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8. Juni 2015

Olympus LS-100 – Sehr guter Klang, 8 Spuren, dusseliges Menü

Mehrspur

Der Olympus LS-100 Linear PCM Audiorecorder ist zwar schon gut zweieinhalb Jahre am Markt, dennoch sehr aktuell. Gerade im April diesen Jahres überraschte Olympus mit einem Firmware-Update, dessen Änderungen allerdings nur marginal waren. Auch auf der diesjährigen Musikmesse wurden die Modelle LS-12, LS-14 und LS-100 gezeigt, ein Nachfolgemodell ist derzeit nicht in Sicht. Da das Gerät aber unter Musikern nicht ganz so erfolgreich ist, findet sich offenbar bislang auf amazona.de noch kein Test. Auch bei Thomann ist er nicht mehr gelistet, was jedoch nicht das End-of-Live kennzeichnet. Hingegen ist es eher das Problem, dass Olympus sich mit seinen Audiogeräten eher im Transkriptions-Bereich bewegt und die Geräte bei Journalisten und Richtern bekannter sind, als bei Musikern. Mit dem Debut eines Mehrspur-Recorders hat Olympus mit dem LS-100 ein Gerät vorgestellt, das nicht nur aufgrund seiner Sprachausgabe sehr interessant ist. Wäre da nicht die teils unlogische Menüführung und die fehlende Möglichkeit, mehr als zwei Spuren gleichzeitig aufzunehmen, wäre er absolut perfekt. Bereits vor einigen Jahren hat Olympus mit den Modellen LS-10 und LS-11 zwei kompakte und exzellente Recorder vorgestellt, die über eine ausgezeichnete und detailreiche Aufnahmequalität verfügen. Sie sind zudem durch Direktzugriff auf Aussteuerung, Verstärkung und LowCut-Filter unglaublich beliebt. Mit keinem Recorder gelangen mir bislang so schnell und unkompliziert Aufnahmen, wie mit dem LS-11. Mikrofon- und Line-Anschluss erkennen sofort wenn ein Gerät verbunden ist, für Kondensatormikrofone lässt sich typischerweise 1,5V Phantomspeisung anlegen. Ist der Pegel zu stark, schaltet man die Verstärkung runter und hört man doch etwas Trittschall, nutzt man den LowCut-Filter über einen extra Schiebeschalter.

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Eine für mich sehr sinnvolle Besonderheit des Olympus LS-100 ist die von Haus aus installierte Sprachausgabe, daher gehörte ich zu den ersten, die ihn hierzulande besitzen. Bereits 2007 stellte Olympus mit dem Stereo-Diktiergerät DS-50 eine integrierte Sprachausgabe vor, die auf Wortschnipsel im Audioformat basierte. Die Stimme ist auch beim LS-100 und LS-14 identisch. Die Menüansagen stimmen nicht immer mit den Originalen exakt überein, auch könnte man quasi durch Austausch der Audiodateien seine eigene Stimme verwenden. Bei LS-14 und LS-100 geht das nicht, hier liegen die Sprachdaten in einem nicht zugänglichen Bereich. Es lässt sich auch nur ein Sprachpaket installieren und nutzen, das unabhängig von der eingestellten Menüsprache ist. Man muss dies auch wirklich erwähnen, denn es ist immer noch selten der Fall, dass gewöhnliche Hersteller an die Bedürfnisse blinder und sehbehinderter oder überhaupt behinderte Menschen denken. Das ging bei Olympus so weit, dass sie mit dem DM-5 und DM-7 Audiorecorder mit Unterstützung für das DAISY-Format (Blindenhörbücher) herausbrachten, die auch mit ihren Stereo-Mikrofonen gute Aufnahmen erzielen. Sie verfügen im Gegensatz zu den anderen Modellen über eine TTS (Text-To-Speech-Synthese) und können somit auch Texte aus Dateien vorlesen und die Metadaten von Audiodateien ansagen. Bei Olympus gibt es eine strikte Trennung zwischen reinen Diktiergeräten, Multimedia-Geräten, die sowohl Diktiergerät und Audiorecorder sind (DM-Serie) und reinen Audiorecordern (LS-Serie). Lediglich die Modelle LS-3, LS-14 und LS-100 können sprechen. Der Hauptunterschied zwischen DM- und LS-Serie liegt darin, dass den DM-Geräten die Sonority Sync- und Audio-Software beiliegt, die auch Podcasts vom Rechner direkt auf den Recorder schieben kann. Außerdem ist die höchste Aufnahmeeinstellung 16 Bit Wortbreite bei 48 KHz Abtastrate. Die LS-Serie hat keine Multimedia-Features, nimmt aber bis 24 Bit Wortbreite bei 96 KHz Abtastfrequenz auf, sie verfügen zumeist über Line-Eingänge und im Falle des LS-100 sogar über XLR/Klinke-Buchsen, 48V Phantomspeisung und Mehrspur-Funktion.

