David Gilmours Gitarrensound mit dem Kemper Amp

7. Mai 2019

Mit dem Kemper Amp auf der Suche nach dem Sound von Mr. Gilmour

David Gilmours Gitarrensound mit dem Kemper Amp

David Gilmours Gitarrensound mit dem Kemper Amp

David Gilmour – kaum ein Gitarrist wird sich der Magie seines Spiels entziehen können, denn kaum ein anderer vereint auf so geniale Weise Simplizität im Spiel mit Breitwandsounds, Innovation und Gefühl. Das Solo am Ende des Pink Floyd Klassikers „Comfortably Numb“ wurde zu einem der besten Gitarrensoli aller Zeiten gekürt und ist für Fans sicherlich eins der Highlights der vergangenen Shows. Wer die Dortmunder Pink Floyd Ausstellung „Their Mortal Remains“ besucht hat, kann sich sicher an den letzten Raum der Ausstellung erinnern, in dem mit unfassbarem Sound und einer Lightshow eben dieser Song vom letzten Reunion-Konzert der Band präsentiert wurde.

David Gilmour ist immer Vorreiter der technischen Entwicklung der Gitarrenverstärkung gewesen und wer weiß, wäre er heute 28 und ähnlich erfolgreich, würde er vielleicht der technischen Innovation des Kemper Amp aufgeschlossen gegenüberstehen. David Gilmours Sounds haben im Laufe seiner Karriere viele Veränderungen durchgemacht, schauen wir uns mal ein paar der „Trademark Sounds“ an und versuchen, sie am Kemper zu simulieren.

Im ersten Teil dieser kleinen Serie, in der ich mich mit Steve Lukathers Gitarrensound beschäftigt habe, habe ich bereits angemerkt, dass gerade im Studio natürlich für uns schwer nachvollziehbare, technische Schweinereien im Spiel sind, so dass wir uns natürlich dem Wunschsound immer nur annähern können. Die richtige Spieltechnik spielt natürlich auch hier immer eine entscheidende Rolle, dem Original nahezukommen.

David Gilmour – Another Brick in the Wall

Einer der bekanntesten Songs von David Gilmour und Pink Floyd ist sicherlich „Another Brick in the Wall“ vom 1979 erschienenen Album „The Wall“. Hier kümmern wir uns zunächst mal um Part 1 mit seinem prägnanten Echosound, der zum damaligen Zeitpunkt die Augen und Ohren der Gitarristengemeinde offenstehen ließ.

Auf der Website www.gilmourish.com ist mit viel Liebe zum Detail aufgelistet, welches Equipment zu welcher Zeit von David Gilmour verwendet wurde, verbunden mit dem Hinweis, dass gerade bei diesen großen Produktionen Techniken zum Einsatz kommen, die eine Reproduktion des Sounds live on Stage schwierig machen. Da David Gilmour selbst diesen Song natürlich auch live performt hat, höre ich mir auch noch diverse Liveaufnahmen an und versuche, einen praxistauglichen Mittelwert zu erreichen. David Gilmours Amps kamen von den Firmen Hiwatt und WEM, das ist als Ausgangsinformation ja schon mal viel wert. Wichtig ist ein Amp mit viel cleanem Headroom, das bedeutet, dass der Amp auch bei hohen Lautstärkeeinstellungen nicht verzerren darf. Meine Wahl fällt hier auf ein Kemper Amp Profile von Guido Bungenstock, das bezeichnenderweise „Lowatt 50“ heißt, und dessen cleanstes Profile aus dem Lieferumfang meiner Vorstellung schon recht nahe kommt.

David Gilmour Sound auf dem Kemper

David Gilmours Sound des Klassikers „Another Brick in the Wall pt.1“ benötigt gar nicht viel, wie die Signalkette auf dem Kemper zeigt

Auf der Originalaufnahme des Albums ist der Sound merkwürdig höhenbeschnitten, trotzdem klar und brillant, da wurde viel mit oben schon genannten Studiotricks gearbeitet. Für eine Liveperformance wäre mir dieser Sound etwas zu durchsetzungsschwach. Ich beschneide schon im Equalizer des Amp-Profiles die Höhen und die Presence mit dem Wert -3,5, um die spitzen Höhen wegzubekommen und bin, bisher noch ohne jeglichen Effekt, dem Original schon sehr nahe. Das Original ist mit dem Bridge-Pickup der einer Strat gespielt, das ist mir persönlich zu schneidend, ich entscheide mich für den Hals-Pickup meiner modifizierten Blade Strat. Ganz entscheidende Bedeutung kommt bei David Gilmour immer der Kompressionseffekt am Anfang der Signalkette bei. Der Kemper-eigene Kompressor macht da eine gute Figur, die Intensität des Effekts steht in meinem folgenden Soundbeispiel auf 6, alle anderen Werte auf 0.

