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Blue Box: Sequential Circuits Prophet-600


Der billige Prophet

VCO

Anders als sein Zeitgenosse Juno 106 von Roland arbeitet der Prophet 600 mit zwei vollwertigen spannungsgesteuerten Oszillatoren. Beide Oszillatoren sind identisch aufgebaut und bieten die Schwingungsformen Dreieck, Sägezahn und Rechteck. Raffiniert: Auf Wunsch kann jeder der beiden VCOs auch alle drei Schwingungsformen GLEICHZEITIG erzeugen.

Die Rechteckschwingung lässt sich bei beiden VCOs variieren und modulieren (dazu später mehr). Die Tonhöhe lässt sich ebenfalls bei beiden Oszillatoren frei einstellen und bei VCO2 auch „Fine tunen“.

Die beiden Oszillatoren lassen sich synchronisieren zwecks Erzeugung harter Sync-Sounds.

Ein MIX-Regler bestimmt das Mischungsverhältnis zwischen den beiden Oszillatoren. Der darunter liegende GLIDE-Regler aktiviert die Portamento-Funktion und bestimmt deren Geschwindigkeit.

Extrem stark: Im Unisono-Modus erklingen alle 6 Stimmen (12 Oszillatoren) frei schwebend gemeinsam. Ich habe selten einen Synthesizer erlebt, der so brachial klingen kann wie der Prophet-600. Leider lässt sich der Grad einer Verstimmung der einzelnen Stimmen zu einander nicht einstellen.

Beim Prophet-5 konnte VCO1 im Gegensatz zum Prophet-600 keine Dreieckschwingung erzeugen. Der Prophet-5 verfügte allerdings über eine richtige Mischstufe, d.h. für jeden der beiden VCOs einen Lautstärkeregler sowie einen dritten für weißes Rauschen. Rauschen fehlt dem Pro-600 leider gänzlich.

Pitch-Bend und Mod.Wheel

Pitch-Bend und Mod.Wheel

VCF

FETT! Mit einer Flankensteilheit von 24 dB und einer kräftigen Resonanz, die die Kraft des Sounds aber nicht ausdünnt, zeigt der Prophet-600, dass er von guten Eltern ist. Das Filter packt richtig zu. Sanfte Streicher und breite Pads sind zwar möglich, aber weniger die Stärken des Prophet-600. Der Regler Envelope Amount bestimmt die Stärke, mit der die Filterhüllkurve auf die Filtereinstellung wirkt. Das Keyboard-Tracking (Filter in Abhängigkeit zur Tonhöhe) ist leider nicht frei einstellbar, sondern nur in drei Stufen, habe das persönlich jedoch nie als große Einschränkung empfunden.

Der Aufbau der Propeht-5 Filter ist identisch, nicht aber deren technischer Aufbau. Für den Prophet-600 wurden neue Curtis Chips verwendet, die nicht ganz so warm und voll klingen wie die des Prophet-5. Darüber hinaus wurde im Prphet-600 erstmals der interne Z80 Mikroprozessor auch zur Berechnung der Filterhüllkurven und Reglerabfrage benutzt.

Das dürfte auch das größte Manko am Prophet-600 sein. Bewegt man z.B. manuell den Cut-Off Regler, so sind deutlich Parametersprünge zu hören, was durch die recht geringe Auflösung von 64 Stufen und eine langsame Abfrage des Potiwertes alle 125 msec begründet ist. Wird dieser Filterverlauf aber mit den Hüllkurven erzeugt (also nicht manuell durch die Regler), sind diese Parametersprünge so gut wie nicht mehr wahrnehmbar.

Beim Prophet-5 tritt dieses Phänomen nicht so stark in Erscheinung.

2 VCOs

2 VCOs

HÜLLKURVEN

Zwei klassische ADSR-Hüllkurven, eine für den Filter- und eine für den Lautstärkeverlauf, bilden das letzte Glied in der Klangerzeugungs-Kette, vergleichbar mit dem Prophet-5

LFO

Der Prophet-600 besitzt einen LFO zur Erzeugung von Vibrato und ähnlichen periodischen Effekten. Der LFO kann Filter, Pulsbreite VCO1/2 und/oder die Tonhöhe von VCO1 und VCO2 modulieren. Die Frequenz des LFOs lässt sich selbstverständlich frei einstellen, ebenso die Modulationstiefe. Der LFO liefert wahlweise eine Dreieck- oder Rechteckschwingung.

