GEMA-Mitgliederversammlung stimmt für Reform
Update vom 9. Mai:
Die Mitgliederversammlung der GEMA hat die Reform beschlossen, mit der die bisherige Trennung zwischen E-Musik und U-Musik schrittweise aufgeweicht wird. Bei der Versammlung in Berlin bekam der Antrag bei etwa 1.200 anwesenden Mitgliedern die benötigte Zweidrittelmehrheit. In Zukunft soll die Förderung also stärker genreoffen ausgerichtet werden. Die GEMA begründet diesen Schritt mit einer veränderten Musiklandschaft, in der sich vieles nicht mehr eindeutig den alten Kategorien zuordnen lassen. Der Umbau soll allerdings nicht sofort greifen, sondern bis 2030 stufenweise umgesetzt werden.
Mehr Geld für die Breite
Finanziell gesehen geht es um etwa 50 Millionen Euro Kulturförderung pro Jahr, wovon bisher ein großer Teil für den Bereich der E-Musik vorgesehen war. Nach der nun beschlossenen Reform sollen die Mittel breiter verteilt werden, beispielsweise für Nachwuchs, besondere Repertoires, Innovation und musikalische Vielfalt. Der Bereich der zeitgenössischen Kunstmusik soll in Zukunft deutlich weniger erhalten als bisher.
Die Entscheidung rund um die GEMA-Reform bleibt allerdings umstritten, denn Kritiker aus der Klassik und zeitgenössischen Musik befürchten große Verluste und eine Schwächung nicht-kommerzieller Musikformen. Befürworter der GEMA-Reform sehen in ihr allerdings einen mittlerweile längst überfälligen Schritt, weil die alte Trennung zwischen „ernster“ und „unterhaltender“ für viele heutige Musikrichtungen nicht mehr passend ist.
Ab hier folgt die Meldung vom 28. April:
Die anstehende Mitgliederversammlung der GEMA vom 5. bis zum 7. Mai wirft bereits ihre Schatten voraus: Im Fokus der Versammlung steht eine umfangreiche Reform der Kulturförderung, die innerhalb der Branche schon seit Monaten intensiv diskutiert wird. Nun meldet sich der wichtige Verband der freien Musikszene Pro Musik zu Wort und gibt eine konkrete Wahlempfehlung ab. Der Zeitpunkt dieser Empfehlung zur GEMA-Reform ist allerdings kein Zufall, denn viele Mitglieder der GEMA stehen noch immer vor der Frage, ob das aktuelle System noch zur heutigen Realität passt oder ob es angepasst werden muss.
Pro Musik unterstützt GEMA-Reform
Ein zentraler Bestandteil der geplanten GEMA-Reform ist die Abschaffung der bisherigen Trennung zwischen E- und U-Musik. Hier wird zwischen sogenannter „ernster Musik“, wie beispielsweise klassische Sinfonien oder Opern und „Unterhaltungsmusik“, wie etwa Pop, Rock und elektronischer Musik unterschieden.
Diese Unterscheidung hat lange Zeit die Grundlage für die Verteilung von Fördergeldern gebildet, denn kulturell „anspruchsvollere“ Musik sollte stärker gefördert werden. In einer immer vielfältigeren und genreübergreifenden Musiklandschaft wirkt diese Trennung allerdings für viele nicht mehr zeitgemäß. Der Verband Pro Musik spricht sich deshalb für die Reform aus. Fördermittel könnten mit ihr bald breiter verteilt werden und neue Programme könnten stärker auf konkrete Projekte eingehen.
Wahlempfehlung von Pro Musik
Dass Pro Musik seine Mitglieder aktiv zur Stimmabgabe in eine bestimmte Richtung auffordert, unterstreicht die Bedeutung der Abstimmung noch einmal ganz besonders. Ein erster Reformversuch ist bereits gescheitert, weil die erforderliche Mehrheit nicht zustande kam. Während einige GEMA-Mitglieder die Öffnung und breitere Förderung begrüßen, sehen andere ihre bisherige Position durch die Reform geschwächt.
Pro Musik versucht nun im Vorfeld der Mitgliederversammlung Anfang Mai besonders die Stimmen aus der freien Szene für sich zu gewinnen. Die Entscheidung der GEMA-Mitglieder dürfte letztendlich nicht nur intern eine Wirkung zeigen, sondern kann vor allem dazu beitragen, die Verteilung von Fördergeldern langfristig zu verändern und damit auch Einfluss darauf nehmen, welche musikalischen Bereiche in Zukunft stärker unterstützt werden.
