Kreative Werkzeuge zur Klanggestaltung
Ein Filter ist nicht nur gut um Störsignale oder unerwünschte Obertöne auszulöschen. Es formt und färbt unseren Klang nach eigenem Wunsch und ist für viele das wichtigste Element bei der Klanggestaltung. Deshalb habe ich mich auf die Suche gemacht, nach den besten kostenlosen Filter Plug-ins für die DAW, die es aktuell gibt, und bin auf altbewährte und auch ein paar interessante neue Kandidaten gestoßen.
Inhaltsverzeichnis
Der Fokus dieses Artikels richtet sich etwas mehr auf die Kreativität als auf den Klang, der aber natürlich nicht außen vorbleiben soll. Einfache Filter, die beispielsweise nur Hoch- und Tiefpassfilter bieten, sind dagegen eher für Mixing- und Mastering-Anwendungen gedacht und würden den Rahmen dieser Übersicht sprengen. Faktoren wie Flexibilität und Wiedererkennungswert spielen daher eine zentrale Rolle bei meiner Auswahl. Auch die Kompatibilität ist mir wichtig, weshalb ich mich wieder für Plug-ins entschieden habe, die zumindest für macOS und Windows erhältlich sind.
TAL-Filter-2
Der Name Togo Audio Line, kurz TAL, fällt prinzipiell immer, wenn es um gute und kostenlose Plug-ins geht. Nicht anders verhält es sich in der Kategorie der kostenlosen Filter Plug-ins.
Das TAL-Filter-2 bietet vielleicht nicht unbedingt das, was man vom Namen her erwartet, überrascht aber dafür vermutlich umso mehr. Neben 6 dB, 12 dB, 18 dB und 24 dB Tiefpassfiltern, jeweils einem 12 dB Hochpass- und Bandpassfilter sowie einem 12 dB Notch-Filter, gibt es auch die Möglichkeit, das Eingangssignal zu verstärken. Außerdem lässt sich das Panorama und die Lautstärke modulieren, wodurch das TAL Filter-2 sich hervorragend für Tremolo- und Gate-Effekte eignet.
Die Modulationskurve lässt sich über einen grafischen Editor frei gestalten. Mit zusätzlichem 4-fachem Oversampling, einer frei skalierbaren GUI und MPE-Unterstützung, ist das TAL Filter-2 ein klassischer No-Brainer.
- Format: VST, VST3, AU, AAX, CLAP
- Besonderheit: grafischer Editor zur Modulation
- Website TAL-Filter-2
Audiothing Filterjam
Filterjam ist ein Multiband-Resonanzfilter und erinnert klanglich stark an Ringmodulation. Wie für Audiothing üblich, ist auch dieses Plug-in optisch an elektronische Prüfgeräte vergangener Zeit angelehnt und gehört für mich ganz klar in die Übersicht der besten kostenlosen Filter Plug-ins.
Das Eingangssignal wird zunächst in vier Bänder aufgeteilt. Diese können in vier Modi wahlweise summiert oder multipliziert werden. Neben dem Kippschalter zum Auswählen einer dieser Modi gibt es einen riesigen Drehregler für die Frequenz und drei kleinere für Resonanz, Gain und Mix.
Von subtilen Eingriffen bis hin zu einer kompletten Verfremdung des Signals ist mit dem Audiothing Filterjam alles möglich. Persönlich mag ich den charaktervollen Klang sehr und nutze das Plug-in beinahe regelmäßig in meinen Sessions, gerne auch auf mehreren Spuren.
- Format: VST, VST3, AU, AAX, CLAP
- Besonderheit: sehr eigener Klang (angelehnt an alte Prüfgeräte)
- Website Audiojam Filterthing
Kilohearts Free Bundle
Ein ganzes Paket an Filtern gibt es im kostenlosen Bundle von Kilohearts. Aktuell beinhaltet das Bundle 34 Effekte, von denen man sieben zur Kategorie Filter zählen kann.
Es gibt einen 3-Band-EQ, ein Kammfilter, ein Multimode-Filter (nur als „Filter“ betitelt), ein Formant Filter, ein Ladder Filter, ein Nonlinear Filter und einen Resonator.
Die Effekte könnten kaum einfacher gestaltet sein, klingen aber allesamt einfach gut. Auch abseits der Filter ein generell zu empfehlendes Effekt-Bundle.
- Format: VST, VST3, AU, AAX
- Besonderheit: umfangreiches Paket verschiedener Filtertypen
- Website Kilohearts
HY-Filter4 FREE
Das HY-Filter4 FREE ist eine etwas reduzierte Variante des HY-Filter. Dennoch lässt sich damit so einiges Interessantes anstellen.