Im Prophet-5 gibt es zusätzlich noch eine Sägezahnschwingung, außerdem kann Noise als Modulationsquelle verwendet werden.

POLY-MODULATION

Das Sahnehäubchen des Prophet-600, der auch bereits den Prophet-5 zum Ruhm verhalf.

Trotz der schmerzlich vermissten Noise-Klangquelle, lassen sich mit dem Prophet-600 dank der Poly-Modulation extreme Geräuscheffekte erzielen. Die Hüllkurve für den VCF und/oder das Signal von Oszillator 2 können zur Modulation von Oszillator 1 und/oder 2 eingesetzt werden, darüber hinaus aber auch für die Cutoff-Frequenz des Filters. Die Stärke der Modulation kann dabei stufenlos eingestellt werden.

Die Poly-Modulation im Prophet-5 erlaubte außerdem noch die Modulation der Pulsbreite.

Poly Modulation aus dem Prophet-5 und LFO

Poly Modulation aus dem Prophet-5 und LFO

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Klangbeispiele

Leser-Stories zu diesem Produkt

  1. Avatar
    RetroSound

    Der kleine Bruder des Prophet-5 macht auch heute noch eine gute Figur im Studio. Ich finde er wird zu Unrecht etwas wenig beachtet. Der Klang steht dem 5er wirklich nicht viel nach. Wer also einen soliden, sehr gut klingenden Analogen sucht, sollte sich den P-600 einmal näher ansehen.

  2. Avatar
    Tom

    EIn schöner und ehrlicher Bericht zum Prophet 600. Die softwareerzeugten Hüllkurven (sorry, wenn ich hier klugschei**, aber es heißt: KURVE mit "V", diese Schreibweise mit "F" hat sich so langsam quer durch die Foren verbreitet und tut in den Augen weh ;-)) sind auch das Manko des Prophet T8, der ebenfalls niemals den Punch eines Prophet 5 erreicht. Für kleines Geld bekommt man mit dem Prophet 600 trotzdem eine gutes Stück Sequential Sound.

    • Profilbild
      Jauly

      Was mich besonders interessiert: lassen sich die schrecklich lahmen hüllenkurven des Prophet 600 modden? ich weiß, software…. aber trotzdem wirds da drin wo mal analog :)

  3. Avatar
    fenchelteefee*

    Pünktlich zum Amazona Artikel kann nun auch ich den kleinen Propheten mein Eigen nennen. \r\nFaznination Pur: Brachiale Analogtechnik trifft hier auf bedienungskomfort und natürlich einen Hauch von Nostalgie, was nicht unwesentlich zum Sympathiefakor des kleinen Riesen beiträgt. Das Gerät ist qualitativ top, lässt sich herrlich intuitiv handeln und ist zu dem ein echter Hingucker. Hatte übrigens das Vergnügen, den 600 gegen seinen \

  4. Avatar
    sonicwarrior

    @Micromoog:

    Der Juno 60 hatte aber noch kein MIDI, die Änderung zum Juno 6 waren die Speicherplätze!

    Wer war also der rätselhafte MIDI-Partner zum Prophet 600?

  5. Profilbild
    Tyrell RED

    @ Micromoog
    Asche auf mein Haupt. Du hast natürlich Recht. Es war der Jupiter 6 und nicht der Juno 106!!!

    @Tom
    Peinlich , peinlich. Verspreche sofortige Linderung Deiner Augenschmerzen :-)

    @sonnicwarrior
    Micromoog hat vom JUPITER 6 gesprochen, nicht vom Juno 6 :-)

  6. Avatar
    Tom

    Hallo Peter und vielen Dank für die Korrektur des Textes *grins*… nun bitte noch die fette Zwischenüberschrift korrigieren – zack zack! ;-)

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    swissdoc

    Je nach Quelle war es der Roland JX-3P der auf der NAMM Januar 1983 mit dem Prohet 600 via Midi Kontakt aufnahm…

    Dave Smith sagt:
    It is hard to believe that MIDI is 20 years already. And, it is still version 1.0! I still remember working with Roland, Korg, Yamaha, and Kawai to develop the original specification back in 1982; it was a very good collaboration between companies in both countries in the days before email. It was a thrill to first connect the Prophet 600 with the Roland JX-3P at the January 1983 NAMM show, and have it work perfectly.