David Gilmour – das „Trademark-Delay“

Beschäftigen wir uns mit dem Delay, dem kommt hier ja tatsächlich eine immense Bedeutung zu. Auf oben genannter Website findet sich die Information, dass das Delay mit 440 ms Verzögerung eingestellt ist, sowie etwa 5-6 Wiederholungen aufweist. Das kann man sicherlich auch auszählen, aber hier verlasse ich mich zunächst auf diese Information. Die richtige Länge des Delays ist tatsächlich von großer Bedeutung, da es das Timing bzw. die Geschwindigkeit des Songs vorgibt. Hier, aus leidvoller Erfahrung, ist live ein gutes Monitoring wichtig, sodass die Gitarre bei allen anderen Mitmusikern sauber zu hören ist. Die Lautstärke des „Single Delays“ steht auf 100 %, die erste Wiederholung ist also genauso laut wie der angeschlagene Ton. Mit einer Feedback-Einstellung von 37 % komme ich meinem Ziel, 5-6 gut hörbare Wiederholungen zu erzeugen, recht nahe. Da ist ein bisschen Fingerspitzengefühl nötig, je nach Anschlagsstärke kann das auch zu viel sein.

Wichtig ist hier, dass die Eimerkette nicht abreißt, wenn wir die charakteristische „David Gilmour D-Saiten Figur“ kurz verlassen. Das Delay ist ganz gerade, das punktierte Achtel-Feeling entsteht aus dem Anschlag in der richtigen Geschwindigkeit und dem einsetzenden Echo. Hier einfach probieren, bis es passt, da hilft ein gutes „inneres Metronom“ und ein bisschen Erfahrung. Im Ergebnis „knallt“ mir der Sound noch etwas zu stark, deshalb route ich hinter den Amp noch einen Graphic-Equalizer und senke die Frequenzen um 2500 Hz stark ab. Auch hier, in Abhängigkeit von verwendeter Gitarre und Spieltechnik, einfach mal ganz bewusst hören, was die einzelnen Frequenzbänder mit dem Sound machen.

In Part 2 des Songs findet sich David Gilmours Soloklassiker, an diesem Sound habe ich mich vor einigen Monaten bereits versucht. Basis hier ist das Profile „Gilmours HW100“ aus der Rig Exchange des Kemper Amps. Wichtig ist hier zu wissen, dass das originale Solo nicht mit einer Strat, sondern mit einer Les Paul mit P90-Pickups eingespielt wurde und zwar wurde diese Gitarre unter Verwendung schwerster Kompression direkt ins Pult gestöpselt und anschließend über einen Mesa/Boogie Amp „gereampt“, wie man das heute nennt. Wir müssen also auch hier genau hören, was den Originalsound ausmacht.

Wichtig ist hier der Kompressor, den wir mit den oben aus Part 1 bekannten Einstellungen benutzen können. Der Graphic-Equalizer, der diesmal eine etwas breitere Schneise schlägt, ist hinter dem Amp wieder gut aufgehoben, hier senke ich nicht nur die Frequenzen um 2500 Hz ab, sondern hebe gleichzeitig auch die Nachbarfrequenzen bei 1250 Hz und 5000 Hz etwas an.

Ein Delay ist in diesem Sound nicht vonnöten, etwas Hall gibt dem ganzen Räumlichkeit, hier aber bitte mit Gefühl dosieren und den Sound nicht in einer Hallfahne ertränken. Kleiner Gag am Rande: Der Sound ist live nicht nutzbar, dazu setzt er sich zu wenig gegen die Band durch, deshalb bekommt er dort etwas weniger Kompression und einen Booster vorgeschaltet, ich nutze dazu den „Green Scream“ mit dezenter Verzerrung hinter dem Kompressor. Und hiermit rufe ich direkt zu einer kleinen Challenge auf: Baut den Solosound nach, ladet euer Video auf YouTube hoch und verlinkt es in den Kommentaren. Ich freue mich über jeden einzelnen Teilnehmer!

