Kreatives Sounddesign mit Bordmitteln
Apple Logic Pro ist allgemein für die hohe Qualität seiner mitgelieferten Effekte sowie der Sampler und Synthesizer bekannt. Viele meiner Kollegen nutzen diese Plug-ins täglich und verzichten teilweise oder vollständig auf Drittanbieter-Plug-ins. Auch ich selbst käme auf einer einsamen Insel wahrscheinlich ausschließlich mit den Logic-eigenen Plug-ins zurecht, obwohl sich im Laufe der Zeit natürlich einige andere Favoriten angesammelt haben. Heute möchte ich euch jedoch die 5 besten Apple Logic Pro 11 Plug-ins vorstellen, die für mich unverzichtbar geworden sind und Logic neben dem Workflow und der Optik zu einem essenziellen Werkzeug für mich machen.
Inhaltsverzeichnis
- Apple Logic Pro
- Was mit den Apple Logic Pro 11 Plug-ins möglich?
- Logic Pro Compressor: Sieben legendäre Modelle in einem Plug-in
- ChromaGlow: Logic Pro Geheimtipp für Sättigung
- Phat FX: Schweizer Taschenmesser für kreatives Sounddesign
- Space Designer: Legendäres Hall-Plug-in nicht nur für realistische Räume
- Beat Breaker: Tolle rhythmische Inspirationen für Beats in Logic Pro
- Bonus: I/O-Plug-in zum Einbinden von Hardware
Was mit den Apple Logic Pro 11 Plug-ins möglich?
In diesem Workshop zeige ich euch anhand einer Schlagzeugaufnahme aus meinem Tonstudio, wie man diese ausschließlich mit den mitgelieferten Plug-ins von Apple Logic Pro 11 kreativ bearbeiten kann. Ihr werdet gleich hören, dass das Ergebnis bewusst kein klassischer Rock-Schlagzeugsound geworden ist, sondern einen sehr eigenständigen, verfremdeten Charakter besitzt. Gerade diese experimentelle Herangehensweise empfinde ich beim Mischen von Schlagzeugspuren als besonders spannend.

Die Stem-Funktion wurde für das letzte Logic Pro Update 11.2 erweitert!
Bevor ich mit der eigentlichen kreativen Bearbeitung begonnen habe, habe ich jede einzelne Spur zunächst mit dem Channel EQ von Logic Pro bearbeitet. Genau genommen habe ich also sogar sechs Logic-eigene Plug-ins verwendet, nicht nur die fünf, die ich euch hauptsächlich vorstellen möchte.
Der Channel EQ diente in diesem Schritt jedoch primär dazu, einige klangliche Unregelmäßigkeiten in der Aufnahme zu korrigieren. Die größten Probleme in der Rohaufnahme waren eine störende Resonanzfrequenz um 151 Hz sowie ein etwas zu schwachbrüstiger Bassbereich der Kickdrum. Der Channel EQ ist übrigens mein Standard-EQ für sämtliche Aufgaben während der Musikproduktion und des Mixings. Er ist immer verfügbar, intuitiv zu bedienen und erfüllt alle meine Anforderungen.
Logic Pro Compressor: Sieben legendäre Modelle in einem Plug-in
Während der Channel EQ ein eher unauffälliges Werkzeug für neutrale Klangkorrekturen ist, bietet dir der Kompressor von Logic Pro die Möglichkeit, gleich sieben legendäre Kompressorschaltungen zu emulieren. Mit nur einem Klick kannst du bequem zwischen diesen verschiedenen Emulationen wechseln und sie direkt miteinander vergleichen.
Diese Umsetzung ist wirklich gelungen, da alle Emulationen erstklassig klingen und sich vor teuren Plug-ins anderer Hersteller keineswegs verstecken müssen. Die Parametrisierung ist dabei zwar nicht 1:1 den Originalen nachempfunden, das empfinde ich aber keineswegs als Nachteil und man hat sich schnell damit arrangiert.
Mein persönlicher Favorit ist der Studio VCA Compressor, der den Klang eines Focusrite Red Kompressors nachbildet. Du hörst ihn auf der Summe des gesamten Drumsets. Für die Einzelspuren wie Kick und Snare habe ich hingegen die Vintage FET Variante verwendet, die unverkennbar einen Urei 1176 imitieren soll. Ich finde es fantastisch, dass man den Sound direkt mit dem Kompressor einstellen und dann einfach zu einer anderen Emulation wechseln kann, um zu prüfen, ob diese vielleicht noch besser zum jeweiligen Sound passt.
