17. April 2015

Modal Electronics 002 – Eindrücke von der Messe FFM

Moin Kollegen,

sollte eigentlich nur ein Kommentar auf das Preview werden, aber es sind mal wieder doch zu viele Zeichen geworden, darum hier als kleiner Beitrag. Viel Spass ;o).

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Ich habe mir gestern auf der Messe den 002 und 008 (dazu gesondert) mal genauer angeschaut und auch knapp 20 Minuten jeweils mit Philip und Paul über die Hintergründe geredet. Beide sind riesige PPG-Fans, wollten genau das Gefühl das sie beim ersten anspielen eines PPG Wave in den 80ern hatten in ein aktuelles Produkt portieren. Softwarelösungen befriedigen die klanglichen Erwartungen die aus einer solchen Prägung entstehen nicht. Angesprochen auf die klanglichen Unterschiede vieler \\\“neuaufgelegter Klassiker\\\“ (Voyager, Odyssey, Prophet, etc.) zu den Vintage-Originalen hatten wir wirklich ein interessantes Gespräch das klar zeigt, wie detailliert man sich im Hause Modal Electronics Gedanken über die Thematik der Klangästhetik macht. Da spürst Du die Passion dahinter und vor allem, dass die Erkenntnis vorhanden ist nicht einfach auf technisch analytischer Basis Bauteile/Bauteilgruppen in ein neue Kleider zu verpacken sondern die Klangwirkung jenseits von Frequenz, Pegel und Phase zu beachten.
Ich will das hier nicht zur Philosophiestunde verkommen lassen, deswegen hier der \\\“cut\\\“, gerne an anderer Stelle intensiver.

Auf der Messe ein Gerät zu testen ist schlicht nicht möglich, man kann sich nur in dem Lärm und Hektik einen ersten Eindruck verschaffen, wisst Ihr eh´ alle ;o).

Ich habe das so empfunden: Oszillatoren sehr clean, die üblichen bekannten Spektren a la PPG, Waldorf, Prophet VS, sofern nix neues. Filter sehr sehr kontrolliert, für mich recht analytisch, kann man die Partialtöne bei voller Resonanz wie im Mikroskop herausfokussieren, bei mittleren und leichten Resonanzwerten trotzdem angenehm rund in allen Bereichen. Nicht übertrieben bauchig, angenehme Plastizität. Allgemein lange nicht so fies und roh wie ein Sunsyn, cleaner als ein Prophet VS (da merkt man die Veränderung der Hörgewohnheiten in den letzten 25 Jahren, weg vom \\\“Fülligen\\\“), allgemein kontrollierter als die Klassiker aber im Detail nicht langweilig. Da muss man aber hinhören (können und wollen), denn wenn ich das so lese was einige Leute vor mir hier schreiben wird oft recht schnell geurteilt und zum Teil wirklich wild verglichen. Die Klangbeispiele schreien wirklich nicht \\\“ich bin der fetteste, geilste, dickste, schönste etc.\\\“, da geb´ ich recht. Ist er auch nicht. Aber edel im Detail ist er.

Haptisch gewöhnugsbedürftig die sehr leichtgängigen Drehknöpfe, Aufmerksamkeit wird auch immer wieder auf´s Display gelenkt, Blindbedienung für mich kaum möglich, Anordnung / Layout zur Steuerung der Klangformungsgruppen ähnlich verspielt wie bei einem Andromeda. Verarbeitung recht gut, wertig, stabil, helles und gut auflösendes Display (GFX-Darstellung klein aber ok), Tastatur angenehm, Gehäuse roadtauglich, Feeling eines wirklich sehr hochwertigen Instruments. Ja, Instrument(!).

Das Ding muss man lernen – sich daran gewöhnen, nicht weil es so komplex ist, sondern weil die Eigenheiten ohne an sich exaltiert zu sein doch einen Anfreundungswillen und eine Offenheit voraussetzen die in der heutigen Zeit leider zum Großteil verlorengegangen ist.
Wer das investiert wird hier ein Instrument finden, dass über lange Jahre die klanglichen Erwartungen erfüllen wird die ein gereifter Hörer (oder alter Sack wie ich mit seinen Klangidealen aus den 80ern ;o), ganz nach Sichtweise) an einen modernen Hybridsynth stellt.

4500 Euro Strassenpreis ist das Gesamtpaket schon wert, denn wenn man mal die Kirche im Dorf lässt, was kauft man sich sonst für das Geld? Ein mittelgutes Mountainbike, einen Satz Alufelgen oder eine hochwertige Gartensitzgruppe oder Couch.

Und bei der Tendenz unserer Gesellschaft zu jährlich wechselnden Billig-Austausch-Vegwerf-Produkten muss man den Aufwand von Modal Electronics und deren Ausrichtung doppelt loben.

Sollte ich so eine Maschine mal für einige Tage ins Studio bekommen folgt sicher ein youtube-Video.

Und wie immer: Selber ausprobieren!

Fazit
Selber bilden!
Forum
  1. Profilbild
    fno  

    Ich freue mich schon auf Deinen Test, obwohl Du ja jetzt schon weisst, dass dieses Gerät 4,5 K wert ist. Nun, Dir vielleicht, zumal nach selbst eingestanden oberflächlicher Betrachtung. Diese Ansicht ist sehr individuell, wie auch das Bewusstsein, für diesen Preis nur ein Mittelklassefahrrad zu erhalten. Zur potenziellen Wertigkeit also nun die Reaktion eines im Gerätebau tätigen befreundeten Blechschlossers beim Anblick der auf Aufsichtabbildungen gut sichtbaren rustikal verarbeiteten Gehäusekanten mit selbst für Autos inakzeptablen Spaltmassen: „Wenn ich´n Gehäuse so zusammenhunze nimmt´s mir kein Kunde ab.“

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      AD-Converter

      Ohne Zweifel wird Dein Blechschlosserfreund für Euro 4500,- (abzügl. 19% MwSt.) ein schöneres und besseres Gehäuse bauen können. Ist halt die Frage wie es dann „klingt“. Eine Firma zu gründen, die Entwicklungszeit eines Produktes bis zur Serienreife mit 12 Angestellten zu finanzieren, Marketing, Messen etc., da sind hier schon einige Kosten beisammen die das Produkt reinspülen muss um als Firma operabel zu bleiben. Kritisiert ist immer recht schnell, besser gemacht sehr selten.

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        microbug  

        So ist es.
        Man schaue sich nur mal so manchen ach so tollen Synth von Clavia an, da gibts Spalten, wo man bis direkt auf die Platine schauen kann.

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    Tyrell  RED 11

    Der Preis ist schon heftig. Verglichen mit Dave Smiths Poly Evolver Keyboard (Damals 4 Stimmen 2.300 €) relativiert sich das dann wieder. Aber fno hat Recht, die Verarbeitung hat mich dann doch etwas überrascht. Aber auf der anderen Seite hat das natürlich nichts mit dem klang zu tun. Und mein misserabel verarbeiteter Moog-Prodigy ist nach wie vor einer meiner Lieblings-Monophonen ;-)

  3. Profilbild
    Tyrell  RED 11

    Ach übrigens. Wer sich wundert, warum wir bislang zum 002 noch keinen Test gebracht haben: Die Jungs von Modal hatten einfach kein einziges Exemplar für die Magazine verfügbar. Und da unser befreundeter Musikhändler bislang Modal nicht im Programm hat, konnten wir auch dort keinen abstauben. Nun hat mir aber aber Philip Taysom von Modal zugesichert, dass wir gleich nach der Messe ein Exemplar für einen ausführlichen Test bekommen werden :-)

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      MidiDino  AHU

      Dass noch ein Test folgen wird, freut mich. Die User-Demo-Audios vom 002, die auf der Homepage zu hören sind, klingen richtig gut. Ich bin sehr gespannt …

  4. Profilbild
    fno  

    Ich kenne viele Leute, die Fussballspieler kritisieren ohne selbst besser spielen zu können. Das finde ich völlig in Ordnung.

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