Der Sound des Meisters zum kleinen Preis

Mark Knopfler live at the National Exhibition Centre in Birmingham, England, 2008 (Quelle: Christopher Bowley, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons)
Mark Knopfler hat seinen ganz eigenen Sound kreiert und gehört in meinen Augen definitiv zu den besten Gitarristen. Man erkennt den charakteristischen Klang schon nach wenigen Tönen, wenn er mit seinen dezent gewählten Melodien eine Art Storytelling erzeugt.
Inhaltsverzeichnis
Der besondere Stil von Mark Knopfler
Ob als Gitarrist der Dire Straits oder in seinen Soloprojekten: das Fingerpicking, der cleane Ton und ein ganz eigener Stilmix aus Blues, Folk, Country und Pop mit einer ordentlichen Prise 80er-Jahre-Flair sind unverkennbar.
Der in Glasgow geborene Gitarrist ist Linkshänder und man munkelt, dass er aus diesem Grund seine komplexe Picking-Technik auf der Rechtshänder-Gitarre entwickelt hat. Kombiniert mit Pull-offs, Slides und Bendings kreiert er ein Spiel auf höchstem Niveau. Dieses verbindet er mit komplexen Akkordfolgen, folkigen Vocals und Fills im Stil von Hank Marvin.
Mark Knopfler benutzt fast nie ein Plektrum, sondern zupft mit den Fingern. Diese Technik kennt man eher aus dem Country oder Folk, mit dem er aufgewachsen ist. Doch er hat diese Technik auf die Rockmusik übertragen und damit seinen eigenen Stil geprägt. Sein Anschlag ist dadurch dynamisch und er kann jeden einzelnen Ton mit der rechten Hand formen. Es ist faszinierend, wie man dadurch auch aus einer E-Gitarre noch mehr Nuancen herausholen kann.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger spielt er eine Art Hybrid-Picking. Dadurch wird sein Spiel sehr fließend. Und das nutzt er voll aus und variiert damit Lautstärke und Artikulation. Sein Spiel klingt teilweise fast wie eine Gesangsstimme. Mit abgedämpften Tönen, Slides und Ghost-Notes verfeinert er seinen Sound.
Rockmusik statt englische Literatur
Als Sohn eines Architekten wächst Knopfler nicht gerade in einer sehr musikalischen Familie auf. Er kann sich aber schon früh für Chet Atkins, B. B. King und Lonnie Johnson begeistern und übt deren Spielweise ausgiebig. Ein Studium der englischen Literatur war vermutlich die Idee seiner Eltern.

Dire Straits 1985 (Quelle: Helge Øverås, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons)
Neben seiner Arbeit als Rockkritiker und Lehrer spielt Mark Knopfler in den 1970er-Jahren eher hobbymäßig in der Band Dire Straits. Als die Band 1978 den Song „Sultans of Swing“ aufnimmt, erlangen die Dire Straits eine größere Bekanntheit. Nachdem sie als Vorgruppe der Talking Heads tourten, können die Dire Straits mit dem nun aufgenommenen Debütalbum die Charts und – aufgrund der Country-Einflüsse – sogar den amerikanischen Markt erobern.
Auf den Alben Communiqué aus dem Jahr 1979 und Making Movies von 1980 verfeinert die Band ihren Stil komplexer Arrangements und eingängiger Hooklines weiter. Mit ihrem Album Love Over Gold erreichen sie erstmals einen Nummer-1-Hit in England.
Doch anstatt sofort ein weiteres Album aufzunehmen, gastiert Knopfler zunächst auf verschiedenen Alben anderer Künstler. Von Van Morrison über den Soundtrack zu Local Hero bis zu Bob Dylan spielt er sich durch die Musikwelt. Zur Überbrückung veröffentlichen die Dire Straits ein Live-Album.
Erst 1985 bringen sie dann ein neues Album heraus. Mit Hits wie „Money for Nothing“ haben sie das Album Brothers in Arms für die Ewigkeit geschaffen und bleiben lange in den Charts.