Eine Funktion, die ich ebenfalls sehr gerne nutze, ist die Sidechain-Funktion des Kompressors. Im folgenden Beispiel könnt ihr hören, wie ein Raummikrofon über die Sidechain von der Kickdrum angesteuert wird, wodurch ein interessanter rhythmischer und klanglicher Effekt entsteht. Auch die Drive-Funktion des Kompressors, die dem Signal zusätzliche Verzerrung verleiht, kommt bei mir oft zum Einsatz.
Wichtig zu wissen ist, dass der Make-up-Regler vor der Verzerrungsstufe sitzt: Je mehr Make-up hinzugefügt wird, desto stärker die Verzerrung. Dies lässt sich hervorragend für kreatives Sounddesign nutzen. Allerdings solltet ihr daran denken, einen eventuell zu hohen Pegel mit dem Output-Regler des Kompressors wieder auszugleichen. Bevor das ChromaGlow Plug-in eingeführt wurde, habe ich den Kompressor oft gezielt wegen dieser Drive-Schaltung genutzt, um Signalen mehr Sättigung zu verleihen. In solchen Fällen habe ich einfach die Ratio auf 1:1 gestellt, um ausschließlich die Verzerrung des Kompressor-Plug-ins zu nutzen.
Im Anschluss könnt ihr euch zunächst die unbearbeitete Originalaufnahme anhören. Danach folgt die Version, die mit dem Channel EQ und dem Kompressor bearbeitet wurde. Zum Schluss hört ihr das Raumsignal einmal ohne und einmal mit dem Kompressor, damit ihr den Effekt des Sidechainings auf dieser Spur deutlich wahrnehmen könnt. Bei dem Raumsignal handelt es sich übrigens um ein Shure SM 57 Mikrofon, das, wie auf dem untenstehende Bild zu sehen ist, direkt auf die Wand ausgerichtet war. Diese interessante Mikrofontechnik kann einer Schlagzeugaufnahme sehr viel Charakter verleihen und ich kann euch nur empfehlen, sie einmal selbst auszuprobieren!
ChromaGlow: Logic Pro Geheimtipp für Sättigung
Mit einem der letzten Updates hat Logic Pro das Plug-in ChromaGlow spendiert bekommen, das sich ganz auf Verzerrung spezialisiert hat. Besonders die Nachbildung von Röhren und klassischen Mischpulten steht dabei im Fokus. Ihr könnt das Plug-in hier auf einer sogenannten Wurst-Spur hören. Die Wurst ist eine spezielle Mikrofonierungsart, die von Moses Schneider entwickelt wurde. Dabei wird ein Mikrofon in gleichem Abstand zwischen Snare, Bassdrum und Floortom positioniert. In diesem Fall habe ich ein Shure SM 57 genutzt.
Moses erklärt in vielen Interviews und Artikeln, wie er dieses Signal als eine Art Verzerrer für das Schlagzeug einsetzt und dem Rest des Kits gezielt hinzumischt. Auch hier könnt ihr ein Klangbeispiel hören, zuerst ohne und dann mit ChromaGlow. Ich habe das Plug-in gezielt verwendet, um die tiefste Frequenz der Bassdrum etwas hervorzuheben. Dazu nutze ich neben viel Verzerrung einen Low-Cut mit einer sehr hohen Resonanz. In Kombination mit der Verzerrung erzeugt das einen Sound, der an eine Drummachine erinnert und dem Beat eine leicht elektronische Note verleiht sowie den Bassbereich verstärkt.
Phat FX: Schweizer Taschenmesser für kreatives Sounddesign
Phat FX ist eines der vielseitigen Multi-Effekt-Plug-ins in Apple Logic Pro 11. Es vereint verschiedene Effekte mit einer bewusst reduzierten Auswahl an Parametern in einem einzigen Plug-in. Das mag zunächst einschränkend klingen, lädt aber gerade deshalb zu unkonventionellen und kreativen Experimenten ein. Zwar bietet es nicht die Detailtiefe spezialisierter Einzel-Plug-ins, dafür ermöglicht es dir jedoch, schnell und intuitiv interessante Klänge zu formen.
Hier sind zwei Beispiele, um dir die Möglichkeiten zu verdeutlichen: Bei der Kickdrum empfand ich den Subbass-Bereich als etwas zu dünn. Mit dem integrierten Bass Enhancer Modul konnte ich ihn aber spürbar verstärken und ihm mehr Fundament verleihen. Für die Snare habe ich ein Filtermodul genutzt und dieses durch eine Modulation angesteuert. Das Ergebnis ist ein zusätzlicher, subtiler elektronischer Charakter, der dem Sound eine interessante Note verleiht. Mit Phat FX kannst du also auf einfache Weise deinen Tracks eine ganz eigene Klangfarbe geben.