Es gibt zwei Filtertypen, ein State-Variable-Filter und ein 3-faches Bandpassfilter. Es lässt sich wahlweise das Ein- oder Ausgangssignal verstärken und es gibt einen Pan-Regler für Stereo-Effekte.
Neben einem einfachen LFO und einem Hüllkurvenfolger gibt es noch eine extra Sektion für Modulatoren. Davon gibt es fünf zur Auswahl: LFO, 2DLFO (X/Y-LFO), RND (Sample & Hold), ENV (Hüllkurvenfolger) und XY (X/Y-Pad).
Die FX-Reihe aus der kostenpflichtigen Version entfällt leider, aber dennoch finde ich das HY-Filter4 FREE sehr empfehlenswert. Vor allem mit den Bandpassfiltern in Kombination mit den Modulatoren lassen sich interessante Ergebnisse erzielen und auch das Signal etwas zu verzerren, egal ob Post oder Pre, kann ganz gut klingen.
- Format: VST, VST3, AU
- Besonderheiten: viele Modulatoren
- Website HY-Filter4 FREE
BPB Dirty Filter
Das Dirty Filter des allseits bekannten Bedroom Producers Blog, kurz BPB, verfolgt ebenso ein simples, aber effektives Prinzip. Es ist ein kombiniertes Tiefpass- und Hochpassfilter mit wahlweise 12 dB, 24 dB, 36 dB oder 48 dB Flankensteilheit.
Im Mittelpunkt sitzt ein großer Drive-Regler, der zum einen das Signal verzerrt und gleichzeitig die Resonanz beider Filter erhöht. Einen separaten Resonanzregler sucht man vergeblich. Sättigung und Verzerrung stehen beim BPB Dirty Filter genauso auf dem Speiseplan wie das Filtern.
Zusätzlich gibt es einen Mix-Regler und einen weiteren für das Ausgangssignal, welches sich nicht verringern, aber um bis zu 12 dB anheben lässt. Der Name ist Programm und ich denke, man muss den Klang einfach mögen.
- Fomat: VST, VST3, AU, AAX
- Besonderheit: Resonanz mit Drive verbunden
- Website BPB Dirty Filter
Ohmforce Frohmarger
Ohmforce ist bekannt für Plug-ins, die, nicht nur wegen den verrückten GUIs, immer etwas abseits der Norm sind. Ebenso das Filter namens Frohmager, das übrigens schon seit mittlerweile 24 Jahren existiert.
Im Kern ist Frohmager ein resonantes Tiefpassfilter, das jedoch harmonische Frequenzen beibehält und diese beispielsweise verstärken, verschieben, modulieren oder multiplizieren kann. Neben zahlreichen Modulationsmöglichkeiten, inklusive Kreuzmodulation und Makro-Controllern, ist auch ein Sequencer integriert.
Das Plug-in im Detail zu erläutern, würde einen eigenen Artikel benötigen. Wer gerne tüftelt und auf der Suche nach neuen Sounds ist, wird mit dem Ohmforce Frohmager sicherlich Spaß haben. Ich empfehle, das lesenswerte Handbuch zum Einstieg zu benutzen. Man muss es auch nicht immer übertreiben, denn das Plug-in klingt auch wahnsinnig gut für subtile Sättigungs- und Filtereffekte.
- Fomat: VST, AU, AAX
- Besonderheit: Fokus auf harmonische Frequenzen
- Website Ohmforce
TheWaveWarden Filter Force Free
The WaveWarden war mir bereits durch den Odin 2 Synthesizer ein Begriff. Filter Force ist ein duales Filter mit Modulatoren und in einer eingeschränkten Version auch kostenlos erhältlich.
Für die beiden Filter lassen sich in der kostenlosen Variante jeweils nur ein Tiefpass- und ein Hochpassfilter mit 24 dB Flankensteilheit auswählen. Von den potentiell vier verfügbaren Modulatoren lassen sich ebenfalls nur zwei nutzen. Dafür lassen sich die Modulatoren individuell für separate Kanäle nutzen und die Schwingungsformen lassen sich schrittweise einzeichnen, womit man sich interessante Sequenzen und tolle Stereo-Effekte erstellen kann.
Die acht Schwingungsformen lassen sich auch abschwächen, verstärken, glätten und zwischen unipolar und bipolar wechseln. Somit ist auch die kostenlose Version bereits eine sehr kurzweilige Variante.
