Er war der Inbegriff des Grunge!
Kurt Cobain gehört definitiv zu den bekanntesten Gitarristen der Welt. Sein Stil hat unzählige Gitarristen geprägt und er hat in den 90ern das Gitarrenspiel komplett verändert.
Inhaltsverzeichnis
Nirvana veränderte die musikalische Landschaft Ende der 1980er-Jahre komplett: Solos waren verpönt, das Haarspray wurde verstohlen zurück in den Schrank der Freundin gestellt und die engen Spandexhosen des Metals wurden gegen löchrige Jeans getauscht. Der Gitarrenstil von Kurt Cobain war Ausdruck einer Wut und einer Ehrlichkeit, die unzähligen jungen Menschen aus der Seele sprach. Und bis heute sind die Songs einer der bekanntesten Grunge-Bands aller Zeiten unvergessen.
Eine Gitarre und pure Emotion
Beeinflusst von The Melvins, den Pixies und Sonic Youth entwickelte Kurt Cobain einen unverkennbaren Gitarrenstil. Aber ein technischer Virtuose war er bei Leibe nicht. Sein Spiel war pure Emotion. Wut und Frustration, doch auch Zerbrechlichkeit und Enttäuschung. Eltern waren entsetzt, viele von der destruktiven Art irritiert. Aber das ist das Schöne an der Kunst: Sie muss nicht allen gefallen.
Kurt spielte er Powerchords und sein Sound war stark verzerrt. Den Dynamikwechsel zwischen leisen Strophen und lauten Refrains hat Nirvana perfektioniert – ein Stilmittel, das später von der Metal-Szene übernommen wurde.
Er spielte bisweilen unsauber. Oft sind Dead Notes, unsauberes Timing und Obertöne zu hören. Dieses – ob gewollt oder ungewollt eingesetzte – Stilmittel prägte den Grunge und grenzte diese Stilrichtung klar vom sauber produzierten Metal jener Zeit ab.

Die Jag-Stang ist eine Mischung aus der Fender Jaguar und der Fender Mustang und wurde nach einer händischen Skizze von Kurz Cobain gebaut. (Quelle: Fender_Jag-Stang God’s own guitars, CC BY-SA 4.0 httpscreativecommons.orglicensesby-sa4.0, via Wikimedia Commons)
Sein Gitarrenstil zeichnet sich durch ungewöhnliche Akkordfolgen und minimalistische Melodien aus, die sich oft am Gesang orientieren. Mit dem abrupten Wechsel zwischen cleanen und dreckig verzerrten Gitarren ändert sich die Intensität der Songs. Der mal melodische und melancholische, mal wütende Gesang ergänzt dieses Spiel ideal.
Wie bereits erwähnt, war Cobain technisch nicht sonderlich versiert, doch er hatte die Fähigkeit, seine Emotionen mithilfe der Gitarre zu transportieren – und genau das macht ihn in meinen Augen zu einem der besten Gitarristen der Welt. Unzählige Gitarristen haben seinen Stil bis heute übernommen oder orientieren sich daran. Und jedem, der behauptet, er sei ein schlechter Gitarrist gewesen, kann ich nur entgegnen: Ein einzelner Ton, mit dieser Hingabe und Emotion gespielt, ist in meinen Augen weitaus beeindruckender als damals auch sehr beliebte Shred-Metal-Sounds.
Der musikalische Werdegang von Kurt Cobain
Am 20. Februar 1967 in Aberdeen, Washington geboren, zeigte Kurt Cobain schon früh eine kreative Ader. Er zeichnete, spielte Schlagzeug und Gitarre und hörte viel Musik. Die Trennung seiner Eltern und seine bereits seit Kindertagen bestehenden gastrologischen Beschwerden spiegeln sich oft in seinen Songs wider.
In den 80er-Jahren gründete er gemeinsam mit Krist Novoselic die Band Nirvana. Sie spielten in kleinen Clubs und das erste Album Bleach aus dem Jahr 1989 zählt nach wie vor zu den rauesten Grunge-Alben. Mit dem zwei Jahre später folgenden Nevermind-Album, bei dem erstmals auch Dave Grohl am Schlagzeug saß, wurde der Sound der Band etwas massentauglicher. Das Album verhalf der Band, aber auch dem Grunge zum internationalen Durchbruch.
