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28. Oktober 2019

Test: Asrock Deskmini 310 Mini PC als DAW – Think big?

Nachdem meine bisherige DAW, ein 2012er HP Elitebook 8470p, trotz Aufrüstung mit i7 3630QM CPU, 16 GB Ram und zwei 2,5″ SSDs den heutigen Leistungsanforderungen zunehmend nicht mehr genügt, musste etwas Neues her.

Das Budget ist relativ knapp, es sollten 750.-€ möglichst nicht überschritten werden.

Ein Desktop PC kommt aus Platzgründen nicht in Frage.

Ein Mac Mini klingt erst einmal interessant, aber die Preise für eine sinnvolle Ausstattung, das Dilemma mit dem T2-Chip bei Verwendung von USB-Audiointerfaces und die mit Catalina eingeführten Änderungen des Betriebssystems verbannen Apple endgültig aus meinem gedanklichen Pool der Möglichkeiten.

Also ein neuer Laptop, vielleicht irgendein Refurbished-Modell?

Da stosse ich doch plötzlich bei meinen Online-Recherchen auf eine bisher nur selten am Rande erwähnte Variante. Ein Tiny-PC!

Nachdem sich ziemlich schnell die Selbstbau-Option gegenüber z.B. einem Intel NUC herauskristallisiert, plane ich das Ganze mal spasseshalber durch.

Asrock Deskmini 310 Mini PC für Musikproduktion

Meine Wahl fiel auf das DeskMini 310 Barebone von Asrock.

Dieses unterstützt Intel Prozessoren der 8./9. Generation mit bis zu 65W Leistungsaufnahme, bis zu 64 GB DDR4-RAM, 2x 2,5″ SATA 3 HDD/SSD Slots plus einen Ultra M.2 PCIe Gen3 x4 Slot. Drei Video-Ausgänge (HDMI, Display Port und D-Sub) die gleichzeitig verwendet werden können, wobei über Display Port eine 4k-Auflösung bei 60Hz möglich ist. Dazu kommen 1x USB 3.0 und 1x USB 3.1 Gen.1 Typ C an der Front, sowie je 1x USB 2.o und USB 3.o auf der Rückseite. Optional sind noch zwei USB 2.0 Ports an der Gehäuse-Oberseite über eine Erweiterung möglich (ideal für MIDI Equipment oder Dongles)

 

Die Bestückung meines Asrock Deskmini 310 Mini PC

Meine Einkaufsliste sah dann folgendermassen aus:

  1. Asrock Deskmini 310 Barebone mit WiFi-Kit ca. 200.-€
  2. Intel Core i5 9400 (Sechs Kerne!) 2,9GHz bzw. 4,1 GHz im Turbo-Mode mit Noctua NH-L9i Low Profile Kühler ca. 250.-€
  3. HyperX 2x 8GB Dual Channel Kit
  4. Und als Geheimtipp noch eine

Macht zusammen 650.-€, also voll im Budget.

Die beiden SSDs aus meinem Laptop bekommt man sogar auch noch im Deskmini-Gehäuse unter.

Tastatur, Maus und Monitor habe ich noch, also was hält mich ab? Nach ein paar Stunden erfolglosen Versuchens etwas zu finden, was dieses System als DAW-Lösung zunichte macht, bestellte ich schließlich den ganzen Kram.

Ein paar Tage später sind dann endlich alle Komponenten da. Oh Mann, das Ding ist wirklich winzig. Es hat in etwa die Größe eines Netzteils für einen Tower-PC. Der Zusammenbau war in einer knappen Stunde erledigt. Etwas Erfahrung oder zumindest Fingerspitzen-Gefühl in solchen Dingen, sowie ein ESD-gerechter Arbeitsplatz sind eindeutig von Vorteil.

