CURiOS iOS Musikmagazin #12: Musikproduktion auf iOS

ROTOR
von Reactable
€19.99, iTunes

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Mit dieser neuen Version von Reactable wollen die Spanier ihre modulare Music-App aus der wenig frequentierten Museums- und Kuriositätenecke ins Ramplenlicht der Clubs bringen. Das und nichts weniger ist das Anliegen von Rotor.

Dazu haben Reactable den Unterbau von Reactable Mobile 2.4.1. ganz gehörig umgestellt und Maßgeblich im Bereich der Anwendung von Audio-Loops und Synchronisierung erweitert. Das fängt schon bei der Bedienung an.
Konnte bei Mobile nur ein Modul gleichzeitig bedient werden, sind es bei Rotor zwei Module auf den kleinen iPad Modellen bzw. drei auf dem großen iPro. Das automatische Andocken der Module ist nun benutzerdefiniert und es gibt einen Freeze-Modus, der die Position der Module einfriert und nur noch deren Kontrolle zulässt. So dass beim Live-Gig nichts unbeabsichtigt verrutscht.

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Mobile konnte zwar schon Session-Recording, aber Rotor hebt das Thema mit synchronisiertem Loop-Recording und dessen sofortiger Einsetzbarkeit nochmal auf eine ganz andere Ebene. Als Audioeingang können das interne Mikrofon, Line-In (CoreAudio) und Audiobus dienen. Zudem werden nun Loops in Echtzeit automatisch auf ihre Tonhöhe und Tonart untersucht und können als Master oder Slave Trigger-Sender/ -Empfänger definiert werden, oder ganz unabhängig laufen.

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Auch neu ist das Time-Stretching und Pitch-Shifting von Samples und Loops. Die wählbaren Abspielmodi der Loops sind Anpassung an die aktuelle BPM-Zahl per Time-Stretching, fixe Dauer (bis zum nächsten Takt), und freilaufende Dauer (bis zum Ende des Samples), sowie Einmalabspielen mit One-Shot. Außerdem werden neben .WAV nun auch OGG-Dateien unterstützt und der integrierte Sampleplayer unterstützt gar das SoundFont2-Format. Auch über iTunes File-Sharing und das iOS-Pasteboard können nun Audiodateien importiert werden.
Mobile wurde für die Zusammenarbeit mit anderen Apps zwar auch mit Ableton Link fit gemacht, doch Rotor bietet, zusätzlich nun noch einen MIDI-Eingang.
Die Anzahl der Module, die nun gleichzeitig aktive sein können, wurde von 19 auf 24 erhöht. An Auswahl bei den Modulen gibt es neun Klangerzeuger, darunter einen Synthesizer mit nun 5 anstatt 3 Suboszillatoren, dazu acht Effekte und 8 Kontroller.

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Bei den Soundeffekten sind Beat Repeat und LF-Side-Chain neu bei Rotor hinzugekommen und die bisherigen Wavershaper und Modulatoren wurden um jeweils ein Modul auf vier erweitert. Bei den zeit- und filterbasierten Effekten wurden die jeweils drei Variationen nicht verändert.

Auch das mitgelieferte Sample-Material wurde erheblich erweitert. Rotor beinhaltet nun 191 vorinstallierte Sampler-Instrumente und 100 Audio-Loops.

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Um bisherigen Reaktable Mobile-Benutzern, wie neuen Rotor-Neulingen den Einstieg zu vereinfachen, wurde das Hilfesystem massiv erweitert. Bei Rotor hat nun jedes Bedienelement eine kontextuelle Hilfe und das interaktive Handbuch wurde von vier auf fette 120 Seiten erweitert. Gleichzeitig gibt es nun 20 integrierte Einsteigertutorien.

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Rotor ist gegenüber Reactable Mobile ein gewaltiger Schritt nach vorne. Nicht nur, dass Reactable nun Club- und Jam-mäßig vernünftig eingesetzt werden kann, das grundlegende Konzept der Oberfläche wurde nun auf das iPad übertragen. Bei Reactable Mobile spürte man zu oft, dass hier zwar das Betriebssystem auf das iPad übertragen wurde, nicht aber die Objekt-zentrierte physikalische Handhabung des Reactable-Tisches auf den Touchscreen. Das führte zu einem unausgeglichenen Anwendungserlebnis auf dem iPad und das viele Umschalten zwischen den Seiten fühlte sich angetackert an.

Rotor ist dagegen ganz anders an. Das Arbeiten ist flüssig, alles kann synchronisiert werden und im Takt laufen und alles ist unmittelbar vom Hauptbildschirm erreichbar oder ausklappbar. Die Module sind immer sichtbar und erreichbar. Auch das Anfassen und Justieren der Modulparameter ist wesentlich verbessert worden. Reactable wollen in Kürze zwar noch passende physikalische Kontrollzylinder anbieten, die sind aber zum Bedienen von Rotor wirklich absolut optional sind. Rotor funktioniert auch hervorragende ohne sie.