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Erblickt man den überaus wuchtigen und schweren Karton des Olympus LS-100, erwartet man großes. Das findet sich aber nur im recht umfangreichen Handbuch vor, das Gerät selbst ist recht leicht und zwar größer als der LS-11, aber immer noch relativ kompakt gehalten. Die Ober- und Unterseite sind aus schwarzem Aluminium, seitlich besteht das Gehäuse allerdings aus Kunststoff. Alles fühlt sich wertig an, nichts klappert oder hinterlässt einen fragilen Eindruck. Als Zubehör liegen ein USB-Anschlusskabel und Steckerladegerät bei, sowie eine Handschlaufe und robuste Schutztasche, die man schon als Hardcase bezeichnen kann. In ihr findet nur der Recorder Platz, selbst der optionale Windschutz WJ-5 passt nicht hinein. Es gibt weder Software, noch eine Speicherkarte, denn er hat bereits 8 GB internen Speicher. Die Energieversorgung erfolgt über einen Spezial-Akku Li-50B, den Olympus auch in einigen Digitalkameras einsetzt. Dieser ist allerdings nicht ganz günstig im Nachkauf und aufgrund der Phantomspeisung jedoch sinnvoll, um eine lange stabile Stromversorgung zu gewährleisten. Der LS-11 läuft hingegen mit zwei AA-Batterien um die 10 Stunden und länger. Der Olympus LS-100 läuft bei Aufnahmen mit den internen Mikrofonen auch sehr lang, bei Nutzung der Phantomspeisung ist nach wenigen Stunden Schluss. Während Tascam für diesen Fall sinnvollerweise Geräte mit zwei Akkus anbietet (intern und extern), ist beim LS-100 kein Akkuwechsel ohne Unterbrechen der Aufnahme möglich. Wer eine Blei-Gel-Powerstation aus dem Kfz-Bereich sein Eigen nennt, sollte dieses Problem nicht haben, diese kosten auch fast ähnlich viel, als ein Ersatz-Akku. Alternativ bleibt natürlich die Energieversorgung über USB bzw. das Netzteil.

