Midas XL4-2 Erfahrungsbericht
Mogelpackung oder wirklich ein guter Preamp?
Beim stöbern bei Youtube fiel mir ein Test des neuen Midas XL4-2 ins Auge. Bei diesem Test trat der Midas gegen einen 10mal so teuren Preamp von Tegeler an.
Ich dachte mir das dieser Vergleich doch etwas hingt, der Midas XL4-2 ist ein reiner Röhrenpreamp wo hingegen der Tegeler ein kompletter Channelstrip ist.
Midas bekannt für seine legendären Studio,- und Live Consolen mit einem wunderbar analogen Sound begibt sich in den budget Bereich,- so zumindest war mein erster Gedankengang.
Also hab ich mir mal einen bestellt um der Sache mal auf den Grund zu gehen.
2 Tage später klingelte der DHL Bote und ich konnte den Midas in Empfang nehmen.
Voller Vorfreude gings ans „Unboxing“. Was da ans Tageslicht kam überraschte mich doch sehr.
Der Midas XL4-2 ist absolut sauer verarbeitet und macht einen sehr robusten Eindruck.
Da Midas selbst den XL4-2 als Premium Röhrenvorverstärker ankündigt hat, hätte mir das eigentlich klar sein sollen. Aber man ja bekanntlich viel schreiben ;-)
Der Midas XL4-2 kommt ohne viel „Schnickschnack“ daher.
Ausgerüstet mit den üblichen „Extras“ (Pad Schalter, Low Cut Schalter, Phasenumkehr Schalter, Phantomspeisung und einem Air Schalter) hat er alles was man so braucht.
Ebenfalls macht Midas auch darauf aufmerksam das es sich bei dem XL4-2 um einen reinen Class A Röhrenvorverstärker handelt. In dieser Preisklasse entweder gar nicht oder nur sehr sehr selten anzufinden.
Beim eigentlichen Hersteller muss man schon genau hinschauen,- Midas baut ihn unter eigenem Label, allerdings gehört Midas mittlerweile zu Music Tribe. Und für diejenigen die es noch wissen,- Behringer hat die Music Tribe Holding gegründet und einige namhafte Hersteller aufgekauft.
Alle Geräte werden in China gefertigt, was aber nicht unbedingt schlechtes bedeuten muss.
Technische Daten zum Midas XL4-2
- 2 echte Class A Röhrenvorverstärker
- Premium 12AX7 Röhren
- Dual-Mono Design
- bis zu 72dB Gain
- Airschaltung
- VU Meter je Kanal
- Low Cut Filter, Pad und Rhase Reverse
- 2 HE
- sehr robustes Gehäuse
- Auf der Rückseite symetrische XLR Ein,- und Ausgänge
In meinem Test habe ich verschiedene Mikros angeschlossen, verschieden Stimmen und akustische Gitarren aufgenommen und wie immer habe ich bewusst keine Audiodatein mit eingefügt.
Bei allen Micros die ich angeschlossen habe (Warm Audio WA87R2, Rode NT1-A, Behringer TM1, Weissklang V13, Warm Audio WA47) machte der XL4-2 einen hervorragenden Job. Gut den Gain musste man schonmal nachregeln da nicht alle Mikros den gleichen Ausgangswert haben, das ist aber auch schon alles.
Die Air Schaltung ist das Sahnehäubchen,- wenn man diesen Schalter betätigt tun sich Welten auf,- die Stimmen werden brillianter ohne dabei „Harsch“ zu klingen. Im Mix fügen die Stimmen sich wunderbar ein ohne viel nachbearbeiten zu müssen.
Aber Achtung:
Bei Sopran-Stimmen sollte man die Finger von der Air Schaltung lassen,- es könnte dann zuviel des Guten sein.
Bei akustischen Gitarren mit gedrückter Air Schaltung komme, zumindest ich, nicht aus dem Staunen raus. Jede noch so kleine Nuance wird wiedergegeben.
Als Nachteil ist anzumerken das der Midas XL4-2 leider nicht über Hi-Z Instrumenteneingänge verfügt.
Auf Audiobespiele habe ich, wie immer, bewusst verzichtet. Dazu sollen alle Gegebenheiten gleich sein.
Zum Test verwendetes Equipment:
Midas XL 4-2
Focusrite Scarlett 18i20 3.Gen
DAW Cubase
Abhöre Tannoy Reveal passiv
KRK Classic 5
Residentaudio 5″
Nun zur Gretchenfrage:
Schafft der der Midas XL4-2 an den Sound der legendären Midas Studioconsolen anzuknüpfen ? Schließlich bewirbt Midas genau das expliziet.
Die Antwort ist nicht ganz einfach. Ich würde sagen: Jain
Der Grundsound kommt sehr nah an die analogen Midas Consolen heran, schafft es aber nicht ganz. Dazu fehlt dem Midas XL4-2 einfach der nötige Schritt zurück in die Vergangenheit. Er ist ein hervorragender Preamp der aber mehr in die Gegenwart gehört. Er klingt warm und gut auflösend, aber das Pünktchen auf dem I fehlt ihm um an den Sound der analogen Midas Consolen heranzureichen.
Ich habe den Midas XL4-2 mit den original 12AX7 Röhren von Bugera getestet. Da diese austauschbar sind werde ich mal versuchen ob nicht eine Sovtek Röhre besser geeignet wäre.
Alles in allem kann ich aber das ich den Midas XL4-2 behalten werde. Er ist mehr als nur eine Alternative zu meinem bisherigen Preamp (ART PRO MPA II).


































Okay, das liest sich ja ganz gut, ich werde mal bei Youtube gucken. Für 199€ sicherlich spannend.
@ollo das sind ja mal grad knapp 100 Euro pro Kanal,- eine Investition die sich wirklich lohnt 🙂
„Der Midas XL4-2 ist absolut sauer verarbeitet“ 😁
@bluebell naja, hab ich wohl beim Kontroll lesen übersehen 😂 soll natürlich „sauber“ heißen. Manchmal sieht man vor lauter Bäumen den Wald eben nicht 🙂
Ich glaube das Kriterium „in China hergestellt“ sollten wir mal gründlich überdenken. Da urteilen die Bewohner von Nationen abfällig über eine Region, die Dinge fertigt, die wir nicht mal mehr im Traum hinbekommen. Und selbst wenn Werkzeuge für die Herstellung z.B von Wavern im 3nm Verfahren und noch kleiner von Zeiss kommen sollten. Die ganze Produktion bekommt hier keiner mehr hin. Auf keinen Fall zu vernünftigen Konditionen. Same in USA. Seit Jahren gibt es Diskussionen, ob eine Fender, hergestellt in Mexiko mit einer USA gefertigten mithalten kann. Das ist eine unglaubliche Arroganz Ländern gegenüber, die keine 150 Jahre Top industriefertigung aufzuweisen hat, uns aber schon längst meilenweit abgehängt hat (da meine ich jetzt nicht Mexiko). Ja ich weiss, die produzieren auch Unterirdisches, Temu, AliBaba, aber das sollte für eine Abwertung auf keinen Fall reichen.
@Tai Irgendwie komme ich nicht ganz mit. Da steht nur das der Midas XL 4-2 in China hergestellt wird und es ja nicht unbedingt schlechtes zu bedeuten hat.
Also nichts negatives.
Ich habe mich in keinster Weise abfällig zu in China hergestellten Dingen geäußert.😒
@Wolli63 Ich glaube, das ist auch eher allgemein gemeint und nicht auf den Bericht bezogen.
Erstmal DANKE für deinen Beitrag – im Netz gibt es seltsamerweise nur wenige Erwähnungen dieses Preamps. Mir juckte es auch schon in den Fingern, denn…
Ich habe den Midas XL4-2 (bitte nicht verwechseln mit originalen MIDAS-Produkten ähnlichen Namens) vor wenigen Wochen von thomann bekommen. Ich kann deine optische Beurteilung bestätigen. Ähnlich dem 76-KT etc.
Der Preamp macht, was er soll – und das sogar sehr gut. Leider geil! Ich habe ihn für Vokalaufnahmen eingesetzt. Die „Air-Schaltung“ habe ich nicht genutzt – denn ein Preamp sollte von Natur aus gut klingen, ohne zusätzlichen EQ oder mystische catchy „Air“ Schaltungen.
Das kann er leider nicht ganz: Er klingt etwas „bedeckt“, obenrum fehlt etwas. Hey, Klartext: Wir reden hier über maximal 5% Höhen, alles gut! Der Preamp klingt in meinen Ohren besser als alles andere in dieser Preisklasse. Aber diese unerklärt-mysteriöse „Air“-Schaltung sollte m. E. stufenlos – oder zumindest in Stufen – hinzuregelbar sein.
Zum Preis: Absoluter „No Brainer“ für 2(!) separate Preamps, vergesst meine Kritik…
@heimannrudolf Das seh ich genauso,- für gerade mal knapp 100 Euro pro Kanal ist das wirklich ein „No Brainer“.
Es ist ja nicht nur der Preis, sondern vielmehr auch das was man dafür an Gegenwert bekommt.
Ich habe ihn jetzt schon mehrfach für diverse Aufnahmen eingesetzt und bin wirklich mehr als nur begeistert.🙂