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Die besten Bassisten der Welt: Jeordie White (Twiggy Ramirez)

Der Schock-Rocker am Bass für Marilyn Manson, Nine Inch Nails und A Perfect Circle

18. Mai 2025

Twiggy Ramirez Jeordie White Ob Jeordie White jetzt ganz offiziell zu den besten Bassisten der Welt zählt, weiß ich nicht, aber in meiner persönlichen Bestenliste hat der Musiker, den viele nur unter seinem Künstlernamen Twiggy Ramirez kennen, durchaus einen Platz verdient.

Egal, ob A Perfect Circle, Marilyn Manson oder Nine Inch Nails: Ich liebe die Musik dieser Bands und den Bass-Sound von Jeordie White, der auf zahlreichen ihrer Alben verewigt ist oder als Tour-Mitglied einen großartigen Job machte. Grund genug, mal einen Blick auf eine bisweilen recht exzentrisch wirkende und kontrovers diskutierte Kunstfigur und den Musiker dahinter zu werfen.

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Bassist Jeordie White: Wie alles begann

Geboren am 20. Juni 1971 in New Jersey, wuchs Jeordie Osbourne White gemeinsam mit drei Brüdern bei seiner Mutter auf. Wie so viele Bassisten entschied Jeordie sich nicht gleich zu Beginn seiner musikalischen Laufbahn für den Bass, sondern begann 1989 als Gitarrist in einer Thrash-Metal-Band namens Amboog-a-Lard. Nach drei Jahren in der Band wechselte er dann von der Gitarre zum Bass. Während seiner Zeit bei Amboog-a-Lard lernte er dann Brian Warner kennen, der vielen besser als die Kunstfigur Marilyn Manson bekannt sein dürfte. Als Marilyn Manson sich 1994 vom Bassisten Gidget Gein (Bradley Stewart) trennte, übernahm Jeordie dessen Platz und so wurde aus Jeordie White Twiggy Ramirez. Wie bei allen Mitgliedern der Band setzte auch sein Künstlername sich aus dem Vornamen einer schillernden weiblichen Berühmtheit und dem Nachnamen eines Serienmörders zusammen.

Wie viel Jeordie White in der Kunstfigur Twiggy Ramirez steckt, weiß vermutlich nur er selbst. Klar ist jedoch, dass er bereits bei Amboog-a-Lard mit einem düsteren Image auftrat. In Interviews gab der Bassist immer wieder an, dass seine persönliche Optik immer auch als ein Aspekt des musikalischen Gesamtkonzepts zu verstehen sei. Selbstverständlich geht es bei dieser provokanten Kunstfigur auch um eine offene Kritik an der Popkultur, Sterotypen und der Gesellschaft im Allgemeinen.

Als Bassist und Songwriter war Twiggy Ramirez maßgeblich an der Entstehung der Marilyn Manson-Alben „Antichrist Superstar“ (1996), „Mechanical Animals“ (1998) und „Holy Wood (In the Shadow of the Valley of Death)“ (2000) beteiligt. Wer erinnert sich nicht an den bedrohlichen Puls im Hintergrund von „The Beautiful People“?

2002 verließ White die Band, um sich neuen musikalischen Herausforderungen zu stellen und mal eben an einem der (wie ich finde) großartigsten Alben aller Zeit mitzuwirken: „Thirteenth Step“ (2003) von A Perfect Circle. Und auch bei „eMOTIVe“ (2004) war der Bassist mit von der Partie.

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2005 ging es dann mit keinem Geringeren als Trent Reznor und Nine Inch Nails weiter. Auf den Tourneen zu dem 2005 erschienen Album „With Teeth“ auch dem 2007 veröffentlichten Album „Year Zero“ stand Jeordie White zusammen mit Sound-Genie Trent Reznor auf der Bühne.

Gleichzeitig gründete er außerdem mit Chris Goss das eher weniger bekannte Projekt Goon Moon.

