Test: BluGuitar Amp1 Iridium Edition

12. November 2019

Amp1 goes Metal

BluGuitar Amp1 Iridium

Das einzigartige Konzept der von Thomas Blug entwickelten Amp1 Verstärker im Pedalformat hat mittlerweile zahllose Freunde gewonnen, da sich herumgesprochen hat, dass der Sound der Amp1 Boliden kraftvoll und natürlich ist und den Vorbildern (Fender, Marshall etc.) klanglich erstaunlich nahekommt. Auch die reichhaltige Ausstattung des nur 1,2 kg leichten 100 Watt Verstärkers ist wohl durchdacht und bedient exakt die Bedürfnisse eines Profigitarristen, der gerne wenig schleppt und trotzdem gut klingen möchte. Thomas Blug, der aufgrund seiner jahrzehntelangen Live-Erfahrung genau weiß, was sich Gitarristen wirklich wünschen, hat nun nach der ersten Edition, die nicht mehr lieferbar ist, bzw. durch die Mercury Edition ersetzt wurde, noch eine weitere Variante seines Amp1, den Amp1 Iridium Edition, entwickelt, die die speziellen Bedürfnisse des Metal-orientierten Gitarristen befriedigen soll. Die wesentlichen Unterschiede zu den Vorgängern bestehen, abgesehen von der schwarzen Farbgebung der Iridium Edition, im Anpassen der Voicings, die nun speziell auf die Bedürfnisse eines Metal-Gitarristen abgestimmt wurden. Dieser arbeitet gerne mal mit heftig gescoopten Mitten und einem satten Bass. Auch der Hall wurde verändert und erzeugt nun eher einen Raumklang, während die beiden Vorgängermodelle einen Federhall imitieren. Nicht zuletzt wurde die 100 Watt Endstufe modifiziert, um dem typischen Verhalten (Sag) einer „geforderten“ Röhrenendstufe nahezukommen.

BluGuitar Amp1 – Facts & Features

Für alle, die den BluGuitar Amp1 noch nicht kennen sollten, seien dessen wichtigste Ausstattungsmerkmale noch einmal kurz angeführt. Der BluGuitar Amp1 Iridium ist ein 100 Watt Gitarrenverstärker im „Pedalformat“, der vier Kanäle bietet. Die Abmessungen von 245 x 192 x 68 mm (B x T x H) sind für einen Vierkanaler dieser Endstufenleistung erstaunlich gering und wird maßgeblich durch die Verwendung einer Class-D-Endstufe erreicht. Um den Amp1 in puncto Verhalten und Dynamik einem Röhrenverstärker nahezukommen, arbeitet die Endstufe mit der Unterstützung einer Subminiaturröhre (Nanotube genannt). Der Amp1 akzeptiert Netzspannungen zwischen 100 und 240 Volt und ist somit problemlos weltweit einsetzbar.

Die Werkseinstellung gestattet wie bei allen Amp1 Editionen das Umschalten zwischen dem klaren und einem (unter drei) wählbaren verzerrten Kanälen. Auch ein Boost und der Hall können mit den stabilen Fußschaltern aktiviert bzw. deaktiviert werden. Möchte man spontan über alle vier Kanäle inkl. Boost-Voreinstellungen und dem Integrieren bzw. Schalten externer Effektpedale etc. verfügen, kann an die Remote-Klinkenbuchse eine MIDI-Option oder ein optionaler Fußschalter angeschlossen werden, dessen Belegung individuell gestaltet werden kann. Thomas Blug erklärt dies in folgendem Video angenehm unaufgeregt und gut verständlich. Hier merkt man gleich, dass das komplette Amp1 Konzept wirklich im Detail auf die Praxis abgestimmt ist:

BluGuitar Amp1 Iridium – Edition Facts & Features

Der BluGuitar Amp1 Iridium Edition wird in einem passenden schwarzen Softcase ausgeliefert, das beim Transport ein Verdrehen der Regler verhindert. Abgesehen vom klaren Kanal, können drei unabhängige verzerrte Kanäle mit unterschiedlichen Charakteristiken bzw. Verzerrungsgraden mithilfe des vierstufigen Drehschalters angewählt werden. Der klare Kanal wurde bei der Iridium Edition speziell auf Gitarren mit Humbucker abgestimmt, es stehen hier also etwas mehr Höhen zur Verfügung. Ein stufenlos (an der Seite) regelbarer Gain-Boost ist allen Kanälen wie ein Pedal vorgeschaltet. Zum Abnehmen des Sounds auf der Bühne oder im Studio (direct recording), ist eine (bei Bedarf abschaltbare) Speaker-Simulation integriert. Ein eingebautes Noise-Gate kann gleichfalls an der linken Seite aktiviert und in zwei verschiedenen Empfindlichkeitsstufen den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Gut zugänglich können die drei Fußschalter die Kanalumschaltung (Clean auf voreingestellten verzerrten Kanal) vornehmen oder auch den Boost und Hall aktivieren/deaktivieren. Das mitgelieferte Netzkabel ist „geräteseitig“ erfreulicherweise um 90 Grad abgewinkelt, sodass man keinen Platz auf dem Board verschenken muss.

