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CURiOS iOS Musikmagazin #13: iOS Apps und Desktop Musikproduktion verbinden

Midimittr dient im übrigen auch dazu, älteren Apps, die von Haus aus kein BT-MIDI können, eine Schnittstelle zur bieten. Wie z.B. beim Korg iMS-20, der nur auf den ersten MIDI-Port / das erste MIDI-Interface anspricht, der zum Zeitpunkt des Aufrufes aktiv ist.

Es nervt allerdings etwas, dass die Bluetooth-Kopplung nach jedem Anschalten der Funktion bzw. Trennung der Verbindung neu erfolgen muss, auch wenn es nur ein Sache von Sekunden ist.

Über die Zeit wird man zwangsweise eine sehr enge Bekanntschaft mit Audio-MIDI-Setup entwickeln. Hier kreuzen sich alle musikalischen Interface-Pfade im Mac. Am besten wird das Programm gleich permanent im macOS Dock platziert.

Was Windows-Nutzer angeht, so steht ihnen ab Windows 10 (zukünftig) auch BT-MIDI zur Verfügung. Bis dahin müssen sie jedoch auf Lösungen von Drittanbietern, die es zum Glück zur Genüge gibt, zurückgreifen. Dazu gleich mehr.

BT-MIDI Hardware

Für ältere iTouches ohne BTLE gibt es zwar den WIDI Bud von CME, der dient aber nur dazu, einen BT-MIDI-Master mit einem BT-MIDI-Slave zu verbinden, also mit einem BT-MIDI-fähigen Controller wie den CME AirKeys, den Korg nanoKontrols etc.

Als MIDI-DIN gibt es den Quicco Sound mi.1 Wireless Midi Adapter, mit dem MIDI-DIN-Geräte BT-MIDI-fähig gemacht werden können.

Gleiches ist auch mit dem Yamaha MD-BT01 Wireless Midi Adapter zu erreichen, während der Yamaha UD-BT01 Wireless Midi Adapter MIDI-USB-Geräte BT-MIDI-fähig macht.

Mit diesen Adapter lassen dann Synthies, Drum-Maschines etc. vom iPad aus steuern.

Network-Sessions

Nichts einfacher als das. Fast. Die Apple-Bezeichnung „AirPort‟ wurde irgendwo zwischen macOS 10.8 (Mountain Lion) und 10.10 (Yosemite) abgeschafft. Seitdem heißt WLAN auch WLAN.

AdHoc Netzwerk

In den Systemeinstellungen Netzwerk die Option „WLAN-Status in der Menüleiste anzeigen‟ anklicken. Im Menü in der Finder-Menüleiste „Netzwerk anlegen‟ auswählen. Danach einfach den Namen und den Sendekanal eintragen und das iPad mit dem  AdHoc-Netzwerk (Computer zu Computer-Netzwerk) verbinden.

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AdHoc 1- Systemeinstellungen Netzwerk

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AdHoc 2: Option „WLAN-Status in der Menüleiste anzeigen“ auswählen

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Adhoc 3 – „Netzwerk anlegen“ aus der Finder Menüzeile auswählen

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AdHoc 4 – Einstellungen: Netzwerkname, und Kanal auswählen

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Netzwerk-Session 1: Audio MIDI Setup – MIDI-Fenster

In Audio MIDI Setup dann auf das violette Netzwerk-Icon klicken.

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Netzwerk-Session 1: Audio MIDI Setup – Netzwerk Einstellungen

Im ersten Fenster unter „Meine Sessions‟ auf das „+‟ klicken und einen Namen für dieses Preset eintragen.

Auch in der Sektion „Sitzungen‟ (links oben) gefällige Namen eintragen.

Unter „Live-Routing‟ die Ein- und Ausgabe-Ports auswählen. Sinnvollerweise „Netzwerk-Session 1″.

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Netzwerk-Session 1: Audio MIDI Setup – Netzwerkeinstellungen mit iPad (Lapinot)

Im Fenster „Verzeichnis‟ sollte das iPad aufgetaucht sein. Auf dessen Namen klicken und „Verbinden‟ anklicken. In den MIDI-Voreinstellungen der DAW auf dem Desktop und den iOS-Apps nun die „Netzwerk Session 1‟ als MIDI-Gerät auswählen. Fertig. Fast.

Aufmerksamen Lesern wird die Ungeschütztheit des AdHoc-Netzwerks aufgefallen sein.   Bis macOS 10.10 (Yosemite) konnten AdHocs verschlüsselt werden. In macOS 10.11 hat Apple diese Option abgeschafft.

Damit sind Netzwerk-Session de facto nur noch kurzzeitig für den Heimbedarf zu gebrauchen. Auf einem Live-Gig im öffentlichen Raum ist davon abzuraten. Es sei denn, der öffentliche Zugang ist Teil der Performance. Doch selbst dann sollten nicht benötigte Sharing-Dienste aus- und die System-Firewall eingeschaltet sein.