Twiggy Ramirez Fender Precision Deluxe Bass

Bei seinem Fender Precision Deluxe hat Jeordie White das Schlagbrett in Gold lackiert – ich finde den Bass so noch schöner

2008 ging Jeordie als Twiggy Ramirez zurück zu Marilyn Manson und blieb der Band viele Jahre treu. Auf der Bühne war er eigentlich immer in Bewegung und seine Performance diente stets dazu, die Geschichte, die in einem Song erzählt wurde, auch in Bildern umzusetzen. Seine Bewegungen gleichen seinem Bass-Spiel und sind immer Song-dienlich. Mal wild und ungestüm, mal marionettenhaft oder tänzerisch.
Nach 2017 wurde es still um den extrovertierten, provokanten und eigenwilligen Bassisten. Dennoch ist unbestritten, dass seine Arbeit mit Marilyn Manson, Nine Inch Nails und A Perfect Circle ein Beweis für seine Vielseitigkeit und seine besondere Art ist, den Bass zu einem prägenden Teil des Ganzen zu machen.

Der Stil von Bassist Jeordie White

Der Stil von Jeordie White ist unter anderem von Bassisten wie Geezer Butler von Black Sabbath, Simon Gallup von The Cure und Gene Simmons geprägt. Doch auch Paul McCartney zählt er zu seinen Vorbildern.

Und jetzt kommen wir auch an den Punkt, an dem viele sagen würden, dass White nicht unbedingt zu den besten Bassisten der Welt zu zählen ist. Denn er ist zugegebenermaßen kein Bassist wie Flea oder Larry Graham, die durch ihre besonders raffinierte Spieltechnik auffallen.

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Sein Markenkern, wenn man es so nennen will, ist eher die Art und Weise, wie er den Bass zu einem Teil des Gesamt-Sounds macht. Stets liefern seine Bass-Linien ein dunkles, druckvolles Fundament, das eine ganz besondere Atmosphäre zu schaffen vermag. Angesiedelt irgendwo zwischen „dreckigem“ Punk, melancholischem Alternative Rock und aggressivem und dunklem Industrial-Sound.

Wer dem Sound von Jeordie White nahekommen will, sollte übrigens auch durchaus auf Drop-Tunings setzen. Vor allem während der Marilyn Manson-Zeit setzte der Bassist auf Tunings wie Dropped-D oder sogar C oder B.

Jeder Ton kann zu einem Schlag in die Magengrube werden, den man sich als Fan dieser Musik doch immer wieder gerne einfängt. Dabei überläd er die Songs nie mit seinen Bass-Grooves. Open-Tunings gehören ebenso zu seinem Standardrepertoire wie ungewöhnliche Tonfolgen, die bisweilen verwirren, irritieren und den Hörer herausfordern können.

Die Bässe von Jordie White

Entsprechend seiner persönlichen Optik wählt White natürlich auch seine Bässe nicht nur nach dem Klang aus.

Während Twiggy Ramirez in den ersten Jahren bei Marilyn Manson in der Regel neben einem Gibson Thunderbird IV auch einen Gibson 1978 RD Artist-Bass spielte, stand er später häufig mit einem ESP Custom Bass auf der Bühne.

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Mit einem Gibson 1974 Ripper L9-S sieht man ihn dann später in dem Video zu „Dope Show“. Während der „Mechanical Animals“-Zeit nutzte er auch den optisch doch recht ausgefallenen B.C. Rich Widow-Bass, der heute in einem Hard Rock Café zu bewundern ist. Gleiches gilt für einen von Twiggy Ramirez gespielten B.C. Rich Warlock.

Doch auch ein eher mittenbetonter Rickenbacker 4003 sowie einen klanglich sehr warmen Fender Precision verwendete Jeordie White für seine Bass-Sounds. Hier kamen dann bisweilen auch Flatwound-Saiten für einen noch wärmeren und druckvolleren Sound zum Einsatz.

Die Verstärker

Jeordie White setzt live vor allem auf Ampeg-Amps. Mit dem SVT Classic Head erzeugt er einen warmen, satten Röhren-Sound und die mit Ampeg 8×10 Cabinets bringen auf der Bühne so viel Power in die Bass-Linien, dass man den Sound nicht nur hören, sondern auch fühlen kann.

Doch auch für Diezel-Amps hatte Twiggy Ramirez eine Vorliebe. Vom Stil her kommen diese Amps getunten Marshall-Amps sehr nahe und sind perfekt für düstere und druckvolle Sounds geeignet. Darüber hinaus sind sie super vielseitig.

