Die wichtigsten Effekte für Gitarristen

8. Juli 2018

Brot und Butter für den Gitarrensound

Um für alle Stilrichtungen relativ gut abgedeckt zu sein, reicht es im Allgemeinen, lediglich fünf Pedale auf dem Effektboard zu haben. Natürlich kann auch ein Multieffekt diese Aufgabe übernehmen, der Trend zu einzelnen (oft analogen) Pedalen ist jedoch ungebrochen.

Gehen wir einmal davon aus, dass ihr einen flexiblen Sound anstrebt, ohne die vollständige Effektpalette auf einem riesigen und schweren Pedalboard mitzuführen zu wollen. Dann müssen bestimmte Entscheidungen getroffen und clever geplant werden. Was brauche ich also unbedingt zur Verwirklichung meines gewünschten Sounds?

Ich persönlich benötigte unter anderem auch ein sehr kleines Pedalboard für Locations, die lediglich mit kleinen Bühnen ausgestattet sind. Auch einige meiner persönlichen Lieblingseffekte sollten Platz haben. Die Maximalmaße des Pedalboards wurden in meinem Fall von dem von mir gewählten Pedaltrain Nano + definiert. Wenn man es noch kompakter haben möchte, könnte man ausschließlich sehr kleine Pedale zum Einsatz bringen und somit das Board bei gleicher Effektivität noch dezenter halten.

Hier ein Bild meines Minipedalboards: (von rechts nach links) Friedman BE-OD (Klon), Analogman Prince Of Tone (Klon), Harley Benton D-Seed Delay, Xotic EP-Boost (Klon), John Hollins Easyvibe und tc Polytune 2. Hier wurde wirklich jeder Millimeter genutzt, da dies meine Wunschkandidaten waren, die alle unbedingt untergebracht werden mussten. Die Stromversorgung erfolgt hier über ein XLR-Kabel (die Buchse befindet sich an der Vorderseite des Boards) und eine sogenannte „Daisychain“. Alle Pedale werden mit 9-Volt-DC betrieben. Das entsprechende Netzteil liegt hinter meinem Amp, so habe ich keine dünnen Kabel auf der Bühne oder Steckdosen mit mehreren Netzteilen, wo dann schön Bier reinläuft, wenn das Publikum einen gewissen Alkoholpegel hat, was mich das Leben oder ein aufwendiges Säubern kosten könnte.

— Mini-Pedalboard, zwei Verzerrer, Delay, Booster, Vibrato —

Die wichtigsten Effekte (Effektkategorien) werden nun in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit aufgeführt, wobei ihr persönlich natürlich ganz andere Präferenzen haben könntet und die Liste folgerichtig in einer anderen Reihenfolge zusammenstellen würdet. Dieser Beitrag soll zumindest die wichtigsten Aspekte der Effekte berücksichtigen. Es geht los:

Die wichtigsten Effekte für Gitarristen – der Verzerrer

Unentbehrlich ist natürlich der Verzerrer. Dieser kann ein Pedal für gemäßigte Verzerrung sein (z.B. Tubescreamer o.ä.) oder auch ein Pedal, das heftigste Verzerrungen generiert wie beispielsweise ein High-Gain-Verzerrer oder auch ein Fuzzpedal. Ich persönlich habe zwei verschiedene Verzerrer auf dem Board, da ich von Clean bis High-Gain, jede erdenkbare Nuance für meinen Job jederzeit verfügbar haben muss.

Ein Tubescreamer (oder vergleichbares Pedal) eignet sich nicht für alle Gelegenheiten, da er einen sehr mittigen Ton generiert. Vor einem angezerrtem Amp leistet er jedoch ausgesprochen gute Dienste, um den Amp beispielsweise weiter in die Sättigung zu treiben, da er in den tiefen Frequenzen deutlich beschnitten ist und somit keinen Klangmatsch erzeugt.