Es ist aber zumindest einmal nötig, die AdHoc-Verbindung mit dem iPad herzustellen, damit bei der späteren Verbindung über einen WiFi-Router macOS das iPad auch akzeptiert wird. Mit einem Router sind natürlich auch höhere Latenzen verbunden, aber die sollte sich trotzdem in live-tauglichen Grenzen halten. Das hängt aber individuell vom Router und der App ab.

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Netzwerk-Session 3: Auswählen in Reaper

Für Windows-Nutzer gibt es das kostenlose Windows-Äquivalent rtpMIDI von Tobias Erichsen. Es ist von Windows XP bis Windows 10, 32 und 64 Bit lauffähig und genauso strukturiert wie die macOS-Version. Eine ausführliche englische Einrichtungsanleitung steht für die Windows-Nutzer auch bereit. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Danke an Tobias für die andauernde Produktpflege!

OSC* Open Sound Control-Steuerung

Im Gegensatz zu MIDI-BT können Netzwerk-Session auch hochauflösende OSC-Controller-Daten verarbeiten. OSC hat sich besonders bei Software-gesteuerten Video- und Lichtanwendungen durchgesetzt und natürlich auch in Musikbereichen, in denen es um mehr geht, als nur ein paar MIDI-Noten und Reglerbewegungen zu übermitteln. Für Ersatz von MIDI in Hardware war es aber anscheinend zu „open‟, da es sich bei OSC ebenfalls um Netzwerktechnologie handelt und entsprechend flexibel ist.

Das Setup ist sehr einfach. Nach erfolgreichem Erstellen der Netzwerk-Session nach den obigen Schritten, einfach die Netzwerkadressen und -ports von Desktop und iPad in dem jeweils anderen Programm eintragen und fertig. Hier am Beispiel von Lemur und NI Reaktor.

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Reaktor: OSC Settings

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Reaktor: IP-Adresse und Port des iPads

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iPad, Lemur: IP-Adresse und Port des Desktops (hier Mac)

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Reaktor: MIDI & OSC Learn

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Reaktor: OSC-Verbindung, bidirektional, hurra!

In OSC hat jedes Element seine eigene ziemlich freizügig zuweisbare Adresse wie z.B. „/Fader/8/x‟, also in der obersten Strukturebene der Wert von Fader Nummer 8 etc.

Die wichtigsten modularen Softwaren sind Reaktor von Native Instruments, Max/MSP von Cycling 74 und dessen Freeware-Variante PureData sowie das ebenfalls kostenlose Supercollider. PureData und Supercollider können übrigens auch eine Brücke zwischen OSC und MIDI herstellen. Es gibt aber auch einige kostenlose und einige kostenpflichtige Lösungen für macOS und Windows.

Inzwischen verstehen auch fast alle Desktop DAWs das OSC-Protokoll, sogar Logic ab Version 9. Für Ableton Live gibt es neben dem immer noch kostenlosen „LiveControl‟ nun auch die kostenpflichtige Erweiterung Max4Live, welche die Max/MSP-Fähigkeiten in Live integriert. Nur Cubase 9 unterstützt OSC anscheinend immer noch nicht nativ.

Kommunikation mit der DAW – iOS MIDI und OSC Controller Apps

Auf dem iPad haben sich die modularen Controller-Apps durchgesetzt. Modular, weil sich die Oberflächen individuell an die zu kontrollierende Software und die Ansprüche des Benutzers anpassen lassen.

Die wichtigsten und bekanntesten Apps für OSC- und MIDI-Anwendung sind wohl TouchOSC von hexler und Lemur von Liine. Als „Neuzugang‟ darf aber auch TB MIDI Stuff von TBStuff und MIDI Designer Pro2 von Confusion Studios LLC nicht unerwähnt bleiben.

TouchOSC

TouchOSC

TouchOSC ist eine App der ersten Stunde. Sie ist günstig, doch müssen die Controller-Seiten in dem Desktop-Editor erstellt werden. Die Funktionen umfassen alle Bedienelemente, die man so kennt, inkl. Multi-Fader und XY-Pads. Für Einsteiger wie Profis gut geeignet. TouchOSC kann inzwischen auch MIDI und kann auch über TouchOSC Bridge für macOS und Windows auch direkt per USB-Kabel an den Desktop angeschlossen werden. Umfangreiche Anleitungen sind auf der hexler-Homepage zu finden.

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TB MIDI Stuff & Tyrell Template von Thorben Ehmcke

Das Gleiche gilt für TB MIDI Stuff. Jedoch können bzw. müssen hier die Seiten direkt auf dem iPad erstellt werden und die App verarbeitet auch MIDI-SysEx-Daten und 14 Bit MIDI-CC.

