12. Februar 2019

Display-Upgrade für E-MU Proteus

Proteus/1-/3

Vorgeschichte

Es begann für mich mit der Proteus- Story hier auf AMAZONA! Irgendwie waren im Laufe der Jahre mal ein Proteus/2 und ein Pro/formance bei mir gelandet – und angestachelt vom Artikel beschloss ich, die Reihe mit dem „Original“ – dem Proteus/1 zu vervollständigen. Das Problem nur bei meinen Geräten und offensichtlich auch bei vielen anderen (man kann das an Bildern auf Ebay usw. sehen) sind die mit der Zeit „ermüdeten“ LCD-Displays: Die Schrift war grün auf schwarz – sagen wir mal – „gedacht“, aber mit den Mitteln der damaligen Zeit offensichtlich nicht besser hinzubekommen. Der Kontrast ist schon an sich abenteuerlich schlecht, aber durch offensichtlich nachlassende Hintergrund-LEDs kommt es vor, dass man inzwischen bei ungünstiger Beleuchtung mitunter nicht mehr erkennt, ob das Gerät überhaupt eingeschaltet ist.

Ein Bild des Jammers – aber leider typisch…

Das musste besser werden, dachte ich – andernfalls würden mir die Teile auch keinen Spaß machen.
Und gegen ein bissl Bastelei habe ich nix einzuwenden. Im Netz kreisen auch diverse Bilder von beeindruckenden Umbauten auf OLED- Displays, es blieb lediglich die Frage, welches konkrete Ersatz-Bauteil die Spezifikationen erfüllen würde – und das Beschaffungsproblem (als Endkunde und für Einzelstücke hat man schlechte Karten).

Beschaffung

Nach einiger Recherche entdeckte ich einen in England sitzenden Händler, der sich offensichtlich auf die Display- Nachrüstung von lieb gewordenen Synthie- Schätzchen spezialisiert hat und weitgehend fertig konfektionierte Bausätze über eine amerikanische Musikalien- Verkaufsplattform anbietet. Auch für den Proteus/1 und alle seine Verwandten hatte er was in petto. Das sah – obwohl nicht ganz billig – vielversprechend für mich aus, vor allem weil es versprach, mir blutigem Laien einige Fallstricke zu ersparen. Gesagt – getan – und gleich eine „Sammelbestellung“ angezettelt, u.a. für meine TG77 und den K5000s, die wegen des bekannten Problems mit EL-Folien als Hintergrundbeleuchtung ebenfalls notleidend geworden sind. Nicht zuletzt dachte ich mir auch „wer weiß, ob ich nach dem Brexit mit einem Engländer überhaupt noch so einfach Geschäfte machen kann…“ ;-)
Eine Woche später war das Paket da – und es versprach jede Menge vergnüglichen Bastelspaß!

Das Paket ist da!

Irgend eine Dokumentation oder Anleitung suchte man zwar vergeblich, aber wie sich herausstellen sollte
war das auch gar nicht nötig. Denn im Laufe der darauffolgenden Tage ergab sich mit Stephen, dem Versender, ein netter Dialog per Mail. So langsam bestätigte sich dabei mein Verdacht: Der Mann muss ja ein echter Nerd sein. Alle meine z.T. um 01:30Uhr nachts geschriebenen Mails wurden praktisch in Echtzeit beantwortet…

Umbau…

Im ersten Bild sieht man die Ausgangslage beim Proteus/1 – und das abgebildete Display ist im Vergleich zu meinen anderen „Proteuus“ (müsste das nicht der korrekte Plural sein?) noch fast erträglich! Man kann zwar alles erkennen, aber der Kontrast ist grauenhaft schlecht, und man erkennt das spezielle Problem aller dieser Modelle mit sehr ungleichmäßiger Ausleuchtung und seitlichen Lichteinbrüchen.

Beim Öffnen des Gehäuses beschleicht einen so ein Gefühl, dass E-MU wohl immer auch ein irgendwie „genialischer“ Laden gewesen sein muss: Es ist (wohl um Produktionskosten zu sparen) bis auf das Nötigste reduziert und profan einfach konstruiert, das aber eben doch auf raffinierte Weise. Das Gehäuse besteht aus zwei ineinander einrastenden Plastikschalen. Selbst die Frontplatte ist in dieser Art „angeklickt“. Es gibt lediglich einen seitlich umlaufenden Blechring, an dem sich letztlich alles festklammert. Das Ganze stabilisiert sich nach Art eines IKEA-Möbels erst im zusammengebauten Zustand. Dadurch genügt es, mit einem flachen Schraubenzieher an die Plastik-Clips zu gehen und sie ein wenig in Richtung Gehäusemitte zu ziehen – schon ist das ganze Gehäuse auseinander genommen. Man sollte dabei jedoch behutsam vorgehen, denn nach ca. 30 Jahren ist der Kunststoff schon etwas spröde, und die Plastiknasen sind dann schnell abgerissen.

Öffnen des Gehäuses

Um an das Display zu kommen muss die Frontplatine ebenfalls frei liegen. Dazu braucht man wiederum nur zwei seitliche Clips am Trägerblech zu lösen. Nun noch die Poti-Kappen abziehen und vier Halteschrauben auf der Platine abdrehen (die Arretiermutter am Lautstärke- Poti nicht vergessen) und schon ist die Frontplatine frei. Das Display selbst ist wiederum angelötet an die Frontplatine – und hier beginnt die eigentliche Arbeit. Mit einem Entlötwerkzeug muss man nun das Display von der Platine trennen. Bei mir hat der Vorgang (wohl auch aus Mangel an Erfahrung und Profiwerkzeug) eine gute Stunde gedauert.

Das alte Display

Wenn das aber geschafft ist und man es hinbekommen hat, beim Auslöten nicht die feinen Leiterbahnen zu zerfetzen, dann ist der Rest nahezu ein Kinderspiel: Einfach das neue Display (ein CrystalFonts CFAL1602C mit SPI-Interface) einsetzen und im richtigen Abstand anlöten – fertig. Stephen hatte das schon vorbereitet und die nötige Pfostenleiste bereits aufgelötet. Wenn man sich das OLED-Display über einen Elektronikhändler beschafft hat, wird man das wohl selbst erledigen müssen.

endlich ausgelötet – und rein mit dem OLED!

Damit sind die Arbeiten fast abgeschlossen. Das neue Display hat nun nur an einer Seite Kontakte, wodurch man es theoretisch einseitig eindrücken könnte. Ich habe einfach eine kleine Schaumstoffmatte als Abstandshalter in den Zwischenraum „gestopft“. Die Stabilität erledigt dann die Verschraubung der Platine mit der Frontplatte. Das geht zwar sicher auch solider, aber E-MU hat schliesslich vorgemacht, wie kreative Lösungen aussehen… ;-)

…und Ergebnis

Nun wieder alle Gehäuseteile zusammengesteckt- und es kann losgehen. Schon beim ersten Einschalten kamen mir fast die Tränen der Rührung: „what a difference!“, Das Teil sieht aus wie in die Neuzeit gebeamt! Ein kleiner neugieriger Blick noch auf den Menüpunkt „Viewing Angle“ im MASTER- Bereich: Was tut sich eigentlich, wenn man den hier ändert? Die Antwort ist natürlich klar: Rein gar nix! Sowas braucht´s nicht mehr – es sieht immer super aus.

Ein schönes Vorher- Nachher- Bild

Fazit
Ich möchte mich bedanken bei AMAZONA für die Inspiration mit dem Proteus - und bei Stephen James aus England mit seinem Display-Service, der letztlich der Auslöser dafür war, mich selbst an die Sache heran zu wagen. Derzeit bin ich dabei, so peu-a-peu auch anderen Teilen in meinem Gerätepark neue Displays zu verschaffen. Puristische Sammler mögen sowas monieren, weil der "Originalzustand" damit passé ist - aber mir ist´s wurscht - der ergonomische Gewinn überwiegt mir bei Weitem. Wenigstens habe ich mir von Stephen für den Proteus ein Display in der Farbe raussuchen lassen, die dem Original am nächsten kam... das muss reichen.
Forum
  1. Profilbild
    Soundreverend  

    Sehr schön, gratuliere :) Ich möchte irgendwann das Display im Virus TI gegen ein dunkles („reverse“) Display tauschen, ich glaube das ist der gleiche eBayer, kostet allerdings etwas mehr als 100 Euro und ich bin mir noch nicht sicher ob ich mir eine komplette Zerlegung des TI (Keyboard) antuen werde, Aber auf meiner Bucket List steht das drauf..

    • Profilbild
      cosmolab  

      Stephen hat neulich in einem Mail an mich gemeint, dass er da displaymäßig am Basteln sei für den Virus b/c/Indigo – sogar mit etwas vergößerter Schrift. Er hätte sich bei seinen eigenen 2 Geräten so über die „tiny characters“ geärgert. Mal sehen – am Ende wird´s ja vielleicht ganz schick… :-)

  2. Profilbild
    whitebaracuda  

    Hallo cosmolab,

    Sehr schöner Artikel, Danke dafür!

    @ Amazona: Ihr könntet ja ev. noch die Webseite verlinken?

    Beste Grüsse

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