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Die besten kostenlosen Granular Plug-ins für die DAW

Acht granulare Effekte im Überblick

6. Juli 2026
Die besten kostenlosen Granular Plug-ins

Die besten kostenlosen Granular Plug-ins für die DAW

In unserer Reihe zu den besten kostenlosen Plug-ins für die DAW widmen wir uns dieses Mal dem Thema der Granular Plug-ins. Im kaufpflichtigen Sektor gibt es in diesem Bereich bereits einige Hard- und Software-Produkte, auf die so manch einer von uns nicht mehr verzichten möchte. Doch auch im Freeware-Bereich lassen sich immer wieder überraschend leistungsfähige Tools finden, die im professionellen Umfeld eingesetzt werden können.

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Was ist granulare Signalverarbeitung?

Granular bedeutet übersetzt „Körner“ oder „kleine Teilchen“ (lat. granulum = „Körnchen“). Sehr vereinfacht gesagt wird ein Teil eines Audiosignals benutzt, in sehr kleine Fragmente (im Bereich von wenigen Millisekunden) zerlegt und zeitlich neu strukturiert. Wer sich etwas genauer mit dem Thema beschäftigen möchte, dem möchte ich zwei lesenswerte Artikel meiner Kollegen ans Herz legen:

Oft wird von Granular-Synthese gesprochen, was nicht gänzlich falsch ist, jedoch nur ein bestimmtes Einsatzgebiet beschreibt. Dabei lassen sich Signale nicht nur granular synthetisieren, sondern auch verarbeiten. Sehr verbreitet sind beispielsweise granulare Delays oder Reverbs, aber auch für Time-Stretching, Pitch-Shifting oder zur spektralen Klangbearbeitung lässt sich diese Technik hervorragend nutzen.

Das klangliche Ergebnis wirkt oft sehr experimentell und lässt sich nur schwer in Worte fassen. Am ehesten entstehen hier aber glitchartige Rhythmen und texturreiche Klangteppiche. Vor allem im Modularbereich sind Granularprozessoren (Mutable Instruments Clouds, Instruo Arbhar, Intellijel Multigrain etc.) sehr beliebt und bieten sehr eigenständige Ansätze und Funktionen. Die Firma Klavis hat hierzu beispielsweise ein sehr interessantes Filter namens Grainity entwickelt, mit dem sich mit etwas Geschick auch sehr natürliche Klänge imitieren lassen.

In der Hardware-Welt sind Granular-Synthesizer oder -Effekte oftmals recht kostspielig. Doch für alle, die sich mit dem Thema einmal auseinandersetzen wollen, gibt es auch zahlreiche kostenlose Software-Varianten. Meine persönlichen Favoriten habe ich euch für diesen Artikel einmal zusammengefasst.

Wie auch bei meinen anderen Artikeln für kostenlose Plug-ins habe ich die Auswahl wieder auf Plug-ins beschränkt, die mindestens für Windows und macOS erhältlich sind. Dabei lag der Fokus vor allem auf einer guten Mischung aus Einsteigerfreundlichkeit und klanglicher Flexibilität, so dass sowohl Anfänger als auch erfahrene Sounddesigner etwas damit anfangen können.

Hvoya Audio/Eugene Yakshin Ribs

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Ribs ist ein Granularprozessor, der sich sowohl als Synthesizer (Note-Modus) als auch als Effekt (FX-Modus) einsetzen lässt. Nach meiner Empfindung ist Ribs das komplexeste unter den hier genannten Plug-ins. Das Handbuch zu lesen oder sich Tutorials anzusehen, ist wirklich Grundvoraussetzung. Das schreckt sicherlich viele potenzielle Nutzer ab, doch die Mühe lohnt sich.

Die besondere Stärke von Ribs liegt in seiner äußerst flexiblen Modulationsarchitektur: Eine Vielzahl von Parametern lässt sich über interne LFOs, Zufallsquellen oder Hüllkurven dynamisch steuern, wodurch lebendige und sich ständig verändernde Texturen entstehen.