Ende der 1980er-Jahre geht er dann gemeinsam mit keinem Geringeren als Eric Clapton auf Tour.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Das folgende Dire-Straits-Album On Every Street aus dem Jahr 1991 konnte an die Erfolge von Brother in Arms nicht ganz heranreichen, erhielt aber dennoch 38 Platin-Auszeichnungen und eine Diamant-Auszeichnung.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Die Liebe zu Soundtracks führt Mark Knopfer aber immer wieder zu entsprechenden Projekten zurück. Absolut legendär dürfte hier beispielsweise sein Soundtrack zu dem 1997 erschienen FiIm Wag the Dog sein.
Die Gitarren von Mark Knopfler
Inspiriert von Hank Marvin spielt Mark Knopfler häufig eine rote Fender Stratocaster. Diese 1961er Strat mit Palisander-Griffbrett wird zu seinem Markenzeichen. Er spielt ohne Plektrum und kann seinem Gitarren-Sound dadurch besonders viel Ausdruck verleihen. Der legendäre Gitarrist entwickelt seinen eigenen Sound und schaltet den Pickup-Wahlschalter oft in die Steg- und Mittelpickup-Position. Dieser hohle und perkussive Sound ist ganz klar auf „Sultans of Swing“ zu hören und wurde zu seinem Signature-Sound.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Für das Album Brothers in Arms wählt Knopfler eine Gibson Les Paul. Inspiriert hat ihn dazu Billy Gibbons von ZZ Top. Den authentischen „Money for Nothing“-Sound bekommt man daher mit einer Les Paul samt feststehendem Wah-Pedal hin.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Zu seinen weiteren Gitarren zählen eine schwarze Fender Telecaster Custom aus den 70ern, eine Sunburst Fender Stratocaster von 1954, eine weiße 65er Stratocaster sowie eine blonde 54er Telecaster.
Aus dem Hause Gibson spielt er eine Les Paul Standard aus dem Jahr 1984, natürlich eine 1958er und 1959er Les Paul, alte SGs, Les Paul Specials, eine 59er ES-335 und eine Super 400.
Aber auch damals neuen Modellen ist er nicht abgeneigt. Das beweist er mit einer Steinberger GL2, Erlewine Custom, Schecter Custom-Gitarren und Suhr Strats mit EMG-Pickups und Floyd-Rose-Vibrato-System.
Für Slides wählt er manchmal eine Danelectro DC59. Wenn es mal akustisch sein soll, spielt er Gibson J-45, Burns 12-saitige, National Style-0 und Ovations.
Die Verstärker
Anfangs nutzte Mark Knopfler Music Man 212-HD 130 Combos. Bei seinen ersten Konzerten wurde aber auch gespielt, was gerade da war – unter anderem ein Selmer Thunderbird Twin 30.
Seine erste Wahl ist ein Fender Vibrolux aus den frühen 60er-Jahren. Vor allem im Studio kommt dieser zum Einsatz. Live setzt Knopfler auf Fender Twin Reverbs, die über Marshall 4x12er-Boxen verstärkt werden.
Später kommen auch Boogie Mark IIC dazu. Während seiner Rack-Phase spielt er zwei Soldano SLO 100 und Marshall 4x12er-Boxen mit leistungsstarken Electro-Voice 12L-Speakern.
Seine Soloalben werden mit kleineren Amps wie dem Crate VC5212 eingespielt. Es folgen die üblichen Klassiker wie ein Fender Tweed Bassman, ein Blackface Twin Reverb, Marshall JTM-45 und ein Tone King Imperial.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Live setzt Gitarrist Mark Knopfler dann meist Fender Vibroverbs, die er mit einem externen Preamp etwas heißer anspielt. Die Soldanos unterstützen den Sound des Meisters. Aktuell soll er live sogar Kemper Amps einsetzen.
Die Effekte von Knopfler
Generell hält sich Mark Knopfler in Bezug auf Effektgeräte sehr zurück, da er sehr dynamisch spielt. Ein Volume-Pedal von Ernie Ball oder Morley zum Einfaden gehört zu seinen wichtigsten Pedalen.
Einen Crowther Hot Cake und einen Dan Armstrong Kompressor nutzte er schon sehr früh, um seine Amps zu boosten. Live setzt er auf das MXR Analog Delay.

Mark Knopfler in der Royal Albert Hall 2019 (Quelle: Raph_PH, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons)
In den 80ern kommt auch Mark Knopfler nicht um das typische Pete Cornish Rack-System herum. Darin tummeln sich die von Cornish oft verwendeten Effekte wie der Boss Super Chorus, ein Yamaha Rev-5, natürlich ein TC Electronic 2290 Delay, Alesis Quadraverb und ein Zoom 9010 Multieffekt.