Space Designer: Legendäres Hall-Plug-in nicht nur für realistische Räume
Vor über 20 Jahren revolutionierte der Space Designer die Welt der Audioeffekte. Nie zuvor hatte man derart realistische Hallräume in einem Computer oder Plug-in gehört. Die bahnbrechende Technologie basierte auf Impulsantworten, digitalen Fingerabdrücken echter Räume, die man nun bequem am eigenen Rechner nutzen konnte. Fun Fact am Rande: Mein Test des Space Designers war damals einer meiner ersten Artikel für Amazona.de – schaut doch mal rein!
Auch wenn es heutzutage vielleicht Plug-ins gibt, die auf Algorithmenbasis noch etwas feiner klingen mögen, nutze und schätze ich den Space Designer nach wie vor sehr. Zum einen kenne ich viele der mitgelieferten Räume einfach ausgezeichnet und habe sie fest in mein Mixing-Template integriert. Zum anderen begeistern mich die vielfältigen kreativen Möglichkeiten, die dieses Plug-in bietet.
Logic Pro liefert mit dem Space Designer eine beeindruckende Auswahl an Impulsantworten, die nicht immer realistisch sein müssen, um äußerst spannende und inspirierende Klänge zu erzeugen. In unserem Beispiel hört ihr den Space Designer auf zwei Spuren: auf der Snare und der sogenannten „Wurst“, und zwar mit dem Preset „Warm Slap Gate“.
Beat Breaker: Tolle rhythmische Inspirationen für Beats in Logic Pro
Zu guter Letzt habe ich den fertigen Loop noch durch den Beat Breaker geschickt, ein weiteres vielseitiges Multi-Effekt-Plug-in von Apple Logic Pro. Beat Breaker zerlegt das eingehende Audiosignal in einzelne Abschnitte, sogenannte Slices, und ermöglicht es dir, diese auf vielfältige Weise kreativ zu bearbeiten.
Dabei stehen dir zahlreiche Parameter zur Verfügung, darunter Tonhöhe, Abspielrichtung und Geschwindigkeit. Auch interessante Stutter- und Repeat-Effekte lassen sich damit problemlos erzeugen, um deinen Beats eine ganz besondere rhythmische Note zu verleihen. Im nächsten Beispiel hört man jetzt alle Bearbeitungen zusammen.
Bonus: I/O-Plug-in zum Einbinden von Hardware
Als kleinen Bonus habe ich noch das I/O-Plug-in von Logic Pro benutzt, um den kompletten Mix noch einmal aus dem Computer herauszuführen und per Hardware weiter zu bearbeiten. In dem Fall kam ein alter TEAC 2A Mixer aus den 70ern zum Einsatz, den ich genutzt habe, um das Signal noch weiter zu verzerren, die Bässe anzuheben und so dem Ganzen noch einen kräftigen Stempel analogen Sounds zu verleihen.







































Ich möchte mich für diesen Bericht/Workshop bedanken. Ich kann die Qualität von Apples Plugins absolut bestätigen. Neben Drittanbieter-Plugins nutze ich auch sehr gerne die hauseigenen Plugins von Apple. Einziger Kritikpunkt ist, dass einige Plugins eine veraltete Benutzeroberfläche haben. Apple hat bereits einige Plugins überarbeitet, aber es wird langsam Zeit, dass die restlichen Plugins eine neue Benutzeroberfläche erhalten.
@Round Robin Vielen Dank, das freut mich zu hören. Und ja auch ich würde mich sehr darüber freuen, wenn Apple endlich mal alle Plugins optisch updaten würde. Das kann ja nicht so schwer sein eigentlich
Logic Pro bietet ein weiteres Schmankerl: Apple hat 2015 die Firma Camel Audio übernommen. Diese Firma bot vier hervorragende Produkte an: den Synthesizer „Alchemy“ und die Effekt-Plugins „CamelCrusher“, „CamelSpace“ und „CamelPhat“. Diese Plugins werden weiterentwickelt und sind kostenlos in Logic Pro X erhältlich, darunter Alchemy, Phat FX und Step FX.
https://support.apple.com/de-de/101902
@Round Robin Stimmt, die zählen auch zu meinen Favoriten. Ich hätte gut und gerne noch eine zweite und dritte Folge zu diesem Thema machen können.😀
@Moritz Maier Ich würde mich sehr über eine Fortsetzung freuen. Bitte mach weiter. 😁
Nicht zu vergessen der/das Quantec Room Simulator Plugin, recht neu. Oder die vielen Funktionen vom Sampler, der Drum Designer, die Equalizer. Hach, ich bin echt ein Fanboy.
