The One, Sternenbrille und Space Bass

Bootsy Collins: Mit Sternenbrille, Space Bass und ordentlich Glitzer wurde er zur Ikone der Bassisten auf der ganzen Welt. (Bildquelle: Flickr, Jester Jay Goldman, CC BY-SA 2.0)
Bootsy Collins gehört zweifelsohne zu einem der bekanntesten Bassisten und Funk-Musiker überhaupt. Und entgegen einiger Falschmeldungen, die bereits mehrfach die Runde machten, ist der Musiker nach wie vor am Leben. Wir wollen heute mal einen genaueren Blick auf diesen Ausnahmekünstler werfen.
Inhaltsverzeichnis
Sein Stil ist eine Mischung aus präziser Rhythmik, melodischem Bassspiel, Effekten, einem schrillen Outfit und vor allem viel Humor. Seine Songs sind nicht nur musikalische Stücke, sondern kleine Funk-Universen, in denen der Bass im Mittelpunkt steht – oft gleichzeitig Rhythmus, Melodie und Show.
Egal, ob mit James Brown, seinem Bruder Catfish oder Solo – Bootsy Collins verleiht jedem Song einen unverwechselbaren Charakter und prägt so Bassistinnen und Bassisten auf der ganzen Welt.
William Earl, Catfish und der Funk
Am 26. Oktober 1951 kam in Cincinnati, Ohio ein Junge zur Welt, der als Bootsy Collins in die Geschichte der Musik eingehen sollte. Der kleine William Earl Collins wuchs gemeinsam mit seinem älteren Bruder Phelps bei der alleinerziehenden Mutter auf. Seinen besonderen Spitznamen erhielt der legendäre Bassist bereits in Kindertagen von seinem Onkel. Aufgrund seines niedlichen, von dem Onkel bisweilen wohl auch als lustig empfundenen Aussehens wurde William zu Bootsy.
Sowohl der Name als auch eine recht eigenwillige, durchaus mit einem Augenzwinkern kreierte Optik, die mit dem Slangwort verbunden ist, wurden zu seinem Markenzeichen
Doch Bootsy ist nicht nur unter diesem Namen in der Musikwelt unterwegs: Im Laufe seiner Karriere entwickelte er Alter-Egos wie „Bootzilla“, „Bootsy, Baby“ und „Star Child“.
Auch seinen Bruder Phelps Collins kennen die meisten von uns nur unter dem Namen Catfish. Hinsichtlich der Herkunft dieses Namens gibt es mehrere Erklärungsansätze. Einige sagen, der Name rühre von der Leidenschaft fürs Angeln her. Von seinen Angelausflügen soll Phelps immer wieder Welse (Catfish) mit nach Hause gebracht haben. Andere gehen davon aus, dass auch die Entwicklung seines Spitznamens etwas mit seinem Äußeren zu gehabt haben soll und vor allem seine Gesichtszüge und sein Bart ausschlaggebend gewesen sein soll.

Auch, wenn zu seiner Sammlung durchaus „normale“ Bässe wie der Fender Jazz Bass oder der P-Bass zählen – mit Bootsy Collins verbindet man doch immer den Space Bass. (Bildquelle: Flickr, Jester Jay Goldman, CC BY-SA 2.0)
Wie dem auch sei: Catfish war es letztlich, der Bootsy zur Musik brachte. Sein 1944 geborener Bruder war bereits früh zum leidenschaftlichen Gitarristen avanciert. Bootsy Collins, der seinem großen Bruder nacheiferte, griff zunächst also auch zur Gitarre, wurde jedoch relativ schnell an den Bass verbannt.
Vor allem King Records in Cincinnati war prägend für die musikalische Entwicklung der Brüder. Das Label wurde Ende der 1940er-Jahre gegründet, entwickelte sich in den 1960ern zu einem Zentrum für Soul, Funk und R&B. Hier trafen die Catfish und Bootsy Collins in den Aufnahmestudios die Musiker der lokalen Musikszene und wurden so schnell ein Teil von ihr.