- Format: VST3, AU
- Besonderheit: Modulations-Sequencer (separat für beide Kanäle)
- Website WaveWarden
Polyverse Filtron
Filtron von Polyverse ist ein 12 dB State-Variable-Filter, das stufenlos zwischen Tiefpass, Bandpass und Hochpass wechseln kann. Die Bedienoberfläche macht einen sehr aufgeräumten Eindruck und seinen Platz hat sich Filtron in der Übersicht der kostenlosen Filter Plug-ins verdient.
Die Parameter lassen sich mit CV-Generatoren, wie dem hauseigenen Gatekeeper, ansteuern, für den Filtron auch konzipiert wurde. Aber auch beispielsweise mit VCV-Rack und Konsorten funktioniert die CV-Modulation einwandfrei.
Da es sich hier um ein Stereo-Filter handelt, stehen für jeden Parameter und jeden Kanal auch eigene Modulationsziele bereit. Die Resonanz lässt das Filter bei Bedarf ordentlich, bis hin zur Selbstoszillation, pfeifen.
Das Eingangssignal lässt sich bis zur Sättigung verstärken und das Ausgangssignal kann ebenso über zwei unterschiedliche Modi verzerrt werden. Vor allem die Verzerrung am Ausgang empfand ich zwar weniger gelungen, dennoch ist das Polyverse Filtron ein durchaus brauchbares Filter.
- Fomat: VST2, VST3, AU, AAX
- Besonderheit: stufenloses wechseln der Filtertypen, CV-Modulation
- Website Polyverse
FKFX Influx
Das FKFX Influx ist in erster Linie ein klassischer Resonator, gemischt mit Tube Distortion und einer Wavetable-Technologie. Das Eingangssignal lässt sich bereits filtern bevor es in den sogenannten Flux Resonator gelangt.
Zur Modulation gibt es zwei LFOs, die ich eher als Modulation-Sequencer bezeichnen würde, von denen einer für den Resonator und ein weiterer für das Dry-/Wet-Verhältnis zuständig ist. Der Editor hierfür ist zu Beginn etwas holprig in der Nutzung, bietet aber viele nützliche Funktionen.
Neben einem Parameter für den Grundton gibt es eine Auswahl aus 38 Notenskalen. Die Tube Distortion ist nicht nur visuell, sondern auch klanglich gut umgesetzt und über die „Full Signal“-Schaltfläche wird nochmal ordentlich an Verzerrung hinzugefügt.
Das FKFX Influx eignet sich bestens für starke harmonische Verzerrungen mit Glitch-Effekten.
- Fomat: VST, VST3, AU
- Besonderheit: Resonator mit Wavetable-Technologie
- Website FKFX Influx
Audiomodern Filterstep
Filterstep von Audiomodern ist ein weiteres Filter mit integriertem Sequencer, unterscheidet sich jedoch wieder im Detail von den anderen kostenlosen Filter Plug-ins dieser Übersicht.. Zunächst lässt sich zwischen Tiefpass, Bandpass und Hochpass auswählen. Der Sequencer beinhaltet bis zu 64 Schritte, wobei hier auch ungerade Zahlen möglich sind. Die programmierten Schritte lassen sich glätten, abschwächen und verstärken. Auch die Laufrichtung des Sequencers lässt sich verändern (vorwärts, rückwärts und vor- und rückwärts) und im Standalone-Modus kann man sogar ein eigenes Tempo bestimmen.
Der große Würfel in der Mitte der Bedienoberfläche steht für eine Zufallsfunktion. Im Verbund mit der Infinity-Funktion lässt sich bestimmen wie oft die Sequenz durchlaufen und wiederholt wird, bevor eine neue generiert wird. Es lassen sich sogar einzelne Schritte arretieren, sodass sie nicht vom Zufallsmodus berührt sind. Ansonsten gibt es noch sinnvolle Funktionen wie Dry/Wet, Bypass, Reset (separat für den Sequencer und alle Einstellungen) und Undo. Das Audiomodern Filterstep lässt sich auch über MIDI CC steuern und ist somit ein guter Kandidat für Live Performances.
- Format: VST, VST3, AU, AAX
- Besonderheit: Fokus auf Live Performance, umfangreicher Sequencer
- Website Audiomodern Filterstep
Hollace Krunch
Krunch ist ein Tiefpassfilter- und Sättigungs-Plug-in in einem. Es basiert auf dem 1-Euro-Filter von Géry Casiez, Nicolas Roussel und Daniel Vogel. Es handelt sich dabei um einen einfachen Algorithmus zum Filtern verrauschter Signale für interaktive Systeme.
Auf Audiosignalen angewandt, erzeugt man so interessante Obertöne und das Plug-in lässt sich somit nicht nur zum Filtern einsetzen.