Während dieser Zeit kämpfte Cobain stets gegen seine chronischen Schmerzen und Depressionen und verfiel letztlich dem Heroin.
Auf ihrem dritten Album In Utero, das 1993 veröffentlicht wurde, haben Nirvana dann die Charakteristiken der beiden ersten Alben in Perfektion miteinander kombiniert. Im selben Jahr spielte die Band das legendäre MTV-Unplugged-Konzert.
Ob es die Depressionen, die Drogen oder die Begleiterscheinungen des plötzlichen Ruhmes waren, die Kurt Cobain letztlich am 5. April 1994 aus dieser Welt scheiden ließ, wusste vermutlich nicht einmal er selbst. Fakt ist, dass Nirvana und vor allem ihr Frontmann Kurt Cobain bis heute ein Synonym für den Grunge sind.
Die Gitarren, Effekte und Amps von Cobain
Linkshänder Kurt Cobain spielte hauptsächlich günstige Gitarren. Ob es ein Zufall war, weil sie einfach die billigsten im Secondhand-Laden waren oder ob er sie wegen der schrägen Optik bewusst wählte, ist – soweit ich weiß – nicht eindeutig überliefert. Oft entschied er sich für Fender Jaguar- oder Mustang-Gitarren in der Linkshänder-Version.
Neben den gebrauchten Fender Jaguar- und Mustang-Gitarren wählte er aber auch Mosrite-Gitarren sowie die Epiphone SG und Epiphone Les Paul. Und auch Fender Stratocaster gehörten zu seinem Equipment.
Die Konstante in seiner Gitarrenauswahl war wohl die Bevorzugung der Fender-Mensur und die nachträgliche Ausrüstung mit Humbuckern. Bei den Humbuckern nahm er mit allem vorlieb, was verfügbar war: ob nun DiMarzios oder Seymour Duncan, Hauptsache Humbucker.
Doch im Grunde war es beinahe egal, welche Gitarre er spielte – live haben sie ohnehin nicht lange überlebt.
Die Signature-Gitarre nach einer Hand-Skizze
Im Zuge des internationalen Durchbruchs bot Fender dem Grunge-Gitarristen dann den Bau einer Signature-Gitarre an.
Anders als viele Gitarristen vor ihm, wählte Cobain hierbei nicht aus bereits erhältlichen Modellen, die dann mit einer bestimmten Lackierung und eventuell geänderter Hardware versehen wurden, sondern zeichnete von Hand eigene Entwürfe. Es entstand die Mischung aus seinen beiden Lieblingsgitarren: der Jaguar und der Mustang. Die „Jag-Stang“, die auf seinen Wunsch hin nicht seinen Namen tragen sollte, kam schließlich auf den Markt.
Akustisch spielte Cobain im Studio eine Epiphone Texan-Jumbo und eine alte Ibanez. Bekannt ist er aber durch MTV Unplugged vor allem mit seiner Martin D-18E, ausgestattet mit DeArmond-Pickup und einem nachgerüsteten Bartolini-Preamp.
Die Verstärker und Effekte des Grunge-Gitarristen
Für seine Aufnahmen verwendete er die Verstärker, die gerade im Studio herumstanden. Ein sehr pragmatischer Ansatz, aber sympathischerweise weit entfernt vom anstrengenden Verhalten manch anderer Rock-Gitarristen.
So verwendete er beispielsweise einen Fender Twin Reverb, bei dem nur noch eine Endstufenröhre funktionierte. Dadurch war der Amp deutlich leiser und verzerrt stärker. Lange überlebt so ein Verstärker diesen Zustand natürlich nicht. Da war es ratsam, spätestens beim dritten Take mit der Aufnahme durch zu sein.
Ein Fender Bassman, Mesa/Boogie Studio 22 oder ein VOX AC30 durften auch schon mal für die Aufnahmen herhalten. Kurt stellte die Amps so ein, dass der Sound gerade noch clean war und stets am legendären „Edge of Breakup“ stand.