Gemeinsam spielten sie in zahlreichen Bands wie The Pacemakers (ab 1968) und als 1970 die Mitglieder von The J.B.’s, der Begleitband von James Brown, im Streit um das liebe Geld auseinandergingen, wurde aus den Pacemakers kurzerhand The J.B.’s.
Legendär sind bis heute die mit James Brown gespielten Songs wie „Get Up (I Feel Like Being a) Sex Machine“, „Super Bad“, „Soul Power“ oder „Talkin‘ Loud and Sayin‘ Nothing“.
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Übrigens: Von James Brown übernahm Bootsy Collins auch die Idee des „One“. Die Technik, den ersten Schlag eines Taktes stark zu betonen wurde zum Markenzeichen des Funk.
Der Stil von Bootsy Collins
Bootsy Collins ist mehr als ein Bassist. Er ist Kunst. Doch auch sein Stil am Bass beeinflusst die Musikwelt bis heute. Wie bereits erwähnt, hat er das Konzept von „The One“ zwar nicht erfunden, es aber auf ein besonderes Level gehoben. Er machte sich Betonung des ersten Taktschlags in einem Groove auf eine ganz eigene Art zum Leitmotiv und prägte damit einen besonderen Stil.
Besonders gut kommt diese Technik beispielsweise in dem Song „Get Up (I Feel Like Being a) Sex Machine“ zur Geltung. Der Bass wird zum Zentrum des Songs, während Schlagzeug und Gitarren darum kreisen.
Und auch an Larry Graham, dem Erfinder des Slap-Basse hat Boosty Collins sich orientiert. Seine Form des Slappings ist weniger aggressiv und wird eingebettet in den Groove zum perfekten Funk-Element. In „Roto-Rooter” zeigt sich der perkussive und extrem treibende Slap-Bass besonders gut.
Bootsy spielt den Bass wie gesagt nicht nur rhythmische Begleitung, sondern setzt melodische Hooks und Slides ein, die fast wie Gesang wirken.
Wichtig für den Stil von Bootsy Collins sind aber auch die rhythmischen Lücken, „Ghost Notes“ und Offbeats anstelle von durchgehenden Bass-Lines. Dadurch entstehen treibende, aber gleichzeitig „tanzende“ Grooves. „Give Up the Funk (Tear the Roof off the Sucker)” ist ein wunderbares Beispiel hierfür.
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Kreativität und die Liebe für die Zukunft spielen auch im Hinblick auf den Einsatz von Effektpedalen eine zentrale Rolle bei unserem heutigen „Besten Bassisten“: Er nutzte früh Wah-Wah-Pedale und Effekte wie Fuzz, Envelope-Filter und Phaser, um den Bass „sprechender“ und spaciger zu machen. Dadurch bekommt der Bass fast einen Synthesizer-ähnlichen Klang. Sehr gut zeigt sich dieser futuristische Sound beispielsweise in „Ahh… The Name Is Bootsy, Baby!“
Neben seinem bloßen Bass-Spiel ist es aber vor allem auch die Kunstfigur, die William Earl Collins zu einer so außergewöhnlichen Person der Musikwelt macht. Mit Sternenbrille, funky Outfits und einer großen Portion Humor macht Bootsy Collins seinen „Space Bass“ zu einem Partner mit Eigenleben. Wie bereits erwähnt, ist der Sound seines Basses fast wie Gesang und so entwickelten sich bisweilen Dialoge wie in „Bootzilla“, in denen der Bass auf die Vocals antwortet oder die ergänzt.
Von James Brown zu eigenen Projekten
Die Disziplin, die James Brown sowohl von sich selbst als auch von seiner Band verlangte und die eigenwillige Art des berühmten Bassisten kollidierten bereits nach kurzer Zeit miteinander. Auch Drogenprobleme von Bootsy Collins sollen bei der Trennung der Musiker bereits Ende 1971/Anfang 1972 eine Rolle gespielt haben.
Um seinem Wunsch nach kreativer Freiheit gerecht zu werden, gründete der Bassist gemeinsam mit seinem Bruder und weiteren Musikern kurzerhand die Band House Guests.
