Nachruf: Der ehemalige Scorpions-Bassist Francis Buchholz ist verstorben

Francis Buchholz live mit der Michael Schenker Gruppe in Thessaloniki, Griechenland am 21. April 2012. (Quelle: Konstantinos Tsakalidis, Alamy)
Francis Buchholz war über viele Jahre der Bassist der Scorpions und an der Phase beteiligt, in der die Band international ihren Durchbruch schaffte. Am 22. Januar verstarb er im Alter von 71 Jahren, wie die Band in einem Statement auf ihrer Homepage mitteilte. Ein Blick auf das Leben eines Musikers, der nie im Vordergrund stehen wollte und dessen Arbeit eng mit dem charakteristischen Sound der Scorpions verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
Francis Buchholz und sein Weg zu den Scorpions
Francis Buchholz wurde am 19. Februar 1954 in Hannover geboren und kam schon recht früh mit der Musik in Berührung. Als Jugendlicher begann er, Bass zu lernen und parallel zu seiner musikalischen Entwicklung begann er Maschinenbau an der Universität Hannover zu studieren. Gleichzeitig besuchte er Jazzkurse an der Hochschule für Musik in Hannover und spielte in verschiedenen Rock-, Blues- und Jazzbands. Anfang der 1970er Jahre bewegte er sich bereits in der professionellen Rockszene rund um Hannover und spielte gemeinsam mit Uli Jon Roth bei „Dawn Road“, einer Band, die musikalisch zwischen Hard Rock, Psychedelic und frühem Metal angesiedelt war. Als sich die Band 1973 mit den Scorpions zusammenschloss, war der Bassist gerade einmal 19 Jahre alt.
Mit dem Einstieg bei den Scorpions übernahm Francis Buchholz eine Rolle, die über den üblichen Part eines Bassisten hinausging: Er war Teil einer Rhythmussektion, die der Band in den folgenden Jahren musikalisch Stabilität verlieh und mitverantwortlich dafür war, dass den Scorpions schließlich der Übergang von einer national bekannten Band zu einer international erfolgreichen Rock-Größe gelang.
Die prägende Scorpions-Phase von Francis Buchholz
Das erste Album mit Francis Buchholz war „Fly to the Rainbow“ aus dem Jahr 1974 und schon hier zeigt sich sein bekannter Ansatz: Der Bass ist sehr präsent, aber trotzdem nie aufdringlich. Songs wie beispielsweise „Speedy’s coming“ oder „This is my song“ leben vor allem von einer klaren rhythmischen Führung und Bass-Elementen, die über gelegte Grundtöne hinausgehen.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
In den folgenden Jahren entwickelte sich dieser Stil weiter und mit den Alben „In Trance“ und „Virgin Killer“ wurde der Sound insgesamt härter und direkter. Der Song „Pictured Life“ profitiert etwa von einem Bass, der präzise Akzente setzt und gemeinsam mit dem Schlagzeug eine solide Basis setzt.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Der internationale Durchbruch begann dann Ende der 1970er Jahre, als das Album „Lovedrive“ einen Wendepunkt markierte. Am Beispiel des Songs „Loving you sunday morning“ ist gut zu erkennen, wie der Bass den Groove unauffällig trägt, während Gitarren und Gesang im Vordergrund stehen. Diesen Ansatz setzte Francis Buchholz auch in weiteren Songs der Band fort.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mit „Love at first sting“ erreichten die Scorpions 1984 schließlich ein weltweites Publikum und Hits wie „Rock you like a hurricane“, „Big city nights“ und „Still loving you“ wurden zu absoluten Klassikern. Auch bei diesen Songs bleibt der Bass eher im Hintergrund, bildet aber ein unverzichtbares musikalisches Fundament.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Abschied von den Scorpions aus persönlichen Gründen
Sein letztes Studioalbum mit der Band war „Crazy World“, auf dem mit „Wind of change“ und „Send me an angel“ die eher ruhigeren, melodischeren Songs der Band zu finden sind. 1992 trennten sich die schließlich Wege von Francis Buchholz und den Scorpions, nachdem die Band eine intensive Tourphase hinter sich hatte und sich zunehmend interne Spannungen entwickelten. Neben geschäftlichen und organisatorischen Fragen spielten auch persönliche Gründe eine Rolle, weswegen der Bassist sich bewusst gegen ein dauerhaftes Leben auf Tour und für mehr Zeit mit seiner Familie entschied. Während andere Bandmitglieder weiter im internationalen Rampenlicht standen, zog sich Francis Buchholz aus der öffentlichen Wahrnehmung zurück und arbeitete im technischen und organisatorischen Bereich der Musikbranche.
Francis Buchholz nach seiner aktiven Scorpions-Zeit
Buchholz beschäftigte sich mit Produktionsfragen, Technik und Management und veröffentlichte 1996 das Lehrbuch für Bassisten „Bass Magic“, in dem er seine Erfahrungen aus dem Studio und dem Livebetrieb weitergab. Ab den 2000er Jahren kam es zu einer schrittweisen Rückkehr auf die Bühne, als er wieder mit Uli Jon Roth spielte und später ein Teil von Michael Schenkers „Temple of Rock“ wurde. Außerdem beteiligte sich der Bassist gemeinsam mit dem ehemaligen Bonfire-Sänger Claus Lessmann am Band-Projekt „Phantom 5“, in deren Songs das charakteristische Bass-Spiel gut rauszuhören ist.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Fast über zwei Jahrzehnte lang war Francis Buchholz Teil einer Band, die international Rockgeschichte geschrieben hat, ohne dass er selbst im Mittelpunkt stehen wollte. Sein Beitrag zeigte sich ganz klar in einem soliden Bassspiel, das sich durch Klarheit, Präzision und Zurückhaltung auszeichnete und genau das machte den berühmten Sound der Scorpions aus. Mit seinem Tod verliert die Rockmusik nun einen Bassisten, dessen Einfluss oft unterschätzt wurde.

























