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4. April 2014

Roland JP-8000 – Blau, blau, blau blüht der Enzian

Könnte man meinen, wenn man den Roland JP-8000 betrachtet. Dieses leicht glitzernde Marineblau ist doch immer wieder eine Augenweide. Eingeschaltet und nach einem kurzen „plop“ lädt er schnell, sicher und zuverlässig – wie immer – hoch. Die Lichter beginnen allmählich zu funkeln und ich denke mir: Ist denn schon wieder Weihnachten? Langsam ergibt sich ein Duft in der Luft – eine Mischung aus süßlich riechendem Plastik und warmen Platinen.

 

Der JP-8000 wurde 1997 von der Firma Roland auf den Markt gebracht. Ich besitze den Synthesizer seit 2008, und seitdem zieht er mich in seinen Bann. Der Name ergibt sich aus dem legendären Roland Jupiter-8. Im Unterschied dazu funktioniert die Klangerzeugung im JP jedoch virtuell-analog (Analog-Modeling) auf Basis von DSPs. Ebenso sollte der Name damals die Kaufhemmschwelle herabsetzen. Ein geschickter Marketingschachzug.

Der Roland JP-8000 (und sein 19″ Bruder JP-8080) werden zu Recht als Trance-Synthesizer gesehen. Die Super Saw Schwingungsform hat das Genre entscheidend geprägt bzw. sogar regelrecht erfunden. Er ist auf unzähligen Trance- und Dance-Aufnahmen seit Ende der 90er Jahre zu hören, eingesetzt sowohl im Studio als auch auf den Bühnen dieser Welt. Aber dieser Synthesizer kann weit mehr als nur standard Trance-Sounds. Hervorzuheben sind seine durchsetzungsfähigen Lead-Sounds, Pads, Streicherflächen, Bässe und der vielseitige Arpeggiator. Dadurch besitzt der Roland JP-8000 einen warmen und dennoch klaren Klang. Dank dem Ringmodulator lassen sich auch glockenähnliche Sounds formen.

Nun zu den Oszillatoren: Das Hauptaugenmerk liegt meiner Ansicht nach auf dem Oszillator 1, der mit 7 Schwingungsformen super ausgestattet ist. Innerhalb dieser sieben Formen gibt es den bereits erwähnten Super Saw. Dieser besteht aus sieben gleichzeitig erklingenden und gegeneinander leicht verstimmten Sägezahn Schwingungen, die dabei aber nur einen einzigen Oszillator belegen. Dieser Super Saw ist unter anderem verantwortlich für den warmen, breiten und voluminösen Klang des JP-8000 und meiner Meinung klanglich der absolute Wahnsinn! Der OSC 2 ist mit drei Schwingungsformen verhältnismäßig leicht betucht. Allerdings lassen sich beide Oszillatoren durch einen Balance-Regler mischen.

Klangbeispiele
Forum
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    thoemtronix

    Danke für deinen Bericht. Ich liebäugle schon sehr lange mir einen zu holen, ich kenn auch den JP8080 der kann zwar noch etwas mehr,allerdings optisch gehört der JP 8000 zu den schönsten Synths.
    grüsse Thoemtronix

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      Filterpad  AHU

      Danke für das Kompliment. Den JP-8000 gibt es immer wieder gebraucht für etwa 450 € im Schnitt. Bei geboten deutlich über 650 € vorsichtig sein. Vorauf man beim Kauf achten muss kann man sehr gut meinem Erfahrungsbericht entnehmen. Das ist vollkommen richtig das der JP-8080 gleich klingt, aber etwas mehr kann (z.B. Vocoder). Die wesentlichen Unterschiede kann man in dem JP-8000 / JP-8080 AMAZONA Testbericht (oben) nachlesen. Da ich nur den Tasten-JP besitze bezog sich mein Bericht hauptsächlich auf ihn.

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        Tachum

        Ich habe in den letzten Wochen in der Bucht die meisten Auktionen für den JP-8000 mitbeobachtet und da waren kürzlich einige dabei die für ca 250 Euronen weggingen. Davor gingen die Teile eher für ca 500 Euro über den Tisch. Ich frage mich woran das liegt daß da so ein spontaner Preisabfall zustande kam.

