Abschied vom Polivoks-Entwickler Vladimir Kuzmin
Der russische Ingenieur und Synthesizer-Entwickler Vladimir Kuzmin ist am 12. Juni verstorben. Sein Name bleibt vor allem mit einem Instrument verbunden, dessen Name bis heute bekannt ist: Dem Polivoks. Der sowjetische Analog-Synthesizer wurde Anfang der 1980er Jahre entwickelt und gilt heute als eine Art Legende dieser Ära.
Vladimir Kuzmin war kein Entwickler, der durch große Auftritte oder internationale Kampagnen bekannt wurde, sondern sein Ruf entstand vor allem durch das Instrument, das anders klang als vieles, was zur gleichen Zeit aus Japan, den USA oder aus Europa kam. Der Klang des Polivoks war sehr roh und direkt und genau das machte ihn später für Musiker, Produzenten und Sammler so interessant.
Klang des Polivoks
Der Polivoks wurde in der Sowjetunion entwickelt und produziert. Schon das Äußere unterschied ihn deutlich von vielen westlichen Synthesizern, denn de kyrillische Beschriftung, das eher kantige Gehäuse und die robuste Gestaltung gaben ihm ein Aussehen, das sich von anderen Synthesizern unterschied. An diesem Erscheinungsbild hatte übrigens auch Olimpiada Kuzmina, die Frau des Entwicklers, einen großen Anteil.
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Noch wichtiger war allerdings der bereits erwähnte Klang. Besonders der Filter des Polivoks wurde später legendär, denn er klingt nicht weich oder elegant, sondern sehr aggressiv und rau. Was damals vielleicht als eine technische Eigenart galt, wurde später zum besonderen Merkmal des Instruments. Gerade deshalb fand er schnell seinen Platz in der elektronischen Musik, Industrial, Techno und in experimentellen Produktionen.
Erbe von Vladimir Kuzmin
Nach dem Ende der Sowjetunion wurde der Polivoks auch zunehmend im Westen bekannt. Aus einem regional produzierten Instrument wurde so schnell ein gefragter Vintage-Synthesizer. Musiker und Hersteller interessierten sich dabei nicht nur für das Original, sondern auch für einzelne Schaltungsideen und vor allem für den besonderen Filter. In den letzten Jahren entstanden außerdem mehrere Geräte und Module, die vom Polivoks inspiriert wurden.
Vladimir Kuzmin hinterlässt kein großes Produktportfolio, wie es manche andere Synthesizer-Entwickler besitzen, sondern sein Name steht vor allem für ein einzelnes Instrument. Doch dieses eine Instrument hat gereicht, um deutliche Spuren zu hinterlassen.






































Als ich hier auf Amazona (oder YT) vor nicht allzu langer Zeit das erste mal ein Klangbeispiel des Polivoks hörte, dachte ich mir: „Den fettesten Synthsound den ich je gehört habe!“ Bis heute halte ich an dieser Meinung fest. Ich würde sogar fast sagen – Ein russischer Minimoog! Das Muster an den Seiten erinnert mich immer an Panzerketten. – Keine Ahnung warum! Daher glaube ich sofort, dass dieser Synthesizer für die Ewigkeit gebaut wurde. Heute sind die Polivoks rar und nicht selten in keinem guten Zustand. Da Behringer sich mit Vladimir zusammengetan hat, um einen authentischen Klon des Polivoks nachzubauen, stellt sich jetzt die Frage, ob diesen Vorhaben durch den Tod Vladimiers endgültig auf Eis gelegt wurde, oder jetzt erst recht fahrt aufnimmt! Wer nicht warten möchte, für den gibt’s es die Softwarevariante Cherry Audio Atomika, dessen Vorbild der Polivoks ist. Auch Euorackmodule gibt es mit dessen Filter. Ich habe leider gar nichts in dieser Richtung, aber wäre überhaupt nicht abgeneigt. 72 Jahre ist für heutige Lebenserwartungen noch relativ jung, aber möge er in Frieden ruhen und sich zu seinen Gleichgesynthen Bob und Dave hinzugesellen. Nur mit der Verständigung untereinander könnte es etwas schwierig werden.
@Filterpad Vladimir Kuzmin hat da wirklich ein Instrument erschaffen, das vom Klang her seinesgleichen sucht.
Dass es für die Ewigkeit gebaut wurde, kann ich so nicht bestätigen. Die Schalter sind schwergängig und machen bei jeder Drehung ein deutliches „Klack!“. Nach ein paar Jahren Benutzung schließt dann ein Kontakt auch mal nicht mehr richtig, sodass man leicht nachdrücken muss.
Die Potis sind ja auch Verschleißteile und irgendwann haben die einen toten Punkt, an dem der Widerstand abgeschliffen ist. Und wie lange die Kondensatoren halten, ist auch so eine Frage.
Das Gehäuse sieht robust aus, aber es besteht aus Kunststoff und würde bei dem Eigengewicht nicht mal einen leichten Sturz aushalten, ohne dass etwas brechen könnte. Die Tastatur ist sehr einfach und hart und dann ist da noch die Sache mit der Betriebsttemperatur, die sich deutlich auf den Klang und die Stimmung auswirkt.