Als erstes die CPU montieren. Um den Noctua-Lüfter zu installieren, muss man das Mainboard vom Gehäuse abschrauben und von unten die Befestigungs-Schrauben durch die Platine hindurchführen und mit den Lüfterfüssen verschrauben, vorher nicht vergessen, die Wärmeleitpaste aufzutragen. Dann die zwei RAM-Riegel in die Fassungen drücken und verriegeln. Die beiden alten 2,5″ SSDs passen nebeneinander auf die Unterseite des Mainboard-Einschubs. Passende SATA-Adapterkabel, sowie alle Schrauben sind übrigens beim Deskmini 310 dabei. Dann noch das WIFI-Kit montiert, sowie die NVME SSD in die M.2 Ports installiert und mit den Schrauben gesichert. Monitor, Tastatur und Maus angeschlossen und das war´s.

Der Mini-Rechner bootete tatsächlich anstandlos und ich aktualisierte die Treiber für das Mainboard und dessen Komponenten. Dann wurde die alte Boot-SSD auf die NVME geklont (Tipp: Macrium Reflect, kostenloses Tool) und die Boot-Reihenfolge im BIOS umgestellt. Wieder bootet das System anstandslos. Allerdings hatte ich mir einen deutlicheren Unterschied zur normalen SSD erhofft.

Danach folgte eine längere Aktivierungs-Orgie, in deren Verlauf mein Windows 10 Pro, sowie ein Grossteil meiner Studio-Software (Ableton Live 10 Lite, Studio One 4, Bitwig) und Plug-Ins (Spectrasonics, Korg, Arturia, Native Instruments uvm.) neu aktiviert werden mussten. Im Grossen und Ganzen war dies aber auch erstaunlich schnell und problemlos erledigt und ich fing an, alles ausgiebiger zu testen. Anfangs kam es nach ein paar Minuten zum plötzlichen Abschalten des Monitors, aber es stellte sich heraus, dass das BIOS des Mainboards noch die erste Version hatte. Es reicht ein kleiner FAT32-formatierter USB-Stick auf den man das aktuelle BIOS kopiert und schon kann es direkt geflasht werden. Die Informationen auf der Webseite von Asrock zu dem Deskmini 310 sind vorbildlich gestaltet und alles ist leicht auffindbar, sogar Kompatibilitätslisten für Speicher, SSDs usw. sind vorhanden.
Nach dem Flashen des aktuellen BIOS 4.20 und Laden der Standardwerte trat das Problem mit dem Abschalten des Monitors nicht mehr auf.

Nachdem dann alles soweit stabil lief und der Rechner auch über Nacht fehlerfrei durchhielt, mussten härtere Geschütze aufgefahren werden. Ich hatte bei meiner bisherigen DAW auf dem Laptop massive Probleme mit einigen Patches von U-He DIVA, Zebra HZ und einigen Omnisphere-Multis. Manchmal reichte schon ein gespielter Akkord oder teilweise sogar eine einzige gehaltene Note, um die alte CPU bei 512 ASIO-Puffergrösse in die Knie zu zwingen. Also bastelte ich mir schnell ein Projekt in Ableton Live 10 lite (weil Live mehr CPU braucht) in dem genau diese Instrumente und Patches gleichzeitig in einem 16 Takte-Loop verwendet wurden und das auch noch bei reduzierter 256 ASIO-Puffergrösse. Mir fiel die Kinnlade auf den Tisch, mehr als 35% Systemlast liessen sich einfach nicht provozieren.

Ich bin restlos begeistert.

Oft kommt es zu Problemen mit MIDI-Geräten und Funk-Dongles, die an USB 3.0-Ports betrieben werden. Ich musste auch etwas herumprobieren, bis ich die richtige Kombination aus welches Gerät wo angeschlossen wird, gefunden hatte.       Z. Zt. sind das Antelope Zen Tour Audio-Interface, ein Arturia KeyLab 61 MK II, eine NI Maschine Jam und der Arturia Spark CDM Drumcontroller, sowie eine USB-Tastatur und ein Wireless Logitech Trackball mit Unified-Empfänger über USB angeschlossen. Als Monitor dient ein HP 27Q mit 2560×1440 Auflösung über Display Port. Betriebssystem ist Windows 10 Pro 1903, natürlich für Audio optimiert gemäß der üblichen Quellen.

