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Die Dritte Dimension: Modultiefe im Eurorack

8. November 2025

Die Dritte Dimension: Modultiefe im Eurorack

Es könnte alles so einfach sein im Eurorack-Universum: Module sind 3HE hoch (außer die komischen 1HE-Module, für die es irgendwie zwei minimal inkompatible Standards gab) und ganzzahlige Vielfache von 2TE breit (außer jemand kommt auf die Idee, ungeradzahlige Vielfache zu machen). Aber alles ganz einfach.

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Die Dritte Dimension: Modultiefe im Eurorack

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Wenn da nicht die Tiefe wäre.

Aber während uns Hersteller und Händler immer genau sagen, wie breit die Module und Cases sind (und das stimmt auch fast immer) und das auf jeden Fall in fixen Einheiten quantisiert ist, ist das bei der Tiefe nicht so…also: was tun?

 

Anmerkung: ich verwende in der Geschichte immer die Begriffe HE für “Höheneinheiten” und TE für “Teilereinheiten”. Warum? Weil Doepfer das so macht. Was sich einfach in “HU” und “HP” übersetzen läßt.

Problembeschreibung:

Wenn ich mir heute ein Eurorack-Setup bauen will (sei es mit Modulen und Cases, die ich noch anschaffe, oder mit vorhandenen Komponenten), so weiß ich immer auf den ersten Blick “wieviele TE?” Das seh ich auf den ersten Blick auf den Seiten der Hersteller, bei den Händlern, und Tools wie modulargrid sind auch darum aufgebaut. Aber für die Tiefe der Module gilt das nicht. Also: wie damit umgehen, als Eurorack-Nutzer?

Am Anfang war Dieter

Als vor ca. 30 Jahren Dieter Doepfer mit dem A-100 nach Frankfurt fuhr, waren die Mechanischen Details warhscheinlich dieselben wie heute: man hatte eine genaue Beschreibung für die Höhe und Breite der Frontplatten sowie den Lochabstand, aber verlor über die Tiefe der Module kein Wort. Auch der Verweis auf das “19-Zoll-System gemäß DIN 41494” hilft nur minimal weiter, weil die hier spezifizierten Tiefen 100mm, 160mm und 220mm sind. Wer hat ein Eurorack-Modul mit 220mm Tiefe? Eben.

Mir ist kein Modul mit mehr als 100mm Tiefe bekannt, aber es gibt welche (z.B. den A-113 Subharmonic Generator) die mit 90mm da nah dran sind.

Und passenderweise sind auch alle Doepfer-Gehäuse, mit Ausnahme des Beauty Cases (80mm Tiefe) mindestens 100mm tief, abgesehen vom Bereich über dem Netzteil. Und das A-100G6 (6HE-Case für Einbau in 19’’) ist innen sogar 140mm tief.

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90mm? Das ist doch nicht “skiff-friendly!”

Die 90mm sind ein extremes Beispiel, aber tiefer als viele moderne Cases sind zumindest von Doepfer schon einige Module. Als Beispiel mögen hier das A-108 VCF8 (mein Lieblingsfilter) mit 75mm und das A-101-6 OptoFET Filter (65mm) dienen.

Exkurs: Der Aufbau von Modulen

Warum sind also manche Module so extrem tief, während andere in Dean-and-David-taugliche Cases passen?

Die frühen Doepfer-Module (und auch heute noch einige, nicht nur von Doepfer) folgen dem typischen Aufbau von typischen Eurokarten:

Hinter der Frontplatte ist im rechten Winkel eine Platine montiert. Die ist dann “knapp 3HE” hoch, und eben so tief, wie man Platz braucht. Für ein kleines Modul 2-3cm, für ein großes eben 7-9.

Das ist bei den typischen 8TE-Modulen mit “Reihe Regler rechts, Reihe Buchsen links” durchwegs so, bei denen mit zusätzlichen Buchsen- oder Reglerreihen kommen noch weitere, ebenfalls ins Gehäuse ragende Platinen dazu.

Ausnahmen bestätigen freilich außerhalb des 8TE-Standardmaßes die Regel. Das vorhin erwähnte A-113 hat neben einer standardmäßigen (eben sehr tiefen) Platine noch eine zusätzliche parallel zur Frontplatte für die zusätzlichen Bedienelemente. Das nicht mehr erhältliche A-107 Morphing Filter nutzt die 26TE Breite, um die Platine einfach parallel zur Frontplatte zu montieren, und kommt so trotz komplexer Schaltung mit 40mm Tiefe aus. Und spätestens beim A-143-4 wirds esoterisch, hier sind auf 22TE Breite zwei gestapelte Platinen parallel zur Frontplatte montiert, was zu formidablen 60mm Tiefe führt.

Wie bauen andere Module?