Die Bedienoberfläche könnte kaum simpler gestrickt sein. Im Zentrum ist der Krunch-Parameter, sozusagen die Filterfrequenz. Es gibt jeweils einen Regler für das Mixverhältnis und das Ausgangssignal sowie jeweils eine Schaltfläche für Oversampling und Bypass. Vor allem um Drums einen speziellen Charakter zu verleihen, eignet sich Krunch hervorragend. Aber auch subtil eingesetzt kann es eine gute Figur machen.
- Fomat: VST3
- Besonderheit: basiert auf dem 1-Euro-Filter
- Website Hollace Krunch
Brainworx bx_subfilter
Das bx_subfilter aus dem Hause Brainworx hat nur eine einzige Aufgabe: sich auf das Low End zu fokussieren. Und das funktioniert sowohl gut als auch einfach.
Neben Gain-Reglern für Ein- und Ausgang gibt es zwei weitere Regler namens Tight Punch und Low End. Tight Punch bestimmt die Frequenz und Low End bedient sich am Pegel. Über einen Schieberegler lässt sich die Resonanz zwischen Low, High und Extreme einstellen. Somit lässt sich das heißgeliebte Low End wunderbar in den Vordergrund rücken, ohne dabei den anderen Frequenzbereichen das Rampenlicht zu stehlen.
- Format: VST, VST3, AU, AAX
- Besonderheit: nur für das Low End konzipiert
- Website Plugin Alliance/Brainworx













































Danke für diesen Artikel samt Überblick!
Ja, ein guter Artikel weil Filter sind unglaublich richtig und wichtig. Mein Künstlersynonym ist ein Beispiel dafür. 😂 Diesbezüglich würde ich noch gerne den Plugin-Alliance Elysia Niveau Filter hinzufügen. Sieht optisch gut aus (3D), ist simple in der Bedienung und natürlich kostenlos. Ist aber wie schon im Artikel erwähnt eher für das mischen gedacht und klanglich „sehr normal“. Aber Einfachheit ist im Plugin-Überfluss nicht ganz unwichtig meiner Meinung nach. Ich benutze ihn gerne weil er tut das was er soll – Filtern.
@Filterpad 🤣👍Filter-Tipps vom FilterPad🫠👍
Es ist sowas von zum Verlieben,
wenn Worte sich im Ton verbiegen.
Danke für diese wunderbar aufbereitete Filtration
der Filterworks zum Filtrieren.
Sorry, diese Zeilen konnte ich mir nicht verkneifen…
Und noch einen zum Raushauen:
FilterGrizzly 2 von CFA‑Sound:
Satte Röhrensättigung plus analog modellierter 4‑Pol‑Lowpass und 2‑Pol‑Highpass, mit Feedback‑Circuit – Wärme pur…
Und noch einen zum Raushauen:
Flux Mini 2 von Caelum Audio:
Minimalistisches leichtgewichtig, dafür sauber, nutzerfreundlich, ideal für schnelle Schlaufen, also sofort Ergebnisse und kein Diving nötig…
@CDRowell Ja, das war tatsächlich der Sinn hinter meinem Namen (Synthesizerfilter). Leider wurden kurz dannach bzw. nahezu zeitgleich die Kaffeefilterpads populär.
@Filterpad Die interessieren ja nun wirklich NICHT, die Kaffeefilter… Vielleicht ein bisserl, so morgens, wenn das „Hohe C“ meiner Kehle nicht entfleuchen mag. 🤣
@Filterpad Definitiv ein gutes Filter! Ich musste leider so einige Filter filtrieren (um die Wortspiele kommen wir wohl nicht herum). Die beiden die CDRowell genannt hat habe ich gar nicht getestet, schau ich mir aber gerne mal an.
Ein (vielleicht) kleiner Geheimtipp: Sich einfach mal auf der Seite von Arturia registrieren, hier hatte ich das MiniFilter und das MS-20 Filter kostenlos bekommen. Ebenso den Plate Reverb. Glaube alle drei gab es in den ersten vier Wochen kostenlos.
https://fx.amee.ee/plugin/filtrr/
BlepFX Filtrr fehlt noch, dass soll auch richtig gut sein, ich bin immer noch nicht dazu gekommen, es endlich mal auszuprobieren.
@ollo Der soll auch bezahlt werden oder lese ich das falsch?
@CDRowell Nein, die Sachen sind kostenlos, man kann aber auch Geld für bezahlen.
@ollo cool! Das werde ich mir zu Leibe geben.
Daaanke!
@ollo Danke für den Tipp! Werde ich mir mal ansehen.