An der Vorderseite finden sich die externen Mikrofone in Y-Ausrichtung. Sie sind nicht verstellbar und haben einen fixen Winkel von 90 Grad, ein Metallbügel dazwischen schützt die Kapseln und verhindert auch den Übersprecheffekt der Kanäle, ein Problem der älteren LS-Geräte. Der optionale Windschutz für LS-10 und LS-11 hatte daher sogar einen Schaumstoffkeil eingebaut, der zwischen den Mikrofonen diesem Effekt entgegenwirkt, das ist beim LS-100 nicht mehr nötig. Links finden sich Kopfhörer- und Mikrofon-Anschluss im Mini-Klinke-Format, leider aus Kunststoff. Letzterer kann im Menü auch zum Line-Eingang umgeschaltet werden. Der LS-11 bot hier zwei getrennte Anschlüsse, was ich als prinzipiell bessere Lösung empfinde. Des Weiteren sind hier auch der Ein-/Aus-Schalter mit Hold-Funktion, sowie zwei Schiebeschalter für die Phantomspeisung, die für jeden der beiden XLR-Eingänge getrennt geschaltet werden kann. Das spart nicht nur Strom, sondern verhindert auch Störgeräusche beim Anschluss verschiedener Mikrofone. Des Weiteren finden sich hier die Mini-USB 2.0-Buchse zum Laden bzw. Nutzung als externer Massenspeicher und Soundkarte, sowie ein 2,5mm-Anschluss für den optionalen Infrarot-Auslöser bzw. zur Fernbedienung. Hinten finden sich die XLR/Klinke-Kombianschlüsse, ebenfalls aus Kunststoff, mittig davon die Halterung für die Handschlaufe. Auf der rechten Seite ist die Klappe für den Akku und die SD-Karte, die im SDXC-Format auch bis 128 GB und größer sein kann. Hier ist auch der Aussteuerungsregler platziert und zwar in Form eines Doppel-Drehreglers. Diesen kann man zusammen oder getrennt bewegen. Zusammen gedreht geht dies auch leichtgängig, innen oder außen gedreht ist das schon schwerer und man muss den anderen Teil des Knopfes festhalten. Das ist auch deshalb etwas fummelig, weil sich seitlich davon Gehäuseüberstände befinden, die ein unbeabsichtigtes Verstellen vermeiden helfen. An der Unterseite gibt es ein robustes Stativgewinde.

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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    YC45D  

    Hallo Stephan,

    sehr interessanter und ausführlicher Bericht,vielen Dank.Deine Aussage über den internen Speicher möchte ich aber anzweifeln:
    „Es gibt weder Software, noch eine Speicherkarte, denn er hat bereits 8 GB internen Speicher.“
    Im Netz liest man von nur knappe 4 GB Speicher!
    Zudem möchte ich anmerken,das ich anfangs bei meinem LS-100 Fehler bei der Wiedergabe-Geschwindigkeit hatte,sie war zu langsam.Ein Reset brachte aber Abhilfe.Diese Fehlerbeschreibung habe ich vorher auch bei Amazon-Kunden-Erfahrungsberichten gelesen.

    viele Grüße

    • Profilbild
      Stephan Merk  RED

      Du hast natürlich Recht, ich habe das mit den DM-Geräten verwechselt. Auch der Bug mit der Wiedergabegeschwindigkeit ist bekannt und auch dass er in der ersten Firmware eine Latenz beim Monitoring hatte, die ich nicht toleriert habe. Aber Olympus hat das mit der Firmware alles gut geregelt. So gut, dass ich die Anfangskrankheiten schon wieder vergessen habe. ;-)

      • Profilbild
        YC45D  

        ok,aber ich habe meinen Olympus LS-100 erst seit ca. 2 Wochen,da war schon das letzte OS 1.3 installiert……,

        • Profilbild
          Stephan Merk  RED

          Verstehe ich Dich richtig, Du sprichst von der Wiedergabegeschwindigkeit im Allgemeinen? – Jetzt wo ich das lese, hatte ich tatsächlich auch mal das Gefühl, dass eine Aufnahme minimal langsamer ablief, als in Echtzeit. Aber ich hatte das auf eine Täuschung bei mir zurückgeführt, das war aber vor dem UPdate. Inzwischen hatte ich ihn auch mal zurückgesetzt und irgendwann versucht, das Problem nochmal nachzuvollziehen, aber hatte es dann nicht mehr bemerkt. Da ich mit dem Gerät über Jahre viele Aufzeichnungen machte und diese am PC immer anständig waren und auch die angezeigte Zeit mit der Veranstaltungslänge übereinstimmte, vermute ich das Problem eher am Gerät und der lokalen Wiedergabe. Aber wie gesagt, es fiel mir einmal auf, zumindest bilde ich mir das ein.

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