Kurze Zeit später stieß er dann auf George Clintons Ensemble Parliament/Funkadelic. Sein besonderer Stil am Bass prägt seither das Bild der damals noch neuen Funk-Musik.
1976 startete er dann ein weiteres eigenes Projekt, die Bootsy’s Rubber Band. Und hier lebte Bootsy seine Vorliebe für schrille Qutfits dann auch voll und ganz aus: Legendär sein Auftritt mit dem Song „Stretchin’ Out in Bootsy’s Rubber Band“:
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Schräge Brillen, exzentrische Kostüme, die berühmte „Space Bass“! Herrlich!
In den 1980ern machte Bootsy dann ohne seinen Bruder musikalisch weiter und veröffentlichte sein erstes Solo-Album „Ultra Wave“.
Doch auch an Produktionen wie Zapp (ein P-Funk Spin-off) wirkte der außergewöhnliche Musiker mit. Und Projekte wie „What’s Bootsy Doin‘?“ zeigten bereits damals eine Hinwendung zum Hip-Hop, elektronischen Elementen und experimenteller Klanggestaltung.

Bootsy Collins setzte in der jüngeren Vergangenheit auf Features mit Künstlern wie Fatboy Slim. Mit dem Stück „Weapon of Choice“ erreichten sie ein Millionenpublikum. (Quelle: Liton Ali, CC BY 2.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/2.0>, via Wikimedia Commons)
Das Equipment: Bässe, Verstärker und Effektpedale
Klar, legendär ist der Space Bass, der sternförmige Custom-Bass, der erst von Larry Pless (L.A. Guitars) gebaut und später von Warwick nachgebaut wurde. Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert: Spiegel, Lichter und richtig viel Glitzer. Und erstaunlicherweise scheint er auch wirklich noch spielbar zu sein. Seit den 1990er-Jahren kann jeder ein bisschen Glamour in Form von verschiedenen Warwick Bootsy Collins Signature-Bässen erleben.
Bevor Bootsy Collins aber auf seinen schrullig-schrillen Stern setzte, nutzte er einen Fender Jazz Bass. Zu hören ist der „Bass von der Stange“, den der Bassist in der Sunburst-Ausführung nutzte, beispielsweise auf dem James Brown-Hit „Sex Machine“. Und kaum ein Bassist, der nicht auch einen Fender P-Bass hat.
Während seiner gemeinsamen Zeit mit James-Brown kam aber auch ein Gibson EB-3 zum Einsatz.
Verstärker & Cabinets
Mit dem Acoustic 360/361 startete Bootsy in den 70ern durch. Sie sind die perfekten Amps für mächtige, druckvolle Funk-Bässe.
Später setzte er dann häufig auf Ampeg-Rigs und wurde in den 1990ern und 2000ern durchaus auch Hartke-Anlagen gesehen.

Funk, funky, Bootsy … dieser Mann trägt gerne dick auf (Bildquelle: Flickr, Jester Jay Goldman, CC BY-SA 2.0)
Und natürlich nutzt er passend zu seinem Warwick Signature-Bass auch die passenden Hellborg Amps, die vor allem im Studio zum Einsatz kommen.
Effektpedale
Bootsy war einer der ersten Bassisten, der Effekte nicht nur subtil, sondern als zentralen Sound-Bestandteil nutzte. Allen voran der Mu-Tron III Envelope Filter, den er für seinen typischen „Quack“-Sound in „Ahh… The Name Is Bootsy, Baby“ nutzte. Diesen kombinierte er oft mit dem Cry Baby Wah von Dunlop. Und auch Verzerrer wie der Electro-Harmonix Big Muff oder Pedale wie der Maestro Bass Brassmaster, mit denen er seinen Sound nahezu synth-artig gestaltete, kamen zum Einsatz.
Auch vor Phaser wie dem MXR Phase 90 oder Flangern wie der Electro-Harmonix Electric Mistress schreckte der Liebhaber spaciger Sounds nicht zurück. Und mit einem Octaver wie dem Boss OC-2 doppelte er seine Basslines eine Oktave tiefer, um seinem Sound noch mehr Druck zu verleihen.