Live nutzte er Randall-Amps und wechselte in seiner späteren Phase zu Sunn Beta Lead-Topteilen und Peavey 4x12er-Boxen. Schließlich kam dann doch auch ein Rack zum Einsatz, bestehend aus Mesa/Boogie Studio-Preamps und Crown- oder Crest PA-Endstufen, verstärkt über 4x12er-Marshall-Boxen. Geboostet wurde das Ganze über SansAmp-Pedale.

So wie der Sound von Kurt Cobain waren auch seine Gitarren meist außergewöhnlich. Hier die Mosride The Ventures. (Quelle: Francisco Antunes from Manchester, United Kingdom, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons)
Das SansAmp-Pedal war eigentlich eine DI-Box und nicht als Verzerrer gedacht. Kurt störte das jedoch in keiner Weise und das seltene Gerät wurde dank ihm als SansAmp Classic neu aufgelegt.
Die von Kurt Cobain bei Nirvana eingesetzten Effekte kamen von Boss und Electro-Harmonix. Diese Geräte waren damals nicht sehr beliebt und wer weiß, vielleicht bekam man sie beim Kauf einer Second-Hand-Gitarre einfach mit dazu … Damals wollte einfach niemand diese rauschenden, analogen Geräte spielen, da man gerade die neuen, cleanen Rack-Effekte für Gitarristen entdeckt hatte.
Kurt Cobain hat neben der Passion für Offset-Gitarren also in gewisser Weise auch den Markt und ein Revival für Gitarreneffekte gerettet. Vielen Dank dafür!
Ein EHX Small Clone, ein Echoflanger oder der Poly Chorus gehörten zu seinen Modulations-Lieblingen. Er drehte die Modulationstiefe weit auf und erzeugte damit dieses markante Leiern, das man – in Verbindung mit ordentlich Verzerrung – aus so vielen seiner Gitarrenmelodien kennt. Wie beispielsweise in dem Song Heart Shaped Box.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
In den stark verzerrten Refrains kamen ein Boss DS-1, DS-2 (in Mode 1 und mit den gleichen Einstellungen wie das DS-1), die heute legendäre ProCo RAT oder auch mal ein Big Muff zum Einsatz.
Bei Aufnahmen spielte er die verzerrten Sounds teilweise auch direkt ins Mischpult.
In gewisser Weise zog sich also ein roter Faden durch seine Setup-Wahl: Kurt wählte die ungeliebten und gebrauchten Gitarren und Effektpedale – und anschließend wurden sie teuer und gesucht. Wahrscheinlich, weil Gitarristen immer noch nicht verstanden haben, dass der Musiker und nicht nur das Equipment den Sound ausmacht. Ich frage mich manchmal, ob der Blockflötenpreis auch so durch die Decke gegangen wäre, wenn er eine gespielt hätte.
Kurt Cobains Equipment zum kleinen Preis
Wenn man dem Sound des Nirvana-Frontmanns – ganz im Stil von Kurt Cobain – günstig nahekommen möchte, sollte man bereit sein, etwas zu basteln. Offsets mit Humbuckern sind insbesondere im unteren Preissegment recht selten.
Die Harley Benton MS-60 kommt einer Mustang schon recht nahe.
Hier müsste man zwei Humbucker einbauen. Das Pickguard hat Aussparungen für Singlecoils. Man könnte also Humbucker im Singlecoil-Format einbauen.
Da man ohnehin basteln muss, könnte man auch das Pickguard ausfräsen und breite Humbucker einsetzen.
Eine günstigere Alternative wäre eine Squier Sonic Mustang HH. Diese hat bereits Humbucker, allerdings ist die Brückenkonstruktion anders als bei einer klassischen Mustang.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Als Verzerrer könnte man jedes beliebige Distortion-Pedal nutzen. Beispielsweise das Harley Benton MiniStomp Plexicon.
Als Verstärker würde ich einen mit Röhrenvorstufe wählen. Je nach gewünschter Gesamtlautstärke gäbe es hier unterschiedliche Möglichkeiten. Mit Röhrenvorstufe eignet sich beispielsweise der Vox VT40X.