David Gilmour – Comfortably Numb Solosound

Wenden wir uns dem vorerst letzten Beispiel zu, dem Solo über dem Endvamp des Gänsehautsongs „Comfortably Numb“. Schnell wieder auf der oben schon genannten, wirklich empfehlenswerten Seite gilmourish.com gespickt. Und siehe da, fündig geworden. Solo: „Muff through a Hiwatt and a Yamaha rotating speaker„. Na also, dann los …

David Gilmour nutzt in der Regel nicht die Distortion seines Amps, sondern verwendet zum Verzerren seines Sounds gern Pedale. Der Big Muff ist eins seiner bevorzugten Pedale aus der Zeit des „The Wall“ Albums. Und ein solcher, beim Kemper Amp liebevoll „Muffin“ genannter Zerrer, ist mit an Bord. Zusammen mit dem schon verwendeten cleanen Profile „Lowatt C50“ klingt das schon recht amtlich, allerdings zu spitz, deshalb bemühen wir hier wieder mal einen Equalizer. Ich habe mich für den im Kemper Amp installierten „Studio-Equalizer“ entschieden, weil der in seiner Grundeinstellung netterweise schon genau das macht, was ich von ihm erwarte. Also rein in die Signalkette. Für den verwendeten „Rotating Speaker“ findet sich direkt in der entsprechenden Abteilung des Kemper Amps der „Rotary Speaker“ in der Grundeinstellung „Low“.

Dem klauen wir erst mal etwas das Stereosetting, denn das macht einen auf den Kopfhörern wirklich wahnsinnig und verwäscht den Sound mehr, als dass er ihm hilft. Außerdem ist bei extremen Stereosounds immer damit zu rechnen, dass es Phasenauslöschungen gibt. Also vorsichtig mit Stereoeffekten, die zerschießen einem auch gern mal den Monitorsound, wenn der aus organisatorischen Gründen zum Beispiel nur Mono angeboten werden kann. Da sollte man dann schon wissen, was man tut. Im Mix ist der Rotary Speaker auch erst mal zu präsent, also runter auf entspannte 20% und wir sind fast da, wo wir hinwollen.

David Gilmour Sound am Kemper

David Gilmour Sound am Kemper, hier die Signalkette zum Solosound von „Comfortably Numb“. Da ist jetzt schon etwas mehr am Start als vorher.

Der Kompressor vor dem Distortion-Pedal ist übrigens ein guter Trick, um dem Anschlag und dem Sustain etwas auf die Sprünge zu helfen, wenn man nicht im High-Gain-Bereich unterwegs ist. David Gilmour nutzt genau diesen Trick häufig. Danach muss dann aber,wegen der entstehenden Nebengeräusche ein sanftes Noise-Gate ans Werk, das uns in den Spielpausen die Ohren schont. Mit Delay und Reverb dicken wir den Sound nur etwas an, um in den „Wohlfühlmodus“ zu kommen. Zu viel davon macht Soundbrei, ich habe hier lediglich das „Legacy-Delay“ in der Einstellung „To Tempo“ mit 3/16 und 4/16 bei einem Mixanteil von höchstens 20 % zugefügt. Das stammt übrigens, wie auch die Einstellung des Halls, aus dem Lieferumfang des Lowatt-Profiles.

Mit dem Ergebnis dieser Bastelstunde überlasse ich euch das Feld für Rückmeldungen, Fragen, Anregungen, Kritiken und gebe euch noch mit auf den Weg, einfach mal beim Erstellen von Sounds der Kreativität freien Lauf zu lassen. Es gibt kein „falsch“, es gibt höchsten ein „Das klingt jetzt eher nicht so toll“ und Luft nach oben ist immer. Mir persönlich bringen diese Soundbasteleien immer sehr viel für zukünftige Projekte und sie schulen die Ohren! Stay tuned!

Fazit

Auch einem Soundtüftler wie David Gilmour kommt man durch intensives Hören und „Nachbasteln“ auf die Schliche. Trial and Error ist immer eine Option, es führen viele Wege zum Ziel!

Forum
  1. Profilbild
    HarryGisbert66

    Also , ich finde die Sounds sehr abweichend vom David G.-Sound. Das bekommt man schon mit ein paar Pedalen ( Reverb-Delay-Chorus -Compressor ) besser hin. Da brauch ich keinen Kemper dazu. Um dem Gilmour-Sound nahe zu kommen, muss man auch von der Spiel-Technik des Meisters eine Ahnung haben. Der Herr hat ein unglaubliches Gefühl für Bendings. Er ,, biegt“ die Töne perfekt in die richtige Höhe und das ist nicht so einfach. Ich kann bei den hier gezeigten Klang-Beispielen nur eine gaanz entfernte Ähnlichkeit feststellen. Ist nur meine pers. Meinung