Fatboy Slim, Snoop Dog und die scheidende Gesundheit
Auch in den 2000ern und den 2010er-Jahren war Collins weiterhin musikalisch aktiv. Vor allem Features mit Künstlern wie Fatboy Slim in dem Stück „Weapon of Choice“ erreichten ein Millionenpublikum.
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Nach einer mehrjährigen Pause erschien im Jahr 2017 das Album „World Wide Funk“, auf dem der legendäre Bassist neben vielen etablierten Größen aus Funk, Hip-Hop und Rock auch weniger bekannten Stimmen einen Raum gab.
Im Jahr 2019 machten gesundheitliche Probleme dem exzentrischen Künstler dann solche Probleme, dass er seinen Rückzug von der Bühne bekanntgab. Vor allem als Mentor für junge Musikerinnen und Musiker blieb er aber weiterhin aktiv und auch im Studio blieb er am Ball. So erschien im Jahr 2020 das Album „The Power of the One“. Hier besorgte Bootsy sich Unterstützung von Snoop Dogg, Victor Wooten und anderen.
Bootsy Collins lebt!
In diesem Jahr versetzten dann Meldungen über den Tod von Bootsy Collins Bass-Fans auf der ganzen Welt in Aufregung. Glücklicherweise stellten diese makaberen Nachrichten als Fake-News heraus, so dass wir weiterhin dem Schaffen des Mannes mit den schrillen Brillen folgen dürfen.
Also, erfreuen wir uns an dem „dezenten“ neuen Video von Bootsy Collins zusammen mit Ice Cube:
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Vielen Dank für den tollen Bericht. Bootsy Collins ist einer der größten Künstler weltweit. Es wurde leider vergessen, dass im letzten Video „Bobble Pop“ die deutsche Sängerin und Rapperin Fantaazma aus Hamburg zu sehen und zu hören ist. Bootsy hat sie vor einigen Jahren unter Vertrag genommen, und seitdem hat sie mehrere Songs mit ihm produziert, darunter Features mit Ice Cube, Snoop Dogg und Eric Clapton. Hier ist ein toller Song: „Hip Hop Lollipop“.
https://www.youtube.com/watch?v=93BEOz1WSn0&list=RD93BEOz1WSn0&start_radio=1
@Round Robin Guter Groove. Ist der Bassist ohne Verkleidung auch Bootsy?
@Tai Das ist Victor Wooten…..
@Round Robin Das ist ein echt cooler Track.
Die alten P Funker haben schon einige gute Kollaboration mit der jüngeren Generation gemacht. Man denke zb an Paint the White House Black von George Clinton mit Ice Cube und vielen mehr.
in deeelite’s Groove is in the Heart war er auch dabei!
Nicht zu vergessen das Stelldichein mit den halben Fanta 4: https://www.youtube.com/watch?v=4czrqOcBXiw
Bootsy lief bei uns in der WG rauf und runter. In Mainz haben wir ihn dann endlich auch live gesehen/gehört, damals noch mit dem unvergessenen Bernie Worell (natürlich mit Minimoog und Solina).
„Und entgegen einiger Falschmeldungen, die bereits mehrfach die Runde machten, ist der Musiker nach wie vor am Leben.“
Ist ja heftig. Ich habe an mehreren als seriös geltenden Stellen gelesen, er lebe nicht mehr und habe das dann auch geglaubt. Warum schreiben die Leute sowas?
@Mac Abre Das ist es ja. Ich habe es überprüft, weil ich mir angewöhnt habe, sowas immer zu überprüfen. Wenn ich dann auf mehrere Quellen stoße, die das gleiche behaupten, kann ich nicht anders als es zu glauben. Und Bootsy Collins ist nicht der Einzige. In Deutschland macht man sich damit strafbar, trotzdem passiert es immer wieder auch hier.
Bootsy kenn ich vor allem aus dem Video „Groove is in the heart“ von den DeeLites