Die besten Freeware-Synthesizer für Mac – Teil 2

18. Dezember 2008

Teil 2 unserer Mac-Freeware Synths

Willkommen beim vierten Teil unserer Reihe über die beste Musiker-Freeware im Netz! Im Anschluss an den dritten Teil der Serie (siehe Link unten) werden von uns heute einige weitere der besten Freeware-Synthesizer für OS X vorgestellt.  Als kleinen Bonus gibt es noch eine Sektion mit Tipps für die, die noch mehr wollen. Dort werden kurz einige Synthesizer vorgestellt, die durch unsere Auswahl durchfielen, da entweder zu speziell, zu kompliziert in der Installation oder nur in manchen Mac-Konfigurationen lauffähig – sprich: leider nicht als Universal Binary verfügbar. In kommenden Folgen wird es wohl zuerst um PC-Freeware-Effekte gehen, aber auch noch mehr Mac-Stuff ist geplant. Also dranbleiben, und viel Spaß beim Ausprobieren der Synthesizern!

Greenoak Crystal

Greenoak Crystal

Green Oak Crystal

Einer der dienstältesten Freeware-Synthesizer für Mac (AU und VST) und PC, sicherlich einigen Lesern schon bekannt, ist der semimodulare Synthesizer Greenoak Crystal. Trotz seines Alters ist er dank verschiedener Verbesserungen, einer durchdachten Bedienerführung und eines originellen Grundsounds immer noch einer der besten VST-Synthesizer überhaupt und wäre sicher auch heute noch zu verkaufen – wäre er nicht schon Freeware. Wie auf dem Bild oben zu sehen, ist Crystal prinzipiell ein Synthesizer mit drei Oszillatoren, die entweder aus internen Wellenformen (Standardwellenformen, einige interne Samples und eine variierbare Sägezahn-Reckteckwellenform) oder aus Soundfonts – dem Sampleformat der uralten AWE-Sundkartenreihe – gespeist werden können. Als Besonderheit erlaubt Crystal hier auch Wavesequencing. Man kann die acht internen Samples mittels LFOs oder Hüllkurven durchlaufen nach Art vom PPG Wave oder der Wavestation. Jeder Oszillator hat weiterhin einen eigenen Signalweg aus eigenem Filter (mehrere Varianten wie High-Low- und Bandpass plus Sättigung und Verzerrer / Shaper) mit eigener Filter- und Volumehüllkurve. Für jeden Oszillator gibt es außerdem einfach gehaltene Extras wie zuschaltbare Frequenz- oder Ringmodulation oder – bei manchen Grundwellenformen – auch Extras wie Pulsbreite und Form (bei der Rechteck/Sägezahnwellenform) oder (für Samples und Soundfonts) eine rudimentäre Form von granularer Synthese. Nach der Klanggenerierung gelangen die drei Oszillatorstränge in einen komplexen Mixer mit insgesamt vier synchronisierbaren, Delay-basierten Effekteinheiten mit integriertem Filter (die auch Chorus, Flanger oder Reverb erzeugen können) und einem Bandsplitter, der die Aufteilung des Gesamtsignals in vier Frequenzbänder erlaubt. Die Oszillatoren sind dabei frei auf die Effekte und den Bandsplitter routbar, was verschiedene Delayeffekte pro Oszillator, aber eben auch pro Frequenzband oder diverse Kombinationen erlaubt. Da man jedes so erzeugte Signal auch noch im Pan und Level regeln kann, lassen sich komplexeste Audiodesigns erstellen – die Mitten einer gesampleten Tuba nach rechts, die Höhen nach links (gewürzt mit etwas Flanger), die Bässe in die Mitte (mit etwas Delay)… dazu vielleicht eine Sinuswelle mit etwas FM und separatem Chorus? Alles möglich. Aber es geht noch weiter: sechs synchronisierbare und detaillierte LFOs (samt einer eigenen Heartbeat-Wellenform ..), sechs graphisch editierbare Hüllkurven (mit bis zu 9 Punkten) und eine Modulationsmatrix, die die Ansteuerung sämtlicher Parameter jeder Stimme, aber auch jeder Effekteinheit und einigem mehr erlaubt, macht auch die wildesten rhythmischen Modulationen möglich. Dazu kommen auf Abspielebene noch Parameter wie Portamento oder einstellbare Polyphonie, ein Batch-Browser-System, das auch Generierung bzw. Morphing neuer Klänge aus zwei Presets erlaubt und umfangreiche Hilfestellungen in Form von (englischen) Tutorials und einer umfangreichen PDF-Bedienungsanleitung (beides auf der Website).

