Blue Box: Roland SH-7, Vintage-Analogsynthesizer

28. Januar 2017

Besser als SH-5?

Der Roland-SH-Sound ist immer noch beliebt. Ob es alte Synthpop-Weisen von Eurythmics bis Human League sind oder Techno der 90er oder Clubtracks von heute, die SH-Maschinen sind klanglich offenbar auch messbar ein Erfolgsmodell über mehrere Dekaden. Der Roland SH-7 war die entwicklungstechnische Spitze der SH-Serie und der vorletzte Vertreter seiner Art. Schon in den 80ern kam nur noch der Roland SH-101 auf den Markt, während die bisherige Serie bereits in den End-70ern schon aus der Produktion genommen wurde, da die Welt nun Polyphonie und Speicherbarkeit wichtiger fand. Die Zeit der polyphonen Schlachtkreuzer brach an.

Geschichte und Lebenslauf

Der vierstimmige Jupiter 4 war fast gleichzeitig mit dem „fast monophonen“ SH-7 erschienen und stellte die älteren Synthesizer dadurch ins Schattenlicht. Die Synthesizer-Historie der Firma Roland begann mit dem SH-1000 im Jahr 1973. Roland ging aus dem Orgel- und Rhythmusgerätehersteller ACE hervor und wurde 1972 gegründet. Die Technik ist bis zum SH-7 weitgehend diskret aufgebaut und kann deshalb auch heute relativ einfach gewartet oder repariert werden. Inzwischen schreiben wir ein anderes Jahrtausend und Roland hat sogar die Bezeichnung SH wieder entdeckt – zweimal sogar. Die digitale Serie (SH-32, SH-201) hat jedoch sowohl klanglich als auch technisch nicht viel mit den Ur-Vintagern zu tun. Der Knackpunkt für Roland scheint hier eher die Anmutung und Bedienung zu sein. Die SH-Serie war einfach, stets übersichtlich beschriftet und lud zum direkten darauf-spielen ein. Kompliziert an ihnen war eigentlich nichts, und besonders der Roland SH-101, der Roland SH-09 und ideell der Roland SH-2 (wenn man ihn mal zu Gesicht bekam) erfreuten sich in der Techno-Welt der 80er und 90er einer sehr großen Beliebtheit.

Die Rolands sind heute relativ einfach zu MIDIfizieren und besitzen nicht selten bereits die dafür notwendigen analogen Steuereingänge. Die Kosten dafür liegen bei etwa 300-400 Euro. Der SH-101 hatte auch wegen seines Arpeggiators und Sequencers einen weiteren Schritt gemacht – der Roland SH-7 stammt aus der Zeit davor und deshalb eine kleine technische Rückblende:

Vorbildcharakter

Die Vorbilder der SH-Serie sind schnell ausgemacht: Ikutaro Kakehashi, Gründer der Firma Roland, schielte in den 70ern nach Amerika. Viele Funktionen erinnern an ARP Synthesizer. Das mag aus heutiger Sicht schwer fallen, da Rolands frühe Synthesizer heute eine große Fangemeinde haben und der Klang ebenfalls eigenständig ist, bis dahin waren sie aber ein unbeschriebenes Blatt: Man wollte Minimoog und Odyssey – nicht SH! Deshalb musste es auch ein wenig günstiger sein als die Amerikaner. Die Konzeption erinnert in einigen Punkten zumindest dem Odyssey – besonders auffällig wird das im Gesamtrückblick aller SH-Synthesizer. Der Roland SH-5 und einige andere besitzen AR- und ADSR-Hüllkurven und Sample & Hold Schaltungen. Ringmodulation gibt es in den beiden Spitzenmodellen Roland  SH-5 und Roland  SH-7. Das Routing erfolgt mittels kleiner Schalter, welche sehr übersichtlich auf dem Gehäuse skizziert sind und wesentlich nachvollziehbareren Signalwegen folgten, als die etwas willkürlich-chaotisch anmutende Beschriftung eines Odyssey. Das war um Längen übersichtlicher und optisch sicherlich besser gelöst. Löst man sich von diesem besseren Bedienkonzept, so bleibt bei Roland SH-7 und Roland SH-5 insbesondere ein deutlicherer Eindruck des Vorbildes, als dies heute scheint. Die 70er waren übrigens jene Jahre, in denen Japan eher als Billig-Plagiatsland auffiel und langsam in Richtung Eigenständigkeit tendierte.