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          Filterpad  AHU

          Das ist eine sehr gute Frage. Ich bin mal gespannt wie sich der Preis des JP-80xx langfristig auf dem Markt entwickeln wird. Ich denke das viele der Meinung sind, da der JP von der Grundbasis aus digital ist, kann man den Sound mit Plug-Ins bis ins Detail kopieren. Es gibt sogar ein spezielles JP-8000 Plug-In das nur eine geringe Anzahl an Funktionen beinhaltet, aber optisch 1:1 dem JP nachempfunden worden ist. (der sog. „Adam Szabo JP6K“ – einfach mal googeln). Aber meiner Meinung nach ist klanglich schon noch ein erheblicher Unterschied zwischen den Plug-Ins und dem Original vorhanden. Wir brauchen uns allerdings nichts vormachen, dass der Super Saw Trance-Sound bzw. besser gesagt die Technik der verstimmten Sägezahnschwingungen so kommerziell geworden ist, dass man ihn in einigen Synthesizern (Access Virus TI – als sog. „Hypersaw“) und unzähligen VST’s/Plug-Ins wiederfindet.

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    AMAZONA Archiv

    Hallo Filterpad,
    schöner und ausführlicher Artikel. Kann mich dem nur anschliessen. Ich halte den JP-8000 auch für einen äusserst gut aussehenden/klingenden Synthesizer. Nur die Drehregler nerven mich ein wenig :( Den JP-8080 hatte ich auch mal. Neben dem Vocoder u. zwei Stimmen mehr fand ich die Speichermöglichkeit auf SM-Cards nicht schlecht. Aber dagegen finde ich die Tastaturversion speziell durch seine gelungene Optik doch etwas inspirierender. Er macht einfach Spass !

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      Filterpad  AHU

      Inwiefern findest du die Drehregler nervig? Sie sind stabil mit dem Gehäuse verwachsen und verrichten ihren Dienst sauber und zuverlässig.

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        AMAZONA Archiv

        Sicher sie verrichten ihren Dienst aber sie sind wackelig. Vielleicht ist es bei meinem stärker ausgeprägt als bei Deinem. Wenn ich die Regler mit z.Bsp. denen meines Virus A vergleiche ist da schon ein Unterschied. Da wackelt nichts. Nichtsdestotrotz ist der JP ein sehr empfehlenswerter Synth.

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          Filterpad  AHU

          Interessant. Ich meine mal gehört zu haben das man den Metallring im Innern des Synthesizers nachjustieren bzw. austauschen kann. Das jetzt aber nur unter Vorbehalt zu verstehen. Ich habe auch ein paar Regler die leicht „eiern“, deshalb war mir wichtig das Thema in dem Erfahrungsbericht anzuschneiden. Passieren kann aber nichts. Die Regler fallen weder raus noch wird die Funktion beeinflusst, da der Metallring angeblich zur Stabilität/Führung und nicht der Funktion dient. Aber ein dummes Gefühl ist es schon wenn Regler „eiern“, da gebe ich dir absolut Recht.

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    Filterpad  AHU

    Kleine Anmerkung noch am Rande: Bei dem Soundbeispiel „Analog-Bass“ wurde ein leichtes LFO (Filter und Tonhöhe) beigemischt, um ihn mit Absicht etwas unsauber wirken zu lassen. Deshalb hört man Im Bass-Sound ein leichtes „Wah-Wah“ im Hintergrund.

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    Filterpad  AHU

    Ich verwende des JP übrigens sehr gerne im Split-Modus. Annähernd ganze Songs lassen sich somit kreieren. Auf der rechten Seite z.B. einen tieferen Sound als Arpeggio laufen lassen, links dazu eine sanfte Fläche oder auch einen knackigen Lead-Sound. Zusammengespielt ist das Ergebnis Hörgenuss pur!

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    canin

    na klar blüht der Enzian, denn er sieht sehr gut aus. Rolandtypisch klingt er fast schon analog. Das ist aber schon alles. Im Vergleich zum Yamaha AN1X, (dessen Aussehen…. naja) zieht er aber schon den kürzeren. Das ganze Spektrum..
    Moog, CS80, Virus u.s.w. keine Hürde. Dazu die eindeutig bessere Tastatur. Div. Hörbeisp. wie immer auf YT.

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    Starkstrom  

    Schöner kurzweiliger Bericht!
    …noch ein Tip: sollte er „knacksen“, einfach die Attack und Release-Regler nicht ganz auf 0 stellen ;)
    Die Hüllkurven im JP8000 sind arg schnell – ein ganz klein bisschen Attack und Release und es knackst nichts mehr….

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