Kritik an der GEMA-Reform: Sorge um kulturelle Vielfalt
Gleichzeitig wächst aber auch die Kritik, die vor allem aus dem Bereich der klassischen und zeitgenössischen Kunstmusik kommt, denn dort wird befürchtet, dass die Reform zu großen finanziellen Problemen führen könnte. Ein häufig genannter Punkt ist das bisherige Solidarprinzip, das gezielt weniger kommerziell erfolgreiche Musik unterstützt, was häufig den Bereich der E-Musik betrifft.
Außerdem gibt es die Sorge, dass spezialisierte Musikformen an Bedeutung verlieren könnten, wenn Fördermittel breiter gestreut werden. Die Abstimmung im Mai dürfte zeigen, in welche Richtung sich die GEMA in Zukunft entwickeln wird. Informationen zu Beschlüssen werden Anfang Mai auf der Website der GEMA-Mitgliederversammlung erwartet.



































Allein schon der Zenober auf den Weihnachtsmärkten, das zeitgenössischere Weihnachtsmusik irgendwie nach Quadratmeter des Marktes bezahlt werden muss (unabhängig von der Hörsituation) und alte Songs, über 70 Jahre dürfen frei laufen, da die Komponisten schon verstorben sind. So oder so ähnlich gab es dieses Weihnachten eine große Debatte. Gleicher Quatsch mit Soße sind die GEZ Gebühren (keine politische Richtungsweisung von mir). Können die sehr hochbezahlten Journalisten und Reporter nicht einfach durch die Werbung, wie üblich, finanziert werden? Abgaben, wo man wirklich den Kopf schüttelt und die nicht mehr zeitgemäß sind, meiner Meinung nach. Fazit: GEMA und GEZ – Scheiden tut in dem Fall nicht weh! – Ganz im Gegenteil!
@Filterpad In meinem ganz speziellen Fall ärgere ich mich über die GEMA echt aber so richtig, weil hier bei uns die Tanzschulen und die wenigen übrig gebliebenen »Tanzcafes« (das heißt hier echt noch so) wegen der Gebühren nur noch am Stöhnen sind. Sollten die verschwinden, tja, dann hat die GEMA aus Geldgier ja ganze Arbeit geleistet. Dass jene Institutionen durch die gespielte Musik ihren Obolus leisten müssen, ist völlig klar. Aber die Verhältnismäßigkeit stimmt einfach nicht mehr (wie immer bei Quasie-Monopolen, und der »Rundfunkbeitrag« ist ein weiteres gutes Beispiel).
@Flowwater Guter Beitrag. An die Tanzschulen dachte ich noch gar nicht. Weiter geht’s mit DJs auf dem örtlichen Feuerwehrfest und ähnliches. Eine Katastrophe. Allen wird das Leben schwer gemacht. Auflagen über Auflagen und unsinnige Kosten.
@Filterpad Von mir aus darf der ganze Sport im pay tv verschwinden,
dann kann man die GEZ Gebühren um die hälfte kürzen. ;)
zum Bildungsauftrag der öffentlich rechtlichen gehört das eh nicht,
warum muss ich das mitfinanzieren?
@plumperquatsch Ich dachte schon ich wäre alleine, weil ich kann auch kein Sport im TV ansehen. Weder Formel 1 noch Fußball. Gut, dieses Jahr ist WM. Sollte „die Mannschaft“ (also unsere) im Finale stehen, schaue ich mir das an. Aber Bundesliga, Formel 1 oder gar Tennis. No way! Da schalte ich gleich um auf True Crime. Apropos: Arte bringt ab und zu tolle Dokus über Musik. Auch mit Bezug zu Synthesizer. „The sound of Italo Disco“ und „Sisters with Transistors“ wären aus meiner Sicht empfehlenswerte.
Also am Schluß gehts darum, das Geld anderer Leute zu verteilen?
Eine Frage an den Autor:
„Während einige GEMA-Mitglieder die Öffnung und breitere Förderung begrüßen, sehen andere ihre bisherige Position durch die Reform geschwächt.“
Wer/was ist in dem Satz mit „ihre“ gemeint? Die Position der GEMA, oder die Position der „anderen“?