Doch wie gesagt, letztlich machte die Emotionalität von Kurt Cobain seinen Stil aus.































Die Hinweise zum Nachbau eines Cobain-Like-Setup finde ich klasse! Leider lässt der Schmerz nach der Schulter-Operation nur langsam nach… Aufs Gitarre spielen und dem Nachbau freue ich mich schon jetzt! – Wenn der Schmerz mal vorbei ist…🥴👍
@CDRowell Gute Besserung!
@Filterspiel Danke!
@CDRowell Ja, halte uns mal auf dem Laufenden, wie es klappt, wenn deine Schulter wieder ausgeheilt ist🎸Auch von mir eine gute Besserung 🤞
@Sonja (Team DelayDude) 😬👍
Eigentlich käme ja nur die Harley Benton MS-60 wg der Brückenkonstruktion in Frage. Gerade wenn man basteln will für schmales Geld. Ich finde die Idee super, denn ich stehe total auf den Cobain Sound. Eine weiße Gitarre ist für mich allerdings ein nogo. Blau wäre cool.
Bester Artikel. Man kann es nicht oft genug sagen und schreiben: die Kunstschaffenden machen das meiste aus, nicht unbedingt die spezifischen Werkzeuge. 😊
Und ja, natürlich bekommt man mit verschiedenen Werkzeugen (hier: Instrumente und Effekte) unterschiedliche Ergebnisse. Also kann und soll man als Künstler*in immer wieder gerne experimentieren.
Aber andersrum wird eben auch ein Schuh draus: zwei Leute mit dem gleichen Werkzeug werden unterschiedliche Ergebnisse erzielen.
P.S. Kunst muss nicht immer allen gefallen – der Satz ist auch toll!
Die Musik war neu, und ja, er bzw. Nirvana waren der Inbegriff des Grunge. Besondere Virtuosität, die ihn in die Liste der besten Gitarristen der Welt einordnet, kann ich jedoch beim besten Willen nicht erkennen.
@Mac Abre Das sehe ich ganz genauso.
@network southwest Viele Leute unterscheiden nicht zwischen Musik, die sie mögen und guten Instrumentalisten. Das ist auch vollkommen verständlich. In der Musik, die ich am häufigsten höre, ist die Menge an herausragenden Instrumentalisten verschwindend gering. Das muss ich akzeptieren. Die Qualität dieser Musikrichtungen liegt viel mehr in der Komposition als in der Fingerfertigkeit.
@Mac Abre ich habe den Autor so verstanden, dass er unterscheidet zwischen „Fingerfertigkeit“ im Sinne von Virtuosität und der Fähigkeit so zu spielen, dass es Menschen bewegt. Die gespielten Melodien laufen vielleicht unter Songwriting, aber Soli z.B. würde ich jetzt nicht unter Komposition einordnen.
@Ventilator-Holzschuh Soli werden auch komponiert. Jemand entscheidet, wann welche Note wie gespielt wird – das ist Komposition. Ob das vorher auf dem Papier oder in der DAW geschieht oder spontan auf der Bühne, macht dabei fachlich keinen Unterschied.
Zitat: „Wie bereits erwähnt, war Cobain technisch nicht sonderlich versiert, doch er hatte die Fähigkeit, seine Emotionen mithilfe der Gitarre zu transportieren – und genau das macht ihn in meinen Augen zu einem der besten Gitarristen der Welt.“
@Ventilator-Holzschuh Genau auf dieses Zitat bezieht sich mein obiger Kommentar. Auch das mach meiner Meinung nach niemanden zu einem der Besten seiner Kunst. Beispielsweise drücke ich Emotionen in Gemälden aus, das wird von den Betrachtern auch so verstanden, wie ich es meine, also habe ich die ebenfalls die Fähigkeit Emotionen zu transportieren. Dennoch macht mich das ganz und gar nicht zu einem der Besten Maler der Welt. Dazu gehört so viel mehr.