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Blue Box: Sequential Circuits Prophet VS, Hybrid Synthesizer


Prophet in Sachen Hybrid-Sound

Prophet VS

 

Die Frage nach dem am stärksten unterschätzten Synthesizer der Geschichte würde ich mit Prophet VS beantworten. Das hat natürlich auch Vorteile, so bekommen Sie ein gut erhaltenes Exemplar für ca. 1.200,- Euro, die Rack-Version für ca. 2.000,- Euro. Und gleich mal vorab, die tollen Fotos des Prophet VS Keyboards hat uns RL Music aus UK zur Verfügung gestellt!!! Super großes Danke!!!

Man hört und liest immer wieder gerne, wie kalt ein Prophet VS klingt. Ja, er kann kalt klingen, muss aber nicht.

Füttert man den VS mit analogen Schwingungsformen – bis zu 4 an der Zahl für einen Sound, sorgen die echt analogen 24 dB Filter für MÄCHTIG SCHUB – Versprochen!!!

Der Prophet VS ist vom Sound ein echter Sequential mit unglaublich breitem Soundpotential. Er vereint tatsächlich zwei Welten in sich und beherrscht den Spagat von analog zu digital.

Proph_VS_04

RÜCKBLICK

Die R&D Abteilungen der großen Synthesizer-Schmieden hatten sich 1986 langsam von dem Schock erholt, den der omnipotente DX7 im Herbst 1983 ausgelöst hatte.

Rein analoge Synthesizer auf Basis der herkömmlichen „subtraktiven Synthese“ waren plötzlich kaum mehr gefragt.

„Digital“ war das Zauberwort, das die Musiker damals in ihren Bann zog. Mit Hochdruck wurden deshalb bei Yamahas Wettbewerbern nach Alternativen zum DX7 geforscht. PPG hatte zwar bereits 1981 den hybriden Wave 2 auf den Markt gebracht, jedoch lag dieser in einer Preisregion, die sich nur gut betuchte Musiker leisten konnten. ENSONIQ stand kurz vor der Auslieferung des ESQ-1 und ROLANDS digitaler Meilenstein D-50 sollte erst 1987 das Licht der Welt erblicken.

Prophet VS 3

Die seltene Rack Version des Prophet VS

Ausgerechnet die US-Firma SEQUENTIAL CiRCUITS, die vor allem durch den analogen Klassiker PROPHET-5 zu Ruhm und Ehre gekommen war, präsentierte anlässlich der NAMM-Show 1986 die digitale Innovation des Jahres, den PROPHET VS. Das Kürzel „VS“ stand dabei für „Vektorsynthese“ und wurde optisch vor allem durch den silbernen „Vektorstick“ zur Geltung gebracht, der die Neugierde jedes Keyboarders weckte.

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Klangbeispiele

  1. Profilbild
    Piet66 RED

    Ein grundsolider Synthesizer mit einer angenehm zu spielenden Tastatur, den ich gerne als Master hernehme. Der VS ist klanglich vielseitig einsetzbar und kann dank seiner analogen Filter extrem druckvoll sein. Ein Highlight ist für mich auch der reichlich ausgestattete Arpeggiator, der sich (z.B. mittels MSQ-100) sehr schön zu einer TR-707 / TR-808 synchronisieren lässt. Ein insgesamt sehr empfehlenswertes Instrument aus den 80’s mit einem – wie ich finde – ausgezeichneten Preis/ Leistungsverhältnis. Das OS von Virtual Music (Wien) ist ein „must have“. Auch ist die Ersatz-Leuchtfolie für das Display (aus dem gleichen Hause) eine prima Sache, damit erstrahlt der VS wieder wie am ersten Tag. Und ich stehe doch so auf blau (siehe PPG Wave… ;-).

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    Kai-Me

    Hallo, habe selbst damals sofort einen der ersten VS gekauft. Der Klang ist unerreicht, der Ärger wegen ständig defekter Hardware (wurde kochend heiß, der Data-Entry-Fader ging andauernd kaputt) brachte mich aber nach wenigen Wochen dazu, mich von ihm zu trennen. Dies schien auch damals kein Einzelfall zu sein, da besagter Fader eine Fehlkonstruktion war!

    • Profilbild
      synton

      Dass der Slider nicht der Beste ist, keine Frage. Aber andere Geräte aus dieser Zeit hatten denselben Typ eingebaut und da wird das nicht so thematisiert. Der Slider hat übrigens keine Ausfallgarantie: Meine Instrumente haben immer noch die ersten Slider und die funktionieren ohne Ruckeln oder Kratzen.