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Im Studio ist es dann allerdings doch eher ein klanglich flexibler Mesa/Boogie Bass 400+, der den Sound des Bassisten verstärkt und ein Mesa Boogie Dual Rectifier. Letzter kam wiederum durchaus auch live zum Einsatz.

Die Effektpedale von Bassist Jeordie White

Insbesondere während seiner Zeit bei Marilyn Manson setzte Jeordie immer wieder auf den Klassiker, den Verzerrer in Form des Electro-Harmonix Big Muff.

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Düstere Sounds garniert er gerne auch mit einem Boss Chorus CEB-3. Dazu kommt dann noch ein MXR M80 Bass DI+, der durchaus auch einfach nur als Preamp dient, ein Line 6 DL4 Delay Modeler, den er vornehmlich bei Goon Moon und Live auf der Bühne einsetzte und nicht zu vergessen, das Dunlop Cry Baby Bass Wah, das allerdings nur gelegentlich zum Einsatz kam. Das Pedalboard von Jeordie beheimatete zudem ein MXR M169 Carbon Copy, ein Empress Superdelay Digital Delay Pedal, ein Fulltone Ultimate Octave, einen MXR M101 Phase 90, das Eventide Space Reverb und das Malekko Spring Chicken Reverb.

EHX Small Clone

Bassist Jeordie White setzt immer wieder auch auf den Electro Harmonix Small Clone

Dazu kamen dann noch ein Electro-Harmonix EH-4600 Small Clone, ein Fulltone OCD Obsessive Compulsive Drive und ein TC Electronic NR-1 Nova Reverb. Und auch ein Behringer NR300 Noise Reducer, die legendäre ZVEX Vexter Box of Rock, der ZVEX Super Hard On Boost gehörten für Jeordie White dazu. Alle Pedals wurden über einen Rack-Switcher gesteuert, so dass der Bassist keinen Stepptanz auf der Bühne veranstalten musste.

Kontroverser Künstler

Sicher, man kann sowohl über die Kunstfigur Twiggy Ramirez vortrefflich streiten. Mich persönlich hat Jeordie während meiner Jugend stark beeinflusst. Natürlich hat die Band Marilyn Mason damals auf eine Weise schockiert und provoziert, die man bis dahin höchstens von Alice Cooper oder Ozzy Osbourne kannte. Viele finden diese Form der Kunst auch heute noch verstörend. Aber das ist das Schöne an der Kunst: Nicht jeder muss sie mögen. Musikalisch gesehen gehören insbesondere die Alben von A Perfect Circle, an denen Jeordie beteiligt waren, noch heute zu meinen Favoriten.

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Über den Autor
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Sonja (Team DelayDude) RED

Sonja ist seit ihrer Jugend dem Bass verfallen. Im Jahr 2018 machte sie gemeinsam mit ihrem Mann ihre Leidenschaft für Musik zum Beruf und betreibt seither mit DelayDude.de einen Blog und einen Shop für Gear-Reparaturen und Custom-Effektgeräte. Dementsprechend findet man sie auch bei AMAZONA vermutlich in der Guitar&Bass-Sparte. Als verantwortliche Redakteurin in der PEOPLE-Redaktion ist sie zudem immer auf der Suche nach spannenden Gesprächspartnern aus der Musikbranche.   

Forum
  1. Profilbild
    psalm69

    Man hätte da sicher einen freundlicheren Musiker als Gegenstand er Verehrung nehmen können.
    Sehr guter Artikel hier, erfrischend, mal von einem Twiggy Ramirez zu lesen. Hört sich nach der sprichwörtlichen Faust aufs Auge an wenn es um Industrial Rock/Alternativ geht auch wenn er kein Jacko Pastorius ist.
    Der Artikel Schielt mal nicht zuerst in Richtung Political Correctness oder bedient nostalgisches Sentiment älterer Fanclubs.
    Niemand würde das kritisierte Verhalten des Herrn White deswegen gutheissen, oder?

  2. Profilbild
    philharmonika

    danke für den tollen Bericht! der sound war schon immer super! Auch ich habe viel von damals mitbekommen :-) die kontroversen die damals MM auslöste sind heutzutage gar nicht mehr vorstellbar.

  3. Mehr anzeigen
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