Sinnvolle Erweiterungen für knapp 50,-€ mehr, wären das USB 2.0 Erweiterungskabel von Asrock, welches zwei USB 2.0 Ports auf der Oberseite des Gehäuses hinzufügt und ein USB 3.1 Hub mit USB C Stecker.

Fazit
Für 650,- € habe ich mein altes Studio-Notebook durch einen neuen leistungsstarken Mini-PC ersetzt, welcher eine aktuelle Desktop CPU nutzen kann, extrem leise ist und über ausreichend USB-Anschlüsse verfügt bzw. gut erweitert werden kann.

Plus

  • Klein
  • Leise
  • Leistung
  • Qualität
  • Erweiterbarkeit

Minus

  • kein Thunderbolt
  • veraltetes BIOS bei Auslieferung
Forum
  1. Profilbild
    Karsten Döring

    Vielen Dank für den Artikel. Da ich in einer bisher reinen Mac Umgebung Musik mache, war für mich ein Windows Rechner keine Option. Jedoch arbeite ich an meinem iMac über VSL Ensemble Pro mit 2 Mac Mini, welche aber auch die von dir beschriebenen Performance-Engpässe hier und da aufweisen. Da könnte auf Grund der Betriebssystem-Unabhängigkeit von VSL eine nette Abhilfe mit diesen Mini PCs geschaffen werden. Vor allem würde eine 1TB SSD M2 hier pro Rechner völlig ausreichen. Muss mir das ganze mal noch genauer anschauen.

    Sehr cool !!!

  2. Profilbild
    Healfix 1

    Klingt interessant. Ich würde mich freuen, wenn Du in ein paar Wochen mal ein Update schreibst, wie sich die Kiste bewährt hat.
    Und: wie leise ist „leise“ und wie schaut es mit der Wärementwicklung aus?

    • Profilbild
      Felyon   1

      Das mache ich bestimmt.

      Mit „Leise“ meinte ich unhörbar bei moderater Wärmeentwicklung, zumindest mit dem Noctua-Lüfter.
      Es gibt im BIOS für die Lüftersteuerung u. a. die Einstellungen „Lautlos“ und „Standard“.
      Ich verwende „Lautlos“, da „Standard“ doch schon ziemlich laut ist.

      In einem Live-Testprojekt habe ich 5 Loops von anspruchsvollen DIVA, Zebra HZ, Bazille, Repro-5-Patches, sowie ein Omnisphere Multi gleichzeitig zwei Stunden lang in Ableton Live 10 Lite ohne Probleme laufen lassen.
      Alle VSTi auf höchster Qualitäts-Stufe (HQ) und Multi-Core aktiviert, wo möglich.
      Das System blieb unhörbar, die Abluft war deutlich warm, aber nicht alarmierend.

  3. Profilbild
    bluebell  

    Der Deskop ist wegen der besseren Kühlung und der dann möglichen Prozessorvarianten immer die leistungsstärkere Alternative, klar.

    Beim Notebook ist das Problem oft die Kühlung. Während mein altes Core-i5-Notebook nie Probleme mit Dauerlast hat, ging mein neueres Notebook mit Core-i7 in die Drosselung, als es im Sommer in meinem Heimstudio 27°C waren. Das äußerte sich in Knacksern (und entsprechenden Einträgen im Syslog). Klar, die Mehrleistung muss weggekühlt werden, und da hat die Kühlung eines Core-i7 mehr zu tun als die eines Core-i5.

    Damit das Notebook mit Core-i7 später in die Drosselung geht, habe ich mir einen Notebookständer mit Lüftern gekauft, das ist eine Art gelochtes Tischpult mit drei großen Lüftern darunter. Das schalte ich aber nur an, wenn es nötig ist, denn die drei Lüfter sind deutlich hörbar.

    Wie man auf Windows oder Mac feststellt, dass das Notebook wegen nicht ausreichender Kühlung in die Drosselung geht, weiß ich nicht. Es lohnt sich aber, sich damit zu beschäftigen.

