5. Juli 2018

Nord Electro 5D – Jetzt habe ich es doch wieder getan!

Nachdem ich bereits vor einigen Jahren mal einen Nord Electro 2 mit 73 Tasten besessen hatte, habe ich mir vor kurzem wieder einen gebrauchten Nord Electro – dieses Mal den 5 D 61 – geholt, der mir einerseits als 2. Board zu einem Kurzweil Forte 88 diesen soll, der wunderbare Piano-, E-Piano-, Orchester- und Synth-Sounds produzieren kann, der aber bei Pads und Orgeln ein wenig abfällt.

Da der Forte über 2 zusätzliche Ausgänge verfügt, habe ich zur Aufwertung der Orgelsounds bislang einen Mini Vent II von Neo Instruments als externe Leslie-Simulation genutzt. Aber trotz Mini Vent gefällt mit der Orgelsound des Forte nicht genügend.

Als zweiter Verwendungszweck ist die Nutzung des Electro als mobiles Allround-Keyboard für spontane Sessions oder Urlaub vorgesehen, daher wurde es auch nur die transportable 8,1 kg leichte und 90 cm breite Version mit 61 Tasten.

Damals war der Electro 2 schon eine mächtige Aufwertung meiner damals vorhandenen Orgelsounds, die bis dato von einem Roland Fantom X mit VintageSound-Erweiterung über einen Boss RT-20 Leslie-Effekt kamen. Die Pianos/E-Pianos des NE2 haben mir seinerzeit aber nie besonders gefallen, außerdem habe ich einen Reverb am Gerät vermisst. Aber sonst war das Teil schon toll, gut verarbeitet, leicht, transportabel, stylisch und intuitiv bedienbar.

Damals musste ich aber zur Probe immer 2 Kisten mitschleppen, den Fantom für Pianos, Synths, E-Pianos, Pads und Samples und den NE2 für Orgeln, was mich allwöchentlich immer ziemlich genervt hat.

Mittlerweile bin ich in ein Haus mit Musikzimmer eingezogen, und unsere neue Unplugged-Band probt nun dort. Die Schlepperei entfällt nun also.

Trotzdem sollte es wieder ein Electro werden. Wegen Split-/Layer-Funktionen sowie dem neuen OLED-Display habe ich mich schließlich für einen gebrauchten 5er entschieden.

Das Oled Display des Nord Electro 5D

Per eBay-KA wurden also die nötigen Formalitäten vorab geklärt, am Sonntag bei wunderschönen Wetter wurde das Instrument dann bei dem sehr sympathischen Verkäufer angetestet. Zum Verkauf hatte dieser das Gerät sinnvollerweise auf Werkseinstellung zurückgesetzt.

Ich hatte mich vorab zu Hause schon ein wenig per Download-Manual mit dem Instrument befasst, denn seit dem 2er hatte sich in puncto Bedienung doch Einiges getan. Wow, was für ein Orgelsound, auch die Pianos und E-Pianos sind nicht zu verachten. Das Ding wurde also gekauft, obwohl der Verkäufer „seinem“ alten Electro, den er gegen einen Nord Stage 3 ersetzt hatte, sichtlich ein wenig nachtrauerte. Aber ich kann ihn verstehen.

Abends habe ich dann zu Hause als Erstes per Nord Sound Manager alle Factory Samples und Programs vom Gerät gelöscht, um dann nach und nach die mir am besten gefallenden Sounds aufs Gerät zu ziehen.

Anschließend wurde das Instrument mit Sounds und Samples bestückt, wobei ich mit den Pianos begonnen habe.

Dazu habe ich jeweils die Medium-Versionen der Pianos, die mir auf der Nord-Seite bereits einigermaßen gefallen haben, geladen und eingehend gespielt. Durch dieses Verfahren wurden schließlich 2 Flügel, 2 Uprights und 1 Saloonklavier sowie 1 CP-80, dazu 3 Rhodes und 2 Wurlitzer ausgewählt.

Dabei fällt auf, dass sich die E-Pianos und Clavinets zwar ordentlich anhören, aber doch im Vergleich zu den Pianos (bis zu 4 Versionsgrößen) wesentlich weniger detailtreu sind. Diese liegen auch meist nur in einer einzigen Version vor, die zumeist aus dem Jahr 2011 stammen. Hier sollte Nord zukünftig unbedingt nachlegen. Dass sie es können, weiß man ja.

Danach wurde die Sample-Library bestückt, wobei ich ähnlich wie bei der Auswahl der Pianos vorgegangen bin:

Zuerst habe ich eine große Vorauswahl aus den Hörbeispielen getroffen, anschließend habe ich die gewählten Samples geladen, getestet und ggf. auch wieder gelöscht.

Als Nächstes wurden dann die zuvor geladenen Sounds in aussagekräftige Einzel-Programs gespeichert, bisher noch ohne Splits und Layer, dazu habe ich noch einige Orgel-Presets (B3, B3 bright, Vox, Farfisa, Church) erstellt. Die Benennung der Programs am Gerät ging nach kurzer Zeit sehr leicht von der Hand, so dass ich diese Funktion im Sound Manager gar nicht mehr genutzt habe.

Weiterhin habe ich die Factory-Einstellung des Leslie von „122“ auf „122close“ gesetzt, was meiner Meinung nach eine wesentliche Verbesserung bringt, und ich habe noch ein wenig mit den Acceleration-Settings experimentiert, um auch da eine Optimierung zu finden.

Der nächste Schritt beinhaltete die Angleichung des Output Gain-Levels, da einige Sounds Lautstärkeunterschiede zu anderen aufwiesen.

Danach begann ich, im Setlist-Modus die ersten Songs mit maximal 4 Programs auf Slot A bis D zu erstellen. Auch dieses war – dank des neuen OLED-Displays – sehr einfach am Gerät zu bewerkstelligen. Es wäre schön, wenn man im Live-Einsatz die Slots per Fußschalter weiterschalten könnte, so dass beide Hände an den Tasten verbleiben können.

Die Transpose-Funktion, die wir in unserer Band auch gerne mal nutzen, um zum Beispiel die optimale Tonhöhe für Gesang oder Gitarre herauszufinden, habe ich nach einiger Zeit auch gefunden. Allerdings scheint diese nicht global zu sein, so dass ich jedes Program in einem Song einzeln speichern muss. Über System „Global Transpose“ kann man jedoch auch global transponieren, das ist aber etwas umständlich. Beim Forte habe ich da 2 Taster (+/-), die immer global wirken.

Fazit
Der Nord Electro 5D61 ist für mich das optimale Ergänzungskeyboard zum Orgeln/für Zusatzsounds zu meinem Kurzweil Forte.

Zusätzlich ist er hervorragend als mobiles Allroundkeyboard für Gelegenheiten, wo man nicht das komplette Besteck mitnimmt.

Plus

  • Split-/Layer-Funktion
  • Sounds aus Nord Library können beliebig geladen werden
  • intuitive Bedienung
  • gute Pianos/Orgeln
  • leicht/transportabel
  • passable Kompromisstastatur für Piano/Orgel/Synth

Minus

  • Preis
  • E-Pianos nicht mehr ganz aktuell
  • Speicherplatz begrenzt
  • globale Transpose-Funktion etwas umständlich
  • kein Pitch-/Modwheel
Forum
  1. Profilbild
    Organist007  

    Danke für den netten Artikel !

    Ich besitze noch den Electro 3er, vorher hatte ich den 2er.
    Das beste: Er ist leicht ! Die Bedienoberfläche ist bei Nord sowieso super – direkter Zugriff auf fast alles !

    Mittlerweile bin ich vom Orgelsound nicht mehr soooo begeistert und liebäugle stark mit einem Dexibell J 7, ein BURN Pedal für den Leslie hab ich zu Hause. Die farfisa compact sounds – hinter denen ich her bin – klingen beim J7 echt gut, finde ich, die Pianos/Epianos auch, nur der Leslie ist etwas seltsam.

    Der Nachteil beim Electro 3 ist, dass man keine Splits machen kann, also 2. Keyboard her oder:
    Workaround via einem alten angehängten GEM rmx modul, welches splits bereitstellt (gute Bläsersounds, Strings, bässe !) Die Orgel beim Electro kann man nämlich sehr wohl splitten und so z.b. den lower part stummschalten und dafür einen Sound aus dem rmx nehmen (der kann nämlich splits).

    ich glaube nicht, dass ich auf einen aktuelleren Electro umsteigen werde. die leads von nord finde ich hingegen echt super, ich liebe mitterweile den Lead 4 !

    Irgendwie hat mir der orgelsound aus dem Electro zu wenig Biss bzw. Balls, durchsetzen tut er sich schon recht gut aber irgendwie fehlt mir was.
    Leider habe ich mein Voce V 5 verkauft – ein großer Fehler !

    Hat hier jemand Erfahrung mit dem dexibell J 7 ? Für Feedback wäre ich dankbar !!!

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      unifaun  

      Den 3er hätte ich mir auch nicht mehr gekauft.

      Ich habe mich bewusst für den 5er entschieden, weil der eben schon Splits/Layer kann und gebraucht schon günstig zu erwerben war. Der Unterschied zum 6er ist für meine Begriffe jetzt nicht sooo groß.

      Im Bereich Orgelsounds bin ich jetzt auch nicht der Purist, habe daher noch nie eine B3 oder ähnliches über Leslie gespielt, kann also den Unterschied auch zum Original nicht so beurteilen.

      Ich werde aber in Kürze meinen Mini Vent mal am Electro testen, evtl. legt der in puncto „Gesamtorgelsound“ noch mal ne Schüppe drauf.

      Vor allem anderen gefällt mir am Nord Electro die Mobilität im Zusammenspiel mit der – für mich – ordentlich spielbaren Tastatur und der sehr brauchbaren Soundauswahl. Ich werde ihn auch in den in ein paar Wochen anstehenden Schweden(!)urlaub mitnehmen. Dafür wäre mir der Forte einfach zu groß und zu schwer.

      Bei der Suche nach dem NE3-Nachfolger wünsche ich dir viel Erfolg, auf jeden Fall solltest du nach Möglichkeit alle Testkandidaten im Geschäft vergleichen können.

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        Organist007  

        Zwischen dem 3er und dem 5er bzw. 6er höre ich soundmäßig keinen eklatanten unterschied. Das display ist natürlich komfortabler bzw. einige extra features wie song list und speicherplatz.
        Dexibell gefällt mir schon sehr gut, auch die piano und ep sounds.
        Leider gibt es bei mir in der nähe keinen dexibell zum antesten, da stehen nur die roten rum. ;-)

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          Everpure  

          Das wird daran liegen, dass die Software grundsätzlich immer noch die gleiche ist – an der sound engine ist meines Wissens nicht wirklich etwas geändert worden. Die neueren Generationen bekommen einfach mehr Features z.B. von den großen Stage Modellen hinzu.

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        Everpure  

        Die Unterschiede zwischen 5 und 6:

        – Seamless transitions
        – Layers sind nicht mehr auf drei festgelegte Kombinationen beschränkt
        – Crossfade zwischen split points
        – eine weitere pipe organ simulation
        – C2D rotary speaker simulation
        – piano polyphonie 120 Stimmen (statt 40/60, stereo/mono)
        – 512 MB Sample memory (statt 256 MB)
        – Sample polyphonie 30 Stimmen (statt 15)
        – Vibe und Tube Overdrive als zusätzliche effekte

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