NATIONAL MUSIC CENTRE präsentiert E-MU AUDITY

15. Dezember 2017

Dave Rossums E-MU AUDITY Prototyp aufgetaucht

Quelle: http://collections.nmc.ca

Einst sollte der E-Mu Audity der erste, 16stimmige Analogsynthesizer mit Speicher werden – und dem Prophet 5 die Stirn bieten. Doch dann kam alles anders (siehe Interview-Ausschnitt unten). Nun ist der Prototyp dieses Analogmonsters wieder aufgetaucht, wurde liebevoll resturiert und steht nun im NATIONAL MUSIC CENTRE in Californien.

Vor einigen jahren haben wir Dave Rossum, den Gründer von E-MU, ein einem Mehrteiler sehr umfangreich interviewt.

In Teil 2 dieses Interviews haben wir Dave auch zu Synthesizern befragt, die er zu Beginn der E-Mu Geschichte vorhatte zu entwickeln:

Peter:
Habt ihr auch an einem eigenen neuen Synthesizer gearbeitet?

Dave:
Zu dieser Zeit entwickelten wir den E-MU Audity, einen klassischen analogen Synthesizer mit 16 Stimmen, aber bereits CPU-gesteuert, den wir im Mai 1980 auf der AES Show vorstellten. Doch dann kam es zu einem überraschenden und einschneidenden Rückschlag. Sequential Circuits beschloss, uns keine Lizenzgebühren für den Prophet-5 mehr zu zahlen. Laut unseren Anwälten würde sich ein Verfahren über mehrere Jahre hinziehen und uns ziemlich teuer zu stehen kommen. Der Audity hätte Jahre gebraucht, bis er die Einnahmen generiert hätte, die wir brauchten. Konnten wir uns ein anderes Produkt auf die Schnelle überlegen? Dies war die Geburtsstunde des Emulators.

Dave Rossum 1997 mit dem Audity

Es blieb also beim Prototyp des Synthesemonsters. Als wir das Interview mit Dave führten, hatte er gerade mal ein altes Schwarzweiß-Bild vom E-Mu Audity für uns. Vom Verbleib des Prototypen hatte er keine Ahnung.

Umso mehr haben wir uns gefreut, als dieser nun im Netz wieder aufgetaucht ist – und offensichtlich in der Ausstellung des NATIONAL MUSIC CENTRE in Californien begutachtet werden kann.

Forum
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    wellenstrom

    Schade, dass es nur beim Prototypen geblieben ist.

    Sollte man zumindest heute als Emulation für die Nachwelt erhalten. Vielleicht ist das Dingen ja noch funktionsfähig und kann für diesen Zweck zur Verfügung gestellt werden.
    Würde mich schon interessieren, wie das Ding so klang/klingt.

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      iggy_pop  AHU

      Ganz vom Erdboden verschwunden dürfte der Audity nie gewesen sein, gab (oder gibt) es doch die in Kanada beheimatete Audities Foundation, die ganz bewußt auf dieses Gerät anspielt als Dreh- und Angelpunkt der Kollektion.
      .
      Das Vorserienmodell zum Prototyp soll wohl auf dem Album „Transharmonic Nights“ von Peter Baumann zu hören sein, der sich von E-Mu ein auf Karten basiertes, computergestütztes System zusammenbauen ließ (andere Voiceboards gingen dann an Patrick Gleason und Tangerine Dream bzw. Chris Franke). Basierend auf diesem Prototypen soll dann wohl dieser blaue Audity entstanden sein, der Prototyp hingegen existiert wohl nicht mehr.
      .
      In diesem Zusammenhang wäre es interessant zu erfahren, was aus dem Anfang der 1980er von Andreas Bahrdt gebauten Synthesiser geworden ist, der dann bei Baumann im Studio stand (und den Patrick Mimran ebenfalls einsetzte). Ob da die E-Mu-Voiceboards zum Einsatz kamen, die vom Audity-Prototypen übriggeblieben waren?

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    fritz808  

    ist mir bei dem rossum-interview schon ins auge gestochen. aber wenn man jetzt das farbbild sieht. wow – eine echte schöhnheit. schade, dass es nie in serie ging. aber so hat die welt den emulator bekommen. den liebe ich bis heute sehr innig.

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    nativeVS  AHU

    Grundsatzlich soll das baumann system ’nur‘ auf den SSM Voice Cards basiert haben, und daraufhin dann der Audity gebaut worden sein.
    Das komplizierte damals war ja die steuerung und nicht die klangerzeugung.

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      iggy_pop  AHU

      Ich lasse mal meiner Phantasie freien Lauf und behaupte, daß das Baumann-System im Prinzip geklungen haben dürfte wie ein Prophet 5 Rev. 2 (die Bedienoberfläche des Audity läßt da auch ein paar Ähnlichkeiten erkennen), bei dem die einzelnen Stimmen individuell anzusteuern waren oder in verschiedenen Konfigurationen kombiniert werden konnten. Allerdings glaube ich, daß das E-Mu-Teil wohl in erster Linie für die Sequenzen eingesetzt wurde; der Bass zu Beginn von „This Day“ klingt für mich eher nach Yamaha CS-Serie.
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      Laut Peter Forrest (?) war das Audity-System in zwei große Blöcke aufgeteilt, Keyboard mit Controller und ein Rollwagen mit der Elektronik und einem Hewlett/Packard-Rechner. Hat was von PPG 340/380.

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        8 Bit Fighter  

        Hi Iggy,
        Trans Harmonic Nights erschin Anfang 1979. Ich hab noch die Vinylplatte hier. Laut eines Internet-Forums hat er sein Audity System erst nach dem Erscheinen des Albums bekommen. Er setzte auf dem Album überwiegend sein Modularsystem in Multitrack-Verfahren ein und in Paragon Studio stand ihm ein 24 Track MCI Reel To Reel Recorder zur Verfügung. In seinem Modular System waren schon mehrere Sequencer und Drum Module integriert, Ähnlich wie eine Workstation konnte er mehrere Drumtracks und Sequencen programmieren und gleichzeitig synchron starten und so hört sich auch das Album an. Auf Repeat Repeat von 1981 dagegen hört man aber deutlich polyphone Akkorde, die von Audity stammen können.

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          iggy_pop  AHU

          Wenn der blaue Audity 1980 vorgestellt wurde, weil er mittlerweile die Phase des Zahnens hinter sich hatte, wäre es schon denkbar, daß Baumann den Prototypen schon deutlich früher für „Trans Harmonic Nights“ im Studio gehabt haben könnte. Da ich aber nicht dabei war, weiß ich das nicht genau.
          .
          Ich finde, die THN klingt deutlich anders als die Romance 76, die deutlich nach dem Projekt Elektronik System klingt, wie man es von TDs „Stratosfear“ kennt (dito Leda’s „Welcome to Joyland“ — das klingt wie modulare Moroder-Disco).
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          Wer will, kann den Peter ja mal fragen — vielleicht möchte er sich über das teure alte Gerümpel auslassen, wer weiß.

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      psv-ddv  AHU

      Ja, den Gedanken hatte ich auch, als ich mir das Audity Foto näher angesehen habe.
      Allerdings sieht der Audity um einiges spaciger (und spannender) aus als mein P5r2. Da kann man sich schwer vorstellen, dass die Teile ähnlich klingen sollen. Ich hoffe Jemand bringt den Audity mal an den Start und macht ein Youtube Video :)

  4. Profilbild
    Piet66  RED

    Ein aussergewöhnlicher Synthesizer, gebaut von einem Genie. Die kaufmännische Entscheidung zugunsten des Emulator war natürlich richtig, der Rest ist Musikgeschichte.
    Trotzdem sehr sehr schade, dass der Audity nie in Produktion ging.

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