Leider fehlen Optionen wie das Laden von Samples oder auch das Speichern von Buffer-Inhalten. Das zwingt den Workflow stärker in eine Echtzeit- und Performance-Richtung, was jedoch auch kreative Ergebnisse fördern kann.

  • Formate: VST, AU, Standalone
  • Besonderheit: Note- und FX-Modus, viele Modulationsmöglichkeiten
  • Website Hvoya Audio

Daniel Gergely Emergence

Emergence von Daniel Gergely ist ein Echtzeit-Granulator und somit streng genommen kein Sampler, denn das Plug-in benötigt immer ein Eingangssignal, das nicht gespeichert werden kann. Das Signal kann auf bis zu vier separate Grain-Ströme aufgeteilt und bearbeitet werden, wobei insgesamt bis zu 600 Grains möglich sind. Dadurch eignet sich das Plug-in besonders gut für Live-Processing und Performance-orientierte Anwendungen, bei denen das Eingangsmaterial direkt transformiert wird.

Ausgestattet mit vier LFOs, Makro-Reglern, Zufallsfunktionen und Hüllkurven für die Audioein- und -ausgänge lassen sich mit Emergence wahrlich wilde Ergebnisse erzielen. Außerdem gibt es auch eine Freeze-Option und die Tonhöhe lässt sich in Skalen quantisieren. Vor allem Letzteres ist nicht selbstverständlich bei Granular Plug-ins bzw. generell bei granularen Tools.

Hinweis: Auf der Herstellerseite ist noch die veraltete und kostenpflichtige Version erhältlich. Bei Plug-in Boutique gibt es aber eine neuere und kostenlose Version, wobei hierfür eine Registrierung erforderlich ist.

UrsaDSP Lagrange

UrsaDSP Lagrange ist ein Granular-Plug-in-Delay und lässt sich sehr flexibel einsetzen. Als gewöhnliches Delay macht es bereits eine gute Arbeit und kann dem Klang eine ordentliche Portion Charakter verleihen. Doch auch zum Sounddesign lässt es sich sehr gut verwenden.

Es gibt fünf verschiedene Algorithmen: Phasoid, Flangoid, Marching Random, Smooth Random und Clean Random. Ein Handbuch, das die Begriffe näher erläutern könnte, gibt es leider nicht.

Das GUI ist dafür sehr übersichtlich gestaltet und Lagrange lässt sich auch spielerisch gut erkunden. Es gibt im Wesentlichen vier Sektionen: Grain (im Delay-Kontext auch als Echos/Taps zu bezeichnen), Feedback, Feedback-EQ und Output. In der Output-Sektion ist ein Limiter mit Ducking-Effekt versteckt, für den die Parameter Threshold und Release zuständig sind.

  • Formate: VST3, AU
  • Besonderheit: fünf Algorithmen, Sidechain-Limiter
  • Website UrsaDSP

Full Bucket Music Grain Strain

Full Bucket Music Grain Strain ist ein Granularprozessor, der im Vergleich zu anderen Granularprozessoren zwar etwas eingeschränkt ist, dafür aber einen ganz eigenen Charakter aufweist. Der Fokus liegt auf Stutter- und Glitch-Effekten, wobei er sich auch als eine Art Vocoder einsetzen lässt bzw. das Ergebnis sehr daran erinnert. Hierfür wird das eingehende Audiosignal in Grains zerlegt und kann anschließend tonal über MIDI (bis zu acht Stimmen) gespielt werden. Dadurch entsteht ein hybrider Ansatz zwischen Effektgerät und spielbarem Instrument.

Grain Strain besteht aus zwei Einheiten namens Grains und Frames (Looping). Beide Einheiten verfügen über eine Hüllkurve und eine Overlap-Funktion. Die Grains lassen sich in Millisekunden, synchronisiert zur Host-BPM, als Frequenz oder per MIDI ansteuern, während die Frames die Loop-Länge definieren und entweder synchronisiert in Takten oder frei in Hertz eingestellt werden können.

