endlich gefunden. In der Zeit konnte ich mehrmals einen SH-5 und einen SH-7 direkt vergleichen. Mir waren aber am Ende die schneller zupackenden Filter, die besseren Hüllkurven und der Duo-Modus deutlich wichtiger als das Bandpassfilter des SH-5. Ich habe den Kauf (damals schon knapp 4K), nie bereut.

  2. Profilbild
    iggy_pop  AHU

    Von der Zahl her sicherlich das Topmodell, aber ich denke, der SH-5 gewinnt nach Punkten.

    Was den SH-7 zu keinem schlechten Synthesiser macht, nur eben nicht zum Topmodell.

      • Profilbild
        iggy_pop  AHU

        Features alleine geben für mich noch keinen Ausschlag, ebensowenig die Optik.

        Mir liegt der SH-5 mehr, sowohl klanglich als auch am Herzen.

        Könnten wir es nicht ausnahmsweise mal darauf bewenden lassen, ohne Bekehrungsversuche wie in der baptistischen Zeltmission?

        Halleluja!

  3. Profilbild
    monument.mc

    Wer Probleme mit zu geringem Gate Voltage für alte Synths hat dem kann ich nur den Gate Booster empfehlen. Der kann ein Gate Signal auf bis zu 15v anheben und kostet nur 29 Pfund + Shipping. Ich hatte das Problem bei meinem System 100 & 100m , und kann nur sagen es funktioniert wunderbar. Er kann 4 Gate Signale unabhängig boosten. Ich liebe diese Kleien Firmen die ungewöhnliche Lösungen anbieten. :-)
    Hier mal der Link

    https://six4pix.net/product/gate-boost-module-for-cv-ocd/

    • Profilbild
      Robocob11  

      Hab ich mir selbst gebaut, war notwendig um mein System 100m sauber triggern zu können. Aber cool, dass man so ein Teil jetzt auch fertig gebaut bekommt.

  4. Profilbild
    Robocob11  

    SH-5 ist überbewertet. Kommt wohl wegen dem schräg gestellten Panel. Klanglich ist der SH-7 deutlich ergiebiger.

  5. Profilbild
    PaulusS  

    Jedenfalls schön für all diejenigen, die diese alten Teile damals entweder zum bezahlbaren Kurs ergattern konnten oder vorausschauend nie verkauft haben. Die SH-Reihe hat mir auch schon immer von der Optik gefallen.

  6. Profilbild
    Tyrell  RED 11

    Ich kenne den SH-5 kaum, aber der SH-7 der hier abgebildet wurde, kommt aus meiner Sammlung und ist ein extrem gut klingender Synthesizer. Aber mal eine Frage an die Experten hier: Kamen die beiden Modelle zeitgleich heraus? Wenn ja, verstehe ich nicht so ganz die Philosophie dahinter, denn beide sind sich in gewisser Weise schon sehr ähnlich.

    • Profilbild
      costello  RED

      Der SH-5 kam 1976 heraus, der SH-7 1978. Im oben unter „weitere Artikel“ angeführtem Beitrag „Marktübersicht: Alle SH-Synthesizer im Überblick habe ich die Pro und Cons der beiden Geräte nochmal – wie es Moogulator in seinem Test ja auch macht – gegenübergestellt :) Der SH-7 hat insgesamt die Nase vorn. Allerdings: „Der SH-7 hat leider nicht das geniale Multimode-Filter des SH-5 geerbt und auch dem resonanzfähigen Bandpassfilter des Vorgängers müssen wir adieu sagen. Der SH-7 besitzt lediglich ein statisches Hochpassfilter.“

      • Profilbild
        iggy_pop  AHU

        Das Filter reißt es beim SH-5. Alles andere kann ich auch anderweitig haben; die Filternummer gibt es so in dieser Epoche nur bei SH-5 und SEM.

        Der SH-5 ersetzt mir klanglich nicht nur das System 100, sondern bis zu einem gewissen Punkt auch das System 700.

        • Profilbild
          Doc  

          Das SH-5 Filter ist einer der Intressantesten überhaupt.

          Nur der Preis für einen SH-5 ist / war mir einfach zu teuer.

          So hab ich mich fuer das System 500 505 entschieden.
          (Analoger Dual Filter aus dem SH-5 – laut Roland)

          Weiss jetzt nicht ob der Klang mit dem SH-5 zu 100% identisch ist.
          Aber den Charakter scheint er zu treffen.

          Bringt auf alle Faelle Abwechslung zu den Moogs, dem Odyssey und was hier noch so rumsoundet.

          Und alle moeglichen Oscis durchzujagen hat auch seinen Reiz.

  7. Profilbild
    Doc  

    Hallo,

    Im Synmag 41 + 42 (2013) gabs von Florian Anwander

    „Zionggg“ – Die Geschichte der VCFs in analogen Roland Synthesizern in 2 Teilen.