    Georg.

    • Profilbild
      gaffer AHU

      @swissdoc: Ich befürchte, das war damals nicht nur 20 Jahre her, sondern Smith achtete nicht so sehr auf das andere Modell, er weiss aber noch: Roland. Bin ziemlich sicher, dass im Winter 82/83 nur der P 600 und der Jupiter 6 MIDI implementiert hatten. Den JX 3 P gab es noch gar nicht, der kam wie der DX 7 erst 83. Klar könnte ein Proto gewesen sein.

      @Peter: die Ruhe vor dem Sturm dauerte für den P 600 nicht mal ein Jahr, bereits im Frühjahr 83 wurde auf der Messe die 3 DX Modelle DX1, DX7 und DX9 vorgestellt und selbst die verzögerte Auslieferung erst im Sommer blockierte doch alle Verkäufe auf dem Synthmarkt, bis der 7er in vernünftigen Stückzahlen lieferbar war.

  8. Avatar
    Rhodes

    Hallo zusammen,

    da ich den P-600 noch besitze aber selten nutze: Weiß jemand, wie lange der interne, festgelötete Akku hält, wann man diesen wechseln sollte und vor allem: wo man einen Ersatz herbekommt ? Ansonsten haben einige Schalter Kontaktprobleme. Hilft da Kontaktspray ?

    Danke vorab für Hilfe
    Gruß
    Rhodes

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    Jochen

    Moin Moin / Hi there
    Ich besitze immer noch einen Roland Juno 106, die Sounds (gemixt mit Yamaha DX7 MIDI, auch so ein nicht tot zu kriegender Grossvater)kommen immer wieder gut an. Nun hat Juno 106 seinen Dienst für 2 Stimmen aufgegeben, sind also nur noch 4 gleichzeitig zu spielen – aber denkste – es werden regelmässig Tasten still gelegt, je nachdem auf welche der Stimmen gerade zugegriffen wird. Das nervt! Ich hatte nach Ausfall der ersten Stimme eine Reparatur durchführen lassen aber kurze Zeit später viel wieder eine aus and dann die zweite gleich hinterher. Wer weiss Rat? Gibt es die Ersatzteile noch irgenwo auf irgedwelchen 3rd hand Märkten?. Meldet Euch falls Ihr dazu etwas wissen solltet.

  11. Avatar
    Jochen

    Moin Moin / Hi there
    I am still possessing a Roland Juno 106, its sounds (mixed with Yamaha DX7, another never dying ”Grand Pa” among old fashion keyboards) are still appreciated. Now Juno has given up service of 2 of the 6 voices, that is, only 4 voices can be played simultaneously – but far apart from the truth. Keys seem to activate the voices by another pattern, in other word the 2 voices fail very unpredictably. That’s annoying too much! In fact, after the first failure I had it repaired but shortly after that, another voice failed and after a while the 2nd failed. Hell, I dunno what happened. Who has an advice how to go on? Are there special spare parts markets (2nd or 3r hand), any one in Germany or England who has got the clou about all that? Drop a note if you folks has an idea.

  12. Avatar
    Elektronalin

    Hallo Leute,

    der Prophet 600 war mir vom optischen her immer zu simpel oder vielleicht zu aufgeräumt. Weis nicht, aber ich persönlich bevorzuge doch lieber den 5er, auch wenn ich noch nie einen gespielt habe. T8 und 600 schon, aber der 600er war für mich zu steril und ich hatte keinerlei Inspiration mit ihm zu arbeiten, aber das ist erstens Geschmackssache und zweitens sieht man anhand meiner Erfahrungen mit dem Aussehen von so manchem Gerät, wie wichtig auch das Äußere eines Synths sein kann. Ich liebe bunt! EMS Synthi-E, EMS Polysynthi, EDP Wasp und solche Kameraden. RMI Harmonic Synthesizer ist GEIL! Aber den wird man wohl niemals kaufen können. Na ja, jeder hat seinen Geschmack. Grüße an alle!