Die Architektur des Synthesizers ist also immens leistungsfähig und vorwiegend auch durchdacht, auch wenn das Ganze manchmal etwas überfrachtet wirkt (wer hat jemals schon wirklich sechs Hüllkurven gebraucht). In Beziehung zur Komplexität des Plugins ist die Bedienung jedenfalls gut – dank Tabs, schicker Oberfläche und graphischen Hüllkurven. Der Look der Oberfläche passt dabei gut zum Klang, der wiederum dem Namen wirklich Ehre macht: Crystal klingt grundsätzlich wirklich  irgendwie nach Kristall – sprich digital, klar und deutlich künstlich, Vergleiche mit dem bekannten Absynth von N.I. wurden schon häufig gemacht – und nicht ohne Grund, auch wenn Crystal kein Absynth-Clone ist, dafür ist er zu eigenwillig. An Klängen kann Crystal prinzipiell wirklich alles, sogar Standards wie Leads sind möglich. Prädestiniert ist er aber für Pads und rhythmische Strukturen. Dank des doch sehr eigenen Klangs könnte man sicherlich ein neues Genre mit ihm erfinden – eigentlich braucht man nur ein Patch mit genug Hüllkurven, Granularsynthese und etwas MIDI-Geschraube an den Parametern plus einen Drumloop, und man hat einen ersten Track in einem neuen Genre („Quarz& Beat“?).

Noch interessanter wird Crystal aber, wenn man die Soundfont-Import-Funtion nutzt. So wird Crystal zum feinen und ungewöhnlichen  Sampler. Das Plugin importiert die Hüllkurven allerdings nicht – man muss die Laustärkeverläufe von Instrumenten also nachbilden, und es prägt auch Samples merklich seinen eigenen Grundklang auf. Leider sind viele Soundfonts  im – nur von PC zu öffnenden – Sfpack-Format gepackt, ein anderer Packformat (Sffark) lässt sich zumindest auf OS X entpacken. Wer viel mit Soundfonts arbeiten möchte, muss so entweder die Samples auf einem PC entpacken oder benutzt ein Tool wie CDextract (seine Demoversion erlaubt auch schon Konvertierungen), um verbreitere Formate wie Kontakt umzuwandeln. Eine gute Möglichkeit ist hier, die z.T. sehr günstig gebraucht zu kriegenden und wirklich hochwertigen AKAI-Sample-CDs umzuwandeln. Das Ganze ist etwas umständlich, lohnt sich aber gerade für den, der auf wirklich neue, semi-reale Klänge aus ist. Mit seinen immensen Modulationsmöglichkeiten und dem eigenartig-künstlichen Klang wird Crystal so zu einem modularen Sampler der Sonderklasse. Unten finden sich Links zu einer Seite mit einigen guten Soundfonts, dem Sffark-Packer und der Demoversion von CD-Extract. Man sollte unbedingt auch die Extra-Patches von der Download-Seite des Synthesizers (Tip: Die Patches von Tim Conrady !) installieren, da die Standard-Sounds nicht unbedingt einen Preis für Musikalität gewinnen bzw. manchmal arg experimentell geraten sind.

Klangbeispiele
Forum
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    Markus Schroeder  RED

    Hallo ihr beiden, mal wieder ein toller Bericht und eine tolle Zusammenstellung.

    Seltsamerweise laufen die KL Pluggos bei mir in Bidule nicht. Dafür aber unter Pro Tools 7.3/ 7.4 auf meinem MacBook unter 10.4.11.

    Die TAL plugs sind auch super, schön dass sie hier erwähnt sind.

    Bidule kann ich allen Soundbastlern nur wärmstens empfehlen. Ich arbeit schon lange damit und habe auch einige Live-Set/Gigs damit gemacht.
    Die SOftware hat mich nie im Stich gelassen, bis auf die KLs.

    Wer nicht das Geld für Reaktor ausgeben will und wem die minimale Oberfläche von PureData zu wenig ist, findet hier wohl eine praktikable Lösung.

    Grüße :D

  2. Profilbild
    Markus Schroeder  RED

    PS: einen hätte ich noch, der aber wahrscheinlich unter „zu speziell“ liefe:
    Magical 8 Bit Plug von der bekannten Chiptune Formation YMCK.net. Damit lassen sich schöne C64- und 8 Bit RetroSounds machen.

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    AMAZONA Archiv

    Die TAL Plugins sind wirklich klasse. TAL-Bassline kommt bei mir oft zum Einsatz.
    Auf der TAL Homepage gibts auch eine kleine, bescheidene Audiodemo von mir ^^

    MFG
    Dennis

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    AMAZONA Archiv

    Es sollte vielleicht auch mal erwähnt werden das ich wahnsinnig gespannt auf den Amasynth (Der Name gefällt mir schonmal ^^) bin.
    Falls irgentwann noch Sounddesigner für Factorypatches gesucht werden sollten, würde ich mich sehr geehrt fühlen dabei sein zu dürfen. Kann man ja mal so ganz Schamlos erwähnen ^^

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      AMAZONA Archiv

      Prima zu hören ! Das merken wir uns auf jeden Fall :-).

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        AMAZONA Archiv

        Das würde mich wirklich sehr freuen!
        Ich bin sehr gespannt um was für eine Art Synth es sich handeln wird. Ein paar gute Sounds wird man ihm aber sicher in jedem Fall entlocken können ^^

        MFG
        Dennis

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    schöner bericht :)

    TAL ist wohl eine der besten freeware-anbieter scheint mir. wir haben im system die motu plugins (die ja bei digital performer mit dabei sind) und die UAD plugins. und TAL bietet eine sehr gute qualität an

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