Blue Box: Sequential Circuits Pro-One, Analog-Synthesizer

VCOs

Die beiden Oszillatoren klingen äußerst kräftig, können gegeneinander verstimmt (Frequency) und bei Bedarf synchronisiert werden. Die Pulsschwingung lässt sich entweder manuell einstellen (Poti „Pulse Width“), oder – über die Modulationsmatrix – via LFO und/oder OSC B und/oder der Filter-Env (siehe dazu später) spannungssteuern.

OSC B kann zudem als LFO eingesetzt (Schalter „Normal-Low Freq“) und von der Steuerspannung der Tastatur abgekoppelt werden (Schalter „Kybd-Off“). Eine Besonderheit ist noch die Tatsache, dass alle Schwingungsformen gleichzeitig aktiviert werden können (was bereits seit dem Prophet-5 bekannt ist, das stimmt). Gerade bei Aktivierung beider Sägezahn- oder Pulsschwingungen sorgt die zusätzliche Dreiecksschwingung von OSC B eindeutig noch für den nötigen Druck „von unten“. Das (in jeder erdenklichen Kombination mögliche) Mischen bzw. Aktivieren der Oszillatoren ist ein wichtiger Baustein für unterschiedlichste Klangfarben aller Art.

Nicht zu vergessen: OSC B dient in der Abteilung „Modulation“ als Modulationsquelle (in seiner Funktion als VCO oder bei Umschalten zu „Low“ als LFO). Jede der Schwingungsformen – und natürlich ebenso das Mischen dieser Waves – sorgt für unterschiedliche, klangliche Ergebnisse (z.B. bei der Filtermodulation). Die Oszillator-Sektion des Pro-One ist also sehr umfangreich und in ihrer Effektivität deutlich weitreichender, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

VCO1 und VCO/LFO2...

VCO1 und VCO/LFO2…

VCF

Das 24 dB-Filter kann in Cutoff, Resonance, Env Amount und Keyb Amount geregelt werden und verfügt über eine eigene ADSR-Hüllkurve. Der Charakter des Filters ist eher auf der harten / durchdringenden Seite, kann aber, mit Fingerspitzengefühl, auch angenehm weich klingen. Eigenresonanz ist gar kein Problem und – in Verbindung mit der Modulationsmatrix – ideal für Effektsounds aller Art.

Klassische Filter-Abteilung

Klassische Filter-Abteilung

Modulation

Der wichtigste – und in dieser Form bei keinem anderen Monophonen zu findende – Baustein des Sequential Pro-One ist die bereits mehrfach erwähnte Modulationsmatrix. Es stehen drei Modulationsquellen (FROM) zur Verfügung: FIL ENV, OSC B und LFO. Diese dürfen beliebig einer der fünf Ziele (TO) zugeordnet werden. Moduliert werden können OSC A FREQ, OSC A PW, OSC B FREQ, OSC B PW und das FILTER. (Wem es aufgefallen ist: OSC B kann durch sich selbst moduliert werden…). Bei allen Bausteinen der Matrix besteht wiederum die Wahl zwischen DIREKT und WHEEL – also, ob die Modulation direkt oder über das rechte der beiden Sequential-typischen Wheels ausgeführt wird.

Dieses zunächst gewöhnungsbedürftige (da zuweilen sehr verschachtelte) Konzept ist die Quelle unzähliger und einzigartiger Effektsounds. In Verbindung mit dem kleinen Sequencer oder dem Arpeggiator entwickeln sich allein mit der Modulations-Abteilung (und der Anpassung/Veränderung der Modulationsquellen wie z.B. dem oben erwähnten OSC B) stundenlange musikalischen Kreativitäts- und Entdeckungsreisen. Das sind nun jene Momente, in denen man erkennt, dass der Pro-One in puncto Flexibilität und Ausdrucksstärke grundsätzlich völlig ausreichend wäre (und es theoretisch – aus Sicht der Musizierpraxis – nicht weiterer monophoner Synthesizer zum klanglichen Glück benötigen würde).

Quelle ungewöhnlichster Effekt-Klänge - die Modulationsabteilung

Quelle ungewöhnlichster Effekt-Klänge – die Modulationsabteilung

Klangbeispiele
Forum
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    Dreitagebart

    … bis zu 1000 EURO für einen gebrauchten PRO-ONE? Gibt es wirklich Leute, die soviel dafür bezahlen? Solchen Kandidaten kann ich nur empfehlen, sich vorher mal den Prophet 08 anzuhören, der ist zwar wesentlich teurer, dafür aber neu, achtstimmig und soundmäßig meiner Meinung nach keinen Deut schlechter als der PRO-ONE bei sehr ähnlichem Klangcharakter.

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    Bloderer  RED

    Die Preise sind im Moment sehr hoch, das stimmt. Doch einen "Wert"-entsprechenden Aspekt möchte ich relativieren: Polyphonie ist grundsätzlich ein etwas irreführendes Argument, da es musikalische Qualität zu implizieren versucht. Doch dieser Zusammenhang ist nicht gegeben. Viele Pioniere der elektronischen Szene haben ihre Meisterleistungen auf großteils monophonen Instrumenten erbracht. Gerade die Reduktion auf jeweils EINE Stimme (was bei mehreren Instrumenten natürlich wieder einen polyphonen Klangeindruck ergibt) ist ein (mühsamer, aber lohnender) Weg zu kreativen, abwechslungsreichen und durchdachten Kompositionen.