BluGuitar Amp1 Iridium – Bedienelemente

Der BluGuitar Amp1 Iridium Edition ist wie auch seine Vorgänger mit folgenden Reglern, wie man diese auch am Frontpanel eines Röhrenverstärkers antreffen würde, bestückt:

Clean Volume, Overdrive Gain, Overdrive Master, eine dreibandige Klangregelung (Bass, Middle, Treble), Reverb und Mastervolume für die Ausgangslautstärke. Drei stabile Fußtaster (relaisgesteuert) ermöglichen die Kanalumschaltung (Clean/Overdrive), die Aktivierung des Boosts und des Halls.

Amp1 Iridium Edition Stirn

Absolut roadtauglich und sinnvoll ausgestattet

Der BluGuitar Amp1 akzeptiert Impedanzen von 8 bzw. 16 Ohm. Andere Werte wie z. B. 4 Ohm sind in der Praxis sowieso meist nur extrem selten anzutreffen. An der linken Seite des Aluminiumgehäuses lassen sich weitere Parameter mithilfe kleiner Kippschalter bzw. kleiner Potis den eigenen Bedürfnissen anpassen. Hier wurden also dezent die Regler „ausgelagert“, die meist nur einmal eingestellt werden müssen (Noise-Gate, zusätzliche Höhenregelung der einzelnen Kanäle, Effekt-Loop-Einstellungen) und keinen ständigen Zugriff erfordern.

Der Modern-Kanal kann in Volume und Tone (an das Volume der anderen Kanäle) angepasst werden. Diese beiden Regler stehen auch dem Classic-Kanal zur Verfügung. Der klare Kanal besitzt (lediglich) einen Tonregler, um die hohen Frequenzen entsprechend anzupassen. Diese luxuriösen Features sind sicherlich absolut wünschenswert bzw. praxistauglich und ansonsten bei einem mehrkanaligen Verstärker leider meist nicht zu finden. Der integrierte Effektweg kann wahlweise seriell oder auch parallel genutzt werden. Der Pegel des Effektwegs ist von +4 auf -10 dB umschaltbar. Der REC OUT (6,3 mm Stereoklinke) liefert das frequenzkorrigierte Signal für ein Mischpult bzw. eine Aufnahme und fungiert wahlweise auch als Kopfhörerausgang.

BluGuitar Amp1 Iridium Edition Front

Optisch „Vintage/Modern“. Knöpfe, wie sie auch bei älteren Röhrenverstärkern der Marke Rivera anzutreffen sind.

BluGuitar Amp1 Iridium – Handling

Schaltet man den BluGuitar Amp1 Iridium Edition ein, ist das leise Summen des eingebauten Ventilators, der die Endstufe kühlt, wahrzunehmen. Spielt man den ersten Ton, ist dieses nicht mehr hörbar.

Das voll analoge Konzept bedeutet, abgesehen vom natürlicheren Sound erfreulicherweise auch, dass man sich hier nicht durch mehr oder minder komplexe Menüs scrollen, sich mit kleinen Displays herumärgern muss, sondern direkten Zugriff auf alle Parameter hat. Die Oberfläche gestattet eine gute Übersicht auf alle „verstärkerrelevanten“ Einstellungen.

Oft reicht beim Gig der Einsatz lediglich zweier Kanäle. Durch die Kombination mit dem Boost, der vor der Verzerrung sitzt, lassen sich quasi zusätzliche Verzerrungsstufen erzeugen, die Vorstufe wird also mehr „angeblasen“. Wünschenswert für die „kommende Edition“ des Amp1 wäre die Option, den Boost wahlweise (z. B. mittels eines kleinen seitlichen Schalters) auch an das Ende der Signalkette (bzw. vor den Effektweg) zu legen, damit man den Sound bei Bedarf auch einfach nur lauter bekommt, ohne dann aber gleichzeitig auch mehr Verzerrung zu erzeugen. Mit der Remote1 lassen sich natürlich auch mehrere verschiedene Lautstärken abspeichern.

Amp1 Iridium Edition Seite

Durchdachte und praxisnahe Ausstattung

Erfreulich ist sicherlich die enorme Praxistauglichkeit des Amp1. Hier wurde quasi an alles gedacht, ohne die hauptsächliche Bedienoberfläche optisch mit unnötigem Schnickschnack zu überfrachten.