Das Stimmen ist übrigens eine kleine Wissenschaft für sich (Videos dazu bei YT). Man geht dazu alle Register durch, für die sich die Potis unter einer Abdeckung oben befinden. Und das kann man eigentlich jedes Mal machen, wenn man ihn wirklich spielen will. Zum „schrägen Kram absamplen“ kann man das aber auch lassen.
@svebur Ok interessant und danke der Aufklärung. Ich sprach tatsächlich nur von der Theorie bzw. meine persönliche Ansicht. Aber was Amazona ausmacht, ist die Praxiserfahrung von uns Usern was du bestätigt hast, mit deinem praxisnahen Eintrag. Top! Also lieber doch ein Minimoog. xD
@Filterpad Und ich teile deine Begeisterung für den Klang durchaus. Man kann im Hold Mode viel Zeit verbringen und sich vorstellen, man würde etwas für einen John Carpenter Film beisteuern.
So richtig entfaltet er den Klang, wenn man ihn über die Tastatur spielt. In einer Synth-Pop oder Progressive Rock Band oder bei den frühen B-52s wärst du sicherlich gern gesehen.
Das Teil hier ist vom Vorbesitzer midifiziert worden. Wenn du technomäßige Sequenzen damit rüberschickst, klingt er nochmal komplett anders.
Du schreibst ja: „Heute sind die Polivoks rar und nicht selten in keinem guten Zustand.“ Das stimmt wohl. Optisch ist das Teil hier noch wirklich sehr gut erhalten. Aber wie oben gesagt: einige Schalter sind nicht mehr 100%ig, einige Potis haben einen toten Punkt, der Modulator weicht gerne mal ab – sprich die LFO wird mal von selbst leicht schneller und dann wieder langsamer. Das liegt möglicherweise auch an den alternden Bauteilen.
Bei der Wartung hat man nun die Wahl: a) Originalteile oder b) Fremdteile mit gleicher oder ähnlicher Spezifikation verwenden.
a) schwer zu beschaffen, i.d.R. kannibalisiert, weil sie nicht mehr hergestellt werden.
b) aus deinem Original-Vintage wird im innern nach und nach ein Replikat.
Aber egal wie man sich entscheidet, es kann Auswirkung auf den Klang haben. Im „schlimmsten“ Fall klingt der Polivoks dann „wie neu“ und verliert seine Unberechenbarkeit.
@svebur Sorry, noch ein kleiner Nachtrag, wegen „Also lieber doch ein Minimoog. xD“ ;-)
Also, es gibt ja den Polivoks Pro und Elta hat da ebenfalls was am Start. Den Elta hab ich noch nicht gehört, aber der ist bestimmt genauso wie der „Pro“ eine gute Alternative zum Original.
Letztendlich klingen auch zwei Vintage-Polivoks nie wirklich gleich. Gewisse Klangunterschiede der Reissue/Repika-Versionen zum Original kann man IMHO vernachlässigen. Die Teile sind brauchbar und man hat bestimmt mehr Freude damit als mit der Pflege des Oldies. Und wenn Behringer einen Klon rausbringen sollte… warum nicht? Die Hauptsache ist doch, dass es für einen selbst passt und man daran Spaß hat.
…
Und um da mal wieder zurück zum Thema zu kommen: Dass Kuzmin zum Ende des ersten kalten Krieges mit den begrenzten Mitteln der Planwirtschaft ein Instrument geschaffen hat, an dem die Menschen Jahrzehnte später noch Spaß haben, ist doch an sich schon etwas Schönes.
@svebur slowly please…🙂sehr gute information kommt man tempo
nicht leicht in den anschluß.aber sehr schön.danke!
@Filterpad Mit den Panzerketten hast Du nicht mal Unrecht. Das Design des Synthesizers soll was militärisches darstellen und wurde von seiner Frau entworfen
@MPC-User hey so allein information ist leserstory wert.schön!😀
@Viertelnote Danke aber die Info ist vom Amazon Beitrag zum Polivoks.
https://www.amazona.de/vintage-analog-formanta-polivoks-synthesizer-1982/
Sehr lesenswert.
@Filterpad russian minimoog💪ja hast du schön geschrieben.
etwa so wie sagt man ddr vermona Sy-1 minimoog ostblock.
@Filterpad Der russische Minimoog war der Altair 231
@Cavestudioschweiz Ok interessant und der sieht tatsächlich auch so aus. Klang werde ich mir noch anschauen. Den kannte ich tatsächlich noch nicht, auch wenn ich irgendwann mal bestimmt schon darübergestolpert bin. 1:0 für dich. ⚽️🤟
R.I.P.
R.I.P. Vladimir Kuzmin
Wieder eine Legende von uns gegangen.
Herr Kuzmin arbeitete ja seit ca 2021 mit Behringer an einer Neuinterpretation seiner Maschine…
2023 haben die sogar einen Prototyp zusammen gebaut.
Wie es aber mit dem Synthesizer jetzt weiter geht, dass müssen wir leider abwarten.
Echt schade…