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    Marco Korda  

    Schönes Ensemble. Lediglich mit Anschluß von Peripherie hätte ich selbst ein Problem. Aber du hast ja schon selbst erwähnt, dass eine USB-Erweiterung in Betracht zu ziehen ist. Da kommt ja immer ganz schön was zusammen. Mittlerweile ist ja auch MIDI via USB ein nicht selten gesehener Gast. Bei meinem Desktop sind alle 8 USB-Slots besetzt, zusätzlich hängt da noch ein Hub dran, der die Dongles verwaltet. Ächz….

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    anttimaatteri   1

    hm bin zwar hart an einem amd system dran, aber das hier scheint auch gut. für meine verhältnisse dürfte es reichen. aber das sagt man immer vorher haha. das problem ist im grunde die intel preispolitik, die mich abschreckt. fast wie bei gibson ;D

    • Profilbild
      Felyon   1

      Es gibt die ganze Geschichte auch für AMD Ryzen AM4, auch den Noctua-Lüfter gibt es dafür.
      https://www.asrock.com/nettop/AMD/DeskMini%20A300%20Series/index.de.asp
      https://noctua.at/de/products/cpu-cooler-retail/nh-l9a-am4

      Aber der Ryzen hat leider eine Designschwäche, die ausgerechnet in DAWs deutlich wird.
      Bei niedrigen Latenzen ist der Pufferspeicher nicht schnell genug, um den Audiostream stabil zu bedienen.
      Es kann dann zu Audio-Aussetzern kommen.
      Wenn man hauptsächlich mit VSTi bei moderaten Latenzen arbeitet und keine Audio-Aufnahmen von z. B. Drums oder E-Gitarre machen möchte, dann könnte der Ryzen eine gute Alternative sein.

      • Profilbild
        Hectorpascal  AHU

        Das entspricht nicht meiner Erfahrung im Realbetrieb. Der Ryzen 3000 hat eine immense DSP-Leistung und alle bisher von mir gebauten Ryzen 3600-Systeme waren vollkommen unproblematisch und grundsätzlich nicht optimierungsbedürftig. Der Pufferspeicher, du meinst den Sample-Buffer, kannst du bei einem Fireface 800 mit Firewire-Karte bis 48 Samples (mehr bietet RME nicht an) herabsetzen und das Performance-Meter ist unter Cubase wie genagelt auf 30-35%. Ohne Peaks und Aussetzer bei 28 Kanälen Outboard rein und raus. Viele Intel-Systeme hatten hingegen genau die Probleme die du oben beschreibst und mußten teils aufwendig optimiert werden. Meine Budget-Empfehlung: Gigabyte B450M S2H. Wenns besser sein soll die Asus B450 TUF-Serie. Das habe ich als ATX Pro Gaming-Variante selber im Rechner. Mit etwas Optimierung, sofern man denn unbedingt will, geht sogar noch mehr. Ein Sharkoon S1000 Micro-ATX Gehäuse ist optimal, dazu ein Gigabyte B450M S2H und ein LC-Power 350W Netzteil kosten zusammen 125€. Mehr geht für Geld derzeit nicht und ist ungleich potenter als das etwas teurere Asrock Mini für 135€. Beibt dem Asrock nur das kleinere Format.

  6. Profilbild
    gaffer  AHU

    Schöner Ansatz, habe über kleine PCs auch schon sinniert, trotz Mac User. Ein Punkt, der mich immer wieder verwundert: warum werden in PC Umgebungen grundsätzlich diese Funklösungen eingesetzt, die schon mal prinzipiell einen USB Port für den Empfänger belegen, wo doch fast überall BlueTooth Empfänger eingebaut sind. Also an Störungsanfälligkeit kann‘s nicht liegen, wird ja seit den Nullerjahren problemlos bei Macs eingesetzt. Als ich kürzlich für meinen PC eine BT Maus im Saturn suchte, war bei 15m Auswahl keine einzige drunter.

    • Profilbild
      Felyon   1

      Die integrierten Bluetooth-Geräte sorgen in Audio-PCs bzw. Laptops ganz gerne mal für ASIO-Aussetzer.
      Und nicht wenige PC-Mainboards haben sogar kein Bluetooth onboard, daher ist dann ein Funk- oder Bluetooth-Dongle nötig.

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