Was ist absolutes Gehör?

11. April 2019

Perfektes Hören - Gibt es das??

Wie sieht ein absolutes Gehör aus

Was genau ist den absolutes Gehör?

Vielleicht kennt der Eine oder Andere die App Shazam. Diese App macht nichts anderes, als Musik zu hören, um dem Nutzer dann zu verraten, wie der Interpret des Tracks heißt mitsamt Liedtitel und wo man das Lied am besten hören kann. Klar gibt es hier auch Songs, die nicht in der Datenbank erfasst sind, aber im Großen und Ganzen ist die Trefferquote schon ziemlich gut. Ist das also absolutes Gehör? Nein, natürlich nicht.

Sieht so absolutes Gehör aus?

Wem das bekannt vorkommt, dem empfehlen wir zum HNO-Arzt zu gehen. ;-)

Aber was genau ist absolutes Gehör? Gibt es tatsächlich Menschen, die perfekt hören können? Bevor wir versuchen die Theorie zu erklären, möchten wir euch erst einmal einem Test unterziehen. Schaut euch dafür folgendes Video an und beantwortet einfach die Frage, welcher Ton gespielt wird. (Und ja, natürlich wird hinterher immer aufgelöst.)

Wie also deutlich wird, geht es beim absoluten Gehör nicht darum, dass man ein besonders großes Frequenzspektrum wahrnehmen kann. Man hat ein absolutes Gehör, wenn man in der Lage ist, einen Ton, der gespielt wird, in eine Tonklasse innerhalb eines Systems zu bestimmen. Und das auch, wenn vorher kein Bezugston zu hören war. Mehr ist gar nicht dahinter. Aber wie kommt man an so ein Gehör, und gibt es die Möglichkeit ein absolutes Gehör auch nachträglich zu erlernen? Und gibt es denn Menschen, die so etwas können?

In der Tat sagt man, dass absolutes Gehör antrainiert werden kann, in einem bestimmten Zeitfenster der Kindheit. Kinder etwa, die schon im Alter von drei Jahren ein Instrument erlernt haben und in einem generell musikalischen Haushalt aufwachsen, haben eine deutlich erhöhte Wahrscheinlichkeit, ein absolutes Gehör zu entwickeln. Das ergaben auch Studien. So waren von über 1000 befragten Berufsmusikern über 90% im Besitz eines absoluten Gehörs, wenn sie in diesem Alter zu musizieren begannen, während nur knapp 40% das absolute Gehör hatten, wenn sie erst im Grundschulalter zu musizieren begannen. Allerdings sind das auch nur Theorien und keine in Stein gemeißelten Tatsachen. Andere Quellen sagen aus, dass das absolute Gehör angeboren ist und durch musikalische Prägung in der Kindheit nur „trainiert“ wird. Berühmte Beispiele von absolutem Gehör wären zum Beispiel Mozart, Beethoven oder Bach.

Wer aber ein absolutes Gehör haben möchte, den müssen wir enttäuschen. Solltet ihr bis jetzt nicht schon darüber verfügen (es sei denn es lesen auch hochbegabte Kleinkinder mit), so gibt es keine Möglichkeit dieses Gehör nachzubilden. Ihr könnt einzig und allein euer relatives Gehör schulen.

Jetzt fragen wir uns, gibt es unter euch vielleicht jemanden, der ein absolutes Gehör hat? Oder hat jemand bei dem Test eben alles richtig beantwortet, obwohl er nicht wusste das er das könnte? Dann schreibt uns gerne in den Kommentaren!

Forum
  1. Profilbild
    swift  

    Hatten die Mitgleider der Stones, Beatles, Pink Floyd etc. grundsätzlich ein absolutes Gehör? Oder kann ich meine Hoffnungen, dass ich noch ein Superstar werde, der ganze Generationen inspiriert, schon vergessen ;)

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    whitebaracuda  

    Das absolute Gehör wird immer als erstrebenswert verkauft.
    Und sicher hat es für Berufsmusiker Vorteile ein solches zu besitzen aber
    es kann einem auch den Spass am Musikhören nehmen wenn man hört
    wieviel schiefes und schräges gespielt wird.