Für die Akustikgitarre kommt außerdem ein TC Electronic Parametric-EQ zum Einsatz. Geschaltet wird alles von einem Guitar Tech.
Mark Knopfler Gear on Budget
Mit einer roten Stratocaster mit Palisander-Griffbrett kann man schon mal nicht viel falsch machen, wenn man dem Sound und dem Bühnen-Look von Mark Knopfler nacheifert. Stellt man den Pickup-Wahlschalter in die Zwischenposition, erhält man seinen Signature-Sound. Bereits für 89,- Euro kann man sich eine Strat-Kopie zulegen.
Sein Gitarrensound ist klar und warm und mit nur wenig Verzerrung. Seine Amps betonen die Mitten und haben einen transparenten Sound. Als Verstärker sollte man eigentlich für diesen puren Ton einen Röhrenverstärker wählen. Je nach Band-Lautstärke kann man ruhig ein Modell mit etwas mehr Leistung wählen, damit er weitgehend clean bleibt. Für leisere Bands oder wenn man den Amp per Mikrofon abnimmt, könnte der Harley Benton Tube5 Combo eine gute Wahl sein. Er basiert von seiner Schaltung auf kleinen Fender-Röhrenamps und kostet lediglich 149,- Euro.
Alternativ – und wenn man etwas mehr ausgeben möchte – könnte man aber auch einen digitalen Modeling-Amp wählen. Der Boss Katana 50 Gen 3 wäre hier eine gute Alternative.

Mark Knopfler Live 2012 (Quelle: Land Rover MENA, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons)
Er ist zwar etwas teurer, aber dafür spart man sich den sonst erforderlichen Booster, den man benötigt, um den Amp etwas anzupusten. Ein flexibler Booster für den Röhren-Amp wäre der Flamma FC18 Clean Boost. Mit eingebautem EQ und Gain kann man den Sound noch abstimmen und etwas Schmutz hinzufügen.
Wenn man unbedingt „Money for Nothing“ spielen möchte, braucht man natürlich ein Wah-Pedal. Das Harley Benton Custom Line WP-60 Wah erfüllt diesen Job.
Und das Geld für das Plektrum kann man sich ja sparen.



























Das „On every Street“ samt Welttournee gefloppt wäre ist mir neu.
https://en.wikipedia.org/wiki/On_Every_Street
„Calling Elvis“ lief damals überall rauf und runter.
@ach herrjemine ja das ist schon eine seltsame Definition von „Flop“
„On Every Street was released on 9 September 1991, more than six years after the band’s previous album, Brothers in Arms, and was Dire Straits’ sixth and final studio album. It was released to mixed reviews and was not as popular – or as successful – as its predecessor, though it had still sold more than 15 million copies worldwide by 2008. It reached number 12 in the United States and number one in the United Kingdom and numerous European countries; it was particularly successful in France, selling nearly two million copies. The album was produced by Mark Knopfler and Dire Straits“
https://www.sessiondays.com/2018/12/1991-dire-straits-every-street/
Ja es war nicht so erfolgreich wie Brothes in Arms, aber solche Erfahrungen gibt es viele, oder?
@TomH so wie Leute die meinen „Bad“ war ein Flop..
na ja, das meistverkaufte Album aller Zeiten wird man schwer toppen können, zumindest bezüglich der verkaufszahlen
@Numitron Ja aber das zweitmeistverkaufte Album einer erfolgreichen Band mit einer langen Geschichte ist dann immer noch weit entfernt von einem Flop.
Die Tour war, wenn ich wikipedia richtig interpretiere sogar ihre erfolgreichste.
Das Wort „Flop“ ist da einfach mal fehl am Platze.
@ach herrjemine Die Aussage hat mich auch gewundert. Auch die Tour war alles andere als ein Flop. Die beiden letzten Dire Straits Alben und die darauffolgenden Tourneen waren der Grund, warum Knopfler die Band (nie offiziell übrigens) aufgelöst hat: Ihm wurde klar, dass er das nicht zurückdrehen kann und durch den Erfolg Konzerte in riesigen Arenen die Folge sind. Das wollte er schlicht nicht, wie er schon öfter in Interviews erzählt hat.