Modular Samples Oi Grandad

Oi Grandad ist ein Open-Source-Granular-Synthesizer mit vier unabhängigen Stimmen. Laut Hersteller stammt die Inspiration aus dem Modularbereich und das Plug-in soll einen leichten Zugang verschaffen. Dies trifft prinzipiell auch zu, wobei vor allem die neuere V2-Version auch sehr komplex eingesetzt werden kann.

Oi Grandad besitzt zusätzlich 12 Modulations-Sequencer und jede Stimme hat eine eigene Drone-Funktion. Die Modulations-Sequencer sind vermutlich die größte Stärke des Plug-ins und lassen sich für viele verschiedene Effekte nutzen. Das Plug-in ist ebenso für Linux erhältlich und die ständigen Erweiterungen machen es stetig interessanter.

Strange Loops Audio gRainbow

gRainbow ist ein weiterer Open-Source-Granular-Synthesizer mit einer etwas verspielten, aber klaren Bedienoberfläche. Zunächst muss ein Sample geladen und analysiert werden. Die Samples benötigen eine gewisse Länge und dürfen nicht zu kurz sein. Bei der Analyse erfolgt statt einer zeitlichen Aufteilung eine Tonhöhenerkennung und das Sample wird dementsprechend in Grains zerlegt. So sollen tonal stabile Klänge entstehen.

In der Praxis ist es wichtig, geeignete Samples zu nutzen, nicht nur was die Länge betrifft. Ist ein Sample zu atonal oder perkussiv, hat das Plug-in Schwierigkeiten, stabile Tonhöhen zu finden und setzt sich im Ergebnis somit auch nicht von anderen Granular-Synthesizern ab. Mit melodischem Ausgangsmaterial lassen sich hingegen sehr organische und harmonische Texturen erzeugen.

Michael Ourednik Argotlunar

Argotlunar ist ein vergleichsweise klassischer Granular-Synthesizer und eignet sich gut, um die grundlegenden Prinzipien der Granularsynthese zu verstehen und praktisch anzuwenden. Das Plug-in arbeitet mit geladenem Audiomaterial, das anschließend in kleine Grains zerlegt und neu zusammengesetzt wird. Die Bedienung wirkt zunächst etwas technisch, bietet aber eine sehr direkte Kontrolle über die wichtigsten Parameter der Granularverarbeitung.

Ein besonderes Merkmal ist die Möglichkeit, mehrere Parameter miteinander zu verknüpfen und so komplexe Modulationen innerhalb des Klangverlaufs zu erzeugen. Dadurch entsteht schnell Bewegung im Sound, ohne dass das Grundprinzip unübersichtlich wird.

Argotlunar eignet sich sowohl für klassische Sounddesign-Aufgaben als auch für experimentelle Texturen, bleibt dabei aber näher am traditionellen Verständnis eines Granular-Synthesizers als viele moderne oder hybride Ansätze.

Wichtige Anmerkung: Argotlunar kann je nach System Einschränkungen bei der Kompatibilität aufweisen.

Alex Harker HISSTools Granular

Granular von HISSTools ist ein vergleichsweise zugänglich gestaltetes Granular-Plug-in und gut geeignet für einen ersten Kontakt mit Granularsynthese. Man lädt ein Sample, definiert einen Bereich innerhalb des Materials und beginnt anschließend, über die Parameter die Granularstruktur zu formen.

Das Plug-in bietet zwei zentrale Betriebsmodi zur Verarbeitung des Audiomaterials: Stream und Clouds. Im Stream-Modus wird das Sample zeitlich kontinuierlich durchlaufen, ähnlich dem Prinzip einer Bandmaschine. Dadurch entsteht eine eher nachvollziehbare, gerichtete Bewegung durch das Material. Der Clouds-Modus hingegen verteilt die Grains statistisch über das Sample hinweg, wodurch deutlich dichtere, abstraktere und stärker texturierte Klangflächen entstehen.