Forum
  1. Profilbild
    dflt  

    wow, danke! inter-device-audio ist bisher tatsächlich an mir vorbeigegangen… wäre ja ein grund, doch mal auf el capitan oder sierra zu aktualisieren.

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    mdesign  

    beim kauf einer synth-app letzte woche musste ich per dialogbox bestätigen, auf mein rücktrittsrecht zu verzichten. so steht es nun auch in den AGBs: nur, wenn die app nicht geladen wird, kann binnen 14 tagen zurückgegeben werden.

    also kein EU-recht mehr, sondern höchstens kulanz.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      mdesign, danke für den Hinweis, das ist mir so entgangen.
      (in sieben Jahren habe ich nur eine einzge App storniert).
      Greetz,
      Markus

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    vaikl  

    Das einzig wirklich Negative an den iDocks sind die irrational auftretenden Unterbrechungen und Cracks beim Audio-Stream bei einer Reihe von ausgelieferten Docks, anscheinend „begünstigt“ durch eine instabile Stromzufuhr. Mein iPad mini 2 läuft aber weitgehenst stabil, wenn ich es voll geladen ins Dock stecke, passt perfekt zusammen und muss sich in Sachen Audioqualität nicht vor anderen Focusrite-Interfaces dieser Preisklasse verstecken. Außerdem ist das Konzept mit dem USB-A-Hub für MIDI-Geräte und der vollen Ladbarkeit der iPads für das Geld von anderen Herstellern bislang nicht erreicht. Ich würd’s mir nochmal kaufen, wenn mein „Neues“ die o.g. Macken nicht hat.

    • Profilbild
      Markus Schroeder  RED

      vaikl, ok, ich muss zugeben, nach der über 45%igen Preisreduzierung auf derzeit €125 kann man mit dem Focusrite iTrack Dock nicht viel falsch machen. – Außer man kauft es für ein großes iPRO.
      :)

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    digital-synthologie  AHU

    Ich hab zwar ein iPad, würde es abe nie zum Musikmachen verwenden. Touchoberflächen haben für mich nur Nachteile. Man kann sie nicht intuitiv bedienen, weil das mechanische Feedback fehlt. Ein bisschen verrutscht und schon ist einen andere Funktion ausgelöst. Wenn schon keine echten Knöpfe, dann lieber eine Maus.

    Der Pencil funktioniert übrigens auch am kleinen iPad Pro. Er ist bedeutend besser als die anderen Gummispitzenstifte. Und er reagiert auf Druckstärken. Beim Malen dicker aufdrücken macht den Strich dicker. Wäre vielleicht was für Aftertouch.

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    CloudSounds  

    Klasse Workshop zum Jahresausklang! Erst einmal danke dafür.

    Obwohl ich mich hauptsächlich auf dem iPad musikalisch bewege, habe ich noch ein paar echt gute Hinweise mitnehmen können. iMazing war absolut neu für mich. Ich war immer noch auf dem Stand, dass Apple den Zugriff auf das Datei-System mit iOS 9(?) komplett abgeklemmt hätte.

    IDA ist auch noch ein klasse Ansatz, den ich wohl nur kurz im Kopf abgespeichert und rasch wieder vergessen hatte. Also: 2017 mal testen.

    In Sachen Rückgabe von Apps hatte ich in der Vergangenheit nen regen Mailwechsel mit dem Apple- Support. Nachdem ich in gut fünf Jahren erstmalig eine App retourniert hatte, bekam ich ebenfalls die Dialogbox, welche mdesign beschrieben hat. Lt. Apple verwendet der App-Store angeblich einen Algorithmus, welcher diesen Dialog bei Leuten bringt, welche das Rückgaberecht exzessiv nutzen. Bei einer Rückgabe bei über 1.000 Apps, scheint der ja wohl nur bedingt zu funktionieren. Exzessiv ist für mich auf jeden Fall anders… Nach ein paar Wochen war der Dialog dann übrigens verschwunden.

    Guten Rutsch und ich freu mich auf kommende CURiOS-Beiträge im neuen Jahr!

  6. Profilbild
    CT Blaze

    Schöne Zusammenfassung, gerade wenn man im Dezember ein iPad angeschaft hat ;) DANKE
    Ich möchte noch einen Controller und Mini-Synth erwähnen, der sehr schon zwischen MIDI via Bluetooth, USB-MIDI, DIN-MIDI, CV und bridgen kann: dr Roland A-01 bzw. A-01K. Durch den aktuellen Preisverfall wirklich attraktiv geworden und macht seine Sache gut…

  7. Profilbild
    gaffer  AHU

    Gratuliere, Markus! Nicht der erste Artikel, der mich sehr beeindruckt. Löse gerade mein iPad 2 durch ein großes Pro ab und will da noch mal voll einsteigen. Da kommen mir ausführliche Übersichten sehr gelegen. Gute Arbeit

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