      Dass, das Netzteil nicht besonders auf Langlebigkeit ausgelegt ist. Ist richtig. Die Situation verschlimmert sich bei vielen Geräten der 80er Jahre, da wir ja seit geraumer Zeit 230 Volt und mehr an der Dose haben und nicht mehr die 220 Volt. Da muss ein Spannungsregler noch ein paar Prozent mehr Spannung „vernichten“. Gerade die US Geräte waren auf bis zu 20% Unterspannung (110 -> 90 V) ausgelegt und hatten wenig Reserve nach oben. Also, wenn möglich intern auf 240V – Wicklung (GB/UK) umklemmen, Vorschalttrafo benutzen oder einfach mal an den Spannungsreglern die Wärmeleitpaste ersetzen. Allein letzteres hat bei meinen Prophet VS und Ensoniqs 10 °C weniger Wärme gebracht. Lang lebe das Netzteil…

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    RetroSound

    Schöner Bericht! Was soll man sagen, das Teil bleibt auch nach der x-ten Software-Emulation absolut einzigartig. Der extrem spezielle Klang ist wirklich nur annähernd zu erreichen. Der VS schafft als einer der ganz wenigen Synthesizer den Spagat zwischen analoger Wärme und digitaler Raffinesse. Der VS ist ein ganz Großer in der Synthesizer Geschichte!

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    Telmar

    In der Sound&Recording 5.2006 war ein Test des Arturia V mit Hörbeispielen. Wer glaubt das die Software dem Original das Wasser reichen kann, der kann mal folgendes ausprobieren: Das Hörbeispiel mit dem Digiclav-Werkssound in einen Sequenzer laden und mit
    einem Bell EQ 80Hz um 12dB schmalbandig aufdrehen. Original bleibt knochentrocken und drückt ohne Ende.Software klingt schwammig und undifferenziert.

    Ich hatte auch gehofft die Kopie reicht. Nach den Hörbeispielen habe ich mir einen VS bei ebay „geschossen“.
    Noch Fragen? ;o)

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      TobyB RED

      Hallo Telmar,

      da hast du schon recht, nur denke ich das Arturia in den letzten 9 Jahren sicher etwas Forschung und Entwicklung betrieben haben wird. Die App iProphet ist schon nah dran, nur es fehlt halt das MÄCHTIG im Schub.

      Grüße

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    Micromoog

    Danke für diesen tollen Bericht!
    Als VS-Besitzer kann ich mich nur anschliessen, Original bleibt Original (zumindest noch 2015 :-))

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    DietmarB

    Schöner Bericht!

    Die einzigen Geräte, die VS-Sounds aktuell hinbekämen, wären der Solaris von John Bowen und der Modal 002. Nur sind die halt auch deutlich teurer als ein gebrauchter VS :)

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    richard AHU

    Schöner Bericht über ein tolles Gerät. Der Prophet VS ist noch so ein Sehnsuchtsding für mich, bisherige Emulationen überzeugen mich noch nicht so richtig (leider).
    Vieleicht auch mal ein Kandidat für ein Remake?

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      synton

      Ich glaube gerade bei den Hybriden kommt so viel an unbestimmbaren klangbestimmenden Elementen zusammen, das ist schwer zu emulieren. Dasselbe gilt wohl auch für Ensoniqs ESQ-1 und SQ-80.
      Ein VS Remake müsste dann wohl auf einige „Spezialbauteile“ zurückgreifen, wie die Sequential Custom ICs oder die Curtis-Filter. Das wird sich keiner antun wollen – und Korg glaubt vielleicht immer noch, die Wavestation sei der wahre Nachfolger/Ersatz für den VS.

      • Profilbild
        richard AHU

        Arturia hatte in einer Umfrage schon mal vor-gefühlt ob es da Interesse bei den Usern gäbe. Allerdings fände ich eine Hardware toll, egal ob das realistisch ist oder nicht ;-)

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          TobyB RED

          Hallo Richard,

          ich habe Aturia iProphet auf dem IPad und hab mir mal den Vergleich zu den 3 Presets hier bei Amazona gegeben. Einmal analog raus und über das Mischpult und MOTU in die DAW. Und dann über iconnectivity direkt rein in die DAW. Für mich war der Gewinner das Original, Peter schreibt oben so schön von MÄCHTIG SCHUB. Ich zieh die Originale Hardware vor. Die App schlägt sich Wacker, aber es fehlt MÄCHTIG.

