13. März 2019

Meine Erfahrungen zu Gitarren-Mutieffektgeräten wie Line6 oder Boss ME

Vielleicht sind meine Erfahrungen für diejenigen interessant, die die größeren und kleineren Feinheiten bei den einzelnen Multis gar nicht so raushören oder interessieren, die aber wissen wollen, wie sich die Geräte in der Bedienung im Alltag unterscheiden. Mein Anforderungsprofil ist wahrscheinlich nichts besonderes: Gute Clean, Crunch, Overdrive und Lead Sounds für Cover Musik, einfache Bedienung und Klangwechsel, vor allem auf der Bühne. Einzelne Effekte wie AutoWah bei Bedarf zuschaltbar.

Ich suche eigentlich ein Mittelding zwischen Manual Mode (Effekte einzeln schaltbar) und Preset mode (Ein Fusstritt, und alles ist anders).

Einige der gelisteten Geräte habe ich selbst ausprobieren können, der Gebrauchtmarkt machts möglich und die Ebay-Gelder werden praktisch zur Leihgebühr.

Das heisst ich habe in der Bandprobe, aber auch meist auf der Bühne folgende Geräte im Laufe der letzten Jahre ausprobiert: Tech 21 Fly Rig, Line6 HD 500, Line6 Firehawk FX, TC Helicon Nova System. Boss ME 25, Boss ME 80, Boss GT 100, Boss GT 1,

Vorweg: aus allen Geräten lassen sich ausreichend gute Sounds herausholen, aus einigen auch hörbar bessere. Allerdings, und das ist hier der springende Punkt, mit mehr oder weniger Aufwand. Im Einzelnen:

Tech 21 Fly rig: eigentlich kein richtiger Multi, schöne Sounds für den, dem das Angebot ausreicht. Mir nicht.

Line6 HD 500 (H)X: absolut nicht mein Gerät in der Bedienung (der Kollege Gitarrist in der Band liebt das Teil, regelt aber m.M. nach auch zu oft nach).
Wenn ich es nicht umgehend schaffe, einen eigenen guten Sound zu kreieren, liegt es an mir oder der Chemie zwischen mir und dem Gerät. So kommt irgendetwas oder das Vorprogrammierte raus. Nicht gut.

Line6 Firehawk: Sehr gute Einstellbarkeit, weil über App steuerbar. Aber auch problematisch, weil ohne App (Bühne) kaum sinnvoll möglich. Gute Kombi aus einfacher Umschaltung der Patches sowie weiteren Soloschaltern (z.B. Chorus, Delay etc). NoGo: Das Display ist auf hellen Bühnen viel zu dunkel, draussen praktisch unbrauchbar, weil Blindflug.

TC electronic Nova system: Lange Zeit mein Favorit wegen der Qualität der Effekte und der einzelnen Schaltbarkeit, vor allem mit dem Zusatzfusschallter. Ich habe allerdings nie eine stabile Verbindung zum PC und für eine Sicherung hinbekommen, also zu riskant.

Boss ME25: Gute Sounds, aber nur EIN freier Effektschalter für z.B. einen Choruseffekt oder einen Soloschalter. zu wenig für mich. Müßte mehrere ähnliche Patches belegen, will ich so nicht.

Boss ME 80: Schöne Fusschalter, mehr Möglichkeiten, aber trotz der analog angeordneten und ausgelegten Regler sehr schwer in den Griff zu bekommen, vor allem was die Lautstärke der einzelnen Patches untereinander anbelangt.

Die Boss GT Serie ist von der Bedienung im einzelnen sehr viel praktischer als die ME-Serie.

Boss GT 1: Sehr gute Sounds, aber ähnlich beschränkt wie das ME 25.

Boss GT 100: Ich glaube ich bin angekommen. Konzept ist zwar schon sieben Jahre alt, aber sehr gute Sounds, sehr gut im einzelnen einstellbar am Gerät. In der Version 2.0., auf die alle Geräte upgedatet werden können, auch über die Boss Software bedienbar. Auch im Preset Mode sind drei bis vier Schalter mit Einzelfunktionen bedienbar (z.B. Sololautstärke, Chorus, Delay etc.) so dass man den Manual Mode für meine Zwecke eigentlich nicht braucht. Die Funktionen sind etwas verborgen, aber es gibt gerade zu diesem Gerät viele sehr brauchbare Youtube-Videos, wo ich über die BDA hinaus noch viele wertvolle Kniffe gefunden habe, z.B. die Doppelbelegung der Patch-Schalter (Normal/Solo).

Und vielleicht auch noch wichtig: Bei vielen Geräten ist es nicht eindeutig, was die wenigen Klangregler (z.B. mehr Mitten) sowie der Masterregler am Gerät regeln, den Patch oder die Gesamteinstellung des Gerätes. Und vor allem, was davon im Patch gespeichert wird. Beim GT 100 ist das für mich eindeutig, insbesondere beim (seltenen) Nachregeln auf der Bühne.

Ich habe mir das GT 1000 zwar auch schon angeschaut, sieht von der Bedienung ähnlich aus, ist mir aber noch zu teuer. Bei Kemper habe ich nach einem Youtube-Video entschieden, dass das Gerät für mich zu gut, zu teuer, aber auch zu kompliziert erscheint.

 

Fazit
Vielleicht helfen meine Hinweise dem einen oder der anderen, nicht alle Multieffekt-Geräte für Gitarristen durchprobieren zu müssen. Mit hat das Spaß gemacht, sonst hätte ich diesen wahnsinnigen Aufwand auch nicht gemacht.
Forum
  1. Profilbild
    volcarock  

    Sehr schöner Bericht! Im Endeffekt habe ich vor Jahren ähnliche Erfahrungen gemacht, nur nicht ganz in diesem Ausmass.
    Mittlerweile habe ich ein Pedalboard mit allen Effekten einzeln zusammengesucht, das gefällt mir wesentlich besser.
    Aber ich mach auch schon lange kein Top40 mehr.

  2. Profilbild
    hauserj

    Ich habe die meisten oben genannten Geräte auch durch.
    Meine Erfahrung dabei ist, dass auch ein Multi-FX einen nicht frei davon macht die Basics zu lernen. D.h. wie baue ich meine Signalkette auf oder wie verhält sich der eine oder andere Effekt.
    Der riesen Vorteil dabei ist allerdings, dass es sehr viel kostengünstiger ist, Zeugs auszuprobieren und dabei zu lernen, als immer einzelne Bodentreter zu kaufen.

    Zum Thema Sound:
    Der Einsatz von Impulse Responses in neuen Modeller (z.b. Line6 Helix) ist der absolute Game-Changer“ in meinen Augen!
    Habe hinter mein Boss Gt100 den Mooer Radar (mit IRs von cabir.eu) gehängt und die interne Boxensimulation ausgeschalten. Eine ganz neue Welt! :) Seitdem war mir klar, dass ich alle Amps verkaufen werde.

    Mittlerweile bin ich Besitzer eines Helix LT und absolut glücklich.

  3. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Ich benutze die Digitech RP150 und RP155, die ich an zwei Sub-Mixern im FX-Loop betreibe. Die dazu passenden Editors machen die Bedienung zum Kinderspiel, laufen allerdings nicht auf Win10-PCs (dafür habe ich noch mein altes Samsung Netbook mit WinXP). Klangmäßig bin ich sehr zufrieden damit, besonders in Hinblick auf den sehr günstigen Preis. Mit mehreren gleichzeitig nutzbaren Effekten sind sie für mich eine gute Alternative zu Rack-Multi-FX, und manche Amp- bzw. Boxen-Simulation ist auch für Synthies interessant…

  4. Profilbild
    dr noetigenfallz  

    Ich sehs wie hauserj. Wenn man das Multieffektgerät vor einem echten Amp benutzt, von dem auch die Verzerrung kommt, dann kann man noch die älteren Modelle von Boss oder Line6 nutzen.
    Wenn man aber direkt in die PA (Monitore etc.) spielen will, dann kommt man um die neueste Generation von Modellern nicht herum.
    Ich bin von Line6 Firehawk auf Helix umgestiegen. Das ist 2 Klassen drüber – wenn man dann noch separate Impulse Responses nutzt, ist es ein Quantensprung.
    Das ist auch das einzige, dass ich Line6 vorwerfe: Warum produzieren die nicht mal 100-200 richtig gute Impuls Responses. Dann müssen sie auch gar nicht mehr ihre virtuelle Speakersimulation programmieren. Es würde besser klingen und sie hätten weniger Aufwand.

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