    • Profilbild
      Klaus Rathjens  RED

      Es ist zum Teil ein Fluch für Berufsmusiker, ein absolutes Gehör zu besitzen.
      3 Beispiele:
      Jeder durchschnittliche A Cappella-Chor sackt während eines Stücks um einen halben Ton. Das ist fast wie ein Naturgesetz. Wenn der arme Dirigent ein absolutes Gehör besitzt, kann ihn das – je nach Abhärtungsgrad – schon sehr irritieren.
      Während meines Musikstudiums sang ich im Hochschulchor mit – Pflichtveranstaltung. Neben mir saß manchmal ein Kommilitone, der auch ein absolutes Gehör besaß, Und wenn der Chor den üblichen halben Ton gesackt war, musste er seine Noten im Kopf einen halben Ton nach unten transponieren, sonst hätte er das Notenbild, das er las, im Kontext mit dem Gehörten als falsch empfunden.
      Anderes Beispiel: Opernsänger.
      Die Orchester stimmen immer höher. Über 442 sind viele schon bei 444 Hz angelangt. Die Opernsänger sind nicht nur mit dem Problem konfrontiert, dass ihre Spitzentöne immer höher werden, sondern sie müssen ihr absolutes Gehör – falls sie denn eines haben – nach oben hin ausweiten.
      Generell wird es vor allem dort schwierig, wo die Tonerzeugung keine fixierten Töne ermöglicht oder anbietet. D.h. vor allem bei Streichinstrumenten und beim Gesang. Hier muss der Musiker sein absolutes Gehör gegenüber den tatsächlichen, tonalen Verhältnissen unterordnen und das fällt dem einen leichter und dem anderen schwerer.

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    Coin  AHU

    Bei mir war es früher so,
    dass ich mir im Kopf vorgestellt habe, wie ich eine Taste am Keyboard drücke
    und diese dann im Geiste gehört habe.
    Ohne zu wissen wie die Note heisst. (Tonleiter kann gerade noch aufsagen)
    Ja, so war das, nun geht das aber nicht mehr so gut.
    Aber wenn ich im Fernsehen, oder in Musik Stellen höre, weiss ich oft
    was für ein Ton folgt. „Bzw. Was harmonisch folglich kommen muss“
    Bei „Disharmonie“ schalte ich sofort um, das geht gar nicht. ^^

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    Organist007  

    der test ist recht schwer, weil durch die musik zwischendurch es unmöglich macht, bezüge zum letzten ton herzustellen ;-)

    bei Tonarten bin ich schon recht nahe dran, also d- dur oder A- dur klingt schon wesentlich anders als B Dur oder Es Dur

    zum trost: wer kein absolutes gehör hat, kann das relative gehör gut schulen und trainieren, da gibt es schon recht gute apps auf iOS

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    Stephan Merk  RED 1

    Als fast blinder Mensch gibt es für mich kein absolutes Gehör, abgesehen von Musiknoten. Viel mehr lässt sich unser Gehör suggestiv beeinflussen, unter Anderem ein Prinzip der HiFi-Branche. Wenn der tüchtige Händler den Verkaufsschlager präsentiert mit den absoluten Bestnoten, wer würde da auf seinen Höreindruck vertrauen? Ich habe gelernt, dass teures Equipment nicht durch den Kaufpreis besser klingt, es gleichwohl aber Kompromisse im unteren Preissegment gibt. Das hört man auch, aber irgendwann kommt man zum Schluss, dass ein Produkt zum eigenen Hörempfinden passen muss. Eine Rolle spielt auch das Klangfutter und die tatsächliche Hörerfahrung. Woher sollte ich wissen, wie eine Hammond B3 zu klingen hat, wenn ich noch nie an mindestens drei Instrumenten aus der damaligen Zeit gespielt habe? Ein Meeresbild vermittelt schließlich auch nicht den Geruch von Salz und Muscheln. Solange man Gehörtes nicht beschreiben kann, das gilt selbst für die Klangschwurbeleien der HiFi-Zeitschriften, gibt es kein absolutes Gehör. Exakt sind nur Messungen unter ebenso exakten Bedingungen.

