Blue Box: Roland System 100m, Modularsynthesizer

7. Juli 2012

Modularer Klassiker.

Roland hat genau drei Modulsysteme gebaut, davon sind zwei wirklich modular. Das System 100 ist ein direkter Kollege der damals aktuellen SH-Serie und sollte nicht nur wegen seiner „nicht-so-ganz“ Modularität auch gesondert behandelt werden. Das Roland System 100m ist voll modular und deutlich kompakter gebaut. Entscheidend ist auch, die beiden Systeme 100 und 100m nicht zu verwechseln. Das „m“ deutet es bereits an, es ist modular(er).

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Formales

Zu erwerben gab es seinerzeit zwei verschiedene Größen von Cabinets. Es mag in Zeiten von reichhaltig sortierten 3-HE (=Höheneinheiten)-Systemen wie Doepfer und Co. schwieriger nachzuvollziehen sein, aber das Roland System 100m war durchaus das erschwinglichste und offen skalierbarere System im Vergleich zu dem, was 1978 aktuell angeboten wurde.

D-Set mit Keyboard 181

D-Set mit Keyboard 181 / Foto von Rolf Wöhrmann

Der Modul-Synthesizer war ein Gerät, welches in erlesenen und teuren Studios oder in Universitäten zu finden war, und die Preise waren dem entsprechend ausgerichtet selten weniger als fünfstellig bepreist. So bot Roland ein Cabinet für drei und eines für fünf Module an. Diese Module sind stets exakt gleich breit. Sie entspricht etwa der doppelten Breite von 5-HE Modulen („Moog“-Größe). Die Cabinets selbst stellen eine Reihe Multiple-Verteiler bereit und erlauben auch die Aufnahme einiger 6,3mm Klinkenstecker für das ansonsten für 3,5mm Klinken ausgelegte System.

Außerdem hat Roland sich entschieden, die essentiellen Eingangsspannungen zentral zu verwalten und über den internen Bus bequem für alle Module bereit zu stellen. Die Eingänge für diese finden sich auf der linken Seite in Form von Klinkeneingängen und einer DIN-Buchse und beinhalten Gate, CV (Steuerspannung für die Tonhöhe; Control Voltage) sowie das Triggersignal. Beide voll modularen Systeme von Roland hatten gegenüber anderen Systemen einen weiteren bequemen Vorteil, nämlich vorverschaltete Signalwege. Auf diese Weise sind typische Verbindungen per Patchkabel bereits sinnvoll gesteckt und können durch Einstecken eines Steckers überbrückt werden.

Diese Tatsache hat sogar kundige Leute dazu verführt, dieses System als semi-modular zu bezeichnen. Dennoch ist das System nur bequemer zu benutzen und dennoch voll modular. Die Module sind tatsächlich wechselbar und nicht fest eingebaut. Ebenfalls betroffen von dieser Fehlinterpretation waren Synthesizer wie der ARP 2600, der die Begrifflichkeit der Halbmodularität bestenfalls über seine bereits fest verbauten Baugruppen verdient hätte. Sowohl bei ihm als auch beim System 100m ist jedoch sonst alles vollständig modular, weil alle Audio- und Signalwege frei gepatcht werden können.

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Foto von Rolf Wöhrmann

Selbst in Fachpublikationen wird das so genannte Prepatching (Vorverdrahtung) offenbar als Nachteil in Form des Schmähbegriffs „semi-modular“ zuerkannt. Da dies zu oft passiert ist, sei hier erwähnt, dass dies schlicht falsch ist.

Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    wolf gang

    Wie kommt der Autor darauf am Ende des Abschnitts „Formales“ darauf, dass die Verwendung eines Begriffs zur Kennzeichnung des Grads an Modularität in Fachpublikationen ein „Schmähbegriff“, ja ein „Nachteil“ sei? Und warum ist es „falsch“, den ARP2600 aufgrund seiner festgelegten Module und der Vorverkabelung als „semi-modular“ zu bezeichnen?

    Vielleicht sollte man sich zuerst darauf einigen, welche Kriterien man überhaupt zur Beurteilung des Begriffes „Modularität“ heranziehen möchte. Mir wird aus dem Artikel nicht wirklich klar, anhand welcher Kriterien der Autor urteilt, daher schlage ich für eine Diskussion die „Modulbestückung“ und die „Modulverkabelung“ vor. Damit liesse sich dieser Versuch einer Begriffsdefinition erstellen:

    Modulbestückung: unveränderbar vorgegeben
    Modulverkabelung: unveränderbar vorgegeben
    = nicht-modular
    Beispiel: Minimoog

    Modulbestückung: nicht vorgegeben, frei veränderbar
    Modulverkabelung: nicht vorgegeben, frei veränderbar
    = modular
    Beispiel: Moog Modulsystem

    Modulbestückung: unveränderbar vorgegeben
    Modulverkabelung: nicht vorgegeben, frei veränderbar
    = teil-modular oder semi-modular
    Beispiele: EMS VCS3/AKS, Korg MS-50

    Modulbestückung: unveränderbar vorgegeben
    Modulverkabelung: vorgegeben, aber veränderbar
    = bedingt teil-modular oder bedingt semi-modular
    Beispiele: ARP2600, Roland System 100 Model 101 und Model 102, Cwejman S1 MkII

    Vielleicht kann das ja als Ausgangspunkt einer Diskussion dienen.

    • Profilbild
      moogulator  AHU

      Vielleicht möchte der Artikel dazu anregen, was der Begriff semimodular, Semiprofi oder auch Virtuell Analog in einem heutigen oder damals handelsüblichen Gehirn auslöst und aus welcher Ecke er kommt und was er heute bzw. seinerzeit bewirkt oder welche Schlussfolgerungen er damit zieht und ob sich dies geändert hat.

      Beispiel:
      Weshalb hat man so viele Menschen angetroffen, die Prepatching mit „nicht ganz modular“ assotiieren? Welche Dinge machen wirklich eine Aussage über Modularität? Selbstverständlich ist mein Fokus der, die Modularität nicht auf Teilmodularität herabzustufen, wenn ein Synthesizer Prepatching anbietet.

      Mir kam das oft genug vor, um dieses Vorurteil von dem Begriff semimodular abzukoppeln.

      Und noch dazu:
      War Semi seinerzeit vielleicht eine Idee der Werbeabteilung, um die begehrten Begriffe einer neuen Zielgruppe zuzuführen und ihr gar zu schmeicheln? Ist heute der Begriff noch immer positiv belegt und eher im Sinne von „fast-modular“ in den Köpfen oder mehr als „halb-modular“ im Sinne der Wortbedeutung?

  2. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Wenn die Queen Elizabeth II, Elizabeth Alexandra Mary aus dem Haus Windsor sich einen modularen Synthesizer ins Haus holt, wird das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein System 100m sein. Es gibt meines Wissens keinen nobleren, wohlerzogeneren, vornehmer zurückhaltenden, und trotzdem deutlicher artikulierenden modularen Synthesizer als den da. Ja, der Roland System 100m scheint wahrhaft majestätisch zu sein.
    Ausserdem träume ich von der Kiste seit 1981 …

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