BluGuitar Amp1 Iridium – Sound

Der klare Kanal soll Fender-artige Klänge erzeugen. Das Ergebnis ist erstaunlich gut, denn ein analog aufgebauter Verstärker, der darauf ausgerichtet ist, schwerpunktmäßig verzerrte Marshall-artige Sounds glaubwürdig zu imitieren, in der „cleanen Liga“ aus schaltungstechnischen Gründen meist keine Höchstpunktzahl erreichen kann. Hören wir den klaren Sound mit einer Strat und zwei Tonabnehmervarianten, der Volume-Regler steht auf 5:

Der Volume-Regler des klaren Kanals fungiert letztlich als Gain-Regler. Reißt man ihn weit auf, wird der Klang komprimierter, schmutziger (bis crunchy) und erzeugt eine Verzerrung im Fender-Stil.

Kommen wir zu den drei verzerrten Kanälen:

Diese, „marshallesque“ ausgerichteten Sounds klingen tatsächlich absolut authentisch. Dies bezieht sich auf den Sound aber auch auf das Verhalten z. B. bei zurückgedrehtem Volume-Regler. Hier hat man tatsächlich das Gefühl, es mit einem Vollröhrenverstärker zu tun zu haben.

Vintage:

Der Vintage-Kanal geht absolut in die Marshall JTM 45 Richtung, wobei der typische „Marshall-Growl“ zu hören ist und auch die typische „Festigkeit des Tons“ bei enormer Durchsetzungskraft spürbar wird. Wir hören zunächst den Singlecoil am Hals gefolgt vom DiMarzio Chopper am Steg:

Hören wir den zweiten verzerrten Kanal:

Classic:

Der Classic-Kanal klingt etwas komprimierter, bietet etwas mehr Verzerrung und geht in die Marshall JCM 800 Richtung.

Modern:

Der Modern-Kanal klingt dann absolut Metal-mäßig, wobei der Mittenregler der Dreiband-Klangregelung bei Bedarf zusätzlich ein extremes „Scooping“ ermöglicht. In folgendem Hörbeispiel steht er auf 3.

Aktiviert man dann auch den Boost, wird der Klang noch etwas fetter, da die Vorstufe einen entsprechend höheren Pegel geliefert bekommt:

Am Ende des Hörbeispiels kann man schön hören, wie das Noisegate „zumacht“, wenn die Saiten abgedämpft werden. Die klanglichen Möglichkeiten der vier Kanäle des BluGuitar Amp1 Iridium Edition sind sicherlich beeindruckend. Ich persönlich, als absoluter Fan bzw. Jünger von Vollröhrenverstärkern, muss anmerken, dass der Klang, wenn überhaupt, nur sehr schwer von den Vorbildern (Marshalls, Fender etc.) zu unterscheiden ist. Mit geschickter Einstellungen der Klangregelung bekommt man den Sound zahlreicher Röhrenamps im Handumdrehen nachgebildet.

Bereits beim Einsatz nur eines verzerrten Sounds sind in Verbindung mit dem Boost schon sehr gute Ergebnisse erzielbar. Wer wirklich alle drei verzerrten Sounds ständig verfügbar benötigt, muss sich während eines Gigs dann evtl. kurz bücken, um per Hand einen der anderen zwei verzerrten Sounds anzuwählen oder die optionale Remote1 erwerben, mit dem sich auch ein komplexes Effekt-Setup mühelos handhaben lässt. Selbstverständlich hängt der Sound des BluGuitar Amp1 Iridium Edition auch noch entscheidend von der Qualität und Größe der verwendeten Box ab. Bekanntermaßen bietet Thomas Blug in diesem Sektor auch einige Modelle an.

Die Klangbeispiele wurden mit folgendem Equipment aufgenommen:

Strat, SSH (DiMarzio Chopper am Steg) – BluGuitar Amp1 Iridium Edition – MESA/Boogie 1 x 12″ Thiele Box mit Creamback Celestion Lautsprecher – Shure SM57 – Apogee Duett – Mac mit Logic (etwas Delay hinzugefügt).

Fazit

Mit dem Amp1 Iridium Edition werden nun auch alle Gitarristen bedient, welche eine härtere Gangart bevorzugen bzw. denen das Zerrvermögen der älteren Versionen nicht ausreicht. Klanglich kann der Amp1 Iridium Edition voll überzeugen und auch die „amplike“ bzw. intuitive Bedienung macht Spaß. Die bei Bedarf zu erreichende enorme Lautstärke beeindruckt, vor allen angesichts der angenehm kleinen Ausmaße dieses 100-Watt-„Pedals“. Wer ein kleines, aber effektives Set-up bei geringem Gewicht bevorzugt und eine „analoge“ Bedienung schätzt (also beispielsweise nicht zu einem Kemper o. ä. tendiert), sollte den Amp1 Iridium Edition unbedingt einmal antesten, da er sich auch preislich, an seiner luxuriösen Ausstattung gemessen, in absolut akzeptablen Gefilden bewegt.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • Gewicht, Maße
  • Praxistauglichkeit
  • Ausstattung
  • Optik

Preis

  • BluGuitar Amp1 Iridium Edition: 749,- Euro
  • BluGuitar Remote 1: 290,- Euro
Klangbeispiele
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