Ich habe einige andere DAWs probiert, Bitwig fand ich interessant, aber nee, einmal Logic…
@Svenson73 Geht mir ähnlich. Es ist nicht so dass ich nicht zig andere Plugins verwende von anderen Herstellern. Aber eigentlich ist bei Logic alles dabei was man für ein guten Mix braucht. Und eben auch sehr viele Kreativwerkzeuge
Quantec Reverb (offensichtlich)
Ringshifter
Danke für den interessanten Bericht. Mal eine ganz andere Herangehensweise, als ich es für gewöhnlich mache (bei mir sind Beats und Schlagzeug nicht so oft im Einsatz). Und ja, es stimmt tatsächlich: ich habe über die Jahre zwar viel Geld für PlugIns von Drittanbietern ausgegeben, lande aber letztendlich immer wieder bei den Stock-PlugIns von Logic Pro …
@fitzgeraldo Bei mir ist das auch ein ständig wechselndes Thema. Hab mir zB vor einiger Zeit Shaperbox von Cableguys geholt und stelle jetzt fest, dass ich vieles von dem, was ich damit mache, auch gut und meist schneller mit Beatbreaker hinbekomme.
Auch dir vielen Dank für den Kommentar. Hast du bestimmte Plug-ins im Sinn über die du gerne was lesen würdest?
@Moritz Maier Ein Bericht über Sampler, Quick Sampler und Sample Alchemy wäre sicherlich interessant. Besonders die letzten beiden Instrumente sind wahre Kreativ-Tools.
In meinem Verständnis sind PlugIns nicht einfach nur Effekt PlugIns. Das sind Werkzeuge, von denen ich erwarte, dass sie da sind und funktionieren. Wichtiger sind für mich virtuelle Instrumente. Die können deutlich drastischer ein Musikstück prägen. Da würde ich neben dem allgegenwärtigen und sehr guten Alchemy auch Sculpture nennen ein Physical Modeling PlugIn, sowie QuickSampler, der sehr quick aus Audiofetzen ein spielbares Ergebnis zaubert. Auch den immer mehr in den Hintergrund gedrängten Ultrabeat finde ich super. Nicht zu vergessen: ES1 und ES2. (Jetzt habe ich sechs)
In der iPad Version von Logic sind die angesprochenen veralteten GUIs bereits seit Jahren Geschichte. Werden so vermutlich auch in der Desktopversion kommen. Ich wundere mich auch, warum das nicht schon längst passierte.
Auch von meiner Seite ein Dankeschön zum Bericht. Mit dem den Space Designer oder Chroma Verb lässt sich einiges anstellen. Nicht zu vergessen ist der Delay-Designer den ich oft genutzt habe, um mit dem Delay zu experimentieren.
Für die Zukunft würde ich mir eine überarbeitete Version des Plug-In-Manager wünschen. Das Anzeigen des Installations-Pfades wäre für das Deinstallieren sehr hilfreich. Oder die Funktion ein PlugIn im Plug-In-Manager entfernen zu können. Zwar gibt es den Menüpunkt „entfernen“ im Plug-In-Manager mit der rechten Maustaste, doch die Funktion ist ausgegraut. (zuminest hat das bei mir noch nie funktioniert).
Eine Artikel-Serie, was man mit den bordeigenen Tools von Logic alles anstellen kann, wäre eine super Sache.
Ein sehr guter Artikel!
Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Stock Plugins in den meisten Fällen absolut ausreichend sind. Beim Hall habe ich allerdings bisher Drittanbieter Plugins benutzt, weil ich sehr hochwertigen algorithmischen Hall benötige.
Seit Apple nun die Algorithmen von Quantec gekauft und sie in Logic als Plugins integriert hat, benötige ich keinen „externen“ Hall mehr. Der QRS und der Yardstick sind so exzellent umgesetzt. Absolut Premiumqualität, besser geht’s nicht. Und das alles für Bestandskunden zum Nulltarif, ich bin begeistert!