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Rotor ist die iPad-Version von Reactable, die Mobile von Anfang an hätte sein sollen. Ein interessantes aber exotisches Konzept ist damit zum ernstzunehmenden Live-Performer geworden und ersetzt damit den Platz von Reactable in den Modularen Synthesizer iOS-Charts.

Forum
  1. Profilbild
    mdesign  

    wieder ein gelungenes update der musik-apps. der hintergrund der 32 bit-fehlermeldung war mir neu. danke!

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    Chick Sangria  

    Fantastische Kolumne, vielen Dank!
    An die Redaktion: Könnte man evtl. eine „auf einer Seite anzeigen“-Option einrichten? Dann kann man leichter durch die Browsersuche etwas nachschlagen (sonst muss man die Seitensuche benutzen, was ich etwas aufwendiger finde).

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      swellkoerper  AHU

      Ich finde auch, dass bei amazona die einzelnen Seiten der Stories etwas länger sein dürften. Das käme dem Lesefluss sehr entgegen.
      Tolle Kolumne übrigens, Wahnsinn wie viel Arbeit da drin stecken muss!

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      Markus Schroeder  RED

      Hi ctblaze,
      die App kam am 6. November raus.
      Es gibt einen Zeitraum, in dem ich aufhören muss nach neuen Apps zu scannen, um die Ausgabe zu schreiben und dem Veröffentlichungstermin. Das sind ca. 2-3 Wochen. Alles was dazwischen rauskommt und keine iWavestation ist fällt durch und kommt (sehr wahrscheinlich) in die nächste Ausgabe. Weil ich immer von dort weiterscanne, wo aufgehört habe.

      Falls Du der Entwickler bist oder den Enwickler kennst, lass uns das bitte wissen.

      greetz,
      M.

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    Everpure  

    Erstens ist es „die“ App und nicht „der“ App (wo kommt das denn bitte her?) und zweitens sollte es jeder Softwareentwickler, der auch nur ein wenig Selbstrespekt hat, hinbekommen haben, seine Applikationen seit Sommer 2013 (iOS 7!) auf 64-Bit aktualisiert zu haben. Wer das nicht schafft, bei dem kann es auch nicht so wichtig sein. Also, bitte erst recherchieren, bevor losgetrollt wird. Das könnt ihr besser bei amazona.

    Und was fragen wie zum Beispiel die Preisgestaltung angeht: Da ist bestimmt nicht alles super, aber irgendwie bekommen es ja andere auch besser hin, da muss es doch also möglich sein, sich inspirieren zu lassen.

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      TobyB  RED

      Hallo everpure,

      es besteht aber nicht immer die Notwendigkeit eines Code Refactoring von 32 Bit auf 64 Bit. Und nur weil Apple das möchte, ist das nicht einfach mal ein Compilerlauf in XCode und ausserdem noch immer nicht sinnvoll.
      Ausserdem schliesse ich dann wieder bestimmte Nutzer aus und zwinge sie zum Neukauf eines iOS Devices.

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        Everpure  

        Mir ist klar, dass es nicht mal eben zwischen zwei Folgen Big Bang Theory erledigt ist, eine App von 32- auf 64-bit zu portieren. Da ist einiges mehr an Test und nochmal Test und sicherlich auch möglicherweise grundlegende Codeänderungen zu tun.

        Das ist aber nicht mein Punkt. Mir geht es eher darum, dass im Editorial der Eindruck erweckt wird, dass Apple hier böse, böse die armen Entwickler gängelt und einfach mir nichts dir nichts Apps aus dem Store entfernt.

        Das ist meiner Meinung nach nicht der Fall, sondern man sollte die Angelegenheit vielleicht etwas differenzierter betrachten:

        Erstens: Der Übergang von 32- zu 64-bit wurde im Sommer 2013 mit iOS 7 vollzogen. Als professioneller iOS Entwickler (und als solchen betrachte ich jeden, der eine App zum Verkauf im App Store anbietet – egal ob 10.000.000$ oder 10€ Umsatz) hat man in der Regel Zugang zu iOS Betaversionen bis zu 6 Monate vor offiziellem Release, was also Anfang 2013 wäre. Jetzt haben wir Ende 2016 – also fast vier Jahre, in denen man den Übergang auch in der kleinsten Softwareschmiede hätte vollziehen können.

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          TobyB  RED

          Hallo Everpure,

          danke für die Antwort. Das wollte ich alles gar nicht wissen. Es ging darum ..“es besteht aber nicht immer die Notwendigkeit eines Code Refactoring von 32 Bit auf 64 Bit. Und nur weil Apple das möchte, ist das nicht einfach mal ein Compilerlauf in XCode und ausserdem noch immer nicht sinnvoll.“… Und das hat erstmal nichts mit Ökonomie zu tun, sondern mit Nachhaltigkeit des Lösungsansatzes. Mehr nicht. Und ich sehe es schon als Gängelung, das es eben auch andere professionelle Entwickler gibt. Und von wegen Apple schliesst keine User aus, ich habe ein Ipad 3, mit 9.3.5 ist Schluss. Und wenn es einem Entwickler gefällt, setzt der 2 Flags und ich bin aussen vor. Schlußendlich, was machen denn die professionellen Anwender? Leasingverträge für iPad laufen 36/48 Monate. Die können zwar mit Certifikaten und MMC die iPads verwalten aber wir sind wieder bei XCode 32/64bit. Und ein Kostenstellenverantwortlicher würde dich fragen ob es dir noch gut geht? Und dann „Budget“ sagen.