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            richard AHU

            Hallo, Toby. Klar das Orginal bleibt in den meisten Fällen ungeschlagen, das ist nicht nur in diesem Beispiel so und wenn man den echt orginalen Sound haben möchte wird man auch den echten Synthie dazu brauchen. Ich selber sehe kenne den VS von einem Bekannten, in dessen Studio glänzte das gute Stück vor allem durch Abwesenheit, weil es ständig zur Reperatur war ;-) Mir selber sind viele der Alten Geräte deshalb keine Option.

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              TobyB RED

              Hallo Richard,

              ich beschränke meinen Vintage Fuhrpark auf die Kisten die ich zur „Not“ noch selber reparieren könnte. OKAY, beim Prophet wäre ich raus ;-) Allerdings setze ich virtuelle Replika extrem ungern ein, da sie sich im Mix anders verhalten und ich damit schlecht umgehen kann. Ich weiss einige werden den Kopf schütteln, aber gegen eine Hardware Neuauflage einiger dieser Synths habe ich nichts. Der Prophet gehört dazu. Man wird ja mal phantasieren dürfen ;o)

  8. Profilbild
    synton

    Es wird die Software-Version 1.2 angesprochen, die einen Keysync für die LFOs hat.

    Aber man sollte nicht unerwähnt lassen, dass eine Reihe gerade VS-spezifisches Klängen lieber einen freien LFO hätte…

    Schade, dass man da nicht umschalten kann. Wer den „freien LFO“ liebt, muss bei Version 1.1 bleiben. („free your LFO- your mind will follow…“)

    Einer der kleinen Wermutstropfen am VS – ach ja, und auch der etwas wenig prägnante Stereochorus.

  9. Profilbild
    exciter999

    Manch einer mag mich jetzt für verrückt halten, aber ich habe Anfang der 90er meinen Jupiter-8 gegen einen Prophet-VS eingetauscht, und was soll ich sagen – ich bereue das in keinster Weise, ganz im Gegenteil!
    Der Prophet VS ist mein absoluter Lieblingssynthesizer (dicht gefolgt vom Oberheim Xpander)
    Und was soll man noch über den Klang eines VS schreiben? Vielleicht nur noch: „Der Kenner genießt und schweigt!“ :-)
    Übrigens, im O.S. 1.2 hat der Prophet VS ein absolut geniales Tool mitbekommen, nämlich eine „Random“ Funktion zur Sounderstellung. Das war für ich u.a. der Grund dieses O.S. einzubauen.
    Ich frage mich nur, warum man diese Funktion nicht öfter in Synthesizer vorfindet.

    1.200,-EUR für einen Prophet VS ist glaube ich ein Wunschdenken. Ich denke, daß man inzwischen schon gut 1.500,-EUR (je nach Zustand und Zubehör) dafür bezahlen muß.

    • Profilbild
      Marko Ettlich RED

      Die Random Sound Funktion ist aber auch schon in der früheren VS OS drin.
      Ich kann es verstehen. Der VS ist klanglich ungleich aufregender und schöner als der Jupiter-8.

      • Profilbild
        exciter999

        Hi Marko, dann muß ich wohl eine uralt-O.S. Version im VS drin gehabt haben, weil meiner hatte die Random Funktion zuvor nicht. Egal, jetzt ‚isse‘ drin und ich genieße es!

        Und ich gebe dir in allen oben genannten Punkten recht.

        Das absolute i-Tüpfelchen am VS wäre gewesen, wenn man dem Instrument ein paar Echtzeitregler mit auf dem Weg gegeben hätte. war wohl damals nicht der Trend der Zeit.
        Aber das ist jetzt „Jammern auf sehr hohen Niveau“ – aber evtl. eine Anregung für Gregor Zoll von Stereoping! :-)

  10. Profilbild
    micromoog AHU

    Das Ding ist sowas von Zeitlos, hatte vorgestern Abend mal wieder die Muse ein paar neue Sounds auf dem VS zu kreieren.

    Was soll ich sagen, mir kam es vor als hätte ich einen noch nie „gehörten“ Synthesizer unter den Fingern.

    liegt evtl. daran, dass ich früher die Kiste etwas „mainstreamiger“ programmierte, heute erfreue ich mich an den „etwas anderen“ Sounds. ;)

    Ein Grund diesen Beitrag mal wieder herauszukramen…

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