Wird Hamburg zum Hotspot für die Musik von morgen?
Von den Clubnächten auf St. Pauli bis zu großen Konzertproduktionen: Hamburg war schon immer eine Stadt, in der Musik eine enorm wichtig Rolle spielt. Jetzt soll der nächste Schritt folgen, denn die Hansestadt möchte sich selbstbewusster als internationale Musikstadt positionieren. Angestoßen wurde die Debatte vom Branchenverband Hamburg Music. In einem Positionspapier fordert der Verband konkrete Maßnahmen, um den Standort langfristig global sichtbarer und wirtschaftlich stärker zu machen.
Hamburg als internationale Musikstadt
Die Stadt bringt bereits beste Voraussetzungen mit: Zahlreiche Labels, Musikverlage, Managementfirmen, Booking-Agenturen und Tonstudios sind dort angesiedelt. Hinzu kommen renommierte Ausbildungsstätten, eine aktive Produzenten-Szene und eine große Infrastruktur für den Livebetrieb. Die Stadt gilt zwar schon längst als einer der wichtigsten Musikstandorte Deutschlands, international ist diese Position allerdings noch nicht spürbar.
Der Plan, um das zu ändern: Unternehmen aus der Stadt sollen stärker bei Exportaktivitäten unterstützt werden, beispielsweise durch internationale Branchentreffen oder gemeinsame Messeauftritte. Ziel ist es, Netzwerke auszubauen und neue Märkte zu erschließen. Auch die Idee eines zentralen House of Music steht im Raum. Also ein Ort, an dem sich Musiker, Produzenten, Startups, etablierte Unternehmen und internationale Gäste begegnen und austauschen können.
Hamburg im Wettbewerb mit Berlin
Vor allem im Vergleich mit Berlin wird deutlich, wie wichtig die internationale Wahrnehmung für einen Standort ist, denn die Hauptstadt hat es geschafft, sich weltweit als kreative Marke zu etablieren. Hamburg will jetzt stärker mit einer eigenen Identität auftreten, die vor allem auf Professionalität, wirtschaftlicher Stärke und kultureller Vielfalt basiert. Schon jetzt ist die Musikbranche für die Stadt ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor: Sie schafft Arbeitsplätze, zieht Fachkräfte an und wirkt sich positiv auf den Tourismus und das Stadtimage aus, denn Konzerte, Festivals und Großproduktionen bringen Besucher aus dem In- und Ausland in die Hansestadt.
Damit die Pläne umgesetzt werden können, braucht es laut Branchenvertretern eine verlässliche politische Unterstützung, Investitionen in die Infrastruktur und eine nachhaltige Nachwuchsförderung. Entscheidend wird also sein, dass Szene, Wirtschaft und Politik gemeinsam an einem Strang ziehen. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie konsequent die Forderungen aus dem Positionspapier umgesetzt werden können.

































In der öffentlichen Wahrnehmung stand Hamburg in der Vergangenheit schon deutlich besser da. Den Niedergang der Hamburger Szene hat der Hamburger Senat schon kräftig befeuert. Viele Musiker sind ab Mitte der Nullerjahre in Richtung Berlin abgehauen. Gar nicht mal weil Berlin so toll ist, sondern wegen der Lebenshaltungskosten und des Wegbrechens von Atelier und Proberäumen in Hamburg. Die Kultursenatorin zu der Zeit feierte sich mit der Ausrufung einer Event-Kultur per Prosecco-Empfang. Das Klubsterben begann zu der Zeit und wurde in der folge hanseatisch ignoriert. Wenn ich daran denke schwillt mir schon wieder die Krawatte. Aber jetzt soll alles neu und besser werden? Wer es glaubt…
@elblaut genau so ist es! Mit dem Bau der absurd teuren Elbphilharmonie starben Proberäume, Stadtteilinitiativen, Musikclubs. Dass sich nun plötzlich ein Marketingverein gründet, der wohlmöglich die übrig gebliebenen Musicals mit einem „Sound“ von Hamburg verwechselt, ist schon etwas dümmlich, aber im Sinne des be-happy-and-forget-Tourismus natürlich ganz famos. Auch die Website des Vereins ist erstaunlich schlicht und hat manchmal einen geradezu vulgären Touch (die „Music Market Mission India“…!). Kostprobe der intellektuellen Fallhöhe? Bitteschön: „Durch kuratierte B2B-Meetings und Matchmakings konnten wertvolle Kontakte geknüpft werden, um das Geschäft im asiatisch-pazifischen Raum langfristig auszubauen“. Alles Gute dabei! Ahoi aus Hamburg!
Ich lebe seit ca. 30 Jahren in Hamburg. Ich kann mich nicht erinnern, dass die Stadt jemals Übungsräume für Musiker bereitgestellt hat. Vor den Toren Hamburgs, in Norderstedt, fand damals meine Band einen Übungsraum, den die Kirche zur Verfügung stellte. Gegen Endgeld.
Das Reeperbahn-Festival ist meiner Erinnerung nach eine Initiative von zwei Gastronomen, wo sich die Stadt rangehängt hat.
@Spartakus Nein Proberäume wurden nie bereitgestellt. Aber es gab genug Flächen in den Stadtteilen und Gewerbegebieten. Natürlich gegen Entgelt. Die Entwicklung betrifft ja nicht nur Musiker und andere kreative. Auch Handwerksbetriebe sind betroffen. Der klassische Mix aus Leben und Arbeiten im Stadtteil ist politisch nicht mehr gewollt.
@elblaut Ich habe das Gefühl, dass die Kulturbehörde in Hamburg nur die großen Häuser bevorzugt. Musikbands und kleinere Künstler finden kaum noch Auftrittsmöglichkeiten. Es fehlt an Kleinkunstbühnen außerhalb der Hotspots. Ich würde mir echte Unterstützung wünschen. Musik auf der Straße ist nur mit aufwendiger Genehmigung möglich, bloß nicht stören ist die Devise. Und wenn du eine Genehmigung hast, sei bitte nicht so laut und bring keinen Lautsprecher mit und geh bitte ja nach 30 Minuten woanders hin. Das sieht in Berlin in allen Punkten besser aus. Schade um Hamburg.