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            Everpure  

            Hallo Toby,
            wie es aussieht, können wir uns vielleicht darauf einigen, dass wir uns in diesem Punkt wohl eher nicht einig sein werden. ;)
            Worin wir uns aber bestimmt einig sein können ist, dass es da einiges an Verbesserungspotenzial gibt – sowohl für Entwickler als auch für die Kunden.
            Aber solange Apple nicht grundlegend etwas an diesen Prozessen ändert, bleibt die Situation wie sie ist und wir müssen als Verbraucher und als Anbieter damit umgehen. Und ich denke, das bei aller Kritik trotzdem extrem viel Potential in der iOS Plattform steckt, wie ja allein die Liste an Apps beweist, die in dieser Ausgabe von curiOS behandelt werden.

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              TobyB  RED

              Hallo Ever,

              100 % Zustimmung. Ich sehe das halt als Entwickler, dessen App auf Managed Devices landen. Und da ticken die Uhren anders. Und bei den „Profis“ hat Apple fette Baustellen, MDM, Apple Configurator, Automatisierung. Da ist noch viel zu viel Handarbeit drin.

              :-)

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        Everpure  

        Zweitens: Die letzten iOS Geräte, die nur 32-bit unterstützen sind iPhone 5 und 5C, iPad 2, iPad Mini (1. Generation) und iPod Touch 5G. Aus Herstellersicht (also Apple) ist es nur verständlich, dass man irgendwann aufhört, bestimmte Gerätegenerationen zu unterstützen. Apple ist da schon immer radikaler gewesen als andere Hersteller (im guten wie im schlechten für die Kunden,also unter anderem uns). Aber wie man hier https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_iOS_devices sehen kann, unterscheidet Apple auch genau zwischen Obsolete, Discontinued und Current – und hat das bisher auch immer offen kommuniziert. Punkt: Als Softwarehersteller möchte ich einerseits natürlich auch ältere Geräte unterstützen (um eine potentiell größere Kundschaft anzusprechen), aber andererseits auch neue Features und Möglichkeiten anbieten (um das Produkt attraktiv zu halten). Wenn ich letzteres nicht tue, laufen mir früher oder später die Kunden weg. Das ist okay, wenn ich als Einzelperson mal irgendeine App gebaut habe. Dann darf man sich aber nicht beschweren, dass die dann auch irgendwann weggeräumt wird.

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        Everpure  

        Drittens: Ich als Softwareanbieter zwinge niemals irgendjemand zum Neukauf eines iOS Gerätes. Die alte Software läuft doch auf meinem alten Gerät bis in alle Ewigkeit! Nur weil Apple eine App aus dem Store entfernt heißt ja nicht, dass die App nicht mehr auf meinem Gerät läuft. Das heißt nur, dass niemand sie mehr neu kaufen kann – und möglicherweise, dass ich sie nicht mehr herunterladen kann, falls ich sie von meinem alten Gerät gelöscht habe und dann doch wieder neu installieren will. Mal ganz abgesehen davon, dass es realistischerweise doch sowieso so ist, dass man irgendwann sein 6 Jahre altes iPad weggibt und sich ein neues kauft. Ja, ich weiß, nicht alle tun das. Aber Apples Verkaufszahlen zeigen ja deutlich, dass die breite Masse das tut. Dass es immer wieder Einzelfälle gibt, bei denen das ärgerlich ist – nun ja, Apple baut die Dinger ja nicht für jeden einzelnen von uns…

        Viertens: Ja, Apple hätte wahrscheinlich den Übergang von 32- zu 64-bit attraktiver für Kunden und Entwickler gestalten können (mich hat es damals auch irre genervt, dass ich für Intuas Beatmaker 2 den Preis einer neuen App zahlen musste…) Aber auch das ist wahrscheinlich eher dem mangelhaften Apps-nicht-wie-Desktop-Programme-updaten-können Konzept geschuldet, mit dem sich ja auch schon größere Anbieter wie Native Instruments bei iMaschine herum geschlagen haben.

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        Everpure  

        Langer Rede kurzer Sinn: Viel Gejammere um nichts, weil es zu nichts führt, solange man nicht Apple direkt kontaktiert (zum Beispiel als Entwickler) oder die Reichweite von großen „mainstream“ Medien hat. Und das nervt und ist unproduktiv.

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      Chick Sangria  

      Laut Duden geht „die“ und „das“ App, aber inzwischen klingt „das App“ schon sehr ungewöhnlich, dürfte keine Zukunft haben.

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        Everpure  

        I stand corrected, wie der Engländer sagt. Dass „App“ auch Neutrum sein kann, war mir nicht bewusst. Dass es aber keinen Sinn ergibt, weil App nunmal die Kurzform von (die) Applikation ist, scheint es mir nur logisch, wenn „das App“ keine weite Verbreitung findet…

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