— Nach wie vor beliebt, Ibanez TS-9 Tubescreamer —

Das Angebot an Verzerrern ist gigantisch. Um das für die persönlichen Bedürfnisse passende Pedal herauszufiltern, sind eventuell einige Recherchen und viel Ausprobieren erforderlich. Verzerrer arbeiten mit Hilfe von integrierten Schaltkreisen oder auch FET-Transistoren. Fuzz-Pedale verwenden gerne auch einmal Transistoren älteren Typs (aus den 60er Jahren). Bei genauer Ansicht moderner Fuzz-Pedale bemerkt man, dass diese mittlerweile oft auch ICs einsetzen, aber dennoch „vintage“ klingen können. Es existieren natürlich auch Schaltungen auf Röhrenbasis. Diese erreichen oft den schönsten Klangcharakter, da die Röhre im Allgemeinen den natürlichsten und schönsten Klang bei höchstmöglicher Dynamik erzeugt. Röhrenverzerrer sind aufgrund des höheren technischen Aufwandes auch am kostenintensivsten.

Der Verzerrer ist meist das wichtigste Pedal auf deinem Board, weil er quasi deine persönliche Auffassung von „Ton“ und Klangcharakter repräsentiert. Viele Gitarristen überlassen die Verzerrung auch ihrem Verstärker, da sie davon überzeugt sind, dass ein Verzerrerpedal nicht an die Qualität einer vom Verstärker generierten Verzerrung heranreicht. Das stimmt auch mit meinen Erfahrungen überein.

Die wichtigsten Effekte für Gitarristen – das Delay

Unbedingt erforderlich ist auch ein Delay, um dem Klang insbesondere beim Solo mehr Fülle und Charakter zu geben. Für die Musik der 50-60er Jahre ist eine Slapback-Einstellung (ca. 130 ms Verzögerung und relativ lautes Effektsignal mit 1-2 Wiederholungen) passend. Für eine Ballade oder Rhythmusfigur ist es wünschenswert, die Verzögerungszeit zu „tappen“, so ist man stets „in time“ mit der Musik. In meinen Anfangszeiten (80er Jahre), war man froh, überhaupt ein Delay zu besitzen. Dieses hatte dann meist nur jeweils eine Verzögerungszeit. Bei mir haben sich Verzögerungszeiten zwischen 360 und 460 ms für die meisten Situationen gut bewährt. Heute ist der Markt glücklicherweise mit guten und bezahlbaren Produkten im Überfluss ausgestattet.

— Klein und effektiv, zwei speicherbare Presets und Tap-Funktion —

Auch das Delay kann ein Werkzeug zu deinem persönlichen Signatursound sein. Viele berühmte Gitarristen (The Edge von U2, David Gilmour etc.) haben dies bewiesen.

Modulationseffekt

Reicht der Platz auf dem Pedalboard nur für ein Modulationspedal, hat man die Qual zwischen Chorus, Phaser, Flanger, Tremolo oder Vibrato. Ich persönlich bevorzuge einrn Vibrato- oder auch gelegentlich einen Tremoloeffekt, da ich mich am Chorus sattgehört habe. Das muss der persönliche Geschmack entscheiden.

— Update des guten alten CE-2 —

Auch hier ist die Auswahl aufgrund des großen Angebots nicht leicht. Wenn du auf 70er Jahre Musik stehst, wird auch vielleicht ein Phaser auch deine erste Wahl sein. Willst du einen Eddie Van Halen Sound imitieren, brauchst du, abgesehen von einem entsprechenden Zerrer, mindestens ein Delay, einen Phaser und einen Flanger. Für Sounds à la Steve Lukather oder auch Mike Landau benötigst du (nein, nicht unbedingt einen Kühlschrank voller Rack-Effekte) mindestens einen fetten Zerrer, einen Chorus und ein bis zwei Delays …

Forum

Es sind momentan noch keine Kommentare für diesen Artikel vorhanden.

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.