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    tonvibration  

    Ein Freund von mir hat die Gabe, dass er alles was er z.B. im Radio hört, auf Anhieb auf dem Klavier begleiten kann. Ich denke er hat dann wohl so ein absolutes Gehör (weil er die Tonlage sofort erkennt). Ich bin dann immer ein wenig neidisch und baff und er lacht nur und sagt „Sind doch nur 12 Töne, und das meiste ist eh A moll“.
    Auf der anderen Seite ist er zwar ein begnadeter Jammer, schreibt aber selbst keine Lieder, weil er immer das Gefühl hat, das gab es schon, das ist nicht neu – tja, sind halt nur 12 Töne ;) Da ich da unbedarfter heran gehe, fällt es mir dann vielleicht auch leichter, zu komponieren und Songs auch fertig zu machen. Hat also auch seine Vorteile…

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    Martin Andersson  RED

    Vielleicht ist es ja so, dass jeder ein bisschen etwas anderes unter dem Begriff Absolutes Gehör versteht. In der klassischen Musik und im Jazz ist damit stets die Gabe gemeint, irgendeinen Ton ohne jeden Zusammenhang eindeutig benennen zu können. Sozusagen Leute mit eingebautem Stimmgerät. Analog könnte man sich jemanden vorstellen, der Temperaturen aufs Grad genau erfühlen könnte: einmal den Finger ins Meer halten, um danach zu rufen „17.8 Grad!“. So ungefähr verhält es sich mit dem absoluten Gehör. Eine sehr faszinierende Sache, für die sich auch die Mediziner interessieren.
    Es gibt sehr wohl auch Nicht-Musiker mit absolutem Gehör, sich dessen aber nicht bewusst sind. Letzteres zeigt sich dann beispielsweise daran, dass sie ein ihnen bekanntes Lied stets in der richtigen Tonart singen würden, obwohl sie natürlich gar nichts mit dem Begriff „Tonart“ anfangen könnten. Sie haben einfach ein absolutes, sprich: untrügliches Gefühl für Tonhöhen. Ähnlich, wie wenn wir Normalsterblichen beispielsweise Farben erkennen. Da brauchen wir auch nicht zweimal zu überlegen ob der Himmel blau oder gelb ist.

    • Profilbild
      Martin Andersson  RED

      Fortsetzung:
      Meiner Erfahrung nach verfügen nur wenige Profi-Musiker über ein absolutes Gehör; dieses ist auch weit weniger wichtig, als es vielleicht auf den ersten Blick erscheinen mag, da ihr Relatives Gehör entsprechend geschult ist. Will heissen: sobald sie einen Anhaltspunkt haben, beispielsweise von einer Stimmgabel, können sie jeden beliebigen Ton davon ableiten.
      Die Gabe, jedes Lied aus dem Radio auf Anhieb zu begleiten, ist vor allem eine Übungssache. Das mag mit absolutem Gehör vielleicht ein bisschen einfacher sein, eine Voraussetzung ist es nicht. (Und das sage ich nicht einfach so dahin: ich selbst habe zwar kein absolutes Gehör, dennoch fällt es mir nicht besonders schwer, einen x-beliebigen Song nach Gehör mitzuspielen. Das kann man üben.)

      • Profilbild
        swift  

        M.E. kann man sich ohnehin schon glücklich schätzten, wenn man halbwegs gut hört und Musik genießen kann. Für jene, die von Musik leben müssen, möchte ich allerdings nicht sprechen, da ich nicht zu dieser Gruppe gehöre.

  8. Profilbild
    Markus Galla  RED

    Das absolute Gehör funktioniert aber nicht auf‘s Hertz genau. Absoluthörer brauchen genauso ein Stimmgerät und können genauso out of tune singen wie alle anderen auch. Wer absolut hört und das nicht ständig trainiert, kann die Fähigkeit auch verlieren. Auch als Mensch ohne absolutes Gehör kann man eine hohe Trefferquote entwickeln. Es gibt verschiedene Theorien zum Absoluthören. Eine davon, die relativ wahrscheinlich ist, besagt, dass jeder Mensch als Absoluthörer auf die Welt kommt. Begründet wird das anhand der Sprachforschung, weil manche Sprachen wie das Chinesische ein ähnliches Gehör benötigen. So ist tatsächlich das absolute Gehör bei asiatischen Musikern überproportional häufig vertreten. Wichtig ist aber, dass im frühen Kindesalter ein aktiver Kontakt zu diesen Sprachen und Musik erfolgt.

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