    Hab leider nur den ersten Teil. Aber absolut empfehlenswert.

    Nach der Lektuere mussten sofort 2 Roland System 500er Module her.. ;-))

  8. Profilbild
    SynthNerd  AHU

    Ja, das sind traumhaft schöne und super gut klingende Instrumente.
    Nur leider mittlerweile sehr selten und sündhaft teuer.
    Da zahlt man etwa so viel, wie für einen neuem Prophet 10.
    Ich glaub ich wär schon froh, mal einen Promars günstig abzufassen.
    Der ist vergleichsweise bezahlbar, aber auch sehr rar.

  9. Profilbild
    k-langwerkstatt  

    Ich find den SH5 besser. Warum? Weil ich das Glück hab, ihn besitzen zu dürfen. Würde ich den SH7 besitzen, würd mir sicherlich dieser besser gefallen:)

  10. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Hello. Wieso steht da eigentlich …moogulator. SNthesizer waren sein Leben usw. Ist das nur eine andere Form von Beschreibung der person. Und so weiter. Oder gibt es da etwas was man wissen sollte.zur sh 5 bzw 7 Sache..wer die 5er gehört, mit der 7er vergleicht.nimmt die 5 er…brachial einzigartig…anders gesagt.ich würde beide Wohlen haben …aber die 5 steht nunmal vor der 7.🤭

  11. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Und Visage zb fade zu Grey . .da hört ihr den Jupiter 8 …die Königen in synths….lg

  12. Profilbild
    grisi  

    Charaktervoller, ungehobelter und doch musikalischer Sound, das waren meine Eindrücke in den 90ern als ich einen SH-7 unter den Fingern hatte. Ein Filter was richtig (durch-)’greift‘. Und Sounds ‚formt‘. Und nicht nur ein bisschen verbiegt. Ähnlich wie der Jupiter-4. Diese Generation verwendete noch Standard-Industriebauteile sowie -Halbleiter und keine spezifischen (Roland-) Custom-Chips, daher wohl der ‚rohe‘ Sound.
    Das merkt man leider erst wenn er nicht mehr da ist und die digitalen Nachfolger vergleichsweisen Weichkäse absondern, daß es einem Tränen in die Augen treibt.

    Nunja, 4k wäre er mir heute nicht mehr wert, habe ihn damals für 1’500,- (DM) wieder hergegeben. Frisch repariert, denn, kaum hatte ich ihn mußte ich feststellen daß der Ringmodulator tot ist. Also (wieder mal) wochenlang kein nutzbarer Synth da der ‚Patient‘ geöffnet herumstand um den Fehler zu suchen, das Ersatzteil aufzutreiben, zu bestellen, einzubauen und zu hoffen … um dann bei jedem bangen Einschalten zu hoffen daß nicht wieder etwas anderes kaputt gegangen ist.
    Deshalb lasse ich tendenziell inzwischen auch die Finger vom Vintage Gear. … *Seufz*

  13. Profilbild
    Florian Anwander  RED

    Als ehemaliger SH-7 Besitzer (wurde mir leider geklaut … wer den mit der Seriennummer 670154 findet: Gratulation, das war meiner) aber Eigentümer vieler anderer Roland-Synths darf ich ein paar Sachen korrigieren:
    > Viele Synthesizer leiten leider ihre externen Eingänge nur durch das Filter.
    > Daher ist der Roland SH-7 als eher überdurchschnittlich ausgestattet zu bewerten.
    SH-1, SH-2 und SH-09 hatten ebenfalls schon Envelope-Follower

    > Für den Roland SH-7 sprechen die besseren Hüllkurven, die knackigeren
    > Filter (24 dB/Oktave)
    Der SH-5 hat ebenfalls ein 24dB/Oktave Filter, und zudem ein Moog-artiges Kaskaden-Filter, das definitiv knackiger und zupackender als das OTA-Filter des SH-7 ist.

    > Das […] System 100 ist gut für alle, die die ein Modularsystem planen.
    Das System 100 gibt sich in weiten Bereichen recht sperrig, was die Anbindung an heutige Modularsysteme angeht. Die Gate- und Clock-Anschlüsse sind elektrotechnisch gesehen „zickig“. Angesichts heutiger System-100-Preise, sollte man ein Modularsystem bestimmt nicht mit einem System 100 beginnen (es sei denn, man hat einen Goldesel im Garten stehen).

    > [nochmal System 100:] Die beiden 12 dB/Oktave Filter klingen zusammen
    Das System 100 hat quasi das gleiche Filter wie der SH-5: 24dB/Oktave

    Bei aller Trauer um den geklauten SH-7 – er war der am schwächsten klingende aller meiner Rolands

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