28. August 2017

Nord Electro 5D – Red to the roots

Mit dem Electro hat Nord einen echten Renner im Programm, der nun in der Version 5 Features mitbringt, die von vielen Nord-Fans lange vermisst wurden. Zu nennen wäre an erster Stelle ein Display. Doch was kann der Electro 5D und lohnt sich der Umstieg von einem älteren Modell?

 

Das Electro-Prinzip

Was benötigt der Live-Keyboarder auf der Bühne? Orgel, Piano, Rhodes und ggf. mal einige Strings, Pads, DX-Pianos, Lead Sounds. Schaut man auf die Bühnen der 70er Jahre, findet man: Hammond B3, Flügel oder Upright Piano, Rhodes, String Machines und ggf. einen Moog Synth. In den 80ern kommt dann der allgegenwärtige DX7 hinzu. Wenn man nun nicht glücklicher Besitzer all dieser Raritäten ist (und darüber hinaus einige Roadies und einen LKW sein Eigen nennt), wird es schwer.

 

Was ein Glück, dass mit der Erfindung von Samplern und Sample Romplern die Sounds der Klassiker transportabel wurden. Mit den Workstations hatte man dann auch noch gleich einen Sequencer mit an Bord und gefühlte 1000 Sounds. Doch o weh, irgendwie zündeten die gesampleten Sounds nicht so richtig. Alles blieb statisch und das nachträgliche Verändern von Samples durch Filterhüllkurven etc. brachte bei vielen dieser klassischen Sounds nicht das gewünschte Ergebnis. Erste digitale Orgelkeyboards kamen auf den Markt und sollten zumindest im Fall der B3 wieder das Zugriegel-Feeling zurückbringen und klangen, sofern man ein Original-Leslie anschloss, schon recht authentisch. Für den Rest mussten weiterhin digitale Keyboards, oft Workstations der Platzhirschen Yamaha, Korg und Roland, herhalten.

2001 erschien der erste Nord Electro, der sich anschickte, die Welt der elektro-mechanischen Keyboards in einem Gerät zu vereinen. Die Besonderheit war dabei, dass der Electro die B3 nicht per Samples simulierte, sondern mit Digital Modelling die klanglichen Aspekte der B3 versuchte digital abzubilden. Der im Vergleich zu Samples viel lebendigere Sound begeisterte schnell die Keyboarder. Zwar musste man auf richtige Zugriegel verzichten, doch der Vorteil der digitalen LED-Bars war deren Speicherbarkeit und die genaue Reproduzierbarkeit der Einstellungen. Außerdem mit an Bord: Samples von Rhodes, Wurlitzer, Hohner Clavinet, Grand Piano, CP80 Piano und eine durch viele Regler einfach zu bedienende Effektsektion, die den Sound mit Effekten wie Chorus, Phaser, Flanger, Tremolo, EQ, Rotary, Overdrive etc. aufwertete. Eigentlich also alles, was man für die authentische Simulation der berühmtesten Sounds der Musikgeschichte benötigt.

Forum
  1. Profilbild
    analogika

    Das Wah-Wah ist bereits seit mindestens dem Electro 2 per Controller-Pedal steuerbar.

    Und zwar ohne jegliche Einstellungen – genau so, wie das Sustain-Pedal damals selbstverständlich im Orgelmodus der Leslieschalter war, wurde das Volume-Pedal zum Wah-Wah, wenn man den Effekt einschaltete.

    Hat mich damals ziemlich umgehauen (meinen alten Electro 2 behalte ich auch, trotz jetzigen Stage 2 und Bestellung eines Stage 3).

  2. Profilbild
    iltis30  

    Vielen dank für die toll geschriebene Leser-Story. Da kann man echt was lernen, wie man sowas schreibt …
    Das Nord Electro ist ein Genie-Streich, vor allem wegen seiner Portabilität und seiner Bedienung. Gerade im Jazz-Bereich siehst du das ganz häufig. Wer will schon ein original Rhodes rum schleppen. Das fehlende Display hat offensichtlich bisher kaum gestört, auch mich nicht. (Hatte das 2er und hab aktuell das 4D).
    Ich würde nur widersprechen bei der Kritik mit dem Aftertouch und den Filtern: dafür ist das Elektro einfach nicht da, dafür gibts das STAGE. Die Sample-Engine ist gut für die Mellotron-Sounds und ähnliche. Die hatten auch keine „Synth“-Features oder Modulation. Denn wenn du mit einem Filter anfängst, brauchst du auch ne Filterhüllkurve … etc.pp. Als Klangbeeinflussung gibts den EQ und die Effekte. Das reicht doch.
    Das Geniale ist die bewußte Beschränkung. Das ist die Stärke von Clavia in meinen Augen immer gewesen.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Vielen Dank für die Blumen….

      Nord ist für mich ein Musterbeispiel, was eine ausgeklügelte und benutzerfreundliche Struktur angeht. Alles ist praxisnah gewählt und wenn ich spontan auf der Bühne eine Orgel brauche, dann habe ich eine, brauche ich ein Rhodes, habe ich ein Rhodes. Die reine Sample Engine benutze ich, außer für Flächen, eher selten. Trotzdem wünsche ich mir manchmal ein wenig mehr Lebendigkeit für die wirklich tollen Samples, die Nord mittlerweile bereitstellt. Ein einfaches Filter würde schon sehr viel bewirken. Mehr als die Amp-Hüllkurve muss gar nicht drin sein. Auch eine große Modulationsmatrix ist nicht notwendig, es würde im Prinzip die Modulation per Velocity reichen. Eine sehr, sehr, sehr abgespeckte Version ist ja implementiert. Aber so ist das halt immer, irgendeinen Wunsch hat jeder User. Wunschlos glücklich ist man selten. Behelfen kann man sich übrigens, indem man den Wah-Effekt zuweist und das Controller-Pedal für die Modulation benutzt.

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