In beiden Fällen: sehen „einige“ (die die Öffnung begrüßen) analog „ihre“ Position gestärkt, und ist das dasselbe „ihre“?
@moinho „Ihre“ bezieht sich an der Stelle auf die eigene Position der GEMA-Mitglieder aus dem Bereich der E-Musik, die durch die geplante Reform wahrscheinlich weniger Geld erhalten würden.
@Gereon Gwosdek Danke.
Das Framing klingt interessant: während es „den Anderen“ anscheinend um ihren Eigennutz geht, steht nix davon drin, daß es „den Einigen“ um ihren Eigennutz geht.
Sind die Eingen so große Idealisten? Oder profitieren die von den gewünschten Veränderungen?
Allerhöchste Zeit das der Unsinn mit „e“ und „u“ Musik aufhört.
Das hat schon in den 80igern keinen Sinn mehr gemacht.
@plumperquatsch Früher hat das schon Sinn gemacht, mittlerweile nicht mehr.
E-Musik war kulturelles Erbe und wurde als solches besonders geschützt und auch gefördert. U-Musik hingegen hatte diese Unterstützung gar nicht nötig, weil sie deutlich verbreiteter war und damit höhere Umsätze generiert hat, außerdem häufig kurzlebig.
Das Problem ist nun, dass die Grenzen zwischen U-Musik und E-Musik zunehmend verschwimmen. Machen Martin Herzberg, Yiruma oder Ludovico Einaudi E-Musik? In meinen Augen und Ohren nicht. Das ist Musik, die sich an die Massen richtet und denselben Zweck wie U-Musik erfüllt. Oder André Rieu fiedelt Bearbeitungen bekannter klassischer Melodien mit Orchester (oder Band) im Fernsehen…
Auch Filmmusik ist keine E-Musik, nur weil ein Orchester spielt und in einem berühmten Konzertsaal aufführt. Die GEMA geht hier aber sehr willkürlich vor. Da kann es einen Unterschied machen, wo das Werk aufgeführt wird oder bei welchem Label es erschienen ist. Der künstlerische Wert der Komposition und deren kulturelle Bedeutung spielt kaum eine Rolle.
Insofern müssen entweder neue Regeln für die Klassifikation her oder die Unterscheidung zwischen U- und E-Musik muss enden, wie es schon seit mittlerweile Jahrzehnten gefordert wird.
@Markus Galla Lang Lang swingt sich durch Liszt.
in welche Schublade soll man das packen? 😂
Au contraire, ich denke es sollte sogar einen ÖR Sportkanal geben, nicht um durch und durch kommerzielle Sportarten wie Fußball zu senden, sondern um Nischensportarten mehr mediale Präsenz zu verschaffen.
Spannend, wie hier unwissend diskutiert wird: Die Gema vertritt die Rechte der Komponisten, nicht der ausführenden Musiker. Für Komponisten also die wichtigste Einnahmequelle (weil sie ansonsten nichts für ihre Idee erhalten würden).
Ob die Gebührenhöhe immer angemessen ist, steht auf einem anderen Blatt.
Diese sogenannte „Reform“ schwächt vor allem die Rechte unabhängiger Komponisten und Komponisten eines eher experimentelleren Stils, mit Aufführungen in Theatern, Museen, kleineren Venues, wie Kammermusiksälen etc.
Hier wird nämlich weiter viel Geld von der GEMA eingesammelt, aber nicht mehr an die, die dort aktiv sind weitergegeben. Da sind wir noch nicht einmal in der Nähe von E- und U-Kategorisierungen.
Wenn ich von „schwächt“ rede, meine ich eigentlich, die bekommen gar nichts mehr.
Sie dürfen als Mitglieder nur noch einzahlen, fragt sich für welche Leistung. Die Mitgliedergebühr ist für mich aber schon immer äusserst fragwürdig … anderes Thema, sorry…
Ergebnis:
die GEMA kommt ihrem Kultur-Förderungs Auftrag mit der Reform nicht mehr nach. Ganz abgesehen von den nahezu mafiösen Umständen mit denen die Wahl zur Reform beworben/beeinflusst wurde.
… ich kann da kein Mitglied mehr sein. Wir müssen nur eine andere Möglichkeit finden, die unsere Rechte als Komponisten und Komponistinnen vertritt.