  13. Avatar
    Alex KIDD

    Hallo an die Gemeinde,

    ich interessiere mich für den 600er, hab da aber noch ein paar Fragen.

    -wieviele Speicherplätze hat der
    Prophet denn?
    -PWM auch über LFO für gute
    Streicherklänge?
    -wie "gut" ist die Synthesizer Tastatur
    -was beim Gebrauchtkauf beachten?

    ich hab einen Juno106 und den Juno6, allerdings nervt mich langsam der Chorus (nicht wegen dem Rauschen)

    ist der Prophet 600 ein guter Kontrast zum Juno auch in Sachen Pads/Streicher/Bläser?

    THX:-)

    • Avatar
      Jenzz

      Aloha .-)

      Der P600 hat 100 Speicherplätze, PWM über LFO ist machbar.
      Die Tastatur ist die gleiche wie z.B. beim Korg Polysix, ist ganz ordentlich.

      P600 ist mit Juno kaum zu vergleichen, allein schon wegen der 2 Osz pro Stimme und der sich daraus ergebenden Möglichkeiten (Sync, etc…)

      Eine kleine Einschränkung ist vielleicht, daß manche Parameter / Knöpfe recht grob gerastert sind, was man bei entsprecheden Sounds durchaus hört… Die ADSR-Knöppe sind z.B. nur in 16 Stufen gerastert… In der Praxis zeigt sich allerdings, das dies nicht allzu problematisch ist.

      Achte darauf, daß Du möglichst ein Exemplar mit Betiebssystem-EProm Version 6.0.8 (letzte Version) findest (dazu muß das Instrument geöffnet werden), denn hier sind der MIDI-Sende/Empfangskanal einstellbar und der aktuell aufgerufene Klang lässt sich als SysEx-Datenpaket senden (geht in den vorherigen Versionen nicht).

      Jenzz

  14. Profilbild
    DietmarB ••

    Hier noch eine weitere Korrektur: Dave Smith hat den Prophet 5 im Alleingang entwickelt, lediglich die Software bzw der Algorithmus der Tastaturabfrage per Z80 CPU stammte von EMU.
    Der japanische Gegenspieler des 600 war natürlich der Jupiter-6.

  15. Profilbild
    DietmarB ••

    achja, und nochwas: Exzessiven Einsatz des 600ers macht Grönemeyers Keyboarder Alfred Kritzler auf dem 1984er Album „Bochum“, sehr schön zu hören zB beim Song „Amerika“ (der perkussive Synthi), ebenso die knalligen Bläser bei „Mambo“.

  16. Profilbild
    Lauri meyer

    hallo zusammen

    Hab ne kleine Frage.

    Bin an einer Prophet 600 dran. Meine Frage, Kann man die Software 8 auf alle Geräte updaten oder nur ab einer bestimmten Serial nummer?

    Dan noch eine andere Frage, bei ebay gibt es ja einen haufen an anbitern die von Japan aus synths an bieten. Hatt jemand mit denen erfahrung gemacht. Bin mir nicht so sicher wie seriös die sind..

    Besten Dank für die Infos. Und macht weiter so finde amazona.de einfach nur super!!!

    Lg
    Lauri

  17. Profilbild
    Carsten

    Hallo, ganz neu hier im Forum habe ich gleich eine Frage. Ich habe noch den alten P600 (nicht Gligli), weil ich auf meine 100 sounds, welche ich in jahrelanger Arbeit erstellt hatte nicht verzichten möchte ..
    Nun ergibt sich ein Problem: ein Oszillator war kaputt und glücklicherweise gab’s dafür noch im Fachhandel Ersatz. Nachdem dieser Osc dann frisch eingebaut wurde, stimmt dieser nicht mehr so ganz mit den anderen im Tuning.
    Kann man hier selbst Hand anlegen und intern diesen OSC ausfindig machen und nachstimmen? Die Verstimmung ist nicht groß, aber schon etwas anders als die anderen 5 OSC’s – auch nach Betätigen der ‚tune‘- Taste. Ich wäre froh über eine Nachricht welche weiterhilft. Danke.

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Sequential Prophet 600

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