    • Profilbild
      Jan Steiger  RED

      Moin :-)
      Danke für Deine Rückmeldung.
      Natürlich führen immer mehrere Wege zu Ziel, und es geht ja auch gar nicht darum, den Sound exakt nachzubilden, sondern ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich der jeweilige Sound zusammensetzt, und wie ich ihm mit dem mir zur Verfügung stehenden Equipment nahe komme. Nur Gilmour klingt wie Gilmour, und ich würde wahrscheinlich auch über sein Equipment exakt NICHT nach Gilmour klingen. Will ich auch gar nicht. Denn ich brauche, um mich auf der Bühne wohlzufühlen, zu einem gewissen Grad „meinen“ Sound“. Ich kenne Gitarristen, die Exakt Gilmours Equipment auf der Bühne stehen haben, aber von Feeling und „Ton“ meilenweit von Gilmour entfernt sind. Mir geht es darum, die Ohren zu öffnen und zu erkennen, wo sich die „Eckpfeiler“ des Sounds befinden und wie sie sich zusammensetzen. Du wärst überrascht, wie weit sich mein Sound innerhalb meines Floyd Tribute Projektes auf der Bühne vom Originalsound unterscheidet. Trotzdem kommen nach den Gigs Zuhörer zu mir und ich bekomme überwiegend positive Resonanz auf meinen Sound.

  2. Profilbild
    psv-ddv  AHU

    Ich finde es toll, wie detailliert Du Dich mit dem Gilmour Sound beschäftigt hast und es ist sehr spannend zu lesen, wie sich das mit einem Kemper Simulator umsetzen lässt. Leider klingt der Kemper nicht nach Gilmours Amps. Ich meine nicht Deinen Anschlag und Spiel, auch nicht die Effekte (das ist nochmal ein anderes Thema), sondern die Simulation des Amp Sounds. Da fehlt es vor allem untenrum erheblich an Druck und der charakteristischen Röhrenorganik. Das gilt übrigens auch für das weiter oben in den Kommentaren verlinkte Youtube Video. Toll gespielt, aber gleiches Problem. Das man den Gilmour Sound auch mit einfacheren Mitteln wie Pedalen und Kleineren Röhrenamps ganz gut hinbekommt, kann man ja auf Gilmourish.com hören.
    Der Kemper scheint mir da kein guter Ansatz zu sein. Sorry.

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      Jan Steiger  RED

      Hey, danke für die nette Rückmeldung.
      Das ist genau das, was ich im Text meinte mit „Studioschweinereien“. Wenn ich genau diesen Sound über die PA schiebe, hat der so viel Lowend und Röhrenschub, das kann man mit „Kemper direkt in die DAW“ nicht vergleichen. Wir spielen auch mit InEar, das ist nochmal ne ganz andere Baustelle. Modern Times. Wenn Du vor der Bühne stehst, ist der Sound ein ganz anderer. Mit YouTube Videos ist das nur bedingt nachstellbar. Hätte ich den Sound jetzt studiomäßig „dick“ gemacht, wäre er live unbrauchbar.
      Grundsätzlich ist der Kemper in der Lage, all das zu reproduzieren.
      Liebe Grüße,
      Jan

      • Profilbild
        psv-ddv  AHU

        Hi Jan,
        ich kann natürlich nicht beurteilen, wie Dein Kemper Sound dann über eine PA klingt. Da spielen ja dann in der Tat ganz andere Faktoren eine Rolle zumal jeder Veranstaltungsort anders klingt, weswegen Herr Gilmour ja live seine Einstellungen auch immer intensiv anpasst und entzerrt.
        Andererseits höre ich bei dem Youtube Kollegen die gleichen Einschränkungen wie bei Dir und der hat seinen Sound schon für die DAW optimiert.
        Daher fände ich es natürlich super spannend, wenn Du einen guten Livemitschnitt Deines Sounds verlinken würdest, oder Klangbeispiele mit DAW-geeigneten Einstellungen postest. Dann könnte man das besser beurteilen.
        Grüße!
        psv

  3. Profilbild
    Guernica  

    Der Kemper sieht einfach extremst unsexy aus, da kann kein einfach kein sexy Sound raus kommen.
    Hier wurde gerade der FENDER 62 PRINCETON CHRIS STAPLETON besprochen, so stelle ich mir einen Amp vor.
    Die virtuelle Realität ist…naja virtuell und hat mit Realität nicht allzuviel zu tun.

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