Seine Karriere ging dann aber erst richtig los. Seine Solo-Alben und die Solo-Tourneen sind ebenfalls sehr erfolgreich und er ist seinem Grundsatz treu geblieben und hat in maximal mittelgroßen Hallen gespielt statt in Arenen.
Seine Spieltechnik ist vom Wechselschlag geprägten Folk Picking abgeleitet, wo der Daumen zwischen Grundton und Quinte auf der E- und A-Saite wechselt und Zeige-, Mittel- und manchmal auch Ringfinger zupfen oder schlagen. Das ist auch die Grundlage von Money for Nothing, nur dass hier die Zwischenschläge als Ghostnotes ausgeführt sind. Er demonstriert das in einigen Videos im langsamen Tempo und zeigt den Übergang von einem typischen Folk Pattern zu Money for Nothing.
Mark Knopfler spielte schon bei den Dire Straits alternative Tunings, z.B. bei Romeo & Juliett. In den 90ern spielte er Soldano Heads, auf der letzten Tour Kemper Amps, für die von seinem Equipment Profile erstellt wurden. Seine Gitarren hat er größtenteils für elnen guten Zweck versteigert, um Platz für neue zu schaffen 😀 Ihm gehört ein großes Studio in London.
@Markus Galla Danke für Deine ausführliche Antwort. Euer Artikel ist super. Aber vielleicht solltet ihr den „Flop“ korrigieren. So entstehen Internet-Mythen.
Ich wünsche allseits einen guten Start in die Woche.
Hallo zusammen,
ihr habt natürlich absolut recht. Top, dass ihr den Text so aufmerksam gelesen habt👍Das Wetter in Berlin hat mir da bei Schreiben wohl den Kopf vernebelt … 😖natürlich haben wir den Text entsprechend korrigiert🎸
@DelayDude Danke! (Hinweis: In dem Absatz heißt das vorletzte Album jetzt „Brother of Arms“ ;)
Die Idee „Wie kriege ich den Sound mit kleinem Budget“ finde ich wirklich toll, aber bei der Gitarre hast Du das mMn etwas übertrieben: Das Leben ist zu kurz für Pappelgitarren, wenn es die hier als Alternative gibt:
https://www.thomann.de/de/harley_benton_st_59hm_fiesta_red_tribute.htm
Ja, Griffbrett ist Ahorn statt Palisander, dafür mehr Hank Marvin – insgesamt die bessere Lösung, auch zum etwas höheren Preis.
Super zu lesen, danke. Ganz wichtig ist natürlich das „Wie“. Ich meine wie Knopfler spielt, sein Fingerpicking Style ist nahezu einzigartig, seine dynamische Spielweise seine absolute Signature. Alles Gear dee Welt wird nicht reichen wenn man sich nicht diesen Techniken und dem alten Motto „üben, üben und nochmal üben“ widmet. Go for it!
@Mike Perschy Könnte man eigentlich unter jeden Artikel schreiben, der daherkommt als „Mit Equipment X endlich klingen wie Gitarrenikone Y“. Der Ton kommt primär aus den Fingern und Herr Knopfler hätte wahrscheinlich auch mit einer Flying V über nen ollen SABA Radioreceiver (selbstverständlich mit aktivierten Buttons „loudness“, „präsenz“, „rumpel“ und „rausch“) mit selbstgelötetem Conrad-Preamp genau wie er selbst geklungen 😂
@MatthiasH Ein toller Vergleich, der genau den Vibe trifft den ich meinte. Ich meine, sieh dir die Live-Konzerte an, seine Strat klingt genau gleich wie seine Paula. Da ist kein Brösel Unterschied. Zufall? Keineswegs. Klasse kommt zu einem Teil von Talent und zu zwei Teilen von Training.
Bemerkenswert an diesem Artikel ist, dass er zeigt, dass man für den Mark-Knopfler-Sound nur Minimalequipment braucht, das mit geringem Budget zu erwerben wäre. Wenn man aber wie M. K. klingen will, muss man erstmal lernen, zu spielen wie er. Und da wird’s interessant, da die Ausrede „Mir fehlt das professionelle Equipment“ nicht greift, wenn der Versuch scheitern sollte.