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    Bloderer  RED

    (Fortsetzung): Der Pro-One erzeugt auch nur eine Stimme, und die ist in beinahe jeder Facette kompromißlos gut. Nun ist es zu hinterfragen, ob eine singuläre Stimme des Prophet 08 dieselbe Dynamik, Präsenz und analoge "Aggression" wie der Pro-One aufzuweisen hat (oder eben nur mit "ähnlichem Klangcharakter" – das ist der Punkt). Der Prophet 08 bietet sicher seine eigenen Stärken und musikalische Möglichkeiten, doch einen Vergleich zum Pro-One würde ich nicht wagen…

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    RetroSound

    Der Pro-One ist für mich einer der besten und leistungsfähigsten Mono-Synths überhaupt. Besonders Vince Clark setzte den Pro-One auf dem ersten Yazoo Album exessiv ein. Der Pro-One macht einen enormen Druck unten rum den so nur noch der Minimoog oder der Taurus toppen kann. Berühmt sind auch die schneidigen Sync Sounds des Pro-One. Dank der Polymodulation sind aber auch sehr abgedrehte Klänge möglich. Kurzum ein sehr vielseitiger und vorallem ausgezeichnet klingender Synth.

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    Rauschwerk

    Ein hervorragendes Instrument! Der Filter erinnert mich teilweise an den Synthex. Auch die ENVs verrichten hier sehr gute Dienste. Der Sound hier ist sehr beeindruckend..

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    Tricky

    Der Pro-One ist ohne Zweifel eine klasse Mono-Maschine!
    Jedoch hat er starke Konkurrenz aus eigenem Hause, Dave Smith MEK ;)
    Da einfach mal die digitalen OSCs abschalten, sounded superklasse.
    Dabei ist der MEK moderner & gar nicht soo teuer.

    Wozu also überteuert nen alten Klassiker kaufen, wenn man für
    ähnlich viel Geld einen modernen Klassiker ins Haus holen kann ! ;)

    just my 2 cents …

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      Bloderer  RED

      … ja, das stimmt. Mono Evolver Keyboard (oder Desktop) sind gute Instrumente und bieten sehr viel für's Geld! Ein 1:1 Vergleich von MEK und Pro-One wäre mal interessant…

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      Klanggeist

      Sehe ich nicht so. Die Stärken bei den Evolver-Synths liegen bei den digitalen Sachen.Die analoge Ecke schlappt dagegen ziemlich ab.
      Kein Ersatz zum Pro-one, leider.

      Jörg

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    Cornel

    Der MEK kann gar kein Ersatz für einen ProOne sein, weil die analogen Osz. nur Sync können. Im ProOne lassen sich beide Osz jedoch frequenzmodulieren!

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    von mir

    Beim Evo lassen sich die Oszis durch die schnellen LFOs auch frequenzmodulieren. Ein Ersatz für einen Pro-One ist ein Evolver dennoch nicht. Der Evo ist meiner Meinung nach einer der innovativsten und bestklingenden Synths der heutigen Zeit. Der Pro-One hingegen ist ein Klassiker der analogen monophonen. Am besten beide haben ;)

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    Neven Dayvid

    Also ich finde, für 1000.- Euro lohnt sich der Synthesizer, wenn man einen weitestgehend kompromisslos implementierten Monosynth haben will. In Doepfer-Modulen würde das ganze mehr kosten.
    Ich habe das Vergnügen, einen ProOne zu spielen, bei dem die Tastatur mit neuen Bushings aus Silikon ausgestattet wurde, besser als ab Werk, da die Tasten nicht mehr so klappern.
    So eine Modifikation ist auf jeden Fall zu empfehlen.
    Der Sound ist erstklassig, nur an der Hardware wurde seinerzeit etwas arg gespart. Man kann halt nicht alles haben, und gerade aktuelle Instrumente scheinen mir da von den Potis her auch etwas wackelig zu sein…hallo Little Phatty.

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    Piet66  RED

    Ein schöner kompakter Mono-Synth mit vielen klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten. Leider ist mein Gerät nicht ganz so stimmstabil wie z.B. der (ältere) Odyssey MKIII. Getriggert durch eine TR-808 ist es eine wahre Freude, den Pro One beispielsweise für Bass-Linien einzusetzen. Der sehr einfach zu bedienende Sequencer ist genial, ermöglicht er doch z.B. Bass-Läufe in Echtzeit zu transponieren. Ein inspirierendes Instrument, bei dem es einfach immer wieder grosse Freude macht, sich damit zu beschäftigen.

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    Filterspiel  AHU

    Optischer Downgrade mit blauen (!) LEDs in den Wheels. Dabei habe ich eine lange Liebe zu LEDs i.A. und ursprünglich auch zu den blauen, gab es sie doch für Jahrzehnte nicht zu kaufen. Dann mussten sie aber (ob farblich sinnvoll oder nicht) in alles eingebaut werden und „schreien“ den Besitzer oftmals sogar im Stand-by an.

    Das hat der Pro-One nicht verdient.

  12. Profilbild
    Chick Sangria  

    „Derzeit günstiger Dollarkurs“? Von wann ist der Text? Vor zwei Jahren waren es 1:1,4, jetzt sind wir bei 1:1,05…

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