Indes gibt es ja noch weitere Modulhersteller, und wie machen die das?

Mir sind keine vollkommen andersartigen Konstruktionen bekannt. Was ich aber wahrgenommen habe ist, daß der Trend zu “Skiff-Friendly” mit relativ breiten (in TE) Modulen und parallel montierten Platinen umgesetzt wird – daß heutige Module meist nicht mehr mit Durchsteckmontage wie die alten A-1×0 und A-1×1-Nummern gebaut werden, tut sein übriges.

Aus meinen Stichproben sehe ich (für alle Nicht-Doepfer):

  • 2TE ist senkrecht montiert,
  • 8TE oder größer ist parallel montiert,
  • Und alles zwischendrin ist mal so, mal so (je nach Hersteller und ggf. Modul)

So sieht man in der Erica Pico-Serie (3TE) parallel montierte Platinen, während ExpertSleepers Disting mk4 und Synthroteks DualLPG (beide 4TE) senkrechte Platinen haben.

Und als Folge der parallelen Platinen sind wirklich tiefe Module die große Ausnahme. 20-35mm ist Standard, mehr als 45mm sieht man selten.

Und Cases?

Wir wissen schon, daß (mit Ausnahme der Beauty Cases und dem Bereich über dem Netzteil) jedes Modul von jedem Hersteller in jedes Case von Doepfer paßt. Aber wie schauts mit anderen Anbietern aus?

Die vertikalen Cases (ähnlich wie die Doepfer-Originale) sind dabei selten ein Problem. Schwierig wird es mit den horizontalen oder angeschrägten Cases: hier geht der Bereich von ca. 34mm (4ms) bis zu 65mm/70mm z.B. für die (auch als “Skiff” bezeichneten) Koffer von Sektor Sieben. Mein Lieblings-A-108 paßt da nicht rein, aber ein A-101-6? Locker!

Ein Caveat gibts bei Cases freilich: ob ein Modul im Bereich über dem Netzteil oder daneben, in der oberen oder unteren Reihe, oder über oder neben einer Busplatine sitzt macht teilweise den wichtigen Unterschied. Und bei den flachen Cases mit Flying Bus Boards muß man eben die Muße einplanen, die Kabel und Stecker richtig zu arrangieren und sich bei Bedarf selber passende Kabel bauen (das geht mit dem Kabel, dem Stecker vom Elektronikmarkt und ner guten Wasserpumpenzange, sag’ ich als jemand mit zwei linken Händen).

Design- und Auswahlstrategien

Eigentlich recht einfach: entweder wähle ich meine Module aus, schaue, welches das tiefeste ist, und suche das Case entsprechend aus. Oder umgekehrt: wenn ich das Case ausgesucht habe, akzeptiere ich, daß bestimmte Module nicht passen. Vielleicht erwerbe ich auch einfach nur Module, die in meine kleinen Cases passen –  oder nur Cases, in die meine großen Module passen.

Bei tiefen Cases ist Doepfer ansich immer ne gute Wahl (meine Erfahrung). Und bei Modulen? Ist Doepfer umgekehrt blöd, wenn man flache Cases mag, da auch ziemliche Standard-Produkte schon recht tief sind. Der Rest? Eine vollständige Analyse habe ich leider nicht zu bieten.

Was hilft mir die Information, wenn ich sie nicht habe?

Also alles einfach, ich brauche nur die Informationen, wie tief die Module und Cases sind und kann loslegen? Nicht ganz.

Während die Breite und ein paar Indsutry Buzzwords üblicherweise ganz oben in der Beschreibung stehen und auch die Stromaufnahme meistens gut zu finden ist, ist das bei der Tiefe nicht immer so. 

Fazit: ein Aufruf an die Partner im Eurorack…

…und damit sind die Modulhersteller, Händler (wie thomann) gemeint, ebenso wie irgendwelche Datenbanken und Designwerkzeuge wie z.B. modulargrid.

Die Tiefe ist ein genauso wichtiges Datum wie die Breite. Und deutlich wichtiger als Marketing-Buzzwords.

Mein Wunsch:

Liebe Hersteller: die Tiefe gehört zusammen mit den anderen technischen Daten auf den ersten Blick sichtbar dazu.

Liebe Händler: danke daß viele von Euch inzwischen auch die Tiefe regelmäßig listen (thomann gehört dazu). Wie wärs damit, daß wir auch nach Tiefe filtern können?

Liebe Designtool/Datenbank-Anbieter: das vorher Gesagte gilt auch für Euch. Die Daten bezüglich Tiefe sollen vollständig sein, einfach zu finden sein, und als Filterkriterium genutzt werden können.