Wichtig ist, dass HISSTools nicht primär als klassisches spielbares Instrument konzipiert ist. In vielen Workflows arbeitet es unabhängig von MIDI-Noten und erzeugt auch ohne externe Trigger kontinuierlich Klang. Der Fokus liegt weniger auf performativer Spielbarkeit, sondern auf der kontinuierlichen granularen Transformation eines geladenen Audiobuffers.

HISS steht übrigens für Huddersfield Immersive Sound System und bezeichnet ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt aus dem Umfeld der University of Huddersfield.

  • Formate: VST3, AU
  • Besonderheit: zwei Modi für unterschiedliche Ergebnisse, besonders geeignet für Drones
  • Website GitHub Alex Harker

Alternative zu Granular Plug-ins: VCV Rack

Eine sehr empfehlenswerte Alternative für granulare Signalbearbeitung ist auch VCV Rack. Hier gibt es so einige interessante Kandidaten, u. a. auch eine emulierte Version des Granular-Klassikers Clouds von Mutable Instruments.

VCV Rack, Teil der besten kostenlosen Granular Plug-ins

Eine zusätzliche Anmerkung möchte ich zuletzt noch loswerden. Während meiner Recherche zu den besten kostenlosen Granular Plug-ins für macOS und Windows bin ich auf viele kostenlose Optionen gestoßen, wobei allerdings einige davon nicht mehr lauffähig waren. GGrain, R_Mem und Smear waren drei davon.

Plug-ins von Websites, die mir nicht vertrauenswürdig erschienen, habe ich ausgelassen. Zudem hatte ich den Eindruck, dass es für Windows deutlich mehr Optionen gibt, wobei ich auch hier vermute, dass einige davon bereits veraltet sind.

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Über den Autor
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Jens Hecht RED

Irgendwo zwischen Electronica, Dub, Ambient und UK Bass. Freiberuflicher Produzent, Sound Designer und Dozent mit einer Vorliebe für Synthesizer und Eurorack.

Forum
  1. Profilbild
    CDRowell AHU

    Hallo Jens, danke d für Deinen Artikel, empfinde ich die VCV-Variante als wikliche Bereicherung beim Erstellen granularer Klangwolken.

    Durch Deine Anregungen zu den Alternativen bin ich durchaus mit den teilweise lustig wirkenden GUIs gespannt, ob ich bei einer App zusätzlich stecken bleibe…

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @CDRowell Ja und die hier gezeigten Module sind ja nur die, die ich installiert habe. Da gibt es sicherlich nochmal einiges mehr in VCV Rack :)

  2. Profilbild
    padbell

    Top Thema, voll auf die zwölf, Danke Jens!
    Auf meine Frage ob ich das Pedal Microcosm irgendwie mit Plugins nachahmen kann, gab Gemini mir dieses Video als Antwort: https://www.youtube.com/shorts/4ciU63kG8Nc

    Jetzt kommst du ebenfalls mit Emergence um die Ecke. Jetzt werde ich es ausprobieren…tausend Dank! 😀

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @padbell Ja Emergence ist ein tolles Tool und ich denke mit Supermassive und einem Filter ist man da schon nah dran :)

  3. Profilbild
    AntonAmazona

    Vielen Dank für den Test ! Da war ja noch die eine oder andere Perle dabei, die ich nicht kannte…..😉

    „….wobei allerdings einige davon nicht mehr lauffähig waren. GGrain, R_Mem und Smear waren drei davon…“

    Gerade getestet:

    R_Mem lässt sich über eine exe-Datei normal installieren und ist ein „normales“ VST
    GGrain und Smear sind nach dem Entpacken reine *.dll-Dateien (32bit?) und im Reaper(WIN 10) ohne Probleme lauffähig. Bei anderen DAWs muss man ggf.tricksen.

  4. Mehr anzeigen
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