23. September 2016

Nord Lead A1 – meine 50cent

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Ich habe den Nordlead A1 jetzt 2 Wochen. Mein Fazit: sehr zu empfehlen. Die teilweise kritisierte Oszillator-Sektion ist vielseitig und zwingt einen auch mal auf ungewöhnliche Wege. Ich finde das gut. Wer maximale Freiheit will, kauft sich einen Waldorf Blofeld.
Clavia hat das getan, was sie am besten von allen können: Reduzierung. Jeder Regler macht Sinn und hat Relevanz. 3 Stufige Hüllkurven? Perfekt! Kein Mensch braucht mehr. Die Zuordnung der Hüllkurven zu Filter und Oszillator ist einfach wie wirkungsvoll. Die „Mutator-“ und die „Like“ Funktionen sind perfekt und man möchte sie nach kurzer Zeit nicht mehr missen. Die Idee, Zwischenstände bei der Soundcreation zu speichern und zu diesen zurück kehren zu können ist ungemein praktisch.

a1moog
Die Tastatur ist von guter Qualität und etwas vergleichbares wie den Pitcher gibt es eh nicht nochmal. Ich glaube ja immer noch, dass Clavia ein Masterkeyboard heraus bringen sollte …
Ich habe einen einzigen Kritikpunkt: Die Filter klingen ordentlich, aber nicht wirklich lebendig. Da fehlt es irgendwie an „Tiefe“. Ich habe mal den Filter komplett aufgemacht und den Output pur durch meinen MoogerFooger gejagt, also den Moog Ladder-Filter. Da hat man es dann gehört, da war dann die „Tiefe“ und dieses „Schmatzen“ da. Allerdings habe ich auch bisher keinen digitalen Filter gehört, der das wirklich gut hinbekommen hätte. Diese werden häufig nach unten hin „dünn“. Der Moog-Filter am Lead bleibt immer fett, er taucht quasi in den Sub-Bass hinunter, ohne an Kraft zu verlieren. Für Leads und Bässe ein schönes Experiment.
Aber, dass ist Kritik auf hohem Niveau. Die Filter im Blofeld klingen auch nicht viel besser. Digital bleibt letztendlich digital, was ja kein Problem ist. Am Ende muss ja ein Instrument stehen, dass für sich gesehen funktioniert, und das kann ich dem Nordlead A1 klar bescheinigen.

Fazit
Insgesamt klingt der A1 wirklich sehr warm. Er erinnert mich eher an einen Crumar Bit als an einen Moog. Mit dem Chorus eher Juno als Prophet. Aber das ist ja nicht schlimm. Eierlegende Wollmilchsauen gibt es eh nicht.
Forum
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    AMAZONA Archiv

    Ehrlicher Bericht eines echten Users. Dankeschön. Besonders die Sache mit dem Filter finde ich gut erwähnt zu haben.

  2. Profilbild
    elektrock  AHU

    Die Roten mit dem Fett’n Sound.

    Ich habe mir das Teil auch besorgt
    und nicht mehr zurückgeschickt.
    Bin vollend’s zufrieden.
    Der Sound lässt keine Wünsche offen
    und die Farbe ist ja wirklich ein Leckerbissen.

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    iltis30  

    Ein kleiner Nachtrag zu meinem etwas ungelenk geschriebenen Bericht:
    die Filtereinstellungen klingen sehr unterschiedlich, auch wenn der Filter komplett offen ist und die Resonanz auf 0.
    Dabei klingen die Moog-Emulation und der TB-Filter am charakteristischsten. Mit denen gibt es die besten Ergebnisse. Der 24Pol Standard-Filter ist leblos wie eine zwei tage alte Eintagsfliege und der Bandpassfilter ebenso.
    Der Moog-Filter klingt etwas deftiger und breiter, der TB-Filter etwas agressiver und höhenreicher (was ihn für mein Experiment mit dem externen Moogerfooger zur Filtereinstellung der Wahl macht. Wohlgemerkt: immer bei komplett offenem Filter.)

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    AMAZONA Archiv

    Der A1 ist mein aktueller Lieblingssynthesizer: phänomenaler Klang und genial reduzierte Bedienoberfläche. Die Kombination aus extrem einfacher Bedienung, präzisem wie fettem Sound und richtig genialen Zusatzfunktionen wie dem Like-Button ist einfach ein optimales Gesamtpaket. Hinzu kommen für mich als Stereo-Junkie die genialen Stereo-Effekte bei Unison, Chorus und Ensemble. Ich kenne KEINEN aktuellen, polyphonen Analogsynthesizer, gegen den ich den A1 tauschen würde. Habe den Accelerator für den A1 abgegeben, obwohl der Accelerator vielleicht noch einen Tick edler klingt. Aber die anderen Vorteile reißen das bei weitem raus. Die Hüllkurven-Einschränkung hat mich noch nie wirklich gestört. Meine Erfahrung ist auch, dass einfache Bedienung zum Musizieren animiert und der A1 ist der am einfachsten zu bedienende Synthi, den ich je hatte. Meines Erachtens ein sehr unterschätztes Gerät, was wohl einerseits am (für mich nicht nachvollziehbaren) Analog-Hype, andererseits am unqualifizierten Gemecker vermeintlicher „Experten“ liegt. Vor dem A1 hatte ich (auch wegen der einfachen Bedienung) noch den King Korg ausprobiert. Aber die angeblich verbesserte Klang-Engine reicht an den Korg R3, den ich früher mal hatte, leider nicht mehr ran: zu leblos und steril. Das kann man aber vom A1 absolut nicht sagen und ich bin heilfroh noch ein paar Hunderter draufgelegt zu haben.

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    Organist007  

    ich besitze Nord lead 2x und nord lead 4.
    In letzter zeit bin ich eher zum 2x zurückgekehrt. die kiste ist wirklich ein gutes workhorse. ich mag auch, dass der klang pur ist und ich Effekte dran hängen kann , z.b. delay/reverb oder vornab einen overdrive, da geht dann einiges. empfehlenswert, aber ziemlich krass ist auch der geiger Counter, ein extremer verzerrer/distroyer.

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    AMAZONA Archiv

    Der Nordlead 4 produziert auch heftige Artefakte in extremen Filtereinstellungen mit hoher Resonanz. Meinen Nord 3 hatte ich damals abgegeben weil er so völlig emotionslos war. Ich bin gespannt was Clavia bald präsentieren wird. Der A1 wird gerade für 899€ rausgehauen. Da ist er fast interessant mal angetestet zu werden. Clavia sollte mehr den Nordlead 1/A1 Weg gehen und nicht allzu komplexe Geräte bauen. Schön und rot sollen sie sein und dabei Charakter haben. Ich wette es kommen ebenfalls ein paar Eurorack-Module.

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