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Fazit
Die dritte Dimension (Tiefe) ist für ein erfolgreiches Modulardesign genauso wichtig wie Breite oder Stromaufnahme. Bitte deshalb nicht mehr so stiefmütterlich behandeln.
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Über den Autor
Forum
  1. Profilbild
    swellkoerper AHU

    Ich hatte wirklich niemals Probleme, Einbautiefen von Modulen und Gehäusen zu recherchieren. Bei modulargrid kann man in seinen persönlichen Racks im Datasheet immerhin nach Tiefe sortieren und eine Übersicht der Modulreihen einsehen, das ist doch alles, was man für die Planung seines Cases braucht. Und es gibt (leider) jede Menge Module mit ungeraden TE. Falls es nicht aufgeht, halte ich immer ein paar 1HE Blindplates bereit. Die sind auch sehr nützlich, um allzu eng designte Module ergonomisch Wurstfinger-kompatibel zu machen.

    • Profilbild
      Ashatur AHU

      @swellkoerper Man findet es auch bei den Händlern nur muss man etwas klicken oder scrollen ^^ Aber es stimmt schon das dies nicht sofort ersichtlich ist.
      Aber das ist auch so wenn ich einen Drucker oder eine Waschmaschine kaufe.
      Erst suchen dann jagen das macht doch Spaß 😂

    • Profilbild
      moinho AHU

      @swellkoerper Hehe, die ungeradzahligen TE sind wahrlich ein Problem. Und als spießiger altdeutscher Doepfer-Kunde sage ich „die sind auch nicht normkonform“ ;). Versuche ich zu vermeiden…

  2. Profilbild
    CDRowell AHU

    Diese tiefgreifenden Fragen zu Breite, Länge, Tiefe sind die Basis des Eurorack-Systems.

    Zum Glück konnte ich mich immer zuverlässig auf die Daten der Hersteller beziehen. Besonders DIY-Cases und DIY-Koffer, wie umfuntktionierte aus d Baumarkt haben besonders mit der Tiefe ihre Eigenheiten…

    Dabei empfand ich das Abstimmen nach Modul-Tiefen auch als etwas „sperrig“. Hier gibt es einige, Analog-Module die BESONDERS tiefgreifende Platinenbauten haben und damit bestimmte Koffergrößen von Vornherein ausschliessen. Meiner Erfahrung nach, sind es meist die etwas kleiner ausfallenden Koffer aus Baumärkten. Die bieten dann z. B. kaum den Platz für die Potikappen oder das Steckenlassen von Kabel-Verbindungen mit geschlossenem Deckel.

    Guter Artikel!😍

  3. Profilbild
    ollo AHU

    Da ich grade mein erstes Modularsystem zusammenstelle, ist die Tiefe ein Problem, weil mein Gehäuse mit rausragenden Kabeln und Reglern Idealerweise nicht tiefer als 12cm sein darf, mehr Platz habe ich nicht. Und die meisten Cases sind eben sehr flach oder so tief, dass es für meinen Fall nicht in Frage kommt.

    Und generell ist der Markt an Cases bei Thoman, MS und Schneidersladen echt übersichtlich, ich hätte gedacht, dass es da viel mehr Auswahl an passenden Koffern, Holzgehäusen usw gibt. Eigentlich will ich ungern was selber zusammenzimmern.

    • Profilbild
      moinho AHU

      @ollo Mhm, der schwierige Mittenbereich…wie isses mit dem?
      https://sectorsieben.com/berliner-skiff-case.html – 120mm Außenmaß-

      Da paßt zwar (mit 70mm Einbautiefe) mein Lieblingsfilter nicht rein, aber zumindest der OptoFET
      Tatsächlich sehe ich gerade, daß alle meine Module (bis auf das A-108) da reinpassen würden. Über das Case hatte ich auch schonmal nachgedacht.

      Wär‘ das ne Idee für Dich?

  4. Profilbild
    synthlab01 AHU

    Das tiefste Modul, dass ich selbst besitze ist das A-112 Sampler / Wavetable Module mit einer Tiefe von 100mm.
    Doepfer ist was die Dokumentation der Einbautiefe angeht sehr vorbildlich. Auf der Website sind alle Module mit Angabe zu Breite/Width, Tiefe/Depth und Strombedarf/Current beschrieben.

  5. Profilbild
    herw RED

    Ich bin vor 18 Jahren mit A-100G6 angefangen und bleibe dabei. Wenn man vorhat, auf Dauer mehrere Cases zu erwerben, muss man auch an die Stapelbarkeit denken.

    Oft schaue ich mir Case-Varianten anderer Hersteller an und es schockt mich immer wieder der Preis des A-100G6 von mittlerweile knapp 600€. Aber ich besitze mehrere sehr tiefe Module von Doepfer und will mir nicht die Möglichkeit nehmen, sie nach Belieben umzusortieren.

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