15. März 2019

DIY-Displaytausch bei Korg T3

Vorgeschichte

Nach den für mich überwältigenden Kritiken auf meinen letzten Artikel – alle bisherigen drei Kommentatoren haben ihn NICHT verrissen ;-) – bin ich angestiftet worden, die Sache rund zu machen und sozusagen nach dem Motto „aller guten Dinge sind drei“ dann doch noch einen kleinen weiteren Bericht hinterher zu werfen.

Wie schon anderweitig erwähnt hatte ich mir ja einen ganzen Haufen Ersatz- Displays für meine verschiedenen „Altlasten“ vom Nachrüst- Experten Stephen James aus England zusenden lassen. Auf eines davon freute ich mich ganz besonders. Nicht etwa deswegen, weil es versprach, technisch irgendwie herausragend zu werden – sondern weil es das Maschinchen in meinen Augen einfach „verdient hat“: Es ist mein erster selbst gekaufter Synthie, der inzwischen schon mehr als 28 Jahre auf der Uhr hat – eine Korg T3-ex von 1990. Wie´s halt oft so ist mit dem ersten eigenen Gerät, hatte ich mich damit über die Jahre einfach am meisten beschäftigt und kenne es daher immer noch in- und auswendig. Aber eines hatte mich bereits seit dem ersten Tag gestört: Die schlechte Lesbarkeit des LCD-Displays.

 

Die Ausgangslage

Mühsame erste Versuche

Für die damalige Zeit war das Ding ja eigentlich Luxus – 240x64Pixel Vollgrafik! Es handelt sich beim Display um ein Standardbauteil Typ DMF-5005 von Optrex, das so oder ähnlich noch in vielen Modellen auch anderer Hersteller bis weit in die Neunziger Jahre verbaut wurde. Im Vergleich zum engen Verwandten M1 war es ein Riesen- Fortschritt in Sachen Bedienungsfreundlichkeit. Aber die Helligkeit der elektroluminiszenten Hintergrundbeleuchtung war schon zu Beginn mies. Selbst bei hellem Umgebungslicht (welches durch eine Reflexionsfolie hinter dem LCD genutzt werden soll – später mehr) ist der Kontrast insgesamt dürftig. So richtig übel wird es gar nicht mal bei wirklicher Dunkelheit, sondern im schummerigen Zimmerlicht, im Probenraum oder im Halbdunkel auf einer Bühne. Ein „systemisches“ Problem der EL- Beleuchtungen (zusätzlich zum Wimmern der EL-Ansteuerung) ist deren geringe „Halbwertzeit“ von deutlich weniger als 5000 Stunden. Oft ist schon nach rund 1500 Stunden das Display nur noch halb so hell. Und 1500 Stunden sind nicht viel…

Also hatte ich mich schon vor fast 25 Jahren mal heran gewagt und versucht, im Rahmen des damals Möglichen irgendwie dafür zu sorgen, dass wenigstens die Hintergrundbeleuchtung wieder heller wird. An ein Ersatzdisplay mit LED-Beleuchtung war damals nicht zu denken. Ich hätte wohl weder die Ahnung gehabt, welches Bauteil dafür in Frage gekommen wäre, noch wie ich das gegebenenfalls hätte anpassen müssen. Und abgesehen vom Beschaffungsproblem (Mitte der Neuziger war noch nix mit Internethandel) hätte ich mir dann das Ersatzteil womöglich gar nicht leisten können. Immerhin gelang es mir damals schon, eine neue EL- Folie zu beschaffen. Und weil ich es seinerzeit nicht besser wusste, war ich verrückt genug, zum Austausch dieser Folie das Display wirklich komplett mechanisch auseinanderzunehmen.

Man lernt dabei eine ganze Menge. Zum Beispiel, dass man dabei haarscharf einen Totalverlust riskiert.
Denn diese LCD- Module sind im Prinzip verklebte Doppelglasscheiben mit Flüssigkristall zwischendrin, deren Anschlußkontaktierung zur Leiterplatte über flexible gummiartige Streifen erfolgt. Ein Metallrahmen sorgt dann für möglichst gleichmäßigen Anpressdruck – und damit für eine Verbindung von der Platine zu den LCD-Kontakten auf dem Glas. Wenn man diese Gummistreifen beim Zusammenbau nicht präzise ausrichtet oder den Anpressdruck ungleichmäßig verteilt, gibt´s später hässliche streifenartige Aussetzer. Denn in die Streifen sind viele feine Graphitadern eng nebeneinander eingearbeitet, welche die Kontaktierung zwischen Leiterplatte und Glas herstellen. Wenn man also das „Streifenproblem“ hat, kann man mit ein bissl Geduld und Geschick durch „Nachjustieren“ des Drucks vom Metallrahmen dafür sorgen, dass wieder alle Graphitadern von der Platine bis zum Glas durchkontaktieren und das Display – vielleicht – retten.

Was ich bei der Aktion seinerzeit auch kennen lernte war eine silbrige halbdurchlässige Beschichtung auf der Unterseite des LCD-Glassubstrats. Sie soll in heller Umgebung das äußere Licht reflektieren und dadurch dann anstatt der Hintergrundbeleuchtung für den Kontrast des Displays sorgen. Das Ganze funktioniert also wie ein Venezianischer Spiegel. Wer in Physik aufgepasst hat weiß aber auch, daß bei solchen halbdurchlässigen Spiegeln ca. 50% des Lichts verloren gehen. Damit war für mich damals klar: Wenn ich auf den Spiegeleffekt verzichten würde, könnte ich wenigstens 100% des Hintergundlichts bekommen – ich müsste halt nur diese Beschichtung herunter kriegen! Nach stundenlanger Kratzerei – immer mit der Angst das Glas zu zerbrechen – ist mir das dann auch tatsächlich gelungen. Der Effekt war seinerzeit durchaus sichtbar – aber immer noch nicht wirklich durchschlagend.

Mit modernen Mitteln

Nun also gab es die Chance, mit dem Ersatz duch ein aktuelles LCD-Display erstmals wirklich eine spürbare Verbesserung zu erzielen. Und die voraussichtliche Lebensdauer eines solchen Ersatzteils liegt mit bis zu 50000 Stunden vermutlich weit über der prognostizierten Restlebenszeit des Synthies – was schon fast ein wenig wehmütig stimmt. Auch hier war von Stephen versprochen worden, dass der Umbau gang „unblutig“ und ohne Lötarbeiten vonstatten gehen würde. Das war zwar richtig – nur diesmal nicht ganz so schnell zu erreichen wie in meinen bisherigen Aktionen. Denn aufgrund der Konstruktion der T3 musste ich hier wirklich erst einmal die ganze Kiste komplett auseinander nehmen, nur um an das Display heran zu kommen.

Es geht schon los mit den zahlreichen Schrauben, die zunächst gelöst werden müssen, damit das Gerät überhaupt offen liegt. Gleich zu Beginn sei der Hinweis gestattet: Es werden im Verlauf der Demontage noch sehr viel mehr Schrauben, und bei Weitem nicht alle dieser Schrauben sind gleich. Zuweilen unterscheidet sie nur die Gewindeform, was bei falschem Zusammenbau gern mal die Schraubenlöcher zerstört. Deswegen empfiehlt es sich, alles beim Ausbau ein wenig zu separieren oder sogar zu kennzeichnen, damit man später nicht Schiffbruch erleidet und Teile liegen bleiben, die „nicht mehr gebraucht wurden“. Keine schlechte Idee ist es auch, einfach das eine oder andere „Kontrollfoto“ mit dem Handy zu schießen.

Schon beim ersten Blick ins Innere wird klar: Das Ding ist rappelvoll mit Platinen – kein Vergleich zum Kawai K5000 (anderer Bildbericht). Man kann hieran schön erkennen, welch rasante Entwicklung die Technik damals innerhalb nur weniger Jahre machte. Der innere Aufbau der T3 mag im Vergleich zu Konstruktionen der frühen Achtziger sicher geradezu luftig sein. Aber ein K5000s ist eine nur 5-6 Jahre jüngere Konstruktion – und trotzdem schon erheblich schlanker. Heutige Geräte würden dagegen wohl mit kaum einem Zehntel der Bauteile auskommen.

Demontage

Auf dem Bild kann man die Aufteilung ganz gut erkennen. Die Hauptplatine mit dem eigentlichen Synthese- Modul befindet sich auch hier in der Mitte, der linke Bereich ist für DA-Wandlung und Audio- Signalrouting sowie MIDI zuständig. Ganz rechts über dem Netzteil ist die EX-Zusatzplatine eingebaut, die das Gerät damit auf den technischen Ausstattungsgrad einer T1 hebt (dem Luxusmodell der Serie mit gewichteter Holztastatur). All das muss raus.

Zwischen den beiden Platinen und dem Bedienpanel mit dem Display erkennt man eine großflächige laminierte Alufolie zur Masseabschirmung. Sie ist der Hauptgrund dafür, warum ich das Gerät letztlich komplett auseinander genommen habe, weil sie praktisch überall mit „dran hängt“. Sogar die Tastatur habe ich mit abgebaut, um die Folie vollständig entfernen zu können. Dann kommt man auch an den Kunststoffträger mit dem Plexiglas für das Display heran, um ihn zusammen mit den Tastern mal gründlich zu reinigen. So eine Chance bietet sich kaum je wieder. Gerade Staubfussel oder Fingerabdrücke an der Innenseite des Deckglases können später unwahrscheinlich nerven…

Wie auch bei allen meinen anderen EL- Displaytausch – Projekten wird hier die ganze alte EL- Stromversorgung mitsamt Inverter obsolet. Es empfiehlt sich aber nicht, einfach nur das alte Display samt Anschlußkabel abzuklemmen und den Inverter dann „frei schwingen“ zu lassen (genau das würde er nämlich dann hörbar tun). Vielmehr ist es besser, ihn einfach ersatzlos zu entfernen. Entweder man schafft es, ihn irgendwie „abzuschneiden“, oder besser man lötet ihn aus (also DOCH Löten…). Erst danach ist wirklich Ruhe. Das alte Display kann raus – und das neue nimmt dessen Stelle ein.

Einbau

Alle Bohrungen und Distanzen bleiben auch beim neuen Display gleich. Über den genauen Typ des Ersatzes schweigt sich Stephen aus, die „üblichen Verdächtigen“ sind aber Hersteller wie Winstar, NewHaven oder MatrixOrbital. Ich vermute ein ganz ähnliches Modell wie schon beim K5000 – etwa ein NHD-24064WG-AYYH (das aber eine andere Farbe hat), bei dem die Stromversorgung für das Panel und die Hintergrundbeleuchtung aus einer Quelle gespeist werden können. Zur Grobjustage des neuen LCD´s hatte Stephen wieder einen Trimmpoti angebracht, der diesmal an einem längeren Extra-Kabel hing. Damit wird es möglich, ihn beim Zusammenbau an allen Platinen vorbei „bis ganz oben“ zu führen, um danach bequem am fertig montierten Gerät den richtigen Blickwinkel einzustellen. Weil ja auch das Ersatzgerät wieder ein LCD ist, bleibt trotzdem auch die Feinjustage mit dem kleinen Original- Poti an der Geräte- Rückseite erhalten. Daher ist es wichtig, dies vorher in Mittelstellung zu bringen, damit man später den richtigen „Spielraum“ hat.

Das neue Display, „ganz tief unten“ eingebaut

Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Bei der Gelegenheit kann man gleich noch überlegen, ob nicht der Stützakku (eine CR2032-Lithiumzelle) mit ausgewechselt werden sollte – wenn das Gerät schon mal offen ist. In den letzten Bildern sieht man das neue Display im fertig eingebauten Zustand. Wegen der neuen Display- Helligkeit hatte meine Handykamera große Mühe, einen ordentlichen Bildeindruck zu vermitteln. Aber nicht nur bei der Helligkeit liegen zwischen Alt und Neu Welten, auch der Kontrast verbessert sich erheblich.

Das fertig eingebaute neue Display

 

Fazit
Für die alten Displays mit EL- Hintergrundbeleuchtung ist die Zeit inzwischen wirklich abgelaufen. Es braucht gar kein Upgrade mit OLED-Technologie, denn schon mit halbwegs aktueller LCD-Technik lassen sich entscheidende Verbesserungen erzielen. Wenn man an den alten Geräten noch ein wenig Spaß haben will, dann lohnt so ein Tausch auf alle Fälle. Besonders beim Upgrade eines Rack- Gerätes könnte übrigens noch ein weiterer lustiger Effekt eintreten: Das neue Display wird so viel \"crisper\" aussehen als das von den ehrwürdigen alten Kisten drum herum, dass man deren Anzeigen danach umso schlechter erkennt. Und je nachdem wie unvernünftig man ist, könnte dies eine wahre Upgrade- Welle lostreten... ;-)
Forum
  1. Profilbild
    Emmbot  AHU

    Er hat es wieder getan. Ja auch diesmal super Bericht und tolles Ergebnis. Vor allem der Umfang des Berichtes ist schon aller ehren wert.

    Daumen hoch und weiterhin viel Spaß mit deinen Synths.

    • Profilbild
      cosmolab  

      …man dankt!
      Aber ich verspreche – mit dem Thema bin ich erstmal „durch“. In meinem Fazit hatte ich es schon anklingen lassen: Wenn man erstmal Blut leckt, dann verleitet das womöglich zu unvernünftigen Aktionen – wie z.B. ein Clavia Nord zu tauschen – nur weil OLED soviel cooler aussieht…etc.pp. ;-)

  2. Profilbild
    Saxifraga  

    Das muß ich auch noch machen. Für meinen JX-305 und SY77 habe ich die Displays schon gekauft. Mein K5000S und R haben es eigentlich auch nötig. Danke für die informativen Artikel!

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