Technik des Roland SH-7

Die Liste der „Features“ des Roland SH-7 war nicht kurz und liest sich wie ein „best of-SH“: Zwei Oszillatoren mit harter Synchronisation bilden die Basis. Ein Oszillator bietet zudem ein Mischsystem an, welches erlaubt, Rechteckschwingungen aller Oktavlagen von 32“ bis 2“ stufenlos zu mischen. Das System ist vom Roland-SH3a bekannt und flexibler als ein simpler Suboszillator. Die Schaltung selbst wurde mit Frequenzteilern realisiert und ermöglicht eine einfache additive Mischung zum Andicken der Klanges oder für orgelartige Sounds im Schnellverfahren. Beide Oszillatoren können durch eine kleine einfache Hüllkurve moduliert werden oder durch eine Sample & Hold-Schaltung mit Zufallstönen aufwarten. Die Hüllkurve versteckt sich hinter dem Begriff Autobend und kann für beide Hüllkurven positiv oder negativ vorjustiert werden (steigend/fallend). Der Sync-Sound klingt etwas ungewöhnlich – er hebt sich damit deutlich von anderen Modellen ab. Er klingt ein wenig LoFi-mässig und hat eher einen perlenden Charakter. Das klassische Schneiden muss man sich eher erkämpfen und hat mit dem Wahnsinns-Sync der Odyssey-Synthesizer eher wenig zu tun. Interessant ist das trotzdem, falls man nicht den erwarteten Effekt sucht; Obertöne erzeugt er natürlich auch. Die Oszillatoren bieten beide voneinander unabhängige Pulsbreitenmodulation (PWM) und Justage an. Gegenüber dem Roland SH-5 musste der Roland SH-7 einen LFO einbüßen, weshalb eben dieser meist die Quelle für die PWM ist. Auch eine Hüllkurve kann die Pulsbreite modulieren, eine lange SH-Tradition. Die Oszillatoren haben jeweils die üblichen Schwingungsformen an Bord (Säge, Rechteck, Puls/PWM und Dreieck). Sie werden zusätzlich zu dem additiven Mix des ersten Oszillators verfügbar. Anders ausgedrückt ist der Roland SH-7 ein Zweioszillatoren-Synthesizer mit Spezial-Suboszillator-System.

Klangbeispiele
Forum
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    Piet66  RED

    Danke moogulator für den klasse Beitrag!
    Eine einfache und intuitive Bedienung, gepaart mit klanglicher Variabilität und einem tollen Grundsound, das sind die Garanten für Spiel f r e u d e.
    Ich finde, dass diese Gesichtspunkte bei der SH-Serie sehr gut umgesetzt sind. In diesem Sinne machen mir die kleineren Ausführungen SH-1 und SH-101 schon viel Spaß.

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    mdesign  

    danke für den kompetenten und ausführlichen bericht. trotz der vielen technik liest er sich spannend. so muss das sein!

    das eingangs erwähnte schattenlicht würde ich gerne mal in echt sehen… ;-)

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    iggy_pop  AHU 1

    Er ist anders als der SH-5, aber besser? Sie sind zu unterschiedlich, um vergleichbar zu sein.
    Wenn ich nur Geld für einen der beiden hätte, nähme ich den SH-5.
    In einer idealen Welt nehme ich selbstverständlich beide.

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    dilux  AHU

    wow, sind wir echt schon mit allen vintage-analogen durch, oder warum werden hier jetzt bereits blue box artikel „re-issued“?
    die sh-serie ist ohne frage für mich der blueprint für monophone analogies; hat überhaupt ein hersteller in den 70ern/80ern mehr monophone released als roland? sh-1000, sh-2000, sh-01, sh-02, sh-3, sh-3a, sh-5, sh-7, sh-09, promars, sh-101, tb-303, irgenwelche vergessen? und nicht einer dabei, den ich nicht haben möchte….

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      Tyrell  RED 1

      Leider gibt es Artikel die im Archiv „verstauben“. So bald wir neue Bilder, Audiofiles und Videos haben, überarbeitehn wir auch den Text, korrigieren ein paar neue Erkentnisse (z.. aktuelle Gebrauchtmarktpreise) und stellen diese Artikel wieder nach oben. Die Erfahrung zeigt, dass sie dann innerhalb weniger Wochen mehr Zugriffe haben als zuvor während ihrer gesamten Laufzeit.

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        polyaural  AHU

        Ich mag die re-issues. Natürlich suche ich im Archiv wenn ich Infos zu einem bestimmten Instrument haben will (und bekomme hier auch meist die besten Texte geboten, was ja auch mal gesagt werden muss).
        Aber dann und wann freue ich mich wenn ein „alter“ Artikel vorbeikommt den ich noch nicht kenne, oder den ich wieder verdrängt hatte. So was kann für mich sehr inspirierend sein …

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    costello  RED

    Lustig, dass just gerade Xaver von Treyers SH-7 bei ebay angeboten wird. Zum Festpreis von 2800,- Euro, was auch zufällig dem aktuellen Syntacheles-Preis entspricht. Soweit ich sehe, ist das Teil aber noch nicht verkauft. Wer durch den Artikel auf den Geschmack gekommen ist, hat noch bis zum 2. Februar Zeit. Solange läuft das Angebot noch ;-)

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      Tyrell  RED 1

      Ich hatte ihn wegen der Auktion angeschrieben, weil ich seine Bilder so toll fand. Aus dem Grund findet man hier nun auch die selben Bilder.

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    psv-ddv  AHU

    Der Preis vom SH-7 von Roland von Xaver von Treyer.
    Wow! Na, bei dem Preis muss die alte Quietschkiste dann auch adelig sein…

    Hatte mal eine ganze Weile einen (SH-7 nicht Xaver) der hat mich nie richtig begeistern können. Vermisse ihn auch nach dem wirklich schön geschriebenen Test nicht.

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    Florian Anwander  RED

    Ein meines erachtens riesiger Schwachpunkt des SH-7 ist der fehlende Pegelausgleich beim Aufdrehen der Resonanz. Dadurch wird der Klang unglaublich dünn. Im Gegensatz dazu haben der SH-5 und das System 100 einen Resonanzausgleich der „mehr Stoff“ in das Filter hineinschickt – im Gegensatz zu allen anderen späteren Roland-Synths, die einfach den Eingangspegel im VCA erhöhten. Da hier das Filter leicht überfahren wird, klingen die resonierenden Klänge von SH-5 und System 100 so wunderbar knurrig.

    Aber ansonsten ist der SH-7 tatsächlich ein unglaublich flexibler Synthesizer. Und da er wohl meistens im Studio verwendet wurde (ich kann mich nicht erinnern, jemals in einem Konzert einen SH-7 gesehen zu haben), sind die heute verfügbaren Exemplare meist in einem sehr guten Zustand.

    Und noch ein PS in eigener Sache: mir wurde mein SH-7 bei einem Einbruch gestohlen. Er hatte die Seriennummer 670154; sollte der jemandem mal über den Weg laufen, würde ich mich über eine Nachricht freuen.

  8. Profilbild
    dirkfwalther

    Hallo zusammen

    ich bin glücklicher Besitzer eines (so nenne ich ihn liebevoll) Hasi-7 und habe eine Frage zur Midifizierung. Ich nutze wahlweise ein Doepfer Midi-to-CV Interface oder das CV/Gate des Akai Max 49 (mit externer Stromversorgung) Das klappt mit der Spannung auch gut, sprich, Tonhöhen sind richtig.
    ** Problem**: Die Release Time der Töne sind unendlich, d.h. es kommt nur ein Ton wenn ich rechts außen den Hold REgler hochschiebe. Der Ton hält so lange an, bis der nächste Ton gespielt wird. Das ist auch nicht reduzierbar, d.h. die Release Zeit ist nicht regelbar. Ich habe sämtliche Einstellungen getestet, und kriege das Problem nicht gelöst. Ideen? Oder altersbedingte Geräteeigenheit? Danke, DIrk

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