15. November 2017

Dave Smith Instruments – Mißverstandener Tempest

In die aktuelle Firmware 1.5.0.2 ist – nach ausgiebigen Diskussionen über das Produkt im DSI Forum mit en DSI Entwicklern – nochmal eine ganze Menge an Hirnschmalz geflossen und R. Linn hat dann sogar selbst für den Fortgang der Entwicklung und die Bearbeitung der wichtigsten Wünsche und nervigsten Bugfixes gesorgt. Inzwischen kann sich die Software sehen lassen. Freilich wird der Tempest – oft kritisiert – nie ein \“Drumcomputer\“ oder Sample Schleuder sein. Die aber bekommt man eh wesentlich billiger anderswo. Wer nur mal ein paar „klassische analog-drum sounds“ raushauen will, ist mit einer Sample Library oder Drumsampleplayer/-\“computer\“ fast schon garantiert besser bedient. Wer den Unterschied verstehen (oder wenigstens ahnen) will, der schraube das gerät einfach mal auf und vergleiche es mit der Elektronik heutiger Sample-Schleudern. Inzwischen lässt sich damit auch prima arbeiten – vor allem besser und wesentlich flexibler als mit all den x0x Nachbauten. Mit nem Tempest bekommt man auch fetteste analog Drum Sounds hin, wenn man kein Neuling in hybrider Synthese ist.

Der Tempest ist m.E. wohl das am meisten „mißverstandene“ Produkt aus der Schmiede DSI – was mutigen, jungen und gestandenen Sound Design Freaks immerhin die Möglichkeit bietet, nen Tempest oefter mal günstig gebraucht zu schießen. Wer schnell mal eben ein paar Beats a la x0x klöppeln will, dürfte bei anderen (billigeren) Produkten meist völlig ausreichend bedient sein.

Fazit
Der Tempest ist für mich der beste hybride "Transienten-Synthesizer" und nicht zuletzt ein netter, fetter - wahlweise voll-analoger oder hybrider analoger Poly-Synthesizer. 
Forum
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    Paul Tunyogi-Csapo  

    Ja, das sehe ich auch so, zumal der Support exzellent ist.
    Ein tolles Gerät, ich liebe ihn sehr, weil er einen dazu bringt „Out of the box“ zu denken.

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    fragment

    Ich konnte dem Text nicht entnehmen, worin das Missverständnis besteht oder bestand.
    Ansonsten gilt, dass man für eine Fehlkommunikation immer zwei Beteiligte braucht; einen der sich nicht richtig ausdrückt und einen der das Gesagte nicht richtig versteht.

    Die mehrfach vorgetragene pauschale Diskreditierung von Sample-basierten Geräten erscheint mir unangebracht.
    Selbst wenn man Samples kritisch gegenüber steht, bringt diese Technologie den Vorteil mit sich, dass man exakt die Sounds in sein Gerät laden kann, die man gerade braucht.
    Nach meiner Ansicht funktioniert das Programmieren von Synthesizern nur dann wirklich gut, wenn man den gesuchten Sound schon im Kopf hat und (!) weiß, wie man dort hinkommt.
    Ich habe ziemlich viel Zeit mit meinem Clavia Nord Drum 2 verbracht, ohne die dort vorhandenen 32 Parameter zur Klangsynthese so umfassend verstanden zu haben, dass ein flüssiges Arbeiten mit dem Geräte möglich war.

    Wenn ich mir vor diesem Hintergrund die 90 (!) Bedienelemente auf der Frontseite des Tempest vor Augen führen, dann ist das auch eine Form von Fehlkommunikation – seitens DSI wohlgemerkt -, der ich mich nicht aussetzen möchte, wenn ich meine Ziele auch mit einem Elektron Digitakt erreichen kann.

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      niels@dettenbach.de  

      Ich arbeite selbst mit Samples – allerdings mit den dazu geeigneten Werkzeugen.

      „Sample Schleuder“ bezieht sich allein auf die Technologie, die längst wesentlich weitaus billiger zu haben ist als ein analog/hybrider Synthesizer. Solche Geräte spielen zB von Synthesizern aufgenommene Sounds ab.

      Der Tempest bietet zwar auch „trockene“, prozess-geeignete Samples als „Oszillator“ zur Soundsynthese – daher sind diese Samples nicht vergleichbar mit den bei „Drumcomputern“ heute üblichen vorgemasterten und mit Effekten versehenen / „angefetteten“ Samples und eignen sich auch nur bedingt zur direkten Verwendung ) typische Samples moderner „Drumcomputer“ wiederum wären im Tempest ungeeignet. Letztere ist aber wohl jene, die viele der „Fehlkäufer“ erwartet haben (siehe auch DSI Forum). .

      Meine Erfahrung ist, das viele enttäuschte Tempest-Käufer von einer „Sample Schleuder“ ausgegangen sind, welche typischerweise auch als „Drumcomputer“ bezeichnet werden. Daher ist die Bezeichnung „Drumcomputer“ irreführend. DSI hat seinen Tempest in seinen Produktdarstellungen immer als „analogen Synthesizer“ und „drum machine“ angeboten. Thomann hat daraus einen „Drum Computer“ gemacht, was ich persoenlich für etwas irreführend halte, weil auf ein rein digitales Gerät deutend (schreibt aber in den Produktspecs darunter immerhin Details zur Synthese).

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    AMAZONA Archiv

    Eine sehr knappe, leider auch wenig detailreiche Meinungsäusserung.
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    Aber Dein Text spiegelt einen Verdacht wieder den ich schon eine Weile habe. Roger Linn hat offensichtlich seine ganze Erfahrung in diesen Tempest gelegt. Und mit Dave Smith hat er jemanden gefunden für den eine Steigerung von „Seelenverwandt“ gefunden werden müsste.
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    Instrumente von einem solchen Kaliber werden oft „missverstanden“ weil sie „anders“ sind. Dabei ist dieses „anders sein“ der Grund warum sie ein solches Kaliber haben. Ein Teufelskreis, der üblicherweise in einem wirtschaftlichen Desaster endet. Die meisten anderen, aussergewöhnlichen Instrumente rettet ihr Soundcharakter. Sonst hätte sich bei ihrem Erscheinen niemand mit einem PPG, Synclavier, oder den anderen Vertretern ihrer Art auseinander gesetzt.
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    Was genau nun den Tempest „rettet“ kann ich nicht sagen. Und das kann mir irgendwie niemand so richtig sagen. Es muss etwas an dieser Maschine sein das für alle, die sich damit tiefer beschäftigen, einen tieferen, kreativen Wert bildet.
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    Um das herauszufinden habe ich Deinen Text gelesen. Aber das war wohl nicht das Ziel Deines Artikels.
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    Trotzdem, vielleicht hast Du ja Lust den Spirit des Temepst, und was ihn für Dich wertvoll macht, mal in einem längeren Artikel zu veröffentlichen. Mich würde das sehr interessieren …

  4. Profilbild
    niels@dettenbach.de  

    Der Beitrag ist eigentlich nur als „allg. Meinungsäußerung“ und nicht als ganzer „Review“ gedacht gewesen.

    Tatsächlich erwarten viele mit dem Tempest einen Sampler mit analogem Filter (wie den Toraiz von DSI/Pioneer) und mosern über die „schlechten Samples“.

    Die Tempest „Gemeinde“ ist gar nicht so klein (siehe DSI Foren u.ä.) und viele der Profis stoerten sich bisher primär / allein an Firmware-Bugs bzw. noch nicht gelieferten Features (was inzwischen aber auch anders ist).

    Bei Interesse schreib ich gern nen längeren Artikel – hier nur kurz zu Deiner Frage:

    Zwar ist der Tempest vor allem als Live-Instrument entwickelt worden – ich benutze ihn jedoch stationär im Studio zum „Bauen“ (Synthese) von Transienten-Sounds / perkussivem „Zeug“ – die dann extern mit FX usw. „raffiniert“ werden. Weiß man wie, kann man z.B. damit alle Sounds klassischer Analog-Drumkisten in der richtigen Stimmung nachbauen wie ganz eigene. Er kommt auch als analoger 6 Voice Polysynth zum Einsatz, wobei die 2×2 oszillatoren pro Stimme einiges hergeben. Jede Stimme lässt sich einzeln abgreifen.

    Dabei kommt der Sequencer nur teilweise zum Einsatz. Die Pads sind eh einzigartig hochwertig.

    Es ist halt ein Stück Profigerät. Wer mit älteren Kultdrumsyths zu tun hatte, wird ihn als neue Dimension erleben. Wer von modernen VSTs und Samplern kommt, ist wohl eher verwirrt. ß)

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