„Freak Out!“ erscheint zum 60. Geburtstag neu
Mit ihrem Debütalbum „Freak Out!“ veröffentlichten Frank Zappa und The Mothers of Invention 1966 ein Album, das mit der damaligen Popmusik kaum vergleichbar war. Zum 60. Geburtstag kehrt es nun in mehreren neuen Ausgaben zurück. Enthalten sind beispielsweise historische Mischungen, Konzertmitschnitte, Demos und einige Archiv-Aufnahmen.
Die größte Edition erscheint am 25. September über Zappa Records und Universal Music Enterprises und umfasst 105 Songs auf fünf CDs und einer BluRay-Audio. Außerdem gibt es eine Box mit fünf Schallplatten, eine farbige Doppel-LP und verschiedene digitale Versionen.
Frank Zappa zeigte beim Debüt, wohin die Reise geht
„Freak Out!“ kam ursprünglich am 27. Juni 1966 auf den Markt und gehörte zu den ersten Doppelalben der Rockgeschichte. Für eine damals noch eher unbekannte Band war eine Veröffentlichung in diesem Umfang allerdings alles andere als üblich. Der US-amerikanische Musiker verband auf dem Album den A-Capella-Stil Doo-Wop und Rhythm and Blues mit Orchesterpassagen und verfremdeten Tonbändern.
Auch inhaltlich ging das Album weit über die damals gewöhnliche Popmusik hinaus, denn die Songs beschäftigten sich mit politischer Gleichgültigkeit und dem gesellschaftlichen Anpassungsdruck. Spätestens mit „The Return of the Son of Monster Magnet“ ließ Frank Zappa die bis dahin klassischen Songformen hinter sich.
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Drei Fassungen von „Freak Out!“ in einer Edition
Im Mittelpunkt der nun erscheinenden Jubiläumsausgabe stehen drei unterschiedliche Versionen des Albums: Neben dem neu gemasterten Stereo-Mix von 1966 enthält die Box einen bisher unveröffentlichten Pre-Master-Mix. Spannend dürfte auch der lange nicht erhältliche Mono-Mix sein, denn da ein Großteil der originalen Mono-Bänder fehlt, musste die Fassung aus mehreren Quellen rekonstruiert werden. Mit der Mono-Version von „Hungry Freaks, Daddy“ wurde schon ein erster Vorgeschmack veröffentlicht.
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Seltene Liveaufnahmen und neuer Mix in Dolby Atmos
Zwei weitere CDs enthalten Mitschnitte aus dem Fillmore Auditorium in San Francisco von Februar und Juni 1966, was als die einzigen bekannten Konzertmitschnitte der damaligen Besetzung mit Gitarrist Elliot Ingber gilt. Auf der BluRay ist „Freak Out!“ außerdem in neuen Dolby-Atmos- und Dolby-TrueHD-5.1-Mixen zu hören. Hinzu kommen neue Stereo-Versionen, ein 26-seitiges Booklet und weiteres Zubehör.
Die Vinyl-Box enthält den Pre-Master-Mix, den Mono-Mix und einige ausgewählte Archivaufnahmen. Die farbige Doppel-LP widmet sich eher dem neu gemasterten Originalalbum. Mehr Informationen zu den neuen Versionen des Albums gibt es auf der Website von Frank Zappa.



































Bin großer Zappa Fan, er hat mich über die musikalisch oft fragwürdigen Phasen mittleres Drittel der Siebziger hinweggerettet. Ich habe meine Vinylplatten schon lange nicht mehr rausgeholt, aber 2, 3 Dutzend seiner Platten sind darunter. Trotzdem frage ich mich, wie muss ich das verstehen, dass ein Monomix einer Stereoaufnahme etwas Kaufenswertes sein soll. Das ist nur mit Sammlerinteressen für mich erklärbar, neu gemischt, ok, Surround auch ok, aber Mono?
@Tai Irgendwie stelle ich mir das ganze so vor, wie die Waschmittelhersteller es seit Jahrzehnten betreiben, jetzt aber auditiv:
„Mono ist das neue Stereo!“😇
@Tai Wie das bei Zappa war, weiss ich nicht so genau. Er war ja produktionstechnisch auch sehr experimentell. Mitte der 60er war Stereo aber noch zum Teil recht unausgereift. Zudem wollten Radiosender Mono-Tracks. Ich denke, ohne das bei Zappa zu kennen, das sie tatsächlich anders klingen. Bei den Beatles sind die Mono-Mixes jedenfalls unterscheidbar. Zudem sind das ja dann die Original-Mischungen: die Beatles haben ihre Songs Mono abgemischt.
Wie gesagt: wie das bei Zappa war, weiss ich nicht. Der hatte ja auch sehr früh schon ein eigenes Studio meines Wissens.
@Jazzheini Es wurde in den TTG Studios in LA aufgenommen, war das zweite Doppelalbum überhaupt und in Stereo gemastert. Zappa hatte davor schon ein eigenes „Studio“, aber für so eine ambitionierte Aufnahme reichte das ziemlich sicher nicht aus. Und das Geld für eine Aufrüstung musste auch erst verdient werden. Später war er exzellent ausgestattet.
@Tai Ich sehe gerade, es gab sowohl Mono als auch Stereo Releases. Für 1966 durchaus angebracht. Viele hatten noch kein Stereo. Die Radiostationen in den USA spielten allerdings jahrelang seine Musik nicht. Das haben allein schon die Texte verhindert.
@Tai Deswegen lieben wir ihn ja so. ((-:
Irgendwann kamen sie nicht mehr an ihm vorbei, spätestens seit dem doppelbödig-bissigen „Bobby Brown“.
@Jazzheini Diese Texte beruhen ja auf einer traumatischen Erfahrung, weil Zappa anno 1965 für 10 Tage festgenommen und eingesperrt wurde, weil ein Lockspitzel des Dezernats für Sittenkriminalität ihn beauftragte, angeblich für eine Junggesellen-Party „Stöhngeräusche“ aufzunehmen, woraufhin die Polizei sein Studio stürmte, und ihn wegen Verschwörung zur Pornografie anklagte.
Tja, warum?
Den Herrschaften in seiner Heimat-Kleinstadt paßten seine Kleidung und und sein Lebensstil nicht!
Das Resultat war dann aber wohl eine Trotzreaktion, welcher wir sowas wie diese schöne Lyrik über Natursektduschen und Bobbys Heini verdanken…ich muß immer grinsen, wenn ich daran denke, wie unsere Eltern dazu geschmusetanzt haben.
Danach sang dann wohl John Lennon von „Fish and Finger Pies“…würde mich da ja mal interessieren, ob jemand versucht hat, das in einem englischen Cafe zu bestellen?
By the Way: Bobby Brown hat sowas von keinen doppelten Boden…
@mort76 Klar. Und ich meine, er hat sich später revangiert, in dem er lautes Stöhnen auf Band aufnahm und dann den Nachbarn über Lautsprecher vorspielte. ((-: Was ein ungezogener Junge, und dann noch die langen Haare.
Doppelbödig finde ich Bobby Braun schon, denn es kommt ja als harmloses radiotaugliches Mitsing-Stück daher. Und viele der anzüglichkeiten sind ja hinter Slang-Ausdrücken und Umschreibungen versteckt. („Dyke“, „Heini“, „Tower of Power“). Vermutlich war es deswegen auch in Europa nicht auf dem Index: die meisten haben den Text garnicht verstanden oder die Radiostationen waren nicht so prüde wie die in den USA. Die wiederum die Anspielungen eher verstanden haben.
Wobei ich finde, das spätestens bei „I´m a sexual spastic“ alles klar sein sollte. ((-:
Ich empfehle ansonsten auch die herrlichen Texte auf „Thingfish“.
@Jazzheini Ich glaube irgendwo hier bei mir fliegt noch ein Buch vom 2001 Verlag rum. Da waren, wenn ich mich recht erinnere alle Texte übersetzt. Nach dieser Lektüre hatte ich alle four letter words im Englischen drauf.
@Tai Oh ja, der gute alte 2001-Verlag … gibts glaub ich garnicht mehr.
@Jazzheini Der Track hakt ja eigentlich auch alles ab, was man heute nicht mehr bringen könnte, und größtenteils ist es wohl auch gut so: „Spastiker“ wäre ein No-Go auch in diesem Kontext, man kann Homophobie gegen Lesben UND Schwule reininterpretieren, dazu mindestens zwei unaussprechliche Sexualpraktiken mit dem Buttplug und dem Tower of Power, und als Sahnehäubchen wird auch noch eine Vergewaltigung angekündigt…und vermutlich ist von Ball Torture ja auch noch die Rede. Da kann Rammstein einpacken! Und…muß jemand NICHT an Donald Trump in Rußland denken, wenn vom Goldregen die Rede ist?
„Money for Nothing“ wird hingegen kaum noch gespielt wegen sowas: Die Textzeile „The little Faggot with the Earring and the Make-Up“ sorgt dafür. Daß der Text ironisch ist, geht halt etwas unter, und die Kontroverse war weltweit! Dabei singt Knopfler da ja über ganz konkrete Aussagen über sich selber, die man ihm genau so um die Ohren gehauen hat…
Naja. Zensur? Heute gelesen:
Die Bundeszentrale für politische Bildung ordnet Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg jetzt als „linksextremistisch-anarchistisch“ ein, wegen Umweltschutz, den Aktionen gegen den faulen Bürgermeister, und so weiter…das mal als Kontrast zu der ständigen Jammerei über „woke“…die Rechtskonservativen sind da völlig schmerzfrei, wenn SIE etwas kratzt. Nur mal so als Vorgeschmack auf die tatsächlichen Rechten, die uns hier blühen!
@mort76 Zappa karrikiert eben ironisch ein Upperclass-Elite-Uni Sprößling, der vom arroganten Schwulen hasser „hinab steigt“ zum Homosexuellen mit Maso-Neigung.
Knopfler hat ja in einem Elektronik Markt ala Mediamarkt das alles aufgeschnappt, als sich zwei Mitarbeiter unterhalten haben. Frei nach Hüsch „Das Beste fällt mir nciht ein, das Beste fällt mir auf.“
Das mit der Bundeszentrale für politische Bildung kommt mir merkwürdig vor. Die machen solche Einordnungen eigentlich garnicht, die veröffentlichen und beauftragen Artikel zu allen möglichen Themen. Bist du sicher, das du da nicht was verwechselst?
Wird dann für die Sammler echt hart. Meine vielleicht 30 Alben sind ja höchstens die Hälfte seines Outputs in nicht mal 30 Jahren. Wenn die alle noch als Sammler Editionen (er hat ja immerhin vier Kinder) in Mono (+ 2 oder 3 anderen „seltenen“ Mixes) erscheinen, das wird teuer.
@Tai Gerade bei Zappa ist es aber nett, eine Auswahl zu haben…ich vermute mal, daß jeder da so seine Lieblings-Dekade hat, weil zwichen „Freak Out!“ und „Yellow Shark“ nunmal Welten liegen.
ICH mag die rohen, alten Sachen, und auf DIE würde ich mich konzentrieren…aber ich bin halt ein Banause, und mir reichen MP3s.