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Ohrwurmaudio Ohrwurm 3, Kopfmikrofon

29. Februar 2016

Vergleich-Ohrkopfmikrofone

Als die Kunstkopfmikrofonie erstmals präsentiert wurde, war das quasi ein Quantensprung und die Technik passte gut zum Zeitgeist der Moderne. Hörspiele und andere Aufzeichnungen sollten so klingen, als wäre man selbst dabei gewesen. Und das klappte auch, obgleich Konstruktion und Handling nicht immer einfach waren. Beim Neumann-Kunstkopf KU-100 sitzen die Mikrofone direkt am Gehörgang des nachgebildeten Ohres. Das nicht mehr erhältliche Sennheiser MKE-2002 kann wahlweise in den mitgelieferten Kopf oder die eigenen Ohrmuscheln gehängt werden, die Mikrofone zeigen nach oben ins Außenohr. Allen Kopfmikrofonen ist eine Kugelcharakteristik der Kapseln gemein, wobei hier ein Winkel von 180° eingefangen wird. Der eigene Kopf wirkt dabei als Schallbegrenzung und sorgt für einen möglichst authentischen Schallfluss.

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Um das Prinzip zu verstehen muss man sich mit dem Gehör auseinandersetzen und der Art und Weise, wie wir Richtungen wahrnehmen. Ich möchte nicht allzu weit ausholen, jedoch grob das Prinzip beleuchten. Tiefe Frequenzen orten wir über die Phasenverschiebung, hohe Frequenzen über den Zeitlauf, also ob sie links oder rechts zuerst auf das Ohr treffen. Der Kopf spielt hier eine wesentliche Rolle und verdeckt zum Teil den Schall aus einer Richtung, für das Erkennen rückwärtigen Schalls ist die Form unseres Außenohres verantwortlich. Frequenzen im Präsenzbereich wie einen 880 Hz-Ton orten wir aus einer Kombination oberer Möglichkeiten. Wer in den 80er Jahren mal fünf Minuten Testbild mit Ton gehört hat, wird sich erinnern wie schwer es plötzlich wird, die Richtung des Fernsehers akustisch zu erkennen. Auch der interaurale Schall, also Raumreflexionen, werden zur Ortung mit heran gezogen. Das ist auch der Grund, warum eine Kunstkopfaufnahme über Stereolautsprecher etwas diffus klingt. Solche binauralen Aufzeichnungen verlangen daher zwingend die diskrete Wiedergabe über Kopfhörer, hier entsteht im Idealfall keine Reflexion. Die Authentizität der Aufnahme hängt allerdings auch stark von der Wiedergabequalität und dem verwendeten Kopfhörer ab. Aktuell erhältlich sind das OKM II in mehreren Versionen, sowie der hier vorgestellte Ohrwurm 3. Zwar gibt oder gab es auch ein Kopfmikrofon von Roland und möglicherweise auch von anderen Herstellern, diese kenne ich allerdings nicht aus der Praxis.

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Der Ohrwurm 3 ist nun die dritte Generation Kopfmikrofone, die Wolfgang Winne aus Bremen entwickelt und handgefertigt über seine Webseite verkauft. Sie sitzen nicht wie die OKM-Variante direkt vor dem Gehörgang, sondern außen am Ohr und wirken schon etwas futuristisch. Auch der leichtere Ohrwurm II wurde ähnlich konstruiert. Allerdings zeigen hier die Mikrofonkapseln zum Ohr hin, während die der neuen Version nach Außen zeigen. Die Konstruktion ist mit dem OKM II (Original Kopfmikrofon von Soundman) vergleichbar, fallen aber optisch mehr auf. Die Mikrofone des Ohrwurm 3 sind mit 0,5 Zoll größer als die des Vorgängers. Auch konnten manche Probleme des Ohrwurm II beseitigt werden. Während beispielsweise manche Recorder in das hauchdünne Kabel des Ohrwurm II einstreuen, wird dies nun durch ein geschirmtes, aber auch schwereres Kabel verhindert. Vermutlich trägt auch dies zur Rauscharmut bei, dafür ist jedoch der Winkelstecker einer geraden Ausführung gewichen. Auch die Kapseln sind deutlich besser abgestimmt und der Klang ist nach meinem Eindruck präziser und sehr ausgewogen. Sie sind so empfindlich, dass man bereits bei niedrigen Aussteuerungswerten einen Dynamikumfang erreicht, der fast unserem Höreindruck gleicht.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Franz Walsch AHU

    Danke für den Bericht. Aber es gibt auch einen bösen Fehler. Alle Ohrwurm & OKMs wie auch die anderen Mitbewerber funktionieren ausnahmslos mit »PlugIn Power von 2-10V« und NICHT mit »Phantom-Power! Ein Problem bei professionellen Aufnahmen. Abhilfe schafft der »Naiant Studio – PFA phantom« Adapter, der aber nur via USA-Import zu bekommen ist. Ich benutze seit Jahren den »Ohrwurm 2« und bin damit sehr zufrieden. Die angesprochenden Probleme hatte ich bisher nicht. Klang und Handhabung sind besser als die der »OKMs«. Der »Ohrwurm 3« hat einen eingeschränkten Frequenzgang und ist optisch viel zu auffällig für dezente Konzertmitschnitte und so für mich kein Fortschritt. Auch habe ich sehr gute Erfahrungen mit einem anderen Eigenbau, dem »at ear II« gemacht. Dieser wird ab und zu via ebay angeboten und ist fast so gut wie der »Ohrwurm 2«. Kunstköpfe werden weiter sehr stark in Technik, Forschung und dem »Fieldrecording« eingesetzt. Auch gibt es leider viel zu wenig Hörspiele in Kunstkopf. »Chesky Records« ist ein Musiklabel, was ausnahmslos auf Kunstkopfaufnahmetechnik setzt. Ferner gibt es sehr anschauliche Kopfhörertests von »Sonic Sense« via Kunstkopf.

  2. Profilbild
    Stephan Merk RED

    Hallo, ich verwechsele gerne PlugIn- und Phantom-Power. Aber trotzdem vertragen die Kapseln des Ohrwurm 3 48V, laut Herrn Winne ist dann sogar die Pegelfestigkeit deutlich besser. Selbst getestet habe ich das Mangels Adapter allerdings nicht.

  3. Profilbild
    Stephan Merk RED

    Bezüglich der Phantomspeisung habe ich nochmal rückgefragt. Es ist tatsächlich so, dass er nur bis maximal 10V vertragen würde, ein optionaler Adapter erlaubt den Anschluss dann allerdings an 48V. Dieser ist aber recht aufwnedig und daher nicht günstig.

  4. Profilbild
    iggy_pop AHU

    Der Ohrwurm Pro erinnert mit seiner Kombination aus Kopfhörer und integrierten Mikrofonen an den alten JVC-HM200, der ebenfalls diese ungewöhnliche Kombination zuließ.
    Ein Aufnahmeverfahren, das wesentlich vielseitiger in der Anwendung ist als der Kunstkopf, fehlt hier noch. Aufnahmen mit einer Jecklin OSS Scheibe sind ähnlich akkurat in ihrer räumlichen Abbildung, haben dabei aber den Vorteil, daß man diverse Mikrofontypen anwenden kann (Groß-/Kleinmembran etc.).

    • Profilbild
      Stephan Merk RED

      Da hast Du absolut Recht, ich habe mich aber auf das beschränkt, was ich kenne. Die Jecklin OSS-Scheibe hat der Entwickler bereits im Blick und da lässt sich auch interessantes mit den Ohrwurm-Kapseln realisieren, aber ich mag ihm da nicht vorgreifen. Erhaltene Audiobeispiele sind aber grandios. Zum OPM, das ist eine sicherlich tolle Sache, wäre für mich aber viel zu umständlich. Wenn man schnell mal eben eine räumliche oder binaurale Aufnahme machen will, ist der Ohrwurm 3 super geeignet. Herr Winne ist ein richtig engagierter Tüftler und auf seiner Webseite will er einen Blog veröffentlichen, hat allerdings aktuell zu wenig Zeit dafür. Ich bin